David Chalmers Suche nach einer Theorie über das Bewusstsein


Vordiplomarbeit, 2008

36 Seiten, Note: 1,1


Leseprobe

Inhalt

1 Vorwort

2 The Conscious Mind - Einführung

3 Phänomenologisches und psychologisches Konzept des Geistes
3.1 Das „Doppel-Leben“ des Mentalen
3.2 Zwei Leib-Seele-Probleme
3.3 Zwei Konzepte von Bewusstsein

4 Supervenienz und reduktive Erklärung
4.1 Lokale und globale Supervenienz
4.2 Logische und natürliche Supervenienz
4.3 Reduktive Erklärung in den Kognitionswissenschaften

5 Die Nicht-Reduzierbarkeit von Bewusstsein
5.1 Gedankenexperimente und Argumente
5.1.1 Die logische Möglichkeit von Zombies
5.1.2 Umgekehrtes Spektrum
5.1.3 Epistemische Asymmetrie
5.1.4 Das Wissen-Argument
5.1.5 Mangel an Analysen
5.2 Das Versagen reduktiver Erklärungen
5.3 Erklärungs-Ansätze

6 Naturalistischer Dualismus
6.1 Eigenschafts-Dualismus
6.2 Ansichten und Standpunkte
6.3 Reflexion des naturalistischen Dualismus

7 Das Paradox phänomenaler Urteile
7.1 Phänomenale Urteile
7.2 Widersprüchlichkeit und Erklärungsversuch

8 In Richtung einer Bewusstseins-Theorie
8.1 Die strukturelle Kohärenz von consciousness und awareness
8.2 Kohärenz als psychophysisches Gesetz
8.3 Das Prinzip der organisatorischen Invarianz
8.4 Fehlende, schwindende und tanzende Qualia
8.5 Nicht-reduktiver Funktionalismus

9 Bewusstsein und Information
9.1 Das Zwei-Aspekte Prinzip von Information
9.2 Ist Erleben allgegenwärtig?
9.3 Metaphysik der Information

10 Kritisches Fazit

Literaturverzeichnis

1 Vorwort

Die vorliegende Arbeit stellt das bisher größte Werk des australischen Philosophieprofessors David J. Chalmers „The Conscious Mind - In Search of a Fundamental Theory“ von 1996 dar. Im Rahmen eines Seminars mit dem Thema „Analytische Philosophie des Geistes“, das im Sommersemester 2007 unter der Leitung von Prof. Dr. Heinrich Watzka SJ in Sankt Georgen stattfand, entschloss ich mich, diese Materie zum Thema meiner Philosophischen Wissenschaftlichen Hausarbeit zu machen. Die Aufsätze der meisten Autoren, die im Seminar gelesen wurden (darunter Davidson, Lewis, Kim, Dretske und Frankfurt) waren im Ergebnis frustrierend, weil sie oft materialistische Ansätze vertraten, die die bewussten Erlebnisqualitäten nicht ernst nahmen, um sie herum definierten oder so taten, als hätten sie das Problem erklärt, ohne es überhaupt in Angriff genommen zu haben. Chalmers Theorie schien auf den ersten Blick einen viel versprechenden, authentischen Lösungsansatz bieten zu können. Vor allem sein Slogan, dass es unabdingbar sei, das Phänomen des Bewusstseins ernst zu nehmen („taking consciousness seriously“) und als nicht reduzierbare Entität neben dem Physikalischen zu betrachten sowie seine an vielen Stellen geäußerte Unsicherheit über die tatsächliche Wahrheit seines Ansatzes machten seine Argumentation glaubwürdig und sympathisch.

