Kontaktanzeigen gestern und heute. Vergleich zwischen 1954 und 2014


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014

20 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung: Kontaktanzeigen im zeitlichen Wandel

2 Charakteristik der untersuchten Zeitschrift DAS MAGAZIN
2.1 Methodik der Untersuchung
2.2 Die zu untersuchenden Kontaktanzeigen (1954 und 2014)

3 Textarten
3.1 Allgemein zum Begriff Textsorte
3.2 Textsorte ‚Kontaktanzeige’

4 Inhaltliche Textstrukturanalyse der Kontaktanzeigen
4.1 Kohäsion
4.2 Kohärenz
4.3 Bestimmung des Themas und Themenentfaltung

5 Sprachliche Ausdrucksformen
5.1 Bilder
5.2 Wort- und Satzfiguren
5.3 Wortebene
5.4 Satzebene
5.5 Stilzüge

6 Funktionsanalyse
6.1 Sprachliche Handlung
6.2 Textfunktion
6.3 Kommunikationsbereich und Kommunikationssituation

7 Fazit

8 Abkürzungsverzeichnis

9 Anhang

1 Einleitung: Kontaktanzeigen im zeitlichen Wandel

Die Kontaktanzeige ist „ein in Printmedien geschaltetes Inserat, das die Kontaktauf-nahme mit einem oder mehreren bis dahin unbekannten Menschen zum Ziel hat“ und i.d.R. unter Chiffre mitteilt, welchen Zweck die inserierende Person damit verfolgt.[1] Der Zweck ist vielfältig und hat sich im Laufe der Zeit verändert. So trat John Houghton zu seiner Zeit eine beachtliche Welle der Empörung los, als er am 19. Juli 1695 die wahrscheinlich erste Heiratsannonce in dem Wochenblatt „A Collection for improvement of husbandry and trade“ veröffentlichte. "Ein Herr von etwa 30 Jahren mit ansehnlichem Besitz sucht eine junge Dame mit einem Vermögen von ca. 3000 Pfund."[2] hieß es damals in England. Jedoch blieben die Zuschriften aus, da sich die gesellschaftliche Akzeptanz für Heiratsannoncen erst entwickeln musste.

In Deutschland wurde die erste Heiratsanzeige am 8. Juli 1738 in den Frankfurter „Frag- und Anzeigungs-Nachrichten“ publiziert und lautete: „Ein honettes Frauenzimmer ledigen Standes, guter Gestalt, sucht … einen guten Doctor oder Advocaten ledigen Standes…, so groß und wohl aussieht…“.[3]

Mitte des 19. Jahrhunderts wurden vermehrt Frauen für eine zweite oder dritte Ehe gesucht, die die zumeist dem Kindbettfieber erlegene Frau im Haushalt und für die Kindererziehung ersetzen sollten. In den Jahren nach den Weltkriegen hingegen versuchten viele Witwen einen Nachfolger für ihre im Krieg gefallenen Ehemänner zu finden. Doch schon in den nachfolgenden Jahren wurden Inserate nicht mehr vorrangig aus wirtschaftlichen Gründen, sondern der Liebe wegen aufgegeben und die Heiratsannonce entwickelte sich zur Kontaktanzeige.4

Laut einer repräsentativen Emnid-Umfrage suchte bereits Anfang des 21. Jahr-hunderts jeder Zehnte zwischen 40 und 49 Jahren nach einem Partner fürs Leben.[5]

Seit der Entdeckung des Internets satteln viele Alleinstehende auf Singlebörsen im World Wide Web um, wo man sich ausführlicher mit Worten, Bildern und sogar Videos „anpreisen“ kann. Des Weiteren kann sofort interaktiv auf ein Inserat geantwortet werden. Diese alternative Form der Partnersuche via Kontaktanzeige wird ergänzt durch zahlreiche Fernsehshows, wie „Herzblatt“, Singleparties, wie „Fisch sucht Fahrrad“, oder sogenannte Kuppelspiele im Rundfunk, wie das „FritzPlaylistdate“. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, die professionelle Unterstützung einer wissenschaftlichen Partnervermittlung in Anspruch zu nehmen.

