Sprache und Propaganda in der DDR

Analyse von Zeitungstexten aus "Neues Deutschland" und "Neue Zeit"


Ausarbeitung, 2015

9 Seiten, Note: unbenotet


Leseprobe

Inhalt

1.Einleitung

2.Entwicklung der DDR-Sprache

3.Analyse der sprachliche Aspekte

4.Bibliographie

1.Einleitung

Es kann davon ausgegangen werden, dass sich die Gesellschaften der Bundesrepublik Deutschland (BRD) und der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) aufgrund der politischen Prägung unterschiedlich voneinander entwickelten. Diese Arbeit möchte einen kleinen Beitrag zur Analyse der Mediensprache der DDR in den TageszeitungenNeues Deutschland(ND) undNeue Zeit(NZ) liefern. Zunächst werden die Eckpunkte der Entwicklung der DDR-Sprache umrissen. Danach werden sprachliche Aspekte analysiert und mit Beispielen aus Zeitungsartikeln zum Thema des Boykotts der Olympischen Spiele 1980 in Moskau belegt.

2.Entwicklung der DDR-Sprache

Sowohl in der BRD als auch in der DDR beschäftigten sich Linguisten mit der Frage nach einem etwaigen Unterschied der beiden deutschen Sprachen. In der DDR diente dieser Vergleich der beiden Sprachen primär der Identifizierung mit der DDR und der Abgrenzung von der BRD. Zusätzlich unterlagen die DDR-Linguisten strengen Vorgaben, denn so durfte beispielsweise eine Rede Erich Honeckers nicht sprachkritisch ausgelegt werden. Zudem überwachte das Politbüro streng die sprachliche Gestaltung von Nachrichten und Berichten. Durch diese enge Verbindung von Politik und Medien in der DDR hätte Kritik an diesen Medien schnell als Kritik an der offiziellen Politik verstanden werden können.1

Bereits in den 50er Jahren bemerkten Linguisten die zunehmende Auseinanderentwicklung auf dem sprachlichen Gebiet. Zwar hielt zu diesem Zeitpunkt die Politik beider Länder noch am Gedanken der Wiedervereinigung und einer gemeinsamen Nation fest und bezeichnete die Spaltung als eine große Gefahr für das deutsche Volk, jedoch waren bereits unterschiedliche Entwicklungen festzustellen. Die Untersuchungen des Westens fokussierten sich auf die qualitative Überbewertung weniger Worte. Allerdings bedienten sie sich dabei mangelhafter Quellen. Sie kritisierten des Weiteren die Bürokratisierung der DDR-Sprache und bezeichneten sie als „schlechtes Funktionärsdeutsch“. Dies bezog sich hauptsächlich auf die teilweise mechanischen Übersetzungen aus dem Slawischen und dem inflationären Gebrauch von Genitiv-Reihungen.2

Die Untersuchungen der DDR-Linguisten stellten einen eindeutigen Unterschied zwischen der Entwicklung beider deutscher Sprachen fest, die eine Zweistaatlichkeit zwingend mit sich bringen müsse. Dabei ging die BRD davon aus, dass ihre deutsche Sprache die Weiterentwicklung und die Sprache der DDR eine zu bedauernde Randerscheinung sei. Die DDR ging wiederum davon aus, dass sie eine progressive und die BRD eine rückschrittliche Sprache hatte, ein „weichlich-unverbindliche(s) Gerede im Bonner Stil.“ Sie kritisierten auch die zunehmende Amerikanisierung der Sprache der BRD.3

In den 50er und 60er Jahren etabliert sich der „Arbeiter- und Bauernstaat“ in der DDR, mit dessen politischer Umsetzung auch die Partei- und Verlautbarungssprache weiter in die offizielle Sprache der DDR vordrang. Die DDR rechtfertigte die sprachlichen Neuerungen, die die BRD als „Sowjetdeutsch“ bezeichnete, mit der einhergehenden gesellschaftlichen Veränderung, die nur positiv zu bewerten sei und übte stattdessen Kritik an „Bonner Ultras“.4

Nach dem Mauerbau 1961 und die damit eingedämmte Massenflucht aus der DDR, ging man auf beiden Seiten der Mauer von zwei unterschiedlichen deutschen Sprachen aus. Zunächst erfolgte eine politisch motivierte Überbetonung des Unterschieds, der später allerdings auf normal nivelliert wurde. Man erkannte schließlich, dass es keinen wirklichen Unterschied zwischen beispielsweise Plaste (DDR) und Plastik (BRD) gibt.

Anfang der 70er Jahre kam es zu einer Zäsur in der Sprache der DDR, die mit dem Beginn der Honecker-Ära einherging, in der sich mittels einer einheitlichen Wirtschafts- und Sozialpolitik weiter von der BRD abgegrenzt werden sollte. Dadurch wurde auch die Entwicklung einer eigenen Nationalsprache vorangetrieben. Zwar wurde die Vier-Varietäten-These der deutschen Sprache nicht intensiv verfolgt, doch die Linguisten sprachen nun offiziell von der Sprache der DDR.5

Nach der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa von Helsinki 1973 setzte eine gesellschaftliche Stagnation in der DDR ein. Die Linguisten bekamen zwar mehr Freiheit auf dem Feld der internationalen Diskussion, dennoch unterlagen die Medien weiterhin strengen Vorgaben. Die offizielle Sprache ist weiterhin lexikalisch, syntaktisch und stilistisch normiert und wirkt dadurch steril. Die SED verwendete in ihren Texten vorrangig eine Verwaltungs- und Propagandasprache. Die öffentliche Sprache war somit eine Funktionssprache und diese hat nicht den Anspruch, aufzuklären oder zu überzeugen.6

Im folgenden Kapitel sollen die sprachlichen Aspekte der Mediensprache der DDR analysiert werden. Dennoch soll an dieser Stelle erwähnt werden, dass die DDR-Bürger nicht so sprachen, wie sie die Zeitungen lasen. Der Sprachgebrauch ist vielmehr abhängig vom Bildungsstand, der Funktion und dem Grad der Angepasstheit des Sprechers und entgegen vieler Behauptungen linguistischer Untersuchungen aus der BRD, spiegelt Mediensprache weder den Wortschatz noch die Art und Weise des Sprechens des allgemeinen DDR-Bürgers wider.7

[...]


1Vgl. Welke et al. 1992: 2.

2Vgl. Welke et al. 1992: 3f; vgl. Oschlies 1997: 23.

3Vgl. Welke et al. 1992: 3ff; vgl. Oschlies 1997: 23.

4Vgl. Welke et al. 1992: 4; vgl. Oschlies 1997: 23.

5Vgl. Welke et al. 1992: 5ff; vgl. Oschlies 1997: 23.

6Vgl. Welke et al. 1992: 6ff.

7Vgl. Welke et al. 1992: 9; vgl. Oschlies 1997: 23, 57.

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Sprache und Propaganda in der DDR
Untertitel
Analyse von Zeitungstexten aus "Neues Deutschland" und "Neue Zeit"
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Germanistik)
Veranstaltung
Die deutsche Sprache im 20. und 21. Jahrhundert
Note
unbenotet
Autor
Jahr
2015
Seiten
9
Katalognummer
V309719
ISBN (eBook)
9783668080683
ISBN (Buch)
9783668080690
Dateigröße
388 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
DDR, Sprachspaltung, Neues Deutschland, Neue Zeit, BRD, Kommunismus
Arbeit zitieren
B.A. Anne-Marie Schmidt (Autor), 2015, Sprache und Propaganda in der DDR, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/309719

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