Waren, Wert und Warenfetischismus aus der Sicht des Karl Marx


Seminararbeit, 2001

9 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Der Fetisch

3. Die Ware
3.1. Die Arbeitskraft

4. Der Wert
4.1. Die einfache oder relative Wertform
4.2. Die entfaltete oder totale Wertform
4.3. Die allgemeine Wertform

5. Der Warenfetischismus

6. Literatur

1. Einleitung

Ziel dieser Arbeit ist es den Begriff des Fetischismus, im speziellen des Warenfetischismus von Marx zu durchleuchten und den Doppelcharakter der Ware wie es Marx formulierte zu beschreiben.

Vorweg scheint es jedoch unumgänglich einige Begriffe aus der Peripherie des Warenfetischismus zu erläutern um schliesslich spezifischer auf den Warenfetischismus eingehen zu können.

2. Der Fetisch

So kann und wird der Begriff Fetisch u.a. auf eine nicht-sexuelle Ebene gestellt und folgendermassen beschrieben:

„Ein Fetisch ist ein Ding, dem unabhängig von seiner realen Beschaffenheit Eigenschaften zugeschrieben werden, die es nicht von Natur aus besitzt. Beispielsweise ein Stück geschnitztes Holz, dem die Eigenschaft zugeschrieben wird, Regen herbeizuführen. Auch wenn das Stück Holz diese Eigenschaft nicht von Natur aus besitzt, so scheint sie ihm doch von dem Augenblick an natürlich anzuhaften, von dem an es sich gesellschaftlich durchgesetzt hat, daß ihm diese Eigenschaft zuerkannt wird. Die Menschen beginnen danach zu handeln und der Fetisch wird gesellschaftlich wirksam.

Den Begriff des Fetisch hat Marx der ethnologischen Fetischismustheorie entnommen. Er kannte Charles de Brosses Fetischstudie aus dem 18. Jahrhundert, durch die der Fetischbegriff auch in Deutschland unter Mithilfe Goethes, Wielands, Kants und Hegels in den allgemeinen Sprachgebrauch einging. Bezog sich die Ethnologie auf den archaischen Fetischismus, nahm Marx das Wort auf, um ihn als Metapher und Begriff zur Erklärung des Fetischismus in der Ökonomie zu benutzen.“1

Weitere Bezeichnungen wie sie von Marx im Zusammenhang mit Fetischismus in der Ökonomie verwendet werden und auf welche wir unser Augenmerk an dieser Stelle richten wollen betreffen vor allem die Ware und den Wert dieser.

3. Die Ware

Bezüglich der Ware formuliert Marx zwei Komponenten die diese zu erfüllen hat bzw. erfüllen kann um als Ware Gültigkeit zu erlangen. Zum einen spricht er hier vom Gebrauchswert was „die Nützlichkeit eines Dinges“2 hervorhebt. Beim Gebrauchswert können sich die Waren vor allem durch ihre unterschiedliche Qualität unterscheiden, weiters durch ihre Bestimmung zum Gebrauch bzw. zur Konsumtion. Dem Tauschwert wird der zweite Faktor einer Ware zugeschrieben. Tauschwerte sind durch ihre unterschiedliche Quantität in der Ökonomie sichtbar gemacht. Durch den Austausch von Waren in einer gesellschaftlich anerkannten Form, sei es um sie in Relation zu anderen Waren oder Geld zu setzen, bekommt der Tauschwert erst seine ihm zugesprochene Funktion.

3.1. Die Arbeitskraft

Ob nun Tauschwert oder Gebrauchswert3, beide sind Waren und somit Arbeitsprodukte, in welche Arbeitskraft investiert wurde. Nach Marx kann in den beiden Begriffen Tauschwert und Gebrauchswert jedoch ein gemeinsamer Nenner gefunden werden. Dieser gemeinsame Nenner ist der Wert der sich nach Abzug der Arbeitskraft eruieren lässt. Die Grösse des Wertes misst sich dabei an der Zeitdauer der eingesetzten Arbeitskraft, somit an der Arbeitszeit.

