Zu: Antonio Munoz Molina "Beatus Ille"


Seminararbeit, 2003

24 Seiten, Note: 2,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Antonio Muñoz Molina und sein Roman „Beatus Ille“
2.1. Biographie des Autors
2.2. Bibliographie von Muñoz Molina
2.3. „Beatus Ille“
2.3.1. Ort der Handlung
2.3.1.1. Mágina
2.3.1.2. Haus in Mágina
2.3.1.3. La Isla de Cuba
2.3.1.4. Madrid
2.3.2. Zeiträume der Handlung
2.3.3. Fiktive und historische Personen in „Beatus Ille“
2.3.3.1. Fiktive Personen
2.3.3.2. Historische Personen
2.3.4. Handlung von „Beatus Ille“
2.3.4.1. Zeitraum um 1936 und 1937
2.3.4.2. Zeitraum um 1947
2.3.4.3. Zeitraum um 1969
2.3.5. Aufbau und Stil von „Beatus Ille“
2.3.5.1. Aufbau
2.3.5.2. Stil

3. Fazit

4. Bibliographie

5. Anhang

Antonio Muñoz Molina „Beatus Ille“

1. Einleitung

Antonio Muñoz Molina ist einer der bedeutendsten und interessantesten Autoren der neuen spanischen Schriftstellergeneration und wird auch oft als „stilsicherstes Chamäleon Spaniens“[1] bezeichnet, da er sich in der Vielzahl seiner Werke mühelos in verschiedenen Genres bewegt. Während seiner erst seit 17 Jahren andauernden Tätigkeit als Schriftsteller hat er es geschafft, eine einzigartige Karriere zu machen. Seine Werke wurden in viele Sprachen übersetzt. So auch sein erster Roman „Beatus Ille“, mit dem er den Durchbruch schaffte.

Der Titel „Beatus Ille“ lässt den Leser zunächst an Horaz denken und seinen Ausspruch: „Beatus ille, qui procul negotiis - glücklich, wer fern von Geschäften“[2], und er wird am Ende des Romans entdecken, dass beatus ille im Sinne von Horaz auch auf eine Figur dieses Werks zutrifft.

