Feldforschung. Über die Entstehung, die Nutzung und die räumliche Transformation des Tempelhofer Feldes im städtischen Wandel Berlins


Masterarbeit, 2015
48 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

Teil I

2. Raum
2.1 Raumbegriff und Raumverständnis
2.2 Raumtheorie nach Henri Lefebvre

3. Stadt
3.1 Stadtbegriff und Stadtverständnis
3.2 Akteure
3.3 öffentlicher Stadtraum
3.4 Städtische Dichte und Weite

4. Transformation
4.1 Transformationsbegriff und Transformationsprozess
4.2 Akteure
4.3 Bedeutung und Wirkung

Teil II

5. Das Feld

5.1 Tempelhofer Feld als „Forschungsgegenstand“
5.2 Entwicklung und Transformation
5.3 Bedeutung und Wirkung
5.4 Ausblick auf Praxisteil

6. Schlussbetrachtung

Anhang

Literaturverzeichnis

Quellenverzeichnis

Abbildungen

1. Einleitung

„ 739.124 “ [1] Berliner haben vor etwa einem Jahr über den Erhalt einer leeren Fläche abgestimmt.

Schon zu Beginn des letzten Jahrhunderts war über diesen Boden so heftig spekuliert worden, dass Teile davon für 72 Millionen Goldmark verkauft wurden, das damals größte Grundstücksgeschäft der Welt.[2]

Worum geht es also bei diesem Gebiet, liegen darunter Ressourcen- Gold, Erdöl ? Nein, hier geht es um einen Bodenschatz im übertragenen Sinne.

Dabei ist es zunächst leichter über diese 385 ha zu sagen was sie waren, nämlich ein Verkehrsflughafen mit Rollfeld, als was sie heute sind.

Es ist ein Nichts, eine Leere inmitten Berlins.

Die Motivation dieser Arbeit besteht darin, aufzuzeigen, was dieser Nicht-Raum sein kann und auch sein muss.

Weltweit bekannt geworden ist er seit Schließung des oben gennannten Flughafens als Tempelhofer Feld.

Welchen Symbolcharakter kann dieses Tempelhofer Feld haben, das als Wahrzeichen auf keiner Postkarte zu finden ist und in Berliner Reiseführern, wenn überhaupt, erst weit hinter den Sehenswürdigkeiten Berliner Mauer, Brandenburger Tor, Weltzeituhr und Potsdamer Platz erwähnt wird?

Welche Anziehungskraft kann ein ehemaliges Flughafengelände ausüben, wenn von dort kein Flieger mehr zu Urlaubszielen abhebt?

Welchen Mehrwert soll ein riesiges innerstädtisches Feld generieren, wenn es nicht einmal landwirtschaftlich zur regionalen Versorgung genutzt wird?

Was also macht den Reiz einer anscheinend öd wirkenden Freifläche aus, dessen Zugang und Nutzung zudem stark reglementiert ist?

Das unbebaute und damit unbestimmte Tempelhofer Feld wurde von Kritikern als unlogisch, als Fehler im städtischen Entwicklungsplan, als Leerstelle bezeichnet.

[ … ] Dort [könnten] jetzt widerstandslos errichtete Hochhäuser stehen. “ [3] , heißt es beispielsweise seitens Malte Lehming.

Der Fehler bestünde darin, zu lange gewartet, die innige Vertrautmachung mit der neuen Fläche zugelassen zu haben.[4]

Damit ist die Öffnung dieser ehemaligen Verkehrsfläche gemeint, die 2010 als öffentlicher Ort für die Berliner (beschränkt) zugänglich gemacht wurde.

Warum ich diese regelmäßige Nutzung des Tempelhofer Feldes, seine Aneignung und Eingemeindung in den Alltag nicht als Fehler interpretiere, sondern darin die Chance einer Veränderung zu einer dynamischen, sozialen Raum- und Stadtentwicklung erkenne, soll nach dem eindeutigen Volksentscheid des vergangenen Jahres auch durch diese Masterarbeit verteidigt werden.

