Gender Mainstreaming in der Kinder- und Jugendarbeit. Geschlechtsbezogene Pädagogik mit Jungen


Hausarbeit, 2014

18 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Begriffsbestimmung und Ausgangssituation
1.1 Gender Mainstreaming
1.2 Gender Mainstreaming in der Kinder- und Jugendarbeit
1.3 Was ist Jungenarbeit?

2. Ausgewählte Aspekte der Jungenarbeit
2.1 Jungenarbeit im gesetzlichen Kontext
2.2 Lebenslagen
2.3 Methoden in der Jungenarbeit

3. Spannungsfelder

Zusammenfassung

Quellenverzeichnis

Einleitung

„Gender Mainstreaming als neue geschlechterpolitische Strategie ist in aller – zumindest sozialpolitischer –Munde (…).“1 Diese Aussage stammt aus den einleitenden Worten in Lotte Roses Buch „Gender Mainstreaming in der Kinder- und Jugendarbeit“. Neu ist Gender Mainstreaming heute nicht mehr. Mit seiner internationalen Ursprungsgeschichte ist Gender Mainstreaming auch bis in das Arbeitsfeld Jungenarbeit vorgedrungen. Auch Jungenarbeit ist ein Teil von Gender Mainstreaming, die wiederum bereits vor der geschlechterpolitischen Neuausrichtung existierte. Auf den ersten Blick scheint dies eher verwirrend und bringt die Frage mit sich, was Gender Mainstreaming überhaupt bedeutet und was Gender Mainstreaming als Strategie in seiner Umsetzung bedeutet. Festgehalten werden kann vorab, Gender Mainstreaming und Jungenarbeit haben grundsätzlich eines gemeinsam. Es geht um geschlechtsspezifische Auseinandersetzungen, um Ungleichgewichte und letztendlich um Förderung und Gleichstellung. Jungenarbeit nimmt sich an dieser Stelle selbsterklärenderweise der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen männlichen Geschlechts an.

Die vorliegende Arbeit gibt einen Überblick zum Thema Gender Mainstreaming und dem Arbeitsfeld Jungenarbeit. Inhaltliche Schwerpunkte liegen auf einer Standortbestimmung von Jungenarbeit im System der Kinder- und Jugendarbeit und in der Frage, inwieweit Gender Mainstreaming die pädagogische Arbeit mit Jungen beeinflusste, beziehungsweise noch immer beeinflusst. Welche Vor- oder Nachteile, Entwicklungschancen oder Bedeutungsverluste haben sich durch Gender Mainstreaming für die Jungenarbeit ergeben. Dafür werden im ersten Teil der Arbeit die Begriffe Gender Mainstreaming und Jungenarbeit definiert und beschrieben. Im zweiten Punkt werden ausgewählte Aspekte der Jungenarbeit vertiefend erörtert. Der dritte Abschnitt gibt einen Einblick in relevante Spannungsfelder, die sich für die Jungenarbeit ergeben.

1. Begriffsbestimmung und Ausgangssituation

Zunächst sollen die themabezogenen Hauptbegriffe erläutert und die Ausgangssituation skizziert werden.

1.1 Gender Mainstreaming

Durchgesetzt hat sich der englische Ausdruck „Gender“ auf Grund der Mehrdeutigkeit des deutschen Wortes „Geschlecht“. Denn im Zusammenhang mit Gender Mainstreaming ist nicht das rein biologische Geschlecht gemeint. „Gender“ beinhaltet, neben den biologischen, soziale, kulturelle und politische Dimensionen, die unter historischen Aspekten veränderbar sind.

Gender Mainsteaming versteht sich als Strategie mit dem primären Ziel der Gleichstellung von Frauen und Männern. „Mainstreaming“ bezeichnet den Prozess, Gleichstellung konzeptionell zu fördern und weiterzuentwickeln. Als Weiterentwicklung traditioneller Gleichstellungsarbeit, die maßgeblich durch die Geschichte der Frauenbewegungen und Frauenpolitik bestimmt war, steht ein geschlechterübergreifender Ansatz. Alternativ wird auch von Gleichstellungspolitik gesprochen. Mit den Amsterdamer Vertrag von 1996 wurde Gender Mainstreaming europaweit als Leitprinzip festgelegt. Seit 1999 ist Gender Mainstreaming mit Beschluss des Bundeskabinetts auch in Deutschland als generelles Leitprinzip anerkannt. „Gender Mainstreaming hat die ins Stocken geratene geschlechterpolitische Debatte belebt und das öffentliche Interesse in der Geschlechterfrage erhöht.“2 Zusammengefasst kann Gender Mainstreaming wie folgt definiert werden: „Gender Mainstreaming ist eine gesetzliche Verankerung und zugleich eine Strategie sowie eine Methode, die darauf abzielt, Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern aufzuheben und auf die Herstellung der tatsächlichen Gleichstellung von Frauen und Männern, von Jungen und Mädchen hinzuwirken“3. Es geht nicht um Unterschiede, sondern um Ungleichheiten, Benachteiligungen und Diskriminierungen in allen Lebensbereichen. Relevante Bereiche sind hier Repräsentation, soziale Lebenslagen, Ressourcen, Normen und Werte.