2. Antonio Muñoz Molina und sein Roman „Beatus Ille“

2.1. Biographie des Autors

Antonio Muñoz Molina wurde im Januar 1956 in der einstigen, an historischen Zeugnissen reichen maurischen Festungsstadt Úbeda in der kargen andalusischen Oliven-Provinz Jaén als Sohn eines Gärtners und Gemüsehändlers, und somit in der Unterschicht, dem sogenannten Volk, geboren und wuchs dort zur Zeit der späten Franco-Diktatur auf. Er besuchte eine katholische Schule und beschreibt diese Zeit selbst mit den Worten: „katholische Indoktrination in der Schule, jeden Morgen die Hymne der Falange“[3], „es war eine schreckliche und traurige Zeit [und wir wurden] häufig von den Priestern geschlagen. Die Diktatur lastete mit einem großen Gewicht auf allen.“[4] Muñoz Molina sollte wie sein Vater, der ihn mit dem Namen des armen Dorfpoeten „García“ rief, Gärtner werden, und in seinem Elternhaus waren Bücher rar. Vielleicht machte gerade das einen Schriftsteller aus ihm: durch den „Mangel an geistiger Freiheit [...] fand [er] Zuflucht in imaginären Welten“[5], die er mit Hilfe von Hörspielen im Radio und dem nahegelegenen Freiluftkino zusätzlich ausbaute. „In Augustnächten hörte ich von meinem Zimmer aus das Stampfen des Kinematografen, die Musik, das Meeresrauschen des Films: ein Meer in Technicolor, während die Luft draußen nach Jasmin und Wunderblumen duftete“[6], erinnert er sich. Und so begann er Stücke für das Schultheater zu schreiben. Als Antonio Muñoz Molina nach dem Abitur begann Journalismus in Madrid zu studieren, „war die Uni voll mit Polizisten. Man konnte kaum atmen in dieser Atmosphäre.“[7] Er machte sein Examen in Kunstgeschichte an der Universität von Granada und arbeitete anschließend in der Stadt als Verwaltungsbeamter. Als radikaler Linker begann er zur Zeit des zerbröckelnden Franco-Regimes und des widersprüchlichen Übergangs zur parlamentarischen Demokratie als Journalist für verschiedene Tageszeitungen, unter anderem für Diario Ideal, zu schreiben. Seine ersten Zeitungsartikel fasste er 1984 in seinem ersten Buch “El Robinsón urbano” und 1985 in “Diario del Nautilus” zusammen. Durch die Veröffentlichung seines ersten Romans “Beatus Ille” 1986 wurde Antonio Muñoz Molina entdeckt und schaffte sofort den Durchbruch als Autor. Über die Entstehung des Buches sagte er 2002, dass “escribir esa novela era al mismo tiempo aprender a hacerlo y saber si uno sería capaz de llegar al final. El mejor recuerdo que tengo de ese libro es que por primera vez me dejé arrastrar por un proceso de invención más fuerte que mi voluntad, y más rico que las operaciones voluntarias de la conciencia. [...] Lo que me extraña es haber tenido el impulso necesario para escribir tantas páginas en una soledad absoluta, sin ninguna esperanza de publicación. También me acuerdo de la felicidad incomparable de recibir en Úbeda la llamada de Pere Gimferrer en la que me decía, después de un largo mes de espera, que la novela iba a publicarse.”[8] Er erhielt gleich für sein erstes Werk den Premio Icaro de Literatura. Sein zweiter Roman „El invierno en Lisboa“ von 1987 wurde 1988 gleich zweimal ausgezeichnet, zum einen mit dem Premio Nacional de Literatura und zum anderen mit dem Premio de la Crítica. Außerdem wurde er von Pilar Miró verfilmt, genauso wie sein 1989 veröffentlichter dritter Roman „Beltenebros“, für den er bei den Berliner Filmfestspielen 1992 einen Silbernen Bären erhielt. Auch sein folgender Roman „El jinete polaco“ von 1991, der als autobiographisch bezeichnet werden kann, ist zweifach preisgekrönt, denn Muñoz Molina erhielt für dieses Werk noch im gleichen Jahr den Premio Planeta und im Jahr darauf den Premio Nacional de Literatura. 1995 wurde Antonio Muñoz Molina mit 39 Jahren, so früh wie niemand vor ihm, in die Real Academia Española de la lengua gewählt. Seit 1974 lebt der Autor in Granada. Er ist verheiratet mit der Autorin der Serie “Manolito Gafotas”, Elvira Lindo, und hat eine Tochter. Neben seiner Tätigkeit als Buchautor arbeitet er auch als Journalist und schreibt wöchentliche Beiträge für El País. (Fotos in Anhang 1)

2.2. Bibliographie von Muñoz Molina

Wie bereits erwähnt sind „El Robinson Urbano“(1984) und „Diario del Nautilus“(1985) die ersten Werke von Antonio Muñoz Molina, beides Zusammenfassungen seiner journalistischen Arbeiten. Sein erster Roman „Beatus Ille“(1986) erschien 1989 unter dem Titel „Beatus Ille oder Tod und Leben eines Dichters“ auf deutsch. Der zweite Roman „El Invierno en Lisboa“(1987) ist eine Mischung von Krimi und Liebesgeschichte und wurde 1991 als „Winter in Lissabon“ in Deutschland veröffentlicht. Ebenfalls 1987 schrieb Muñoz Molina den Erzählungsband „Las otras Vidas“ (1991 deutsch: „Die anderen Leben“). 1989 veröffentlichte der Autor mit „Beltenebros“ einen weiteren Roman, der ebenfalls ins Deutsche übersetzt wurde: „Deckname Beltenebros“, 1996. Der vierte Roman „El Jinete Polaco“ mit autobiographischen Zügen erschien 1991 auf spanisch und 1995 auf deutsch mit dem Titel „Der polnische Reiter“. Des Weiteren schrieb Antonio Muñoz Molina 1992 „Los Misterios de Madrid“ und 1993 „Nada del otro Mundo“. In „El Dueño del Secreto“ (deutsch: “Der Putsch, der nie stattfand”, 1998) skizziert der Autor 1994 ironisch eine Verschwörung gegen den Diktator Franco, einen Putsch, zu dem es nie kommt. Dem Werk „Ardor Guerrero“ von 1995 folgt 1997 der gesellschaftskritische Krimi „Plenilunio“, der mit „Die Augen eines Mörders“ 2000 ins Deutsche übersetzt wurde, nicht mit „Vollmond“ wie er im Originaltitel heißt. In „Carlota Fainberg“(1999) versucht sich Muñoz Molina an einem Roman, der von einer erfundenen Liebesgeschichte handelt (deutsch: „Carlotas Liebhaber“, 2002). 2001 veröffentlichte Antonio Muñoz Molina gleich zwei Werke: „Sefarad“ und „En Ausencia de Blanca“ (deutsch: „Siesta mit Blanca“, 2003).