Im Verlauf dieser Arbeit wird sich also zeigen, dass Chalmers die bewussten Erlebnisqualitäten als eigenständiges Phänomen ernst nimmt und mithilfe einer Theorie, die Supervenienz, funktionale Zustände und Information kombiniert, versucht zu zeigen, dass der Materialismus falsch ist. Indem er sich einer Erklärung des phänomenalen Bewusstseins zu nähern versucht, gelingt es ihm dabei trotz Zuhilfenahme teils sehr gewagter Gedankenexperimente und einiger hoch spekulativer Annahmen leider nicht, eine kohärente, haltbare Theorie aufzustellen. Er räumt jedoch in diesem Werk wie auch in späteren Aufsätzen immer wieder ein, dass seine Hypothesen weit von einer abschließenden Theorie entfernt seien. Es seien dafür noch zu viele Fragen unbeantwortet.

Ich habe mich in meiner Arbeit darauf konzentriert, Chalmers Werk und den Argumentationsgang verständlich darzustellen. Dabei habe ich einige englische Begriffe unübersetzt gelassen und Zitate vollständig in englischer Sprache wiedergegeben. Dem eher unerfahrenen Leser empfiehlt Chalmers in seiner Einleitung, die von ihm mit Asterisken gekennzeichneten Kapitel auszulassen, weil sie meist spekulativ, sowie zum Verständnis der Argumentation nicht unbedingt notwendig seien. Dieser Empfehlung bin ich gefolgt. Außerdem werde ich nicht auf den vierten, praktischen Teil des Werkes eingehen.

2 The Conscious Mind - Einführung

Das zentrale Thema in Chalmers Werk ist das Bewusstsein. Wie Thomas Nagel in seinem 1974 veröffentlichten Aufsatz deutlich machte, hat ein Organismus dann eine bewusste Erfahrung, wenn es sich für diesen irgendwie anfühlt, diese Erfahrung zu haben. Ein mentaler Zustand ist dann bewusst, wenn er ein qualitatives Sich-Anfühlen (‚Quale’) hat.1 Eine bewusste Erfahrung ließe sich daher nicht von einem objektiven Standpunkt voraussagen, etwa, indem man neuronale Prozesse im Gehirn und im Organismus untersuche und die Qualia anhand bestimmter Vorgänge vorauszusagen imstande wäre. Gäbe es die subjektive Perspektive der ‚ersten Person’ nicht, so wäre die Hypothese des Bewusstseins folglich nicht haltbar. Jedoch durch ebendiese direkte Erfahrung des Bewusstseins aus der subjektiven Erst-Person-Perspektive, wüssten wir, dass es bewusste Erfahrung gäbe.

Aus der Sicht der ‚dritten Person’ sei es nicht möglich, das Bewusstsein zu erfassen. Selbst wenn man aus objektiver Sicht alles über die Prozesse des Gehirns wüsste, gäbe es keinen plausiblen Grund, die Existenz eines qualitativ-phänomenalen Bewusstseins anzunehmen. Für den subjektiven Blickwinkel der ersten Person sei das bewusste Erleben zentral, für den objektiven jedoch sei es ausgesprochen unplausibel, eher eine metaphysisch unhaltbare Spekulation. Daher möchte Chalmers eine zufrieden stellende und abschließende Theorie entwickeln:

„In the end, we would like the theory to enable us to see consciousness as an integral part of the natural world. Without such a theory we could not be said to fully understand consciousness.”2

Man könne über mentale Erlebnisse berichten, wenn man beispielsweise über Wahrnehmungen visueller und auditiver Ebene berichte oder wenn man versuche, sensorische Erlebnisse wie Geschmack, Hitze- und Kälte-Empfindungen, Schmerzen oder Hunger zu beschreiben. Eine Beschreibung enthülle jedoch demjenigen, der diese höre, nicht, wie sich die jeweilige Empfindung für den Beschreibenden qualitativ anfühlt.

Diese phänomenale Qualität gelte analog auch für Gedanken und mentale Bilder, erinnerte Gerüche oder Töne und vergleichbares, das nicht unmittelbar mit speziellen Objekten in der aktuellen Umgebung des Wahrnehmenden verbunden ist oder sich vor dem geistigen Auge abspiele.