Vier zentrale Wahrnehmungen bilden dabei den Grundstein des Gender Mainstreaming Konzepts:

1. Die Lebenswelten von Frauen und Männern unterscheiden sich weitläufig. Es gibt eine Dif­ferenz zwischen den Geschlechtern.
2. Diese Unterschiede haben lebensperspektivische und entwicklungsbezogene Folgen. Es wird auch von Einschränkungen oder Chancenungleichheit gesprochen.
3. Frauen und Männer unterscheiden sich darin, von welchen Einschränkungen sie betroffen sind. Es wird nicht in Frage gestellt, ob es Chancenungleichheit oder Einschränkungen gibt.
4. Gender Mainstreaming setzt voraus, dass der Zustand der Chancenungleichheit als gesell­schaftlich inakzeptabel angesehen wird.4

1.2 Gender Mainstreaming in der Kinder- und Jugendarbeit

Seit der Jahrtausendwende findet der Begriff Gender Mainstreaming in der Kinder- und Jugendhilfe immer mehr seinen Platz. Die ersten geschlechterpolitischen Überlegungen stehen im Zusammenhang mit in den 1970er Jahren geführten Debatten und ersten Umbrüchen in der frauenorientierten Politik. Mädchenarbeit war in der Jugendarbeit eher präsent. Erst in den 1990er Jahren wurden fehlende Angebote für Jungen thematisiert. Der zentrale Arbeitsansatz lag sowohl bei der Mädchenarbeit, als auch bei der Jungenarbeit in der homogenen Gruppenarbeit. Durch die verbindliche Anerkennung von Gender Mainstreaming als Leitprinzip wurden im Jahr 2001 bei der Neugestaltung der Richtlinien des Kinder- und Jugendhilfeplanes durch das Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend, geschlechterdifferendierende Zugänge als Aufgabe mit besonderer Bedeutung verankert. Jungenarbeit erlebt durch die Gender Mainstreaming Strategie einen Bedeutungszuwachs. Mehr noch werden jetzt Mädchen- und Jungearbeit als Einheit verstanden und sind gleichberechtigt. Die Kooperationsfähigkeit untereinander und mit der Jugendhilfe im Gesamten sind Bausteine, um eine Weiterentwicklung von Angeboten zu gewährleisten. Somit hat Gender Mainstreaming die Sichtweise verändert, was geschlechtergerechte Jugendhilfe ist. Dies bezieht sich nicht nur auf die Adressaten der Kinder- und Jugendhilfe, sondern es werden operative, konzeptionelle, strukturelle und ökonomische Bereiche mit einbezogen. Die Potenziale der Jugendhilfe sollen insgesamt erweitet werden. Dennoch ist Gender Mainstraming kein schematisiertes Handlungsprogramm. Auch hier gilt der Prozesscharakter.

Nach Rose hat Gender Mainstreaming in der Kinder und Jugendarbeit zwei zentrale Aufgaben zu bewältigen. Institutionell muss der Ist-Zustand zur Situation der Geschlechter in diesem Praxisfeld erfasst werden und die bei der Analyse offenkundig gewordenen Geschlechterungleichheiten konzeptionell ausgleichend begegnet werden. Zudem musste sich mit dem begrifflichen Verständnis von Mädchen- und Jungenförderung auseinandergesetzt werden. Die Förderung von Jungen und Mädchen ist aber nicht zwangsläufig mit Mädchen- und Jungenarbeit gleichzusetzen. Mit der zunehmenden Professionalisierung haben sich qualitative und formale Standards für Mädchen- und Jungenarbeit etabliert. Diese führte in der Kinder- und Jugendarbeit aber auch zu einer diskussionswürdigen Trennung in geschlechtsspezifische- und geschlechtsunspezifische Arbeit und der damit verbundenen Qualität und Notwendigkeit von Angeboten. Offene Fragen sind hier zum Beispiel, wann brauchen Mädchen und Jungen geschlechtsspezifische Angebote und wann nicht oder sind die festgelegten Standards unumstößlich, um erfolgreich zu arbeiten. Gender Mainstreaming hat hier in der Kinder- und Jugendarbeit neue Anstöße gegeben.5