Weiters kann auch die in den wie oben angesprochenen Waren enthaltene Arbeit aus verschiedenen Perspektiven betrachtet werden. Marx nennt dies den „Doppelcharakter der in den Waren dargestellten Arbeit“.4

Von nützlicher Arbeit ist somit dann die Rede wenn das Endprodukt einen Gebrauchswert mit Nutzeffekt darstellt. Da sich nun die Gebrauchswerte ebenso in qualitativer Hinsicht unterscheiden, differenziert sich zwangsläufig auch die dafür eingesetzte Arbeitskraft, wodurch wiederum der Gebrauchswert einen Warencharakter5 erhält, andernfalls würde es sich lediglich um einen Naturstoff handeln.

Ein „stofflicher Reichtum“6 setzt sich folglich aus Arbeit und Natur(kräften) zusammen.

Qualitative Unterschiede bzgl. der Arbeitskraft ergeben sich aufgrund der gesellschaftlichen Teilung der Arbeit. Augenscheinlich werden hier komplizierte von einfachen Arbeitsprozessen getrennt. Jedoch besteht die Möglichkeit komplizierte in einfache Arbeitsschritte zu zerlegen womit ein Bruchteil komplizierter Arbeit einfacher Arbeit gleichgesetzt werden kann und die Verausgabung menschlicher Arbeit sich in gleicher Qualität menschlicher Arbeit niederschlägt. Wertunterschiede in den Endprodukten beruhen auf dem Ausmass der dafür eingesetzten Arbeitskraft, der Arbeitszeit, welche quantitativ gemessen wird.

Dementsprechend müsste ein Mehrfaches an Gebrauchswert ein Mehrfaches an stofflichem Reichtum zur Folge haben. Hier jedoch kann die Ansammlung des stofflichen Reichtums das Sinken der Wertgrösse bedeuten, nämlich dann wenn der Aufwand um eine bestimmte Menge von Gebrauchswerten zu produzieren nur mehr einen geringeren Arbeitsaufwand benötigt.7 Darin sieht Marx den zwieschlächtigen Charakter der Arbeit.

4. Der Wert

Wie kann nun die Wertgrösse in einer gesellschaftlich anerkannten Wertform ausgedrückt werden?

4.1. Die einfache oder relative Wertform

Marx stützt sich vorerst in seinen Ausführungen auf die wie er es nennt einfache Wertform.8 Bei der einfachen Wertform werden zwei verschiedene Waren zueinander in Relation gesetzt.9 Variable A der Gleichung beschreibt die einfache oder relative Wertform während Variable B die sogenannte Äquivalentform darstellt. Eine Umkehrung dieser Gleichung ist jederzeit möglich, die Werte nehmen dann lediglich den anderen Pol dieser Gleichung ein. Ein und dieselbe Ware in relativer Wertform als auch in Äquivalentform wäre jedoch wenig zielführend, der Wertausdruck bliebe auf der Strecke. Voraussetzung für diese Gleichung ist zusätzlich, dass beide Formen einen Wert besitzen. Dadurch wird der Äquivalentform ermöglicht den Warenwert der relativen Wertform auszudrücken. Der Wertausdruck der Ware impliziert somit zeitgleich die mit ihr an dieser Stelle verschmolzene abstrakte menschliche Arbeit.

Aus quantitativer Hinsicht bzgl. der relativen Wertform können weiters verschiedene Ausformungen auftreten, die sich ebenso in der Gleichung niederschlagen. So bewirkt eine für die Produktion der Ware A erhöhte und notwendige Arbeitszeit ebenso eine Wertsteigerung dieser. Infolge einer Wertsenkung lässt sich diese wiederum auf eine für die Produktion notwendige Arbeitszeitkürzung zurückführen.

Die Wert/Arbeitsquanten die sich durch diesen Vorgang herauskristallisieren lassen bleiben bei proportionaler Zu- bzw. Abnahme der Waren A und B unsichtbar, insofern man diesen keine dritte Ware C entgegensetzt.

4.2. Die entfaltete oder totale Wertform

Diese Überlegung führt uns auch schon zur entfalteten Wertform.