Die Abstimmung kann zu Recht als Novum in der Berliner Stadtentwicklung gelten. Der Entwicklungsprozess dahin ist aber auch als komplexes Zusammenspiel im Kontext eines veränderten, postmodernen Raum- und Stadtverständnisses zu erläutern. Dabei sind zunächst spezifische Raum- und Stadtbegriffe zu finden, die die Transformation des Tempelhofer Feldes hin zu einem sozialen, öffentlichen Ort verständlich machen, sowie die Besonderheit des Raumes Tempelhofer Feldes anschließend kennzeichnen.

In Teil I führe ich die Kategorien Raum, Stadt und Transformation ein, die für städtebauliche Betrachtungen zentral und tradiert sind. In Teil II wende ich jene Hauptkategorien auf das Tempelhofer Feld an und arbeite das Spezifische dieses Ortes konkret heraus.

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit verwende ich die maskuline Schreibform.

Ich schließe darin jedoch alle Geschlechter ein und möchte damit niemanden diskriminieren.

Teil I

2. Raum

2.1 Raumbegriff und Raumverständnis

„ Always spatialise! “ [5] fordert Ende der 1980er Jahre der US-amerikanische Kulturwissenschaftler Frederic Jameson.

Dieser Appell ist am ehesten zu verstehen, wenn man das „ raumgeprägte Selbstverständnis der Postmoderne “ [6] im Folgenden genauer betrachtet.

Man kann verschiedene Perspektiven einnehmen um einen bzw. den Raum zu begreifen, zu betrachten und wahrzunehmen.

Vier Wände.- gehört dabei sicher zu einer der naheliegendsten Vorstellungen von Raum. Gleichzeitig existieren aber weit mehr Räume, durch die wir uns alltäglich bewegen. Im realen Kontext zählen Wohnraum, Arbeitsraum, Stadtraum etc. dazu. Diesen Räumen, die maßgeblich durch ihre Funktion bestimmt sind, stehen sogenannte Sinnesräume bzw. atmosphärische Räume, wie beispielsweise der Klangraum, gegenüber. Hinzu kommt, etwa seit den 1980er Jahren, mit der Verbreitung des Internets und den neuen computergestützten Technologien, eine Verlagerung von Beschäftigungen, Wissen und sozialen Kontakten in den virtuellen Raum.

Ein Raum muss also nicht zwangsläufig sichtbar sein um wahrgenommen bzw. erlebt zu werden. Was ist also diesen Räume immanent um als solche bezeichnet zu werden? Ausgehend von diesen Überlegungen, zu der veränderten Wahrnehmung von Räumen stellt sich für Teil II dieser Arbeit die Frage, um welche Art Raum es sich beim Tempelhofe Feld handelt.

Raumbegriffe finden sich sowohl in der Ästhetik, in sozialwissenschaftlichen bzw. politischen Theorien zu Raum und Fläche (beispielsweise bei dem Stadtsoziologen Andrej Holm), in der Philosophie sowie in der Architektur und in deren angrenzenden Disziplinen u.a.

Innerhalb der verschiedenen Raumkonzeptionen kann man zunächst vereinheitlichend feststellen, dass mit dem Raumbegriff eine Organisationsform gemeint ist, die ein Nebeneinander beschreibt,[7] „ Räume bezeichnen somit eine Relation zwischen gleichzeitigen Platzierungen. “ [8]

Dabei müssen diese Platzierungen immer gemehrt auftreten, um als Raum wahrgenommen zu werden.[9] Raum entsteht nicht durch ein singuläres Objekt sondern erst zwischen den Objekten bzw. zwischen Platziertem.

Saskia Hebert nimmt in ihrer 2012 vorgelegten Dissertation Gebaute Welt l Gelebter Raum. Vom möglichen Nutzen einer phänomenologischen Raumtheorie für die städtebauliche Praxis zwei sehr spezifische Perspektiven auf den Raum ein. Auch sie findet zunächst keine allgemein gültige Definition des „Raums“ und beschreibt eine Einordnung aufgrund des spatial turns [10] als „ immer komplizierter “ [11].

Aus der architektonischen Praxis kommend, wählt sie die Begriffe der „ gebauten Welt “ für die, meist durch Architekten und Stadtplaner gestaltete, „ baulich-räumliche Umgebung “ und den „ gelebten Raum “ . Damit bezeichnet sie, was die subjektiven Erfahrungen und Beziehungen jedes Einzelnen in seinem Raum sind.

