Ästhetische Erkenntnis bei Schopenhauer. Idee und Kontemplation


Hausarbeit, 2010

13 Seiten, Note: 1,0

Alexander Meyer (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Zur Idee bei Schopenhauer

Zur Kontemplation bei Schopenhauer

Reflexion der Erkenntnis

Schluss

Literatur

Einleitung

Bereits in der Vorrede zur ersten Auflage von Die Welt als Wille und Vorstellung betont Schopenhauer, dass für das Verständnis seines Werkes nicht nur Kants Philosophie, sondern auch die Gedanken Platons unerlässlich sind[1].

Vor allem im dritten Buch seines Hauptwerkes, das im Wesentlichen Schopenhauers Ästhetik enthält, wird dies in Bezug auf Platon sehr deutlich, denn dort bilden die modifizierten Ideen Platons die Grundvoraussetzung für die ästhetische Erkenntnis, die mittels der Kontemplation gewonnen werden soll.

In dieser vorliegenden Arbeit soll nun in einem ersten Schritt gezeigt werden, wie Schopenhauer die Platonische Ideenlehre versteht und diese hinsichtlich seines Gesamtwerkes modifiziert.

Dadurch wird sich zeigen, dass Schopenhauer die Ideen als Vorstellungen unabhängig vom Satz vom Grunde betrachtet und diese an den Willen bindet.

Überdies wird deutlich werden, dass die Ideen aufgrund ihrer Eigenschaft als vom Satz vom Grunde unabhängige Vorstellungen einer speziellen Zugangsweise bedürfen, um sie für die Erkenntnis greifbar zu machen.

In einem zweiten Schritt soll nun dieser Zugang zu den Ideen in den Blick genommen werden. Dabei wird Schopenhauers Verständnis der (ästhetischen) Kontemplation verdeutlicht werden und das Verhältnis von erkennendem Subjekt und 'Platonischer Idee' offensichtlich werden.

In einem dritten Schritt soll nun über diese gewonnenen Erkenntnisse der Kontemplation reflektiert werden. Dabei wird sich zeigen, dass Schopenhauers Weg zur ästhetischen Erkenntnis nicht unproblematisch verläuft. So werden einzelne Widersprüchlichkeiten angedeutet.

Letztlich wird sich aber Schopenhauers Hauptanliegen der Ästhetik zeigen, auch unabhängig von den vermeintlichen Widersprüchen bei der Gewinnung ästhetischer Erkenntnis, nämlich den vorbereitenden Weg für die Ethik des vierten Buches.

Zur Idee bei Schopenhauer

In seiner zweiten Betrachtung zur Welt als Vorstellung nimmt Schopenhauer im dritten Buch seines Hauptwerkes Die Welt als Wille und Vorstellung die vom Satz vom Grunde unabhängige Vorstellung in Betracht, die er als Idee versteht. Dabei orientiert er sich an der Ideenlehre Platons, die er jedoch mit Blick auf seine Willensmetaphysik modifiziert und an den Willen bindet. Letztlich soll diese modifizierte Platonische Idee zum Kunstwerk führen; sie wird von Schopenhauer als „ das Objekt der Kunst“[2] verstanden.

Zunächst soll hier aber geklärt werden, in welcher Hinsicht Schopenhauer die Platonische Idee versteht und modifiziert.

Platons Ideen werden als ewige Urbilder verstanden. Sie sind von je her, sind unvergänglich und unterliegen auch keiner Veränderung; auch sind die Ideen bei Platon unzusammengesetzt und zeigen sich weder in einer Vielheit noch in Zeit, Raum und Kausalität, wie Schopenhauer betont[3].

Für Schopenhauer selbst handelt es sich bei den Ideen aber keinesfalls mehr um Urbilder im platonischen Sinne, sondern für ihn stellen sie „Objektivationen des Willens unter der Bedingung der Zeit“[4] dar. Angefangen bei der niedrigsten Stufe der Objektivation des Willens, der unorganischen Natur, nimmt der Grad der Objektivation über Pflanzen und Tiere bis hin zur höchsten Objektivation des Willens im Menschen zu. - Hier wird eine Hierarchie der Ideen deutlich.

Es lässt sich also sagen, dass überall in der sichtbaren Welt „Plato's Ideen“[5] als Objektivation des Willens auftreten. Auch in ihnen zeigt sich der blinde und grundlose Wille, der in der Welt nach zunehmend höherer Objektivation strebt, nicht bruchstückhaft, sondern er zeigt sich als ganzer Wille in jeder Idee[6]. Dieses Moment wird sich bei der ästhetischen Kontemplation verdeutlichen, wenn sich der Wille selbst erkennt.

Im Gegensatz zu den Erscheinungen sind die Ideen bei Schopenhauer nicht dem Satz vom Grunde unterworfen. Dadurch verdeutlicht sich, dass die Ideen bei Schopenhauer nun einen eigenen Seinsstatus hinsichtlich des Willens gewonnen haben. Sie zeigen dabei zwar nicht das Wesen des Dinges an sich selbst, doch wird in den Ideen „der eigentliche Charakter des Dinges“[7] deutlich, da sie eine vermittelnde Funktion zwischen dem Ding an sich und den Vorstellungen haben, die dem Satz vom Grunde unterworfen sind. Es lässt sich also sagen, dass die Ideen „die Nahtstelle zwischen Idealem und Realem“[8] besetzen.

Jener von den Ideen verdeutlichte Charakter des Willens zeigt sich durch diese in den Relationen der Dinge der sichtbaren Welt an sich und untereinander, wie sie von der wissenschaftlichen und empirischen Erkenntnis gewonnen werden können. Diese Erkenntnismodi sind also auch an den Satz vom Grunde aufgrund ihres zu betrachtenden Gegenstandes gebunden.

Überdies ist die Idee bei Schopenhauer in der Ästhetik nicht vermittelt wie eine individuelle Vorstellung, wie sie im ersten Buch von Die Welt als Wille und Vorstellung thematisiert wurde, sondern sie ist eine Vorstellung allgemeiner Natur und dem Ding an sich, dem Willen, „sehr nahe verwandt“[9]. Die Ideen sind gleichsam die „unmittelbare[n] Objektität[en] jenes Willens“[10], da sich in ihnen der Wille frei vom Satz vom Grunde selbst gegenübertritt[11]. Diese eigene Inblicknahme des Willens beruht auf jenem bereits erwähnten Moment, dass sich der Wille in jeder Idee ganz zeigt. Auch in der Idee, die dem erkennenden Subjekt zugrunde liegt.

Aufgrund dieser Eigenschaft der Ideen lässt sich sagen, dass die Ideen ursprünglicher als die Dinge der sichtbaren Welt sind, ursprünglicher als die Vorstellungen, die an den Satz vom Grunde gebunden sind, jedoch sind die Ideen nicht gänzlich mit dem Ding an sich identisch[12], da auch sie sich noch „unter der Form der Vorstellung“[13] präsentieren.

Die Vorstellungen unabhängig vom Satz vom Grunde, die Ideen, sind folglich aufgrund ihrer Nähe zum Willen die „einfachsten Willensakte“[14], und doch im Bereich der Vorstellung angesiedelt, was bedeutet, dass die Ideen selbst als Objekte für ein Subjekt fungieren können. Die Subjekt-Objekt-Beziehung, die im ersten Buch von Die Welt als Wille und Vorstellung verdeutlicht wurde, wird also auch bei den Ideen, den Vorstellungen unabhängig vom Satz vom Grunde, vorausgesetzt, denn auch hier bedarf es eines Erkennenden, der das Objekt, in der Ästhetik ist der Gegenstand der Betrachtung die Idee, erschaut und erkennt. Es lässt sich also sagen, dass auch die Ideen eine Bedeutung für ein Subjekt in sich tragen, während der Wille selbst sich „jeglicher Bedeutungsfixierung“[15] entzieht.

[...]


[1] Vgl. Schopenhauer, A., Die Welt als Wille und Vorstellung, Zürich 1977, S. 11.

[2] Schopenhauer, A., S. 219.

[3] Vgl. Schopenhauer, A., S. 224.

[4] Feger, H., „Das Rad des Ixion, Schopenhauers Ästhetik als Problem“, in: Hühn, L. (Hrsg.), Die Ethik Arthur Schopenhauers im Ausgang vom Deutschen Idealismus (Fichte/Schelling), Würzburg 2006, S. 301.

[5] Schopenhauer, A., S. 221.

[6] Pöggeler, O., Die Frage nach der Kunst: Von Hegel zu Heidegger, Freiburg, München 1984, S. 118.

[7] Korfmacher, W. , Idee und Ideenerkenntnis in de ästhetischen Theorie Arthur Schopenhauers, Pfaffenweiler 1992, S. 27.

[8] Korfmacher, W., S. 78.

[9] Schopenhauer, A., S. 222.

[10] Ebd.

[11] Malter, R., Der eine Gedanke, Darmstadt 1988, S. 63.

[12] Vgl. Schopenhauer, A., S. 227.

[13] Ebd. , S. 228.

[14] Fleischer, M., Schopenhauer, Freiburg 2001, S. 112.

[15] Malter, R., S. 63.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Ästhetische Erkenntnis bei Schopenhauer. Idee und Kontemplation
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Philosophisches Seminar)
Veranstaltung
Arthur Schopenhauer: Die Welt als Wille und Vorstellung
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
13
Katalognummer
V309748
ISBN (eBook)
9783668080447
ISBN (Buch)
9783668080454
Dateigröße
413 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ästhetische, erkenntnis, schopenhauer, idee, kontemplation
Arbeit zitieren
Alexander Meyer (Autor), 2010, Ästhetische Erkenntnis bei Schopenhauer. Idee und Kontemplation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/309748

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