Die entfaltete oder totale Wertform spiegelt wider, dass der Wert einer Ware sich nicht nur in Gegenüberstellung einer anderen Ware eruieren lässt, vielmehr gibt es mannigfaltige Möglichkeiten innerhalb der Warenwelt um ein dementsprechendes Ergebnis zu erhalten.10 Dies spricht für die Vergesellschaftung der Ware; ihre Verwandlung von der Naturalform zum Gebrauchswert. Die Äquivalentformen mutieren unter dieser Voraussetzung zu besonderen Äquivalentformen, da jene sich gegenseitig ausschliessen.

4.3. Die allgemeine Wertform

Während die entfaltete Wertform eine bunte und unübersichtliche Mixtur aus der Warenwelt, mit dem Ziel den Wert einer Ware zu ermitteln, präsentiert, geht die allgemeine Wertform noch einen Schritt weiter.

Indem sie nur eine Ware (diese nimmt in der Gleichung die Position der Konstanten ein), die den Anhaltspunkt zur Wertermittlung darstellt anderen Waren gegenüberstellt, vereinfacht und vereinheitlicht sie so den beschriebenen Sachverhalt.11 Dies unterstreicht zum einen die Unterschiedlichkeit der Waren, gibt aber auch Aufschluss über den Tauschwert. Somit konnte sich ebenfalls das Äquivalent in Abhängigkeit zur allgemeinen Wertform aufgrund der veränderten Verhältnisse zum allgemeinen Äquivalent entwickeln. Gemeinsam ist es ihnen nun möglich Aussagen über qualitativ- und quantitativ vergleichbare Formen zu machen, insofern die allgemeine Wertform allgemeinen und gesellschaftlichen Vorstellungen Rechnung trägt und somit Allgemeingültigkeit erlangt.

Die hier veranschaulichte allgemeine Wertform erleichert nun in der Folge bzgl. der Verständlichkeit den Zugang zum monetären System in dem Geld die Werte der Warenwelt bestimmt und ein „gesellschaftliches Monopol“12 einnimmt in welchem es in der Funktion des allgemeinen Äquivalent auftritt.

5. Der Warenfetischismus

Nachdem sich nun die vorangegangenen Explikationen mit der Beschreibung diverser Begrifflichkeiten aus der Sicht Karl Marx befasst haben, dienen diese zur Erklärung u.a. des von ihm begründeten Themenkomplexes des Warenfetischismus.

Wie schon auf den ersten Seiten beschrieben hat er den Begriff des Fetisch auf einen ökonomischen Bereich verlagert; primär auf Waren. Dies schien ihm aus zweierlei Hinsicht adäquat, da wie wir schon erkennen konnten, sich für ihn ein produziertes und anerkanntes Endprodukt sich ihm mit differenzierten Charakter darstellt. Gemeint ist damit die Verwandlung einer Naturalform durch Zugabe menschlicher Arbeitskraft hin zum Gebrauch bestimmten Produkt mit einem ihm angemessenen Wert, berechnet an der Verausgabung menschlicher Arbeitskraft oder in bezug auf die Arbeitszeit.13

Gesellschaftlichen Charakter erhalten jene Waren jedoch erst wenn sie auf dem freien Markt als Endprodukte verschiedener Produzenten in Relation gesetzt werden können. Das Produkt agiert dementsprechend im gesellschaftlichen Verhältnis und somit auch seine Eigenschaften. Demzufolge spricht Marx von einer Vergesellschaftung des dinglichen Charakters, aber auch die Gesamtheit der vereinheitlichten menschlichen Arbeitskraft unterwirft sich der Vergesellschaftung. (Dies beschreibt schon den doppelten Charakter einstmals privat hergestellter Arbeitsprodukte.) Und eben diese Überlegung bringt ihn zu dem Schluss, dass es sich dabei um einen Fetisch, nämlich den des Warenfetisch, handeln muss.

Das von ihm als mystisch deklarierte daran ist, dass es sich offensichtlich um eine nicht sichtbare, jedoch allgemein anerkannte Beschaffenheit eines Produktes handelt, eben wie vom Fetischismus beschrieben, bekanntlich der eingesetzten menschlichen Arbeitskraft, welche in der Lage ist sich vergegenständlichen zu lassen und vom Endprodukt verkörpert wird.

