Zu: Theo Vennemann - "Preference laws for syllable structure and the explanation of sound change"


Seminararbeit, 2001
14 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Erläuterung der Begriffe Preference Laws, Silbe und der Interpretation von Theo Vennemann

2. Preference Laws für Silbenstrukturen und Lautveränderungen
2.1. Begriffs- und Zeichenerklärung
2.1.1. Aufteilung einer Silbe in Head, Nucleus und Coda
2.1.2. Silbengrenzen
2.1.3. Silbenkontakt
2.1.4. Konsonantische Stärke
2.1.5. Monotonicity
2.2. Preference Laws für einzelne Silben
2.2.1. Das Head Law
2.2.2. Das Nucleus Law
2.2.3. Das Coda Law
2.2.4. Die perfekte Silbe
2.3. Preference Laws für Silbenfolgen
2.3.1. Weight Law
2.3.2. Law of Initials
2.3.3. Law of Finals
2.3.4. Strength Assimilation Law
2.3.5. Contact Law

3. Zusammenfassung

4. Bibliographie

1. Erläuterung der Begriffe Preference Laws, Silbe und der Interpretation von Theo Vennemann

In seinem Buch „Preference Laws“ beschäftigt sich Theo Vennemann mit bevorzugten Silbenstrukturen und deren Veränderungen im Verlauf der Zeit in verschiedenen Sprachsystemen. Er hat Ergebnisse von zahlreichen Forschungen des 19. Jahrhunderts, die ebenfalls die Silbe betrafen, mit einbezogen und daraus resultierende Preference Laws für bevorzugte Silbenstrukturen aufgestellt. Hierfür ist eine Erklärung des Begriffs Silbe notwendig, denn schon Schubiger sagte 1970 „Die Silbe ist einer der wichtigsten und gleichzeitig umstrittensten Begriffe der Phonetik“[1]. Wolf Dietrich und Horst Geckeler erklären den Begriff Silbe folgendermaßen: „Das Sprechen geschieht [...] nicht in Einzellauten, sondern in größeren [...] zusammengesetzten Einheiten. Die kleinste Einheit, in die sich Sprache beim Sprechen zerlegen lässt, ist die Silbe. [...] Wenn auch der wissenschaftliche Nachweis der Existenz der Silbe Schwierigkeiten macht, so ist sie doch eine Realität der Sprachen(.) [...] Eine Lautkette hat so viele Silben, wie sie Schallgipfel aufweist“[2], und um diese Schallgipfel scharen sich eventuell noch weitere Laute. „Die Möglichkeiten der Lautgruppierungen zu Silben variiert von Sprache zu Sprache sehr stark. [...] Dies schlägt sich auch in den jeweiligen Silbentrennungsregeln orthographisch nieder.“[3] Allgemein kann man sagen, dass eine Silbe die kleinste rhythmische Sprecheinheit innerhalb eines Sprachsystems ist. Für sein Werk „Preference Laws“ will Vennemann jedoch nicht den Begriff Silbe diskutieren, sondern Silbe und Wort als „primitive concepts“[4] voraussetzen.

Die Preference Laws von Theo Vennemann betreffen sowohl einzelne Silben, für die er das Head Law, das Nucleus Law und das Coda Law aufgestellt hat, als auch Silbenfolgen, deren Gesetze er im Weight Law, Law of Initials, Law of Finals, Strength Assimilation Law und dem Contact Law festhält. Diese Gesetze sind allgemein gültige Theorien, die weltweite Sprachsysteme umfassen und auf den kommunikativen Aufnahme- und Ausdrucksfähigkeiten des Menschen basieren. Nach Vennemann wird die Veränderung einer Silbenstruktur durch deren schlechte Qualität hervorgerufen, und durch die Veränderung derselben eine Verbesserung erzielt. Demzufolge ändern sich zuerst schlechtere Silbenstrukturen, dann erst mittelmäßige. Die allgemeine Gültigkeit der Gesetze erklärt zugleich auch die erstaunliche Gleichmäßigkeit zwischen Sprachsystemen. Vennemann selbst empfindet diese acht Gesetze jedoch als in manchen Gesichtspunkten nicht zufriedenstellend. Es müsste eigentlich noch mehr Gesetze geben, die Kombinationsmöglichkeiten der einzelnen Laute müssten eingeschränkt werden und überflüssige Wiederholungen wegfallen.

In den „Preference Laws“ verwendet Vennemann zahlreiche Beispiele aus vielen Sprachen, hauptsächlich aus dem Deutschen und dem Italienischen, um seine Theorien und die allgemeine Gültigkeit derselben zu belegen, eine Spezialisierung auf eine Sprache ist bei diesem Werk also nicht möglich. In dieser Arbeit muss ich mich auf eine Auswahl der gegebenen Beispiele reduzieren, um das Fassungsvermögen nicht zu sprengen. Die mit * gekennzeichneten Beispiele habe ich selbst speziell für das Spanische herausgesucht, alle anderen gegebenen Beispiele sind dem Werk „Vennemann, Theo: Preference Laws. Mouton de Gruyter, 1988’’ zu entnehmen.