Auch für solche Erlebnisse gebe es ein bestimmtes Sich-Anfühlen. Eine einfache Farbwahrnehmung bringe das Problem daher genauso tief greifend auf den Punkt wie das Hören eines Bach-Chorals oder die Erinnerung an einen bestimmten Geruch.3

3 Phänomenologisches und psychologisches Konzept des Geistes

Für seine Theorie über das Bewusstsein (consciousness) führt Chalmers als Prämissen zwei verschiedene Konzepte des Mentalen ein. Der erste Aspekt ist der phänomenale Aspekt, bei dem es um das Sich-Anfühlen und die qualitativ-bewussten, phänomenalen Erlebnisse von mentalen Zuständen geht. Die Frage ist hier, wie es sich für ein Subjekt anfühlt, einen mentalen Zustand zu haben. Auf der anderen Seite steht das psychologische Konzept des Geistes. Das Mentale ist bei diesem Aspekt dadurch hinreichend beschrieben, dass ein mentaler Zustand eine explanatorische oder ursächliche Rolle für Verhalten ist. Somit sind mentale Zustände dann mental, wenn sie die richtige Rolle im Hervorrufen von Verhalten spielten. Bewusste Erlebnisqualitäten sind für dieses Konzept folglich irrelevant, da es auf dieser Ebene der Analyse nur um die assoziierte Rolle des Zustandes für die Erklärung von Verhalten gehe. Lewis’ Prämisse für die funktionalistische Identitätstheorie4 ist: „[D]as definierende Merkmal jedes beliebigen Erlebnisses [ist] seine kausale Rolle“.5 Er meint damit Ursache und Wirkung der Erlebnisse unter ihren jeweiligen Umständen. Der Behaviorismus setzt voraus, dass es möglich ist, Erlebnisse von Menschen allein durch die äußere Beobachtung ihres Verhaltens zu erkennen bzw. aus dem Verhalten eines Menschen ableiten zu können, welches Erlebnis er gerade hat.

Die funktionalistische Analyse hätte gegenüber der behavioristischen Theorie den Vorteil, dass mentale Zustände hier in Beziehung zueinander und zu den jeweiligen Verhaltensäußerungen stehen könnten. Jedoch baut der Funktionalismus auch auf dem psychologischen Konzept des Mentalen auf und lässt den phänomenalen Aspekt völlig aus. Es ist jedoch kohärent denkbar, dass etwas eine kausale Rolle spielt ohne, dass es ein dazugehöriges phänomenales Erleben gibt. Obwohl die funktionalistische Analyse zwar gute Erklärungen für mentale Vorgänge wie das Lernen oder das Gedächtnis zur Verfügung stelle, leugnet sie jedoch den Unterschied der Aspekte, agiere nur auf der Ebene der psychologischen Eigenschaften und sei daher unbefriedigend.6

3.1 Das „Doppel-Leben“ des Mentalen

Da Chalmers als Prämisse die Einteilung des Mentalen in zwei verschiedene Aspekte eingeführt hat, erläutert er im weiteren Verlauf, auf welche Weise sich mentale Zustände und Erlebnisse mithilfe dieser beiden Konzepte beschreiben lassen. Er nimmt an, jede mentale Eigenschaft sei entweder völlig phänomenal, völlig psychologisch oder eine Kombination dieser beiden Aspekte. Dabei ist der phänomenale Aspekt durch die direkte Perspektive der ersten Person, durch bewusste Erlebnisqualitäten und Erfahrungen definiert, während die psychologische Komponente durch Verhalten, Reaktionen auf Umweltstimuli und die relationale Perspektive der dritten Person abgegrenzt ist. Allerdings hätten die relevanten Eigenschaften die Tendenz, gleichzeitig aufzutreten.

