Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Sport - Sport Sociology

Homosexuelle Fußballspieler in Amateurligen. Die wahren Profis?

Title: Homosexuelle Fußballspieler in Amateurligen. Die wahren Profis?

Term Paper , 2015 , 30 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Nina Knepper (Author)

Sport - Sport Sociology
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Das öffentliche Coming-Out vom früheren Nationalspieler Thomas Hitzlsperger löste am Anfang des Jahres 2014 ein gewaltiges Medienecho aus und führte zu einer neu aufkommenden Debatte über das tabuisierte Thema Homosexualität im Fußball.

Hitzlsperger thematisierte seine Homosexualität vier Monate nach dem Ende seiner Karriere als Profifußballer. Er wolle dadurch die Diskussion über Homosexualität unter Profisportlern voranbringen. Das Echo auf sein Coming-Out fiel weitgehend positiv aus. Politiker, Verbände und Vereine lobten ihn für seinen Mut und zollten ihm ihren Respekt. Doch alleine die Tatsache, dass ein Fußballprofi mit seinem Coming-Out bis zum Ende seiner Karriere wartet, lässt aufhorchen.

Auffällig ist, dass es bis heute noch keinen aktiven Profispieler gibt, der sich zu seiner Homosexualität bekennt. Die beliebteste Sportart Fußball, die sonst für Offenheit, Fair-ness und Toleranz steht, tabuisiert das Thema Homosexualität noch immer, obwohl gleichgeschlechtliche Beziehungen in anderen Bereichen der Gesellschaft vielmehr einen Status der Normalität erlangt haben. Doch warum hält der Fußball am traditionellen Geschlechterverständnis und dem damit verbundenen Männlichkeitsbild fest?

Aktuell bemühen sich zwar der Deutsche Fußballbund und auch einige Vereine um eine Enttabuisierung von Homosexualität, in dem sie Flyer entwerfen oder ein Handbuch zum Umgang mit Homosexualität herausgeben, jedoch klingt all dies eher nach Lippenbekenntnissen. Dafür spricht auch eine Umfrage der ARD Anfang diesen Jahres zum Umgang mit Homosexualität unter den 36 Bundesligavereinen der ersten und zweiten Liga. 14 Vereine ignorierten die Anfrage und 11 Vereine sagten die Teilnahme an der Umfrage ab.
Dass der Profifußball das Thema meidet, ist nun deutlich geworden. Doch wie verhält es sich in Amateurligen?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Homosexualität und Homophobie - Begriffserklärungen

2 Männlichkeit und Homosexualität aus soziologischer Perspektive

2.1 Hegemoniale Männlichkeit

2.2 Männlicher Habitus

3 Homoerotik im Männerbund Fußball

4 Erscheinungsformen von Homophobie im Fußball

5 Gründe für Homophobie im Fußball

5.1 Bedrohung der männlichen Geschlechtsidentität

5.2 Zurschaustellung und Abgrenzung

5.3 Kulturelle Logik des Fußballs

5.4 Fußball als moralfreie Zone

6 Homosexualität im Amateurfußball

6.1 Methodik und Leitfadenentwicklung

6.2 Auswertung der Interviews

7 Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Diese Arbeit untersucht die Akzeptanz von Homosexualität im männlichen Amateurfußball und analysiert, welche Erfahrungen homosexuelle Fußballspieler dort mit Homophobie machen, wobei der Fokus auf den soziologischen Zusammenhängen des Männlichkeitsverständnisses liegt.

  • Soziologische Konzepte zu Männlichkeit (Connell, Bourdieu, Meuser) im Kontext des Fußballs.
  • Die Rolle der Homoerotik innerhalb der Strukturen des "Männerbundes" Fußball.
  • Erscheinungsformen und Ursachen von Homophobie im Fußballumfeld.
  • Empirische Analyse von Erfahrungen schwuler Spieler durch Experten- und Einzelinterviews.

Auszