In dieser Arbeit geht es darum, den Menschen als Schöpfer und als Geschöpf kommunikativer Prozesse und den damit verbundenen Machtkonstellationen darzustellen.
Als Schöpfer medialer Strukturen, die im Laufe der Geschichte nur den Zweck der Informationsübertragung hatten und gleichzeitig als Produkt oder Geschöpf der heute ohne Zweifel bestehenden Informationsgesellschaft (Informationen empfangen und senden zu können macht den einzelnen Menschen überhaupt erst zu dem was er ist), die uns die Möglichkeit der Verwirklichung bietet.
Die Überlegungen für diese Arbeit basieren auf der Literatur einerseits von Flusser Vilém „Medienkultur“ und andererseits von Pross Harry „Der Mensch im Mediennetz“.
Flusser, der als digitaler Denker gilt, sah in der Vernetzung der Gesellschaft durch neue Medien einen Umbruch im Kulturprozess, der individuelle und gesellschaftliche Lebensverhältnisse nachhaltig beeinflusst und vielleicht eine Abkehr von den gesellschaftszersetzenden Massenmedien sein könnte.
„Sollte die Bündelung überwiegen, dann gehen wir einer verantwortungslosen, verdummenden, verkitschenden und brutalisierten Lebensform entgegen. Vieles spricht dafür, so etwas voraussehen zu müssen. Sollte jedoch die Vernetzung die Massenmedien durchdringen und durch sie hindurchdringen, und sollten die vernetzenden Inseln wie Computerterminals, Video-Circuits oder Hypertexte die Bündelung zerreißen können, dann wäre die utopische Informationsgesellschaft, worin wir einander verwirklichen können, technisch und von daher auch existentiell in den Bereich des Machbaren vorgedrungen“.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Mächtige Codes
3. Vernetztes Denken
4. FAZIT
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen dem Menschen als Schöpfer medialer Strukturen und als Geschöpf der heutigen Informationsgesellschaft, wobei der Fokus auf Machtkonstellationen und der Kontrolle von Lebenszeit durch technologische Eliten liegt.
- Die Rolle der Informationsgesellschaft und virtueller Räume
- Machtstrukturen durch den Besitz "mächtiger Codes"
- Die Transformation vom historischen zum mathematisch-kalkulatorischen Denken
- Die Auswirkungen der Digitalisierung auf soziale Kontakte und individuelle Freiheit
- Der Zusammenhang zwischen Vernetzung und gesellschaftlicher Kontrolle
Auszug aus dem Buch
Mächtige Codes
Das, was die Atome für die materielle Welt bedeuten, sind die Codes für die mediale: Grundbausteine einer komplexen Struktur. Menschen kommunizieren mit Hilfe von Codes, denen eine Bedeutung zugeordnet ist. Flusser spricht in diesem Zusammenhang von einer kodifizierten Welt. Früher haben die Menschen mit Bildern (Höhlenmalerei) kommuniziert und damit die Fähigkeit besessen, die Welt der Sachlagen auf Szenen zu reduzieren. Sie haben bestimmte, für sie wahrscheinlich wichtige Ereignisse dadurch festhalten können und sich dadurch anderen mitgeteilt – mit ihnen kommuniziert. Durch diesen szenischen Charakter der zweidimensionalen Codes konnte sich aber noch kein Geschichtsbewusstsein entwickeln, weil eben nur Ereignisse aber keine Geschehnisse festgehalten werden konnten. Nach Flusser wäre ohne die Entwicklung eines derartigen Bewusstseins eine moderne, fortschrittliche Welt, so wie wir sie heute kennen, nicht entstanden. Jedoch mussten erst neue Codes entstehen, die dieses Bewusstsein in das Gedächtnis der Menschen trugen. Erst mit der Erfindung der Schrift und als Folge dessen die Entstehung der linearen Codes beginnt historisches Denken. „Und das hat eine neue Zeiterfahrung zur Folge, nämlich die einer linearen Zeit, eines Stromes des unwiderruflichen Fortschritts, der dramatischen Unwiederholbarkeit, des Entwurfs: kurz der Geschichte. Mit der Erfindung der Schrift beginnt die Geschichte, nicht weil die Schrift Prozesse festhält, sondern weil sie Szenen in Prozesse verwandelt: Sie erzeugt das historische Bewusstsein“3.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung stellt den Menschen als Schöpfer und Geschöpf medialer Strukturen dar und führt in die Thematik der Informationsgesellschaft sowie die Machtaspekte der Lebenszeitverwaltung ein.