Bei einer Vielzahl alltäglicher Vorkommnisse, wie zum Beispiel Schmerz, seien sowohl der psychologische als auch der phänomenale Aspekt ausgeprägt. Dabei sei es zwar nicht konzeptuell notwendig, dass der psychologische Vorgang des Schmerzes von phänomenalen Qualitäten begleitet werde. Man könne daher die Frage stellen, ob ein hypothetisches System, indem alle funktionalen Zustände erfüllt, aber keine bewussten Erlebnisqualitäten vorhanden wären, wirklich Schmerzen hätte. Jedoch sei das gemeinsame Auftreten der Aspekte eine Tatsache aus unseren alltäglichen Erfahrungen.

Es sei eine empirische Tatsache, dass phänomenale Erfahrungen immer an kognitive Vorgänge gebunden seien. So seien Prozesse wie Lernen hauptsächlich durch den psychologischen Aspekt definiert, während beispielsweise bei Emotionen der phänomenale Blickwinkel wesentlich sei. Entscheidend sei, dass es im Rahmen der beiden Aspekte keinen Zustand gebe, der nicht entweder durch einen oder durch eine Kombination der beiden beschreibbar wäre. Psychologie und Phänomenologie ergäben daher gemeinsam die zentralen Aspekte des Mentalen. Obwohl es zwei völlig verschiedene Konzeptionen seien, sei es jedoch eine empirische Tatsache, dass das qualitative Erleben eines mentalen Zustandes immer mit einer kausalen Rolle assoziiert sei.

„The problem of consciousness cannot be spirited away on purely verbal grounds.”7 Über die phänomenalen Erlebnisqualitäten gebe es keine unabhängige Sprache, sondern das Sprechen über sie stamme von der nicht-phänomenalen Sprache. In gewisser Weise seien die Qualia auch ineffabel8. Die Erlebnisse würden nie mit intrinsischen Qualitäten beschrieben, sondern das Sprechen darüber geschehe immer mithilfe von extrinsischen Ausdrücken. So beschreibe man beispielsweise eine Grünwahrnehmung, die man habe, indem man sage, man hätte die Art von Erleben, die man hat, wenn man bestimmte grüne Gegenstände wie Bäume oder Gras wahrnehme. Man könne dieses Sprechen wie folgt darstellen: „das phänomenale Erleben P“ ist „die [phänomenale] Erfahrung, die dazu tendiert von dem psychologischen Zustand P begleitet zu werden.“9 Da das spezifisch phänomenale Vokabular somit sehr gering ausfalle, müsse für philosophische Zwecke mit äußerster Sorgfalt zwischen den beiden Aspekten unterschieden werden.10

3.2 Zwei Leib-Seele-Probleme

Anhand der Einteilung in den phänomenalen und psychologischen Aspekt des Mentalen unterteilt Chalmers die Problematik in zwei „mind-body problems“11. So gelte es im Wesentlichen zwei Fragen zu stellen und zu beantworten. Die Frage, welche sich mit den psychologischen Aspekten beschäftigt, ist: Wie kann ein physisches System eine bestimme kausale Rolle spielen? Sie sei die einfachere12 der beiden Fragen. Dabei geht es um die Organisation physischer Systeme und um deren Reaktionen und Wirkungen auf die Außenwelt, wie beispielsweise bestimmte Verhaltensweisen. Im Sinne dieser psychologischen Eigenschaften und Vorgänge sei das Leib-Seele-Problem weitgehend gelöst, es bliebe nur noch ein kleiner Rest an technischen Problemen übrig, mit denen allerdings die fortschreitende wissenschaftliche und philosophische Analyse im Lauf der Zeit zurechtkommen werde. Daher führten die Fragen in diesem Teil des Problems zu keinen oder nur zu geringen metaphysischen Problemen. Dagegen sei der schwierigere Teil13, nämlich die Frage wie und warum kognitive Funktionen von phänomenalen Erlebnisqualitäten begleitet werden, also die Frage nach dem phänomenalen Aspekt des Mentalen, „as baffling as it ever was.“14 Die Frage, wie sich das Physische mit dem Psychologischen verbindet, sei weitgehend beantwortet. Das, was Jackendorff das „mind-mind problem“15 nennt, also die Frage, wie und warum eine Verbindung des Psychologischen

zum Phänomenalen bestehe, sei jedoch immer noch völlig unklar. Die engen Beziehungen zwischen phänomenalen und psychologischen Eigenschaften ließen allerdings die Existenz einer wechselseitigen Verknüpfung vermuten. „If so, then understanding this link between psychological und phenomenal is crucial to understanding conscious experience”.16

3.3 Zwei Konzepte von Bewusstsein

Eine funktionale Erklärung würde im Falle der verschiedenen Ausprägungen des psychologischen Aspekts von Bewusstsein wie Wachheit, Introspektion, Selbstbewusstsein, Begriffsbildung, Aufmerksamkeit, Willen und Wissen die zentralen Fragen beantworten können. Jedoch seien viele, womöglich sogar alle diese Vorgänge mit phänomenalen Zuständen assoziiert, was zu der Erkenntnis führe, dass sowohl phänomenale als auch psychologische Eigenschaften mit diesen Konzepten verbunden seien und daher zeitgleich auftauchten. Es sei deshalb besonders wichtig, sie nicht durcheinander zu bringen. Die psychologische Komponente, die mit bewusstem Erleben assoziiert ist, nennt Chalmers awareness17. Dies sei ein Zustand, indem wir Zugang zu Informationen haben und diese nutzen können, um unser Verhalten zu kontrollieren. Awareness sei der funktionale Aspekt von consciousness. Das Vorhandensein von awareness sei notwendige, jedoch keine hinreichende Bedingung für consciousness. So könne man einer Tatsache gewahr sein, ohne gleichzeitig irgendein phänomenales Erleben zu haben. Die Annahme von awareness bringe nur geringe metaphysische Probleme mit sich. Es gebe kaum Anlass zu der Vermutung, dass die gängigen Kognitionswissenschaften und angemessene philosophische Analysen damit nicht zurechtkommen sollten. Die phänomenale Komponente von consciousness hingegen verursache das wirkliche Problem.18

4 Supervenienz und reduktive Erklärung

Da die reduktive Erklärung des Mentalen offenbar nicht zufrieden stellend ist, versucht Chalmers eine Theorie aufzustellen, die mit dem Konzept der Supervenienz arbeitet. Supervenienz ist eine Relation zwischen Gruppen von Eigenschaften, d.h. Eigenschaftsfamilien. „Sind A und B zwei Eigenschaftsfamilien, dann sagt man, dass B über A superveniert, wenn sich zwei Gegenstände, die sich in ihren B-Eigenschaften unterscheiden, auch in mindestens einer A-Eigenschaft unterscheiden bzw. wenn es keine zwei Gegenstände gibt, die genau dieselben A-Eigenschaften besitzen, die sich aber in ihren B-Eigenschaften unterscheiden.“19 So seien bei Änderungen auf biologischer Ebene beispielsweise immer Änderungen auf chemischer Ebene zu beobachten. Chalmers unterscheidet zwischen verschiedenen Typen von Supervenienz.

