Es stellt sich die Frage, wie feministische Sprachwissenschaftlerinnen sich eine geschlechtergerechte Sprache vorstellen und ob diese Sprache auch in politischen Reden realisierbar ist. Vorab werden die für den praktischen Teil relevanten theoretischen Grundlagen der feministischen Linguistik, mit dem Schwerpunkt auf ihrer Sprachkritik und den sprachpolitischen Maßnahmen vorgestellt.
Im praktischen Teil dieser Arbeit wird, aufbauend auf den theoretischen Teil, die Anwendung der idealen Sprache, nach der die Feministinnen sich sehnen, mit Hilfe einer Analyse der Rede „Feminismus rettet Leben“, gehalten von der DIE LINKE-Parteivorsitzenden Katja Kipping auf der Bundesfrauenkonferenz 2013 in Berlin, in der Politik veranschaulicht.
Es wurde ein Extremfall als Beispiel für die Analyse ausgewählt um die gewünschten Ziele des durch feministische Sprachpolitik eingeleiteten Sprachwandels zu veranschaulichen. Abschließend folgt ein resümierendes Fazit mit dem Ziel die erarbeiteten Ergebnisse kompakt darzustellen. Diese Arbeit beschränkt sich auf den deutschen Sprachgebrauch. Aufgeführt werden nur Aspekte, die auch im deutschen wiederzufinden sind und für den Analyseteil relevant sind.
Inhaltsverzeichnis
1.) Einleitung
2.) Feministische Linguistik
2.1) Sprachkritik aus feministischer Sicht
2.1.1) Das generische Maskulinum
2.1.2) Ansätze für eine sprachliche Gleichstellung der Geschlechter
2.2) Sprachpolitische Maßnahmen
3.) „Feminismus rettet Leben“-Analyse
3.1) Anredeformen
3.2) Geschlechterspezifikation
3.3) Pronomen
4.) Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern feministische linguistische Konzepte in der aktuellen politischen Kommunikation, konkret am Beispiel einer Rede von Katja Kipping, praktisch umgesetzt werden und ob diese Sprachpolitik zu einem geschlechtergerechten Sprachwandel beitragen kann.
- Grundlagen der feministischen Linguistik und Sprachkritik
- Methoden der geschlechtergerechten Sprachgestaltung (z.B. Beidnennung, Neutralisation)
- Analyse politischer Sprachgebrauchsmuster in der Praxis
- Strategien zur Vermeidung androzentrischer Sprachformen in Reden
- Relevanz und Durchsetzbarkeit feministischer Sprachnormen im politischen Kontext
Auszug aus dem Buch
3.1) Anredeformen
Kipping beginnt ihre Rede mit „Liebe Genossinnen“. Dies entspricht der Umsetzung der sprachpolitischen Maßnahme sowohl die Unabhängigkeit der Frau vom Mann zu betonen, in dem nicht zuerst die männliche Anrede kommt, als auch die Aufhebung der Ignoranz gegenüber Frauen, indem nicht nur das generische Maskulinum verwendet und es davon ausgegangen wird, dass die Frau mitgemeint ist. Neutralisierende Partizipien wie „Teilnehmende“ und „Mitstreitende“ sind genauso vorzufinden, wie das Splitting in „Freundinnen und Freunde“. Auch wenn ihre Rede hauptsächlich an Frauen gerichtet ist, schließt sie somit das männliche Publikum nicht vollständig aus. Die Dominanz der Frauen als Adressaten zeigt sich dadurch, dass sie nicht nur die feminine Form der Personenbezeichnungen zuerst nennt, sondern sie überwiegen auch. Sie sagt zum Beispiel nicht „Liebe Frauen und Männer“, sondern „Liebe Frauen, liebe Teilnehmende“ und „Liebe Genossinnen, Liebe Freundinnen und Freunde“. Die Frauen werden explizit angesprochen, während die Männer implizit durch die Partizipien zum Ausdruck gebracht werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1.) Einleitung: Dieses Kapitel führt in die historische Entwicklung der feministischen Linguistik ein und umreißt die theoretischen Grundlagen der Sprachkritik sowie die Zielsetzung der Arbeit.