2.3. „Beatus Ille“

2.3.1. Ort der Handlung

2.3.1.1. Mágina

Die Stadt Mágina wurde von Antonio Muñoz Molina als Schauplatz der Handlung von „Beatus Ille“ erfunden, denn hier ereignet sich fast die gesamte Geschichte. Mágina ist eine Stadt auf einem Berg über dem Fluss Guadalquivir, dessen Ebenen mit Olivenhainen übersät sind. Sie ist von einer Stadtmauer mit Aussichtstürmen umgeben, in deren höchstem Turm sich eine Uhr befindet. Das Stadtbild ist gekennzeichnet von zahlreichen Plätzen, wie der Plaza San Pedro, der Plaza de Santa María, der Plaza del General Orduña, der Plaza de San Lorenzo oder der Plaza de los Caídos, Kirchen, wie der Klosterkirche Santa María und der Kirche San Salvador, und dem Palast von Vázquez de Molina mit Patios aus weißen Säulen. Die Dächer der Häuser sind mit dunklen Ziegeln gedeckt. In dieser imaginären Stadt Mágina lässt sich unschwer Muñoz Molinas Heimatstadt Úbeda wiedererkennen. Diese liegt ebenfalls auf einem Hügel über dem Fluss Guadalquivir, umgeben von einer Stadtmauer mit Türmen, inmitten einer Landschaft aus Olivenhainen. Und auch die Kirchen Santa María und San Salvador, die Plätze San Pedro und San Lorenzo und der Palast von Vázquez de Molina finden sich in Úbeda (siehe Anhang 2).

2.3.1.2. Haus in Mágina

Ein Großteil der Handlung von „Beatus Ille“ spielt in einem ganz bestimmten Haus in Mágina, das an der Plaza de San Pedro liegt. Es gehört Manuel Alberto Santos Crivelli, einer fiktiven Person des Romans. Es wurde 1884 erbaut und ist sehr groß und sehr hoch. Vor dem Haus auf dem Platz stehen ein Brunnen und Akazien. Die Fassade des Hauses ist weiß, genauso wie die Fensterläden und die Stuckgirlanden über den Bögen der Balkone. Das oberste Stockwerk hat runde Fenster, „que se encendían de noche como las claraboyas de un submarino“[9], und eine Marmorbalustrade krönt die Fassade. An der dunklen Holztür befinden sich bronzene Türklopfer in Form von Frauenhänden. Das Haus hat ein französisches, fast koloniales Flair. Im Eingangsbereich des Hauses besteht der Boden aus Marmorfließen, man sieht weiße Säulen, einen Marmorkamin und eine verglaste Galerie. Über dem Patio erstreckt sich eine Glaskuppel. Auf dem Parkettfußboden der anderen Räume des Hauses „los pasos sonaban como en la cámara de un buque“[10]. Des Weiteren gibt es eine Bibliothek, einen Garten, einen Taubenschlag und zahlreiche andere Räume, die die Dimension des Hauses ähnlich der eines Palastes erscheinen lassen.

2.3.1.3. La Isla de Cuba

La Isla de Cuba ist das Landhaus und Gut von Manuel Alberto Santos Crivelli, auf dem sich ein Teil der Handlung zuträgt. Das Haus steht allein auf einem Hügel am Guadalquivir und ist von Oliven- und Mandelbäumen umgeben. Um zum Gut zu gelangen muss eine Brücke über den Fluss überquert werden. Von dem großen Vorplatz sehen die barocken, gekalkten Giebel aus wie die Ruinen einer Burg.