1.3 Was ist Jungenarbeit?

Jungenarbeit gehört zur geschlechtspezifischen Kinder- und Jugendhilfe und ist somit ein spezieller und spezialisierter Bereich. Die geschlechtspezifische Kinder- und Jugendhilfe bezeichnet „Praxisansätze, die die Geschlechtigkeit der Zielgruppen konzeptionell reflektieren und emanzipatorische Entwicklungsräume bereitstellen, die ihre geschlechtsspezifischen Verschiedenheiten gerecht werden und Gleichberechtigung sicherstellen“6.

Grundsätzlich gehören alle Jungen, oder anders gesagt alle Kinder und Jugendliche männlichen Geschlechts, zur Zielgruppe von Jungenarbeit. Die heutige professionelle Jugendhilfe obliegt aber meist den problematischen, extremeren und randständigen Jugendlichen.7

Historisch gesehen war Jungenarbeit zunächst ein Sammelbegriff, der auf ein breites Feld von Tä­tigkeiten und Arbeitsweisen zurückgriff. Arbeit mit Jungen hieß insbesondere: Arbeit ohne Mäd­chen, ohne Frauen. Ihren Ursprung hat Jungenarbeit in den westlichen Bundesländern, hauptsächlich in den Ballungsgebieten. Als ein Ausgangspunkt in der Geschichte der Jungenarbeit kann das nordrheinwestfälische Modellprojekt der Heimvolksschule „Alte Molkerei“ Frille benannt werden. Dabei ging es um einen außerschulischen geschlechtsbezogenen Bildungsansatz für Mädchen und Jungen. Inhaltlich ging es um die Reflexion jungentypischer Verhaltensweisen, denen mit Handlungsalternativen im Verständnis von Gleichberechtigung begegnet werden sollte. Dieses Modellprojekt war für die Weiterentwicklung von Jungenarbeit an vielen Stellen richtungweisend.8

Heute ist Jungenarbeit die geschlechtsbezogene pädagogische Arbeit erwachsener Männer mit Jun­gen und wird als Basisdefinition verstanden, nicht nur im Sinne einer Spezialisierung, also eines bestimmten Bereiches der Kinder- und Jugendhilfe, sondern auch als Abgrenzung gegenüber der Kinder- und Jugendhilfe im Allgemeinen. Jungenarbeit ergibt sich aus Geschlechtshomogenität plus Geschlechtsbewusstsein – umgesetzt durch entsprechende Arbeitsansätze und Methoden. Die Merkmale der bereits unter Punkt 1.2 erwähnten Standards sind das Gruppensetting, die Geschlechtshomogene Gruppenarbeit, die Gleichgeschlechtlichkeit der Fachkräfte, die Dramatisierung und Thematisierung des Geschlechts.9

[...]


1 Rose, 2004, S.7

2 Meuser, Neusüß, 2004, S.9.

3 Czollek, Perko, Weinbach, 2009, S.85

4 Vgl. Rose, 2004, S.9 - 10

5 vgl. Rose, 2004, S.59

6 Rose, 2011, S.354

7 vgl. Bentheim, May, Sturzenhecker, Winter, 2004, S.8-9

8 vgl. Bentheim, May, Sturzenhecker, Winter, 2004, S.59-60

9 vgl. Bentheim, May, Sturzenhecker, Winter, 2004, S.8 und Winter, Neubauer, 2002, S.533 bis 534 und Rose, 2004, S.60-61

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Gender Mainstreaming in der Kinder- und Jugendarbeit. Geschlechtsbezogene Pädagogik mit Jungen
Hochschule
Fachhochschule Nordhausen
Veranstaltung
Gender
Note
2,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
18
Katalognummer
V309605
ISBN (eBook)
9783668078581
ISBN (Buch)
9783668078598
Dateigröße
401 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gender, Gender Mainstreaming, geschlechtsbezogene Pädagogik mit Jungen, Pädagogik
Arbeit zitieren
Lars Petersohn (Autor), 2014, Gender Mainstreaming in der Kinder- und Jugendarbeit. Geschlechtsbezogene Pädagogik mit Jungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/309605

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