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Selbstverlust in der Verzweiflung? Überlegungen zu Sören Kierkegaard

Title: Selbstverlust in der Verzweiflung? Überlegungen zu Sören Kierkegaard

Bachelor Thesis , 2014 , 62 Pages , Grade: 1.3

Autor:in: Steven Stockhausen (Author)

Philosophy - Philosophy of the 19th Century
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Meine Bachelorarbeit ist das Ergebnis jahrelangen Suchens und ausgiebiger Lektüre sämtlicher großen Werke von Sören Kierkegaard. Die Hauptthematik ist das ewige Selbst, welches in der aktuellen Forschungsliteratur meines Erachtens wenig diskutiert und noch weniger verstanden wird.

Sören Aabye Kierkegaard war ein religiöser Schriftsteller im 19. Jahrhundert in Kopenhagen. Das primäre Anliegen seines Denkens war die „ewige Seligkeit“ und damit die Unsterblichkeit des Menschen. Er stellt sich die Frage, wie ein existierender Mensch sich solchermaßen zu sich selbst als Werdender innerhalb des existenzdialektischen Widerspruchs von Unendlichkeit und Endlichkeit, verhalten kann, dass er dadurch mit seiner Unsterblichkeit so verbunden ist, dass seine Entwicklung innerhalb dieses Werdens unsterblich sein kann. Die Frage ist also danach gestellt, wie der Existierende das Ewige in seiner Existenz so ausdrücken kann, damit er sich dadurch zu Gottes Unendlichmachung verhält. Alle diesbezüglichen Termini werden im Verlaufe dieser Arbeit dargestellt.

Die Schwierigkeit der Darstellung des Gedankengebäudes von Sören Kierkegaard ist unter anderem, dass die Erklärung des Selbst zu immer weiteren Termini führen muss, aus dem es zusammengesetzt ist. Darum möchte ich die Herleitung der Interpretation des ewigen Selbst in mehreren Kapiteln vollziehen. Diese Arbeit soll eine Rekonstruktion der wesentlichen Gedanken von Kierkegaard sein. Dies bedeutet, dass der logische Argumentationszusammenhang nur innerhalb der Voraussetzungen von Kierkegaard hergestellt werden kann. Es ist nicht Ziel der Arbeit, eine immanente Kritik zu entwickeln.

Kierkegaards anthropologische Grundvoraussetzung ist, bestimmt zu haben, was Geist ist und das der Mensch Geist ist.
Dass dieser als das Selbst des Menschen ein Verhältnis zu einer Synthese von Unendlichkeit und Endlichkeit ist, das sich zu sich selbst verhält, und indem es sich zu sich selbst verhält, sich zu der Macht verhält, die es gesetzt hat. Begriffe wie „Freiheit“ oder „Ewigkeit“ sind also von Kierkegaard als Existenzerfahrungen beschrieben. „Es ist wohl wahr, daß der Begriff Seele der objektiven Wissenschaft keinen Sinn liefert, aber für die Erfahrung bedeutet er eine Realität […]“ Mein primäres Anliegen einer Rekonstruktion beruht darauf, dass in der aktuellen Forschungsliteratur der Begriff der Ewigkeit des Menschen bei Kierkegaard, meines Wissens nach nicht hinreichend ausdifferenziert wurde.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Struktur des Selbst

3. Die unendliche Resignation

4. Das ewige Bewusstsein

5. Der absolute Anfang als Sprung

6. Der Glaube

7. Die Reue und das Allgemeinmenschliche in der Wahl

8. Die Entwicklung des ewigen Selbst

9. Selbstverlust in der Verzweiflung?

9.1 Selbstverlust innerhalb der unbewussten Form der Verzweiflung: „Daß der menschliche Geist sich in der Verzweiflung nicht bewusst ist, ein Selbst zu haben [uneigentliche Verzweiflung]

9.2 Selbstverlust innerhalb der bewussten Form der Verzweiflung: Verzweifelt nicht man selbst sein wollen

9.3 Selbstverlust innerhalb der bewussten Form der Verzweiflung: Verzweifelt man selbst sein wollen

10. Die Potenzierung der Verzweiflung und des Selbstverlusts

11. Schluss

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit rekonstruiert das philosophische Gedankengebäude Sören Kierkegaards, um den Zusammenhang zwischen dem Konzept des Selbst, der Verzweiflung und dem potenziellen Verlust der Ewigkeit im menschlichen Dasein zu beleuchten und kritisch zu hinterfragen.

  • Die Struktur des Selbst als synthetisches Verhältnis zwischen Endlichkeit und Unendlichkeit.
  • Die Rolle der unendlichen Resignation und des ewigen Bewusstseins im Prozess der Selbstwerdung.
  • Der absolute Anfang und die Bedeutung der freien Wahl sowie des Glaubens für die menschliche Existenz.
  • Die Dialektik der Verzweiflung und ihre verschiedenen Formen als Ausdruck von Selbstverlust.
  • Die Potenzierung der Verzweiflung und die Frage nach der Sündenvergebung als Weg zur Wiederherstellung des Selbst.

Auszug aus dem Buch

Die unendliche Resignation

„Abstraktion“ (lat. abs-trahere ‚abziehen‘, ‚entfernen‘, ‚trennen‘) bezeichnet in der Philosophie „ein gedankliches Verfahren, durch das von bestimmten gegebenen, jedoch als unwesentlich erachteten Merkmalen eines Gegenstandes abgesehen wird. Auf diese Weise soll sich das Augenmerk auf das Wesentliche konzentrieren[…]“ (Metzler Lexikon: Philosophie. Begriffe und Definitionen). Bezogen auf das ideale Selbst-Bild bedeutet dies: Das „bestimmte Gegebene“ ist der „ganze Lebensinhalt“ und die „Bedeutung der Wirklichkeit“ des Selbst.

Dann wird zum ersten der Ritter die Kraft haben, den ganzen Lebensinhalt und die Bedeutung der Wirklichkeit in einen einzigen Wunsch zu konzentrieren. Fehlt es einem Menschen an dieser Konzentration, dieser Geschlossenheit, ist seine Seele von Anfang an in Vielfalt zersplittert, […].

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in Kierkegaards zentrales Anliegen der „ewigen Seligkeit“ und die Frage, wie ein existierender Mensch im Widerspruch von Unendlichkeit und Endlichkeit unsterblich werden kann.

2. Die Struktur des Selbst: Definition des Selbst als Verhältnis zur Synthese aus Unendlichkeit und Endlichkeit, wobei Möglichkeit und Notwendigkeit zentrale Momente bilden.

3. Die unendliche Resignation: Erklärung des Abstraktionsprozesses, bei dem das Selbst von unwesentlichen Merkmalen und der Endlichkeit absieht, um sich auf den wesentlichen Wunsch zu konzentrieren.

4. Das ewige Bewusstsein: Untersuchung des „unverrückbaren Teils“ im Selbst, der die eigene ewige Gültigkeit reflektiert und die Grundlage für eine ethische Wahl bildet.

5. Der absolute Anfang als Sprung: Analyse des Übergangs zum Glauben und wie der Mensch trotz objektiver Ungewissheit durch einen Kraftakt sein Dasein ergreift.

6. Der Glaube: Betrachtung des Glaubens als Lösung für das Paradoxon der Immanenz, in dem das Ewige und Zeitliche zusammengeführt werden.

7. Die Reue und das Allgemeinmenschliche in der Wahl: Die Identität von Selbstwahl und Reue als ethische Voraussetzung, um unberechtigte Wirklichkeiten zu überwinden.

8. Die Entwicklung des ewigen Selbst: Darstellung des Selbst als stetigen Prozess der Geistesentwicklung durch das fortwährende Synthetisieren mittels Freiheit.

9. Selbstverlust in der Verzweiflung?: Untersuchung der Verzweiflung als Missverhältnis im Prozess der Selbstwerdung, aufgeteilt in bewusste und unbewusste Formen.

10. Die Potenzierung der Verzweiflung und des Selbstverlusts: Erörterung der Steigerung des Missverhältnisses und der Rolle des Trotzes im Prozess der Verzweiflung.

11. Schluss: Zusammenfassung der Rekonstruktion und Fazit zur Rolle der Verzweiflung als potenzieller, aber riskanter Zugang zum Ewigen.

Schlüsselwörter

Sören Kierkegaard, Selbst, Verzweiflung, Ewigkeit, Freiheit, Synthese, Unsterblichkeit, Resignation, Existenzdialektik, Glaube, Selbstverlust, Wahl, Bewusstsein, Endlichkeit, Unendlichkeit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der philosophischen Untersuchung des Selbstbegriffs bei Sören Kierkegaard, insbesondere der Frage, wie der Mensch im Spannungsfeld von Endlichkeit und Unendlichkeit ein „ewiges Selbst“ entwickeln kann.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Freiheit und Notwendigkeit, der Prozess der Resignation und Selbstwahl, die Bedeutung des Glaubens sowie die Analyse der Verzweiflung als ein Missverhältnis in der Selbstwerdung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist die Rekonstruktion von Kierkegaards Gedanken, um zu klären, inwiefern die Verzweiflung einerseits einen Selbstverlust darstellt und andererseits einen (riskanten) Zugang zur eigenen Ewigkeit ermöglichen kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit verwendet eine rekonstruktive philosophische Analyse. Sie baut auf den Voraussetzungen Kierkegaards auf und interpretiert zentrale Begriffe des Gedankengebäudes systematisch.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert schrittweise die Struktur des Selbst, die Prozesse der Resignation und Wahl, das Konzept des ewigen Bewusstseins sowie die verschiedenen Stufen und Formen der Verzweiflung bis hin zu deren Potenzierung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Selbst, Verzweiflung, Ewigkeit, Freiheit, Synthese und Existenzdialektik geprägt.

Inwiefern unterscheidet sich die "uneigentliche" von der "eigentlichen" Verzweiflung?

Die uneigentliche Verzweiflung ist ein unbewusstes Leiden unter äußeren Umständen, während die eigentliche Verzweiflung ein bewusster Akt des Selbst ist, bei dem das Individuum die Verantwortung für seine Situation erkennt und aktiv wird.

Welche Rolle spielt die Sündenvergebung bei der Bewältigung der Verzweiflung?

Die Sündenvergebung ist essenziell, da sie dem Selbst die Möglichkeit gibt, seine durch Schwäche entstandene Qual zu überwinden und eine Versöhnung vor Gott zu finden, anstatt im Trotz zu verharren.

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Details

Title
Selbstverlust in der Verzweiflung? Überlegungen zu Sören Kierkegaard
College
Technical University of Darmstadt  (FB 02 Geisteswissenschaften)
Grade
1.3
Author
Steven Stockhausen (Author)
Publication Year
2014
Pages
62
Catalog Number
V309228
ISBN (eBook)
9783668075818
ISBN (Book)
9783668075825
Language
German
Tags
Kierkegaard Selbst Verzweiflung Krankheit zum Tode Entweder-Oder Geist Sein
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Steven Stockhausen (Author), 2014, Selbstverlust in der Verzweiflung? Überlegungen zu Sören Kierkegaard, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/309228
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