2.3.1.4. Madrid

Auch in Madrid spielen einige wenige Szenen des Buches, zum einen in einem Café der Fakultät, zum anderen in der Calle Argüelles. Im Großen und Ganzen spielt Madrid aber eine weniger wichtige Rolle.

2.3.2. Zeiträume der Handlung

Die Handlung des Romans „Beatus Ille“ findet in drei unterschiedlichen Zeiträumen statt: der Zeitraum der Jahre 1936 und 1937, im Jahr 1947 und im Jahr 1969. Der erste Zeitraum beginnt mit dem Sieg des Volksfrontbündnisses bei den Cortes-Wahlen am 16. Februar 1936 und endet in der Zeit des Bürgerkrieges im Mai 1937. Mit den Jahren 1947 und 1969 hat Antonio Muñoz Molina zwei verschiedene Zeitpunkte der faschistischen Diktatur Francos gewählt.

2.3.3. Fiktive und historische Personen in „Beatus Ille“

2.3.3.1. Fiktive Personen

In „Beatus Ille“ gibt es zwei Hauptpersonen: Jacinto Solana Guzmán und Minaya.

Jacinto Solana Guzmán ist Mitglied der kommunistischen Partei und schreibt für verschiedene linke Zeitungen in Madrid. Er stammt aus einer ärmlichen Bauernfamilie. Eigentlich ist er Schriftsteller, bleibt aber ein fast unveröffentlichter Dichter der Generation der Republik. Sein Ziel ist es, in seinem Leben ein Buch von Bedeutung zu schreiben, dessen Titel „Beatus Ille“ sein soll. Anfang Juni 1937 gibt er seinen Posten im Propagandaministerium auf und meldet sich freiwillig zum Militär, wird aber am Ebro als Unteroffizier einer MG-Einheit verwundet. Nach dem Krieg wird er zum Tode verurteilt, begnadigt und 1947 nach einer Schießerei mit der Guardia Civil für tot erklärt.

Minaya ist Student der Universität von Madrid und eine Generation jünger als Jacinto Solana. Er ist 1969 26 Jahre alt und publiziert gelegentlich Arbeiten in literarischen Zeitschriften. Er gibt vor seine Doktorarbeit über Jacinto Solana schreiben zu wollen und geht nach Mágina, um in dem Haus, in dem Solana 1947 eine Zeit lang gelebt hat, Informationen zu sammeln.

Eine weitere wichtige Person des Romans ist Manuel Alberto Santos Crivelli, der Onkel von Minaya, Besitzer des Hauses in Mágina, sehr wohlhabend und seit seiner Jugend und Schulzeit mit dem gleichaltrigen Jacinto Solana befreundet. Er hatte im zweiten Jahr Jura in Madrid studiert, als sein Vater starb und er nach Mágina in das Haus zurückkehren musste, um seiner Mutter zu helfen. Er ist Republikaner und 1904 geboren. Seit er in einer Schlacht an der Guadalajara-Front eine Schussverletzung erlitt, ist er herzkrank.

[...]


[1] Aus: TAZ. 23.03.2000.

[2] Von: http://www.lateinforum.de/thesauru/WdAntike/B/biqpnwda.htm

[3] Aus: Der Spiegel. 01.05.2000.

[4] Aus: Abendzeitung. 18.05.1998.

[5] Aus: Der Spiegel. 01.05.2000.

[6] Aus: Der Spiegel. 01.05.2000.

[7] Aus: Abendzeitung. 18.05.1998.

[8] Von: http://www.literaturas.com/antoniommolina.htm

[9] Muñoz Molina, Antonio: Beatus Ille. Barcelona: Seix Barral, 2002. S. 12.

[10] Muñoz Molina: Beatus Ille. S. 11.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Zu: Antonio Munoz Molina "Beatus Ille"
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Romanistik)
Veranstaltung
Proseminar
Note
2,5
Autor
Jahr
2003
Seiten
24
Katalognummer
V30960
ISBN (eBook)
9783638321068
ISBN (Buch)
9783638651042
Dateigröße
702 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Antonio, Munoz, Molina, Beatus, Ille, Proseminar
Arbeit zitieren
M. A. Heike Mieth (Autor), 2003, Zu: Antonio Munoz Molina "Beatus Ille", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30960

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