4.1 Lokale und globale Supervenienz

Lokale Supervenienz definiert Chalmers so: B-Eigenschaften supervenieren über AEigenschaften, wenn die A-Eigenschaften eines Individuums die B-Eigenschaften dieses Individuums determinieren, sodass zwei mögliche Individuen sowohl die gleichen A- als auch B-Eigenschaften hätten. Globale Supervenienz hingegen beziehe sich nicht auf Individuen, sondern auf die ganze Welt. Sind A und B zwei Eigenschaftsfamilien, dann sagt man, dass B global über A superveniert, wenn in jeder möglichen Welt, in der die AEigenschaften insgesamt genauso verteilt sind wie in einer zweiten möglichen Welt, auch die B-Eigenschaften genauso verteilt sind wie in der ersten möglichen Welt.20

4.2 Logische und natürliche Supervenienz

Logische Supervenienz bedeutet: B-Eigenschaften supervenieren logisch auf AEigenschaften, wenn keine zwei logisch mögliche Situationen identisch sind in Bezug auf ihre A-Eigenschaften, aber unterschiedlich in Bezug auf ihre B-Eigenschaften. Die logische Supervenienz bezieht sich also auf logisch mögliche Welten und Entitäten. Von natürlicher Supervenienz ist die Rede, wenn zwei Gruppen von Eigenschaften systematisch in der aktualen Welt korrelieren. Man könnte auch von empirischer Supervenienz sprechen. Dass beispielsweise bestimmte Druckverhältnisse von Gasen über Temperatur und Volumen supervenieren, sei einfach eine Tatsache der Natur. Logische Supervenienz impliziert somit natürliche Supervenienz. Chalmers hält es für sehr wahrscheinlich, dass consciousness natürlich über physikalischen Eigenschaften superveniert, und zwar in der Weise, dass zwei physisch identische Wesen qualitativ identische Erlebnisse haben. Daher sei die Unterscheidung zwischen logischer und natürlicher Supervenienz entscheidend für die Zwecke einer Theorie-Bildung über consciousness.

[...]


1 Vgl. NAGEL, Thomas: Wie ist es, eine Fledermaus zu sein? In: BIERI, Peter: Analytische Philosophie des Geistes. Weinheim : Beltz Athenäum, ³1997, 261f.

2 CHALMERS, David J.: The Conscious Mind : In Search of a Fundamental Theory. Oxford, New York : Oxford University Press, 1996, 5.

3 Vgl. CHALMERS, 1-11.

4 Identitätstheorie: Identität von Physischem und Mentalem. Ein mentales Ereignis ist ein physisches Ereignis, bzw. hier: seine kausale Rolle.

5 LEWIS, David: Eine Argumentation für die Identitätstheorie. In: DERS.: Die Identität von Körper und Geist. Frankfurt am Main : Klostermann, 1989, 12.

6 Vgl. CHALMERS, 11-16.

7 CHALMERS, 24.

8 Unbeschreiblich, unaussprechlich, engl. ineffable.

9 CHALMERS, 23.

10 Vgl. CHALMERS, 16-24.

11 Im Folgenden auch Leib-Seele-Problem(e) genannt.

12 The easy part.

13 The hard part.

14 CHALMERS, 25.

15 JACKENDORFF, Ray: Consciousness and the Computational Mind. Cambridge, Massachusetts : MIT Press, 1987.

16 CHALMERS, 25.

17 Man könnte awareness mit Gewahrsein oder Aufmerksamkeit übersetzen, ich werde jedoch zur besseren Unterscheidung der beiden Phänomene zunächst bei den englischen Begriffen bleiben.

18 Vgl. CHALMERS, 24-31.

19 BECKERMANN, Ansgar.: Analytische Einführung in die Philosophie des Geistes. Berlin : ²2001, 206.

20 Vgl. CHALMERS, 33f.

Ende der Leseprobe aus 36 Seiten

Details

Titel
David Chalmers Suche nach einer Theorie über das Bewusstsein
Hochschule
Philosophisch-Theologische Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt am Main
Note
1,1
Autor
Jahr
2008
Seiten
36
Katalognummer
V309558
ISBN (eBook)
9783668082267
ISBN (Buch)
9783668082274
Dateigröße
522 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
david, chalmers, suche, theorie, bewusstsein
Arbeit zitieren
Matthias Alexander Schmidt (Autor:in), 2008, David Chalmers Suche nach einer Theorie über das Bewusstsein, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/309558

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