Nicht Gebrauchswert oder Wert tragen eben dieses Geheimnis an sich, es ist die Mutation der menschlich eingesetzten Arbeitskraft hin zu etwas Greifbarem, bestätigt durch die Gesellschaft und unzertrennlich von der Warenwelt.

Menschliche Arbeit muss in diesem Fall wiederum unabhängig von der Mannigfaltigkeit der Arbeitskrafteinsetzung angesehen werden und auf ihren gemeinsamen Charakter, der des Wissens der Produzenten und der Allgemeinheit um deren Fähigkeiten welche in der Verausgabung ihrer Kraft indirekt und somit nur abstrakt sichtbar gemacht wird, reduziert werden, um eben einen Anspruch auf Gleichheit, explizit den Anspruch auf Gleichheit des Wertcharakters erheben zu können.

Marx beschreibt das Zusammenspiel von Produzenten und deren auf dem Markt erhältlichen Waren folgendermassen:

„Das Gehirn der Privatproduzenten spiegelt diesen doppelten gesellschaftlichen Charakter ihrer Privatarbeiten nur wieder in den Formen, welche im praktischen Verkehr, im Produktenaustausch erscheinen – den gesellschaftlich nützlichen Charakter ihrer Privatarbeiten also in der Form, daß das Arbeitsprodukt nützlich sein muß, und zwar für andre – den gesellschaftlichen Charakter der Gleichheit der verschiedenartigen Arbeiten in der Form des gemeinsamen Wertcharakters dieser materiell verschiednen Dinge, der Arbeitsprodukte.“14

Somit beweist Marx, dass die Gesellschaft unbewusst menschliche Arbeit, welche in verschiedenen Formen auftreten kann, und nicht die Werte der Produkte gleichsetzt, wobei die sachliche Gestalt der Wertgrössen erhalten bleibt. Die Gleichheit der menschlichen Arbeit, bei Erzeugung voneinander unabhängiger Privatarbeiten, nimmt hintergründig die Form des Wertcharakters an und bleibt zunächst hinter der Hülle des Arbeitsproduktes unentdeckt, wird bereits vielmehr als etwas Natürliches angesehen. Und dies ist es auch was den Warenfetischismus zu seinem Namen verhalf; das verborgene aber dennoch anerkannte Attribut der Ware.

6. Literatur

Marx, Karl. Das Kapital. Kirtik der politischen Ökonomie. Der Produktionsprozess des Kapitals. Köln: Parkland Verlag, 2000.

http://contextxxi.mediaweb.at/texte/archiv/str970401.html vom 07.02.01

[...]


1 Vgl. http://contextxxi.mediaweb.at/texte/archiv/str970401.html

2 Vgl. Marx, Karl. Das Kapital. S 50, 2000.

3 Gebrauchswert kann jedoch ebenfalls ohne Wert aber auch wertlos sein, nämlich dann wenn keine Arbeitskraft eingesetzt wurde oder diese nutzlos blieb. Weiters muss Gebrauchswert den Begriff der Ware nicht implizieren insofern das Produkt ein individuelles Bedürfnis nicht gesellschaftliches Bedürfnis befriedigt.

4 Vgl. Marx, Karl. Das Kapital. S 55, 2000.

5 Details zum Typus des Warencharakters im Abschnitt Warenfetischismus.

6 Vgl. Marx, Karl. Das Kapital. S 57, 2000.

7 Vgl. Massenproduktion

8 Vgl. Marx, Karl. S 61, 2000.

9 Bsp. A = B

10 Bsp. A = B = C = D … usw.

11 Bsp. xB = A, xC = A, xD = A, … usw.

12 Vgl. Marx, Karl. S 81, 2000.

13 Vgl. Kapitel 3.1.

14 Vgl. Marx, Karl. S 86, 2000.

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Waren, Wert und Warenfetischismus aus der Sicht des Karl Marx
Hochschule
Universität Wien
Note
1
Autor
Jahr
2001
Seiten
9
Katalognummer
V30932
ISBN (eBook)
9783638320849
Dateigröße
456 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Waren, Wert, Warenfetischismus, Sicht, Karl, Marx
Arbeit zitieren
Claudia Gruber (Autor), 2001, Waren, Wert und Warenfetischismus aus der Sicht des Karl Marx, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30932

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