Es wurde somit kurz aufgezeigt, dass sich die Kontaktanzeige mit der sozialen Entwicklung der Gesellschaft während der Zeit gewandelt hat. Jedoch ist nicht er-sichtlich, inwiefern die Textsorte ‚Kontaktanzeige’ dem zeitlichen Wandel unterlag.

Darauf wird in den folgenden Abschnitten detailliert eingegangen, wobei ausschließlich Printanzeigen untersucht werden. Die Begriffe ‚Heiratsannonce’ und ‚Kontaktanzeige’ werden in dieser Arbeit synonym verwendet.

2 Charakteristik der untersuchten Zeitschrift DAS MAGAZIN

DAS MAGAZIN ist eine seit 1924 im Kurznachzehn Verlag erscheinende Zeitschrift im handlichen Pocketformat für 3,30 EUR. Die monatlich 45.000 Exemplare zählen-de Auflage wird mit einem Anteil von 75% vorrangig in den neuen Bundesländern gelesen, während in den alten Bundesländern 23 % der Leserschaft anzutreffen sind. Im Ausland sind mit 2% nur wenige Leser vorhanden. DAS MAGAZIN richtet sich mit einem thematischen Mix aus Kultur, Alltag und Gesellschaft vor allem an die jüngere, Orientierung suchende Akademikergeneration. Die Leserschaft hat überwiegend einen hohen Bildungsgrad in Form eines Hochschulabschlusses und besteht zu über 60% aus Frauen, deren Wohnort zumeist in der Stadt oder dem Vorort einer großen Stadt liegt. Kontaktanzeigen mit bis zu 200 Anschlägen kosten 15 EUR, weitere Anschläge sowie besondere Gestaltungswünsche sind gegen Aufpreis erhältlich.[6]

2.1 Methodik der Untersuchung

Obwohl die Konkurrenz der alternativen Medien zur Partnersuche groß ist und der Print-Anzeigenmarkt in Deutschland in den vergangenen Jahren stark rückläufig war[7], ist in den Heften 1954/02 und 2014/05 mit 24 bzw. 22 Kontaktanzeigen fast die gleiche Anzahl an Partnergesuchen feststellbar. Nachfolgend werden insgesamt zehn Kontaktanzeigen, jeweils fünf aus beiden Jahren, analysiert. Dabei werden je zwei Inserate von Männern und drei von Frauen zur Analyse herangezogen, die stets einen Partner vom anderen Geschlecht suchen. Das Alter der Inserenten liegt 1954 zwischen 25 und 54 und 2014 zwischen 32 und 56 Jahren. Im weiteren Verlauf sollen die zu untersuchenden Kontaktanzeigen hinsichtlich ihrer inhaltlichen Textstruktur, der sprachlichen Ausdrucksformen und der Textfunktion analysiert werden. Ebenso werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede hinsichtlich der Textsorte herausgearbeitet und anhand ausgewählter Beispieltexte belegt.

2.2 Die zu untersuchenden Kontaktanzeigen (1954 und 2014)

Exemplarisch werden in diesem Kapitel zwei Anzeigen aufgeführt, die vollständige Auswahl, der zu analysierenden Texte, befindet sich im Anhang ab Seite III.

„25jährige, mittelgroß, schwarz, mit Eigenheim, sucht netten, lebensfrohen Herrn. Ernstgemeinte Bildzuschriften sind zu richten an DP 1544 DEWAG Werbung, Berlin C 2, Prenzlauer Str.47/47a“, siehe Anzeige 1 im Anhang, Seite III.

„Attraktive, berufstätige Frau mit strahlend blauen Augen (56/152/46), sucht Mann in Ihrem Alter zum Lieben – Lachen – Dummheitenmachen. Ich mag: Radfahren, Reisen, Wandern, Lesen, gutes Essen, Kino, Theater, Joggen, Yoga + das Leben in Berlin. Chiffre 05/05“, siehe Anzeige 6 im Anhang, Seite III.

3 Textarten

Bevor eine Textanalyse an zuvor ausgewählten Kontaktanzeigen durchgeführt wird, erfolgt die Bestimmung des Begriffs ‚Text’. Generell existiert keine allgemeingültige Definition zu diesem Begriff, jedoch muss ein solcher bestimmte Merkmale erfüllen, um als Text zu gelten. Welchen Merkmalen besondere Bedeutung beigemessen wird, wird im Anschluss aufgezeigt.

Klaus Brinker bezeichnet den Terminus ‚Text’ als „eine begrenzte Folge von sprachlichen Zeichen, die in sich kohärent ist und die als Ganzes eine erkennbare kommunikative Funktion signalisiert“.[8] Der Duden beschränkt die Bedeutung des Wortes ‚Text’ auf eine „Folge von Aussagen, die untereinander in Zusammenhang steht“[9]. Aus kommunikativ-pragmatischer Sicht untermauert Susanne Göpferich Brinker’s Auffassung dahingehend, dass ein Text „ein thematisch […] kohärenter sprachlicher […] Komplex, […] mit einer bestimmten [...] Kommunikationsabsicht“ ist, der „eine erkennbare kommunikative Funktion [...] erfüllt und eine inhaltlich und funktional abgeschlossene Einheit bildet“.[10]

Dementsprechend muss ein Text entweder mündlich oder schriftlich vorliegen, in ei-ner Kommunikationssituation stehen und einen sinnvollen Zusammenhang ergeben.

3.1 Allgemein zum Begriff Textsorte

Auch der Begriff ‚Textsorte’ bedarf einer vorherigen Abgrenzung, denn es existiert keine einheitliche Definition. Prinzipiell gilt, dass eine Gruppe von schriftlichen oder mündlichen Texten, die durch bestimmte Merkmale abgegrenzt werden, als Textsorte bezeichnet werden kann. Diese Merkmale können generell unterschiedlich sein, aber auch den Inhalt, die Form oder die Funktion von Texten betreffen. So werden zum Beispiel faktische und literarische Texte voneinander abgegrenzt.

[...]


[1] Riemann, Viola (1999): Kontaktanzeigen im Wandel der Zeit. Eine Inhaltsanalyse. Opladen/Wiesbaden, S. 38.

[2] Eichhammer, Michael (2010): Erste Hilfe für Frischverliebte. Stuttgart, S. 56.

[3] Kaupp, Peter (1968): Das Heiratsinserat im sozialen Wandel. Ein Beitrag zur Soziologie der Partnerwahl. Stuttgart, S.9.

[4] http://www.singleboersen-vergleich.de/dossier-kontaktanzeigen/kontaktanzeigen-geschichte-2-heiratsannonce.htm Abruf: 17.05.2014

[5] o.V. (2003): Repräsentative Emnid-Umfrage zum Thema Kontaktanzeigen - Ergebnisse Deutschland Jeder Zehnte im besten Alter sucht Partner per Annonce, in: Reader's Digest Deutschland, Ausgabe Oktober, 29. September 2003, Stuttgart

[6] Basierend auf den Mediadaten, Stand 01.01.2014

[7] http://www.bdzv.de/markttrends-und-daten/wirtschaftliche-lage/artikel/detail/ zur_wirtschaftlichen_lage_der_zeitungen_in_ deutschland_2013/ Abruf: 17.05.2014; der Print-Anzeigenmarkt berücksichtigt unter ‚Sonstige’ auch Kontaktanzeigen

[8] Brinker, Klaus (1992): Linguistische Textanalyse. Eine Einführung in Grundbegriffe und Methoden. Berlin, S. 17.

[9] Duden. Das Fremdwörterbuch, 7. neu bearbeitete und erweiterte Auflage, Dudenverlag Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2001

[10] Göpferich, Susanne (1995): Textsorten in Naturwissenschaften und Technik. Pragmatische Typologie - Kontrastierung - Translation. Tübingen, S. 56f.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Kontaktanzeigen gestern und heute. Vergleich zwischen 1954 und 2014
Hochschule
AKAD University, ehem. AKAD Fachhochschule Stuttgart  (AKAD University)
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
20
Katalognummer
V309754
ISBN (eBook)
9783668080720
ISBN (Buch)
9783668080737
Dateigröße
457 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Textanalyse, Textproduktion, deutsche Sprache, Stilzüge, zeitlicher Wandel, Sprachwandel
Arbeit zitieren
Juliane Dörfel (Autor), 2014, Kontaktanzeigen gestern und heute. Vergleich zwischen 1954 und 2014, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/309754

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