Die Entwicklung der regionalen Disparitäten in der EU


Hausarbeit, 2003
25 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Thema und Problemstellung

2 Definitionen

3 Die Disparitätenmessung
3.1 Allgemeine Methoden der Disparitätenmessung
3.2 Methodische Probleme
3.3 Methoden der Disparitätenmessung in der EU
3.3.1 Allgemeine Indikatoren
3.3.2 Konvergenz als Indikator

4 Regionale Ungleichheiten in der EU
4.1 Regionentypen der EU
4.2 Disparitätenentwicklung in der EU
4.2.1 Wirtschaft
4.2.2 Arbeitsmarkt
4.2.3 Bevölkerung
4.2.4 Die Bedeutung des wirtschaftlichen Strukturwandels

5 Die regionalökonomische Theorie
5.1 Die Entstehung räumlicher Ungleichgewichte
5.2 Regionale Wirtschaftsentwicklung aus der Sicht der Theorie
5.2.1 Zur Theorie der regionalen Integration

6 Ausblick

7 Schlussbetrachtung

Anhang

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Disparität beim Pro-Kopf-BIP, 1986-1996

Abb. 2: Disparität bei der Arbeitslosenquote, 1970-1997

Abb. 3: Wachstum von Beschäftigung und BIP in der Union, 1975-97

Abb. 4: BIP pro Kopf in den Regionen (KKS), 1996

Abb. 5: Arbeitslosenquote in den Regionen, 1997

Abb. 6: Bevölkerungswachstum in den Regionen, 2000-2005

1 Thema und Problemstellung

Die Verminderung von regionalen Ungleichheiten wird als Ziel und Prüfstein erfolgreicher Integration innerhalb der Europäischen Union gesehen. Der Messung von regionalen Disparitäten kommt nicht nur deshalb eine große Bedeutung zu. Der Erfolg von Regionalpolitik und staatlichen Interventionen hinsichtlich einer Beschleunigung des Abbaus von Ungleichheiten zwischen den Regionen wird durch die Darstellung der Entwicklung regionaler Disparitäten veranschaulicht und überprüfbar. Es stellt sich in diesem Zuge auch die Frage, ob eine integrierte regionale Entwicklungsstrategie tatsächlich eine konvergente Entwicklung zur Folge hat, ob dennoch Ungleichheiten zwischen Regionen bestehen bleiben oder ob sogar eine divergente Entwicklung in Bezug auf regionale Unterschiede erfolgt. Ziel dieser Arbeit ist es, die Entwicklung der regionalen Disparitäten in der EU darzulegen und Effekte der Regionalpolitik auf diese herauszustellen. Dabei soll nach einer kurzen Klärung relevanter Begrifflichkeiten im Folgenden zunächst beleuchtet werden, welche Verfahren und Indikatoren zur Messung von regionalen Disparitäten herangezogen werden können. Das leistet Kapitel 3 mit dem Titel Disparitätenmessung. Im nächsten Schritt wird auf das Vorgehen der Europäischen Kommission zur Ermittlung der Ungleichheiten eingegangen. Es wird in Kapitel 4 die Entwicklung ausgewählter Disparitäten in der EU vertieft. Kapitel 4 ist eher deskriptiver Art. Dabei stehen die Entwicklung der Disparitäten der Bereiche Wirtschaft, Arbeitsmarkt und Bevölkerung im Vordergrund. Das darauf folgende Kapitel 5 befasst sich mit der Rolle von regionalen Ungleichheiten in der regionalökonomischen Theorie und liefert Erklärungen für die Entstehung regionaler Ungleichheiten. Das Erfordernis einer Unterscheidung zwischen Konvergenz- und Divergenzthese wird spätestens an dieser Stelle deutlich. Denn darüber, ob die Markt-Prozesse aus sich heraus generell früher oder später zu einer konvergenten Entwicklung führen oder ob sich ein Gleichgewicht in der Wirtschaft nicht von selbst einstellt, bestehen in der Theorie unterschiedliche Auffassungen. Diese spielen auch für die Theorie der regionalen Integration eine bedeutende Rolle. In Kapitel 6 wird in einer Schlussbetrachtung schließlich die Darlegung der in dieser Arbeit erhaltenen Ergebnisse vorgenommen. Im Anhang sind Schaubilder, Karten und Tabellen zu finden, die zur Veranschaulichung der dargelegten Sachverhalte dienen.

2 Definitionen

Bevor auf die eigentliche Thematik eingegangen werden kann, sind für das weitere Verständnis die folgenden Begriffe zu definieren:

Regionale Disparitäten

Unter einer räumlichen Disparität ist die Unausgeglichenheit der Raumstrukturen in einer bzw. in verschiedenen Regionen zu verstehen. Regionale Disparitäten sind Abweichungen bestimmter, als relevant erachteter Indikatoren eher quantitativer Art von einer gedachten Referenzverteilung, die auf eine bestimmte räumliche Ebene bezogen ist, in diesem Fall eben auf eine Regionenabgrenzung (Stiens 1997, S. 11). Räumliche Disparitäten äußern sich in unterschiedlichen Lebensbedingungen sowie in ungleichen wirtschaftlichen Entwicklungsmöglichkeiten.

Konvergenz

In den Sozialwissenschaften wird Konvergenz erst einmal definiert als Tendenz, ähnliche Strukturen und Prozesse zu entwickeln. In Bezug auf regionale Disparitäten meint Konvergenz zunächst die Angleichung der regionalen Unterschiede. Konvergenz ist dabei als langfristiger Prozess zu verstehen (Lohrmann 1999, S. 324). Eine weiterreichende Definition von Konvergenz wird zu einem späteren Zeitpunkt an erforderlicher Stelle noch geliefert.

Divergenz

Unter Divergenz wird im allgemeinen Sprachgebrauch „das Auseinandergehen“ verstanden. An dieser Stelle ist Divergenz also als eine Verschärfung von Disparitäten und damit als Konzentrationsprozess zu verstehen, der wachsende Wohlfahrtsunterschiede in den einzelnen Regionen zur Folge hat (Ohr/Gruber 2001, S. 31).

3 Die Disparitätenmessung

3.1 Allgemeine Methoden der Disparitätenmessung

Die Bestimmung regionaler Disparitäten erfordert zunächst entsprechende Methoden bzw. Verfahren, um eben diese messen und aufzeigen zu können. Allerdings besteht in der Wirtschaftsgeographie kein Konsens darüber, wie Disparitäten exakt zu definieren sind, geschweige denn, wie sie zu messen sind (Güßefeldt/Streit 2000, S. 4). Im Folgenden werden einige ausgewählte Methoden vorgestellt.

Lorenzkurve und Ginikoeffizient

Tatsächlich werden die Lorenzkurve und der Gini-Koeffizient häufig zur Beschreibung regionaler Disparitäten herangezogen. Bei diesen Methoden gilt die Gleichverteilung als Bezugsmodell. Die Lorenzkurve steht methodisch gesehen zwischen der deskriptiven und analytischen Statistik und ist die graphische Darstellung der Verteilung irgendeines Wohlstandskriteriums (z. B. Einkommen) (Hagget 1991, S. 662). Sie wird wie folgt konstruiert: Man ordnet die zu betrachtenden Raumeinheiten – Staaten oder Regionen - nach der Höhe ihrer Ausprägung des gewählten Wohlstandskriteriums und trägt die kumulierten Anteile der Staaten oder Regionen auf einer horizontalen Achse auf. Die aufsummierten Anteile beispielsweise am Einkommen werden entsprechend auf einer vertikalen Achse abgetragen. Bei völliger Gleichverteilung stellt sich die Lorenzkurve als Diagonale dar. Je weiter die Lorenzkurve von der Gleichverteilungs-Diagonalen abweicht, desto ungleicher ist die Verteilung (Ahrns/Feser 1997, S. 171).

Aus der Lorenzkurve lässt sich der Gini-Koeffizient als Maß für die Konzentration des dargestellten Wohlstandsindikators ableiten. Dieser Koeffizient lässt sich definieren als Verhältnis der Fläche zwischen der Lorenzkurve und der Gleichverteilungsdiagonalen zur Fläche des gesamten Dreiecks. Bei absoluter Gleichverteilung ist dieser Koeffizient gleich Null, bei absoluter Ungleichverteilung gleich Eins.

Statistische Maße

Eine allgemeine Einschätzung der Entwicklung der Disparitäten kann außerdem durch statistische Maße, wie beispielsweise durch die Standardabweichung vermittelt werden, die ein Maß der Gesamtabweichung vom Durchschnitt ist und die Werte in allen Regionen umfasst statt nur die Extremfälle (Europäische Kommission 1999, S. 20).

3.2 Methodische Probleme

Die in Abschnitt 3.1 bereits angeführten Methoden zur Disparitätenmessung bergen in ihrer Anwendung Schwierigkeiten verschiedener Art: Zunächst stellt sich das Problem des angemessenen Bezugsmodells. Bezugsmodelle können - entsprechend des gewählten Verfahrens - entweder die Gleichverteilung oder der Mittelwert sein (Güßefeldt/Streit 2000, S. 4). Die Wahl eines angemessenen Bezugsmodells ist entsprechend der jeweiligen Fragestellung individuell zu treffen.

Als zweites Problem erweist sich die Wirkung der geographischen Maßstabsebene auf die Untersuchung. Je nachdem, welcher räumliche Bezug für die Untersuchung gewählt wird, resultieren unterschiedliche Verteilungen, beispielsweise bei der Darstellung durch die Lorenzkurve. Es ist zu klären, welche räumliche Staffelung zugrunde gelegt werden soll. Denkbar ist eine Klassifikation von Regionen mit Hilfe einer Clusteranalyse. Regionen, die ähnliche Strukturen bei der Ausprägung bestimmter Indikatoren aufweisen, können zu Gruppen zusammengefasst und betrachtet werden. Wie in Kapitel 4 deutlich wird, erfolgt auch durch die Europäische Kommission eine Zusammenfassung von Regionen ähnlicher Strukturen.

3.3 Methoden der Disparitätenmessung in der EU

3.3.1 Allgemeine Indikatoren

In diesem Abschnitt soll auf die Indikatoren eingegangen werden, anhand derer Ungleichheiten in der EU häufig festgemacht werden. Für die Messung der regionalen Disparitäten bezüglich der wirtschaftlichen Wohlfahrt wird oft das „BIP pro Kopf“ herangezogen, dem als Indikator ein besonderer Stellenwert zugeschrieben wird. Das BIP dient zur Messung der gesamten Produktion in einem Gebiet einschließlich der Dienstleistungen und des dadurch geschaffenen Einkommens. Das Pro-Kopf-BIP wird dabei zwecks Berücksichtigung der unterschiedlichen Preisniveaus in Kaufkraftstandards angegeben. Eine allgemeine Einschätzung der Entwicklung der Disparitäten beim BIP wird durch statistische Maße vermittelt, wie beispielsweise durch die Standardabweichung (gewichtet nach Bevölkerungsgröße). Als problematisch erweist sich die Verwendung des BIP als Einkommensmaß bei einigen Regionen, wenn Pendler, die in anderen Regionen wohnen, zur Erwerbsbevölkerung zählen und zum BIP beitragen. Dadurch wird das Pro-Kopf-Einkommen der in der Region lebenden Menschen überschätzt, während das der Nachbarregionen unterschätzt wird. Allerdings stellt dies in den meisten Regionen kein größeres Problem dar (Europäische Kommission 1999, S. 19 f).

An dieser Stelle sei angemerkt, dass in den letzten Jahren das Interesse an der Entwicklung von alternativen Indikatoren zugenommen hat, die den Lebensstandard in einem breiteren Sinne messen sollten als nur einfach die Menge der erzeugten Waren und Dienstleistungen sowie das damit verbundene Einkommen (Europäische Kommission 1999, S. 33 f). Insbesondere soll das Ziel verfolgt werden, Aspekte wie die Lebenserwartung, die Umweltqualität und die Alphabetisierungsrate, die die Wohlfahrt einer Gesellschaft ebenso sehr bestimmen wie das Einkommen, zu integrieren.

Da zwei entscheidende Einflussfaktoren der regionalen Wirtschaftskraft der Stadt-Land-Mix und die Wirtschaftsstruktur sind und zwischen beiden enge Zusammenhänge bestehen, ist „Beschäftigung nach Sektor“ neben anderen ein weiterer entscheidender Indikator, um Disparitäten in der Wirtschaft anzuzeigen. Denn beispielsweise ist in ländlichen Regionen zumeist eine Ausrichtung auf die Landwirtschaft zu beobachten.

Zur Darstellung und Überprüfung der Entwicklung des Arbeitsmarktes in den Regionen der Europäischen Union werden hauptsächlich die Arbeitslosenquote und die Beschäftigungsquote herangezogen.

Hinsichtlich der Entwicklung der Disparitäten in Bezug auf die Bevölkerung werden insbesondere die demographische Entwicklung und die Erwerbsbevölkerung betrachtet.

3.3.2 Konvergenz als Indikator

Was bedeutet nun eigentlich Konvergenz genau? Wie in Kapitel 2 bereits dargelegt, wurde Konvergenz in den Sozialwissenschaften allgemein zunächst definiert als Tendenz, ähnliche Strukturen und Prozesse zu entwickeln. In der wirtschaftswissenschaftlichen Literatur findet man eine Unterscheidung zwischen realer und nominaler Konvergenz. Unter realer Konvergenz wird in erster Linie der langfristige Prozess der Verringerung der Einkommensunterschiede zwischen einzelnen Ländern verstanden (Lohrmann 1999, S. 324).

Die erstgenannte reale Konvergenz lässt sich weiter unterscheiden in β-Konvergenz und σ-Konvergenz.

β-Konvergenz

Im Konzept der so genannten β-Konvergenz werden Wachstumsraten der realen Pro-Kopf-Einkommen verglichen. Man spricht von absoluter bzw. unbedingter β-Konvergenz, wenn Regionen oder Länder alle in Richtung eines identischen Wohlstandsniveaus streben, von wo aus sich für alle ein identischer Wachstumspfad ergibt. Ärmere Länder weisen dabei zunächst höhere Wachstumsraten auf als reichere. Das Konzept der bedingten Konvergenz geht davon aus, dass nicht alle Regionen ein identisches Wohlstandsniveau und einen identischen Wachstumspfad erreichen, sondern dass strukturell unterschiedliche Regionen nur zu gruppenspezifischen Wohlstandsniveaus und Wachstumspfaden streben. In diesem Konzept ist es also möglich, dass es zwischen einzelnen Gruppen von Regionen zu absoluter Divergenz kommt (Ohr/Gruber 2001, S. 31).

σ-Konvergenz

Die σ-Konvergenz misst die Streuung des realen Pro-Kopf-Einkommens innerhalb einer Ländergruppe. Reduziert sich diese im Zeitablauf, wird von Konvergenz gesprochen (Lohrmann 1999, S. 324). Der Indikator der σ-Konvergenz erweist sich insofern als problematisch, als dass er sehr anfällig auf kurzfristige, etwa durch asymmetrische Schocks verursachte Schwankungen reagiert und dass die Vergleichbarkeit durch Bewertungsprobleme, beispielsweise im Zusammenhang mit Wechselkursveränderungen, leiden kann. Außerdem sind die Aussagen des σ-Konvergenz-Indikators manchmal nicht ganz eindeutig. So kann man in einer heterogenen Ländergruppe σ-Konvergenz beobachten, selbst wenn sich nur eine Zweiteilung der Staaten in eine Gruppe armer und eine Gruppe reicher Länder ergeben hat (Ohr/Gruber 2001, S. 31).

[...]

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Die Entwicklung der regionalen Disparitäten in der EU
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen
Note
2,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
25
Katalognummer
V30938
ISBN (eBook)
9783638320887
Dateigröße
662 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entwicklung, Disparitäten
Arbeit zitieren
Nicola Ahlert (Autor), 2003, Die Entwicklung der regionalen Disparitäten in der EU, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30938

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