Mächtige Codes: Dieses Kapitel erläutert die Bedeutung von Codes – von Bildern über Schrift bis hin zu digitalen und alphanumerischen Systemen – für die Entwicklung des historischen Bewusstseins und die Entstehung neuer herrschender Eliten.
Vernetztes Denken: Hier wird die Bedeutung von Netzwerken analysiert, wobei der Computer als Werkzeug zur Kommunikation und zugleich zur massenmedialen Gleichschaltung und Kontrolle durch eine technologische Elite hinterfragt wird.
FAZIT: Das Fazit resümiert die aktuelle Gefahr der Manipulation durch Massenmedien und appelliert an ein Umdenken zugunsten echter menschlicher Interaktion und einer demokratischen Gestaltung der Informationsgesellschaft.
Schlüsselwörter
Informationsgesellschaft, Medienkultur, Machtkonstellationen, Codes, Lebenszeit, historische Bewusstsein, Digitalisierung, Vernetzung, Elite, Kommunikation, Cyberspace, Telematik, Kontrolle, Manipulation, Mensch-Maschine-Beziehung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die soziologische Rolle des Menschen in einer technologisch geprägten Welt, in der mediale Strukturen und der Zugang zu Informationen die Verteilung von Macht und die Kontrolle über die Lebenszeit des Einzelnen bestimmen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der Codierung von Informationen, der Entwicklung des Geschichtsbewusstseins durch verschiedene Zeichensysteme und der symbiotischen, aber ungleichen Beziehung zwischen einer technokratischen Elite und der breiten Gesellschaft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Machtstrukturen offenzulegen, die sich hinter der modernen Informationsgesellschaft verbergen, und zu hinterfragen, wie digitale Werkzeuge sowohl zur Befreiung als auch zur Unterwerfung genutzt werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturbasierte theoretische Auseinandersetzung, die maßgeblich auf den Medientheorien von Vilém Flusser und Harry Pross aufbaut, um die gesellschaftlichen Auswirkungen digitaler Technologien zu deuten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Transformation von Denksystemen, der Rolle des Computers als Herrschaftsinstrument und der Bedeutung vernetzter Infrastrukturen für die heutige Lebenspraxis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Informationsgesellschaft, Macht, Codes, Lebenszeit, Kontrolle, Elite und Vernetzung.
Wie unterscheidet sich das "digitale Denken" vom historischen Denken laut der Arbeit?
Das historische Denken wird als prozessual und schriftbasiert beschrieben, während das neue, durch digitale Codes geprägte Denken rein mathematisch und kalkulatorisch ist, was eine neue, technologisch versierte Elite begünstigt.
Welche Rolle spielt der "Zugriff auf die Lebenszeit" im Kontext von Macht?
Macht wird als die Fähigkeit definiert, andere dazu zu bringen, ihre begrenzte und unwiederbringliche Lebenszeit den Zielen einer herrschenden Elite zu widmen, etwa durch Beschäftigung mit programmierten Inhalten im Cyberspace.
Was wird als Gegenmittel gegen die drohende Entfremdung vorgeschlagen?
Die Arbeit plädiert für ein Umdenken: weg von einer totalen Fesselung durch virtuelle Räume und hin zu realen "Face-to-Face"-Kontakten, um die seelische Verarmung und soziale Gleichschaltung zu verhindern.
- Arbeit zitieren
- Magister Klaus Hofmann (Autor:in), 2015, Von den Codes zur Informationsgesellschaft. Der Mensch und seine Macht im Zeitalter der Massenmedien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/309664