Durch die Gegenüberstellung der beiden Wahrnehmungsformen ‚gebaut‘ und ‚gelebt‘ des umgebenden (städtischen) Raumes können somit sehr heterogene Bilder desselben Ortes entstehen.

Auch die Literatur- und Kulturwissenschaftlerin Doris Bachmann-Medick stellt fest, dass der Raumbegriff hierzulande stark phänomenologisch geprägt sei[12].

Aktuell wird Raum daher nicht mehr als „ physisch-territorial “ [13] umschrieben, sondern vor allem aus raumsoziologischer Sicht mit relationalen Konzepten erklärt.

Es wird also untersucht, in welche Beziehung der jeweilige Raum gesetzt wird. Der Frage folgend, wie Raum hergestellt wird, nämlich in „ Wahrnehmungs-, Erinnerungs- oder Vorstellungsprozessen “ [14], zeigt sich erst die Relevanz und die gesellschaftliche Struktur des Raums.

Durch den Wegfall des Denkens, in absoluten oder abgeschlossenen Räumen (in „vier Wänden“), wissenschaftlich als statischer „ Raumbehälter “ bzw. „ Raumcontainer “ [15] bezeichnet, ist die Vorstellung verschiedenster Räume erst möglich geworden.

Zusammenfassend kann man also sagen: Raum konstituiert sich als bauliche und soziale Konstruktion.

Bachmann-Medick schreibt dazu:

„ Raum meint soziale Produktion von Raum als einem vielschichtigen und oft widersprüchlichen gesellschaftlichen Prozess, eine spezifische Verortung kultureller Praktiken, eine Dynamik sozialer Beziehungen, die auf die Veränderbarkeit von Raum hindeuten. “ [16]

Dieses Raumverständnis existiert neben einer Vielzahl anderer, oft auch diffuser Raumbegriffe, soll aber hier als Ausgangspunkt dienen, den theoretischen Zugang zu meinem praxisorientierten Masterprojekt im öffentlichen Raum der Stadt Berlin als auch auf dem Tempelhofer Feld zu ermöglichen.

Trotz der verschiedenen Ausdifferenzierungen und disziplinübergreifenden Perspektiven auf den Raum stellen sowohl Bachmann-Medick als auch Löw, Steets und Stoetzer fest, dass sich der marxistisch geprägte Raumbegriff von Henri Lefebvre als transkultureller und zentraler Ansatz herauskristallisiert hat.

Daher fokussiere ich in meinen folgenden Ausführungen auf diese expliziten, strukturalistischen, raumtheoretischen Überlegungen.

2.2 Raumtheorie nach Henri Lefebvre

„(Social) space is a (social) product.“ [17]

1974 erscheint Production de l ’ espace (The production of space, engl. Ausgabe) mit der Henri Lefebvre eine umfassende Analyse der Problematik des Raumes vorlegt, die das Urbane und Alltägliche einschließt.[18]

So stößt er bereits Mitte der 1970er Jahre den Diskurs über den bereits erwähnten relationalen Raumbegriff an und bindet ihn gleichzeitig in die Kapitalismuskritik ein.[19] Dabei begreift Lefebvre Raum, nicht allein als Rohstofflieferant, sondern als Produkt einer sozialen Praxis.[20]

Henri Lefebvre gilt als Vorreiter der heutigen Raumsoziologie. Der um die Jahrhundertwende geborene französische Philosoph hat ein umfassendes, generationenprägendes Werk zu Raum- und Stadttheorien hinterlassen. Critique de la vie quotidienne (1947 EA, 1974), Le droit a la ville (1968), La R é volution urbaine (1970), um nur Einige zu nennen, bilden bis heute die Grundlage des Diskurses der Recht-auf-Stadt-Bewegungen u.a..

Ein Schwerpunkt seines theoretischen Raumkonzepts stellt der Alltag bzw. das alltägliche Leben dar. Alltäglichkeit definiert er als normierte Lebensweise der Individualisierung und Partikularisierung.[21] Gekennzeichnet ist das Alltagsleben zum Einen durch den Reichtum des Trivialen, zum Anderen durch die Entfremdung.[22]

Auf Grundlage dieser Theorie bildet sich seine Raum-triade der Reflexion über den Raum. Die dreiteilige Produktion des Raums setzt sich zusammen aus perceived space, conceived space und lived spaces, was im Folgenden näher erläutert werden soll.

Zur Erörterung der verschiedenen Ebenen der Raumproduktion nach Lefevbre dient diese Visualisierung:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Production of Space, Henri Lefebvre

Zu erkennen ist die Dreiteilung der Raumproduktion in räumliche Praxis, Repräsentation von Raum und Räume der Repräsentation, die sich wechselseitig beeinflussen, einschränken, sowie überlappen können und somit den Raum entstehen lassen.

Unter räumlicher Praxis versteht Lefebvre den „ wahrnehmbaren Aspekt “ [23] von Raum und alltägliche Verhaltensweisen, die den Raum herstellen. Diese Dimension von Raum ist durchdrungen vom konzeptualisierten Raum oder der Repräsentation von Raum, der von Urbanisten oder beispielsweise Wissenschaftlern geplant und umgesetzt wird. Bei den Räumen der Repräsentation, handelt es sich um solche, die etwas bezeichnen oder auf etwas verweisen. Sie sind auch Räume des Ausdrucks, des Symbolischen, die die anderen Ebenen um einen gedachten oder gelebten Raum ergänzen und diese auch hinterfragen können.

Schmid fasst zusammen, dass es sich bei diesem, auch widersprüchlichen, räumlichen Produktionsprozess erstens um materielle Produktion, zweitens um Produktion von Wissen und drittens um das Produzieren von Bedeutungen handele.[24]

In seiner kritischen Analyse des Raumes benennt Lefebvre ferner, neben der Produktion des Raums, die damit einhergehende Kontrolle des Raums als Mittel der Machtausübung des Kapitalismus.[25]

Diese Ansätze können als wegweisend gelten und werden u.a. von einem der einflussreichsten Geografen und Sozialtheoretiker, David Harvey, bis heute aufgegriffen. Harvey sieht in der Beeinflussung der Raumproduktion eine Möglichkeit zur Machtausweitung bestätigt.[26] Dies steht der unter 2.1 beschriebenen subjektiven Raumbildung in gravierender Weise gegenüber. Raumkontrolle ergibt sich demnach aus der durch kapitalistische Wirtschaft erzeugten Homogenität und der Fragmentierung des Raums in vermarktbare Teile. „ Raum wird zur Ware “ [27], d.h., er wird objektiv von außen über seinen Tauschwert betrachtet.

Welche Auswirkungen diese Reflexionen auf den (urbanen) Raum und auf deren Akteure haben, wird innerhalb der Stadtentwicklungsprozesse auch heute noch, vierzig Jahre später, deutlich.

Die neoliberale Neuordnung des Städtischen, die Globalisierung und die (virtuelle) Vernetzung haben einerseits zu räumlichen Entgrenzungstendenzen geführt, andererseits scheint sowohl die öffentliche als auch wissenschaftliche Aufmerksamkeit für Raumphänomene bzw. der „Verräumlichung“ (vgl. auch spatial turn) zuzunehmen.

Entscheidend für meine Ausführungen ist das dynamische Raumverständnis [28] , das ich aus Henri Lefebvres Überlegungen ableite. Ein Raum, der ständig produziert und reproduziert wird. Dabei steht das nicht-fragmentierte Tempelhofer Feld im Fokus.

3. Stadt

3.1 Stadtbegriff und Stadtverständnis

Innerhalb der Raumsoziologie gilt es als erklärtes Ziel, Raumtheorien auch für die Analyse spezifischer städtischer Räume anzuwenden.

Stadt und Raum sind ineinander verzahnt und können folglich auf den drei soziologisch relevanten Ebenen Identifikation, räumliche Anordnung und raumbezogene Unterscheidungen [29] betrachtet werden.

Die Identifikation mit der Stadt erfolgt durch ihre Bewohner. Die Stadt nutzt ihren Attraktionswert für Unternehmen, Tourismus und um sich allgemein von anderen Städten abzugrenzen.

Wie bereits im vorangegangen Kapitel kurz dargestellt, ist eine Grundlage von Gesellschaft die Herrschaft bzw. die Kontrolle über Raum, d.h. die gesellschaftlichen Strukturen bilden sich in räumlichen Anordnungen heraus.

Auf der dritten Ebene strukturieren die raumbezogenen Unterscheidungen die Wahrnehmungen, Handlungen u.a. der Bürger durch Orientierungsmuster wie z.B. „hier und dort“, „nah und fern“, „global oder lokal“ u.a..

Stadt zu definieren ist ebenso schwierig wie widersprüchlich.[30]

Zu dieser These kommt auch Frank Eckhardt in Soziologie der Stadt.

Eine Möglichkeit kann, meines Erachtens, darin bestehen, Fragen zu stellen, die schließlich zu einer Annäherung an den Stadtbegriff, den Stadtraum oder an ein Stadtbild führen können.

Ab wann beispielsweise, spricht man von einer Stadt? Ist diese räumlich markiert? Welche städtischen Merkmale machen Berlin aus? Gibt es sprachliche Kennzeichen einer Stadt? Gibt es bestimmte Attribute, die einer Stadt eindeutig zugeordnet werden können?

Mit Blick auf Berlin drängt sich zudem die Frage nach einer Stadtentwicklung auf, die den Entwicklungsprozess des Tempelhofer Feldes möglich und begreiflich macht.

Historisch[31] ist oft nicht eindeutig zu belegen, wann aus einer Siedlung eine Stadt wird. Leonardo Benevolo, italienischer Architekturhistoriker, hält zwei Merkmale für maßgeblich: die Ansiedlung muss umfangreich gestaltet sein und gleichzeitig ein baulich-symbolisches Machtzentrum aufweisen. Ferner muss eine Arbeitsteilung (Landwirtschaft und Handwerk sind getrennt voneinander) vorliegen.[32]

So kommt es zu einer Ausdifferenzierung von Gesellschaft in unterschiedliche sozial konstituierte Gruppen, die sich auch räumlich ausmachen lässt.[33]

Der Hamburger Künstler und Stadtrechtler Christoph Schäfer findet dafür in seinem Bild-Wort-Band Die Stadt ist unsere Fabrik eine vereinfachende Formel:

„ Stadt = verdichtete Unterschiedlichkeit. “ [34]

Die Begriffe Dichte und Differenzierung bzw. Unterschiedlichkeit sind also zwei wesentliche Merkmale um dem Stadtbegriff näher zu kommen. Ich werde insbesondere auf die Dichte im Kontext Berlins später noch einmal gesondert eingehen.

Eine weitere städteräumliche Aufteilung, die, meiner Ansicht nach bis heute, einen der wichtigsten Bezugspunkte in der Stadt- und Raumplanung darstellt, vollzieht sich in der Antike.

Es entsteht dort die Griechische Polis, die sich bereits in die Funktionen, privat (oikos), heilig und öffentlich (agora)[35] ausdifferenziert.

Öffentlicher Raum ist ein Attribut von Stadt, das innerhalb der Stadtentwicklungsprozesse immer wieder diskutiert wird und auch bezüglich des Tempelhofer Feldes eine entscheidende Rolle spielt, worauf ich in 3.3 noch genauer eingehen werde.

Neben weiteren, städtischen Entwicklungsschritten vollzieht sich mit der industriellen Revolution, die etwa ab Mitte des 18. Jahrhunderts von Großbritannien ausgeht, (durch explosionsartiges Bevölkerungswachstum, Gründungen von Fabriken und Städten) der bis heute entscheidende Prozess der Verstädterung und sogenannten Urbanisierung.

Beide Begriffe beziehen sich zwar aufeinander, unterscheiden sich aber dahingehend, dass Verstädterung zunächst die bereits erwähnte (Massen-)Zuwanderung in die Stadt beschreibt (quantitativ), während Urbanisierung auf die gesamtgesellschaftliche Lebensweise, wie sie sich in den Städten vollzieht, hinweist (eher qualitativ).[36]

[...]


[1] Amt für Statistik Berlin-Brandenburg Die Landeswahlleiterin: https://www.wahlen-berlin.de/Abstimmungen/ve2014_tfeld/presse/20140605VE.pdf (aufgerufen zuletzt am 24.5.2015).

[2] Vgl. Schmitz, Frank: Flughafen Tempelhof. Berlins Tor zur Welt. Berlin-Brandenburg 1997, S. 25.

[3] Lehming, Malte: Der neue Zeitgeist: Bloß nichts ändern, veröffentlicht am 03.06.2014. In: Der Tagesspiegel, http://www.tagesspiegel.de/meinung/debatte-um-tempelhofer-feld-der-neue-zeitgeist-bloss-nichts-aendern/9981662.html (aufgerufen zuletzt am 24.05.2015).

[4] Vgl. ebd.

[5] Bachmann-Medick, Doris: Cultural Turns. Neuorientierungen in den Kulturwissenschaften. Hamburg 2006, S. 284.

[6] Ebd.

[7] Löw, Martina u.a. : Einführung in die Stadt- und Raumsoziologie. Stuttgart 2008, S. 51.

[8] Ebd.

[9] Vgl. ebd.

[10] spatial turn: innerhalb der gegenwärtigen Kulturwissenschaften sind verschiedenen Wenden zu verzeichnen (etwa der linguistic turn, der iconic turn u.a.). Dabei kann angenommen werden, dass der Raum zur zentralen Wahrnehmungseinheit und zu einem theoretischen Konzept geworden ist. Zentral ist, dass Raum als soziale Konstruktion begriffen wird.

[11] Hebert, Saskia: Gebaute Welt Gelebter Raum. Vom möglichen Nutzen einer phänomenologischen Raumtheorie für die städtebauliche Praxis. Berlin 2012, S. 9.

[12] Vgl. ebd., S. 291.

[13] Bachmann-Medick: Cultural turns (2006), S. 292.

[14] Ebd.

[15] Ebd.

[16] Ebd., S. 289.

[17] Löw u.a. : Einführung (2008), S. 52.

[18] Vgl. Schmid, Christian: Henri Lefebvre und das Recht auf Stadt. In: Holm, Andrej/Gebhardt, Dirk (Hg.): Initiativen für ein Recht auf Stadt. Theorie und Praxis städtischer Aneignungen. Hamburg 2011, S. 35ff.

[19] Vgl. ebd.

[20] Vgl. Dünne,Jörg/Günzel, Stephan (Hg.): Raumtheorien. Grundlagentexte aus Philosophie und Kulturwissenschaften. Frankfurt/M. 2012, S. 297.

[21] Vgl. ebd.

[22] Vgl. ebd.

[23] Schmid, Christian: Lefebvre (2011), S. 35.

[24] Vgl. ebd., S. 39.

[25] Vgl. Dünne u.a.: Raumtheorien (2012), S 298f.

[26] Vgl. Löw u.a: Einführung (2008), S. 56.

[27] Ebd.

[28] Vgl. Schmid, Christian: Lefebvre (2011), S. 39.

[29] Vgl. Löw u.a: Einführung (2008), S. 9.

[30] Vgl. Eckhardt, Frank: Soziologie der Stadt. Bielefeld 2004, S. 5.

[31] Eine ausführliche Abhandlung über die historische Entwicklung der Stadt ist u.a. nachzulesen bei Benevolo, Leonardo: Die Geschichte der Stadt. Frankfurt/M. 2000.

[32] Vgl. Benevolo, Leonardo: Die Geschichte der Stadt. Frankfurt/M. 2000, zitiert nach: Löw u.a.: Einführung (2008), S. 14.

[33] Vgl. ebd.

[34] Vgl. Schäfer, Christoph: Die Stadt ist unsere Fabrik. Leipzig 2010, S. 13.

[35] Vgl. ebd., S. 16.

[36] Vgl. ebd., S. 24.

Ende der Leseprobe aus 48 Seiten

Details

Titel
Feldforschung. Über die Entstehung, die Nutzung und die räumliche Transformation des Tempelhofer Feldes im städtischen Wandel Berlins
Hochschule
Universität der Künste Berlin  (Institut für transmediale Gestaltung)
Veranstaltung
Visuelle Kommunikation Entwerfen raumbezogener Systeme/Ausstellungsgestaltung
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
48
Katalognummer
V309155
ISBN (eBook)
9783668075542
ISBN (Buch)
9783668075559
Dateigröße
679 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Stadt, Stadtentwicklung, Tempelhofer Feld, Stadtsoziologie, Berlin
Arbeit zitieren
Master of Arts Sarah Kästner (Autor), 2015, Feldforschung. Über die Entstehung, die Nutzung und die räumliche Transformation des Tempelhofer Feldes im städtischen Wandel Berlins, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/309155

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