Preference Laws für Silbenstrukturen und Lautveränderungen

Begriffs- und Zeichenerklärung

Theo Vennemann teilt ein Silbe in Head, Nucleus und Coda. Head ist der Silbenkopf und der Teil der Silbe, der dem Nucleus vorausgeht. Nucleus ist der Silbenkern und damit die Basis der Silbe; er enthält immer mindestens einen Laut und ist niemals leer. Coda ist das Silbenende, also der Teil einer Silbe, der dem Kern nachfolgt. Head und Nucleus fasst man zusammen in Body, Nucleus und Coda ergeben den Rhyme, und Head und Coda ergeben zusammen die Shell. Nimmt man als Beispiel das Wort padres, so findet man zwei Silben vor pa.dres. Bei der ersten Silbe pa ist <p> der Head, <a> der Nucleus und das Coda ist leer. Die zweite Silbe dres besteht aus dem Head <dr>, dem Nucleus <e> und dem Coda <s>. Der Body der zweiten Silbe dres lautet <dre>, der Rhyme <es> und die Shell <drs>.

Den ersten Laut einer Silbe bezeichnet Vennemann als onset, wohingegen der letzte Laut als offset tituliert wird.

Ein Silbenkontakt entsteht an den Stellen, an denen zwei Silben aneinander grenzen, wobei es keine Rolle spielt, ob die beiden Silben innerhalb eines Wortes oder über Wortgrenzen hinaus aufeinander folgen. Eine Silbengrenze wird durch . oder $ gekennzeichnet, z.B. A.B oder A$B. Ich werde im folgenden eine Silbengrenze mit . kennzeichnen, also A.B.

Der Einfachheit halber kürzt Vennemann folgende Begriffe ab:

Konsonanten= C oder C’; Identische Resonanten (z.B. Nasale, Liquide, ...)= R oder R’; Monophthonge = V.

Ein wichtige Rolle bei den Preference Laws spielt auch die konsonantische Stärke der Laute, die davon bestimmt wird, wie stark der Luftstrom bei der Aussprache eines Lautes vom ungehinderten Luftstrom abweicht. Durch die unterschiedliche Aussprache der einzelnen Laute ergeben sich hier jedoch Unterschiede zwischen den einzelnen Sprachsystemen. Einen allgemeinen Eindruck der konsonantischen Stärke von Lauten gibt die folgende Tabelle (Vennemann 1988: 9):

Steigende konsonantische Stärke

- Stimmlose Verschlusslaute/ Okklusive (z.B. [p, t, k])
- Stimmhafte Verschlusslaute/ Okklusive (z.B. [b, d, g])
- Stimmlose Reibelaute/ Frikative (z.B. [f, s])
- Stimmhafte Reibelaute/ Frikative (z.B. [z])
- Nasale (z.B. [m, n])
- Laterale Liquide (z.B. [l])
- Zentrale Liquide (z.B. [r])
- Geschlossene Vokale (z.B. [i, u])
- Mittlere Vokale (z.B. [e, o])
- Offene Vokale (z.B. [a])

„The concept of Consonantal Strength allows us to define the concept of monotonicity”[5]. Eine Silbe heißt weakly monotonic, wenn im Head und im Body die konsonantische Stärke nicht steigt, und im Coda und im Rhyme nicht fällt. Man bezeichnet eine Silbe als strongly monotonic, wenn Heads, Bodies, Codas und Rhymes weakly monotonic sind und „do not contain sound occurences of equal Strength.“[6] Eine strongly monotonic Silbe wird core- Silbe, also Kernsilbe, genannt.

Preference Laws für einzelne Silben

Head Law

Das Head Law nach Theo Vennemann lautet: “A syllable head is the more preferred: (a) the closer the number of speech sounds in the head is to one, (b) the greater the Consonantal Strength value of its onset, and (c) the more sharply the Consonantal Strength drops from the onset toward the Consonantal Strength of the following syllable nucleus.”[7] Wenn innerhalb eines Sprachsystems Abweichungen auftreten, so werden sich diese den Gesetzmäßigkeiten des Head Law folgend verändern.

[...]


[1] Dietrich, Wolf/ Geckeler, Horst: Einführung in die spanische Sprachwissenschaft. Erich Schmidt, 2000. S. 68

[2] Dietrich/ Geckeler 2000: 68

[3] Dietrich/ Geckeler 2000: 68

[4] Vennemann, Theo: Preference Laws. Mouton de Gruyter, 1988. S. 5

[5] Vennemann, Theo: Preference Laws. Mouton de Gruyter, 1988. S. 9

[6] Vennemann, Theo: Preference Laws. Mouton de Gruyter, 1988. S. 9

[7] Vennemann, Theo: Preference Laws. Mouton de Gruyter, 1988. S. 13 f

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Zu: Theo Vennemann - "Preference laws for syllable structure and the explanation of sound change"
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Romanistik)
Veranstaltung
Proseminar
Note
1,3
Autor
Jahr
2001
Seiten
14
Katalognummer
V30958
ISBN (eBook)
9783638321044
ISBN (Buch)
9783638778466
Dateigröße
700 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Theo, Vennemann, Preference, Proseminar
Arbeit zitieren
M. A. Heike Mieth (Autor), 2001, Zu: Theo Vennemann - "Preference laws for syllable structure and the explanation of sound change", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30958

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