2.) Feministische Linguistik: Hier werden zentrale theoretische Ansätze, insbesondere die Kritik am generischen Maskulinum und verschiedene Strategien zur sprachlichen Gleichstellung, detailliert erörtert.
2.1) Sprachkritik aus feministischer Sicht: Dieser Abschnitt beleuchtet die Notwendigkeit einer reflexiven Sprachkritik zur Aufdeckung diskriminierender Strukturen in Grammatik und Lexikon.
2.1.1) Das generische Maskulinum: Die Problematik der verallgemeinernden männlichen Form und deren Auswirkungen auf stereotypische Wahrnehmungen stehen hier im Fokus.
2.1.2) Ansätze für eine sprachliche Gleichstellung der Geschlechter: Es werden konkrete linguistische Methoden wie Beidnennung, Neutralisation und das generische Femininum hinsichtlich ihrer Umsetzbarkeit diskutiert.
2.2) Sprachpolitische Maßnahmen: Dieses Kapitel befasst sich mit der Initiierung von Sprachwandel „von unten“ und der historischen Bedeutung von Richtlinien zur Vermeidung sexistischen Sprachgebrauchs.
3.) „Feminismus rettet Leben“-Analyse: Dieser Teil leitet zur praktischen Anwendung der Theorie über und stellt den Kontext der untersuchten Rede von Katja Kipping dar.
3.1) Anredeformen: Die Analyse zeigt auf, wie Kipping durch gezielte Anredeformen die Sichtbarkeit von Frauen in der politischen Kommunikation erhöht.
3.2) Geschlechterspezifikation: Dieser Abschnitt untersucht den Gebrauch von Personenbezeichnungen und Attributen in der Rede hinsichtlich der Darstellung von Geschlechterrollen.
3.3) Pronomen: Hier wird der Einsatz von Pronomen wie „frau“ anstelle von „man“ sowie die erste Person Plural als Ausdruck von Solidarität untersucht.
4.) Fazit: Das Fazit resümiert die Anwendbarkeit feministischer Sprachpolitik in politischen Reden und bewertet die Balance zwischen sprachlicher Präzision und politischem Ausdruck.
Schlüsselwörter
Feministische Linguistik, Sprachkritik, Sprachwandel, Geschlechtergerechte Sprache, Generisches Maskulinum, Sprachpolitik, Politische Rhetorik, Beidnennung, Feminismus, Gender-Rising, Sprachwissenschaft, Katja Kipping, Sprachgebrauch, Diskriminierung, Gleichbehandlung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen und die praktische Umsetzung feministischer Linguistik innerhalb politischer Reden am Beispiel einer Rede von Katja Kipping.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören Sprachkritik, Strategien zur Vermeidung von Sexismus in der Sprache sowie die Untersuchung von Anredeformen, Pronomen und Geschlechterspezifikationen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu analysieren, ob und wie feministische Sprachpolitik in der politischen Praxis realisierbar ist und inwiefern sie zur Sichtbarkeit von Frauen beiträgt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine linguistische Analyse (Inhalts- und Diskursanalyse) auf Basis theoretischer Literatur, um sprachliche Muster in einem konkreten Korpus (der Rede von Katja Kipping) zu identifizieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (Kapitel 2) und die empirische Anwendung auf das Textbeispiel (Kapitel 3), wobei spezifische sprachliche Kategorien untersucht werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Charakteristische Begriffe sind unter anderem Feministische Linguistik, Sprachkritik, Sprachwandel, Geschlechtergerechte Sprache und Politische Rhetorik.
Wie bewertet die Autorin den Einsatz des generischen Femininums?
Das generische Femininum wird als provokatives Mittel verstanden, das zwar Aufmerksamkeit auf Diskriminierung lenkt, aber aufgrund möglicher Missverständnisse in der Praxis mit Vorsicht eingesetzt werden sollte.
Welche Bedeutung misst die Arbeit der Solidarität in der Sprache bei?
Solidarität wird durch inklusive Sprachformen (wie das Splitting) und den bewussten Gebrauch der ersten Person Plural („wir“) als notwendiges Mittel zur Stärkung der Gemeinschaft und gegen Diskriminierung betont.
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- Hilal Akin (Author), 2015, Feministische Linguistik in der Politik. Analyse einer Rede von Katja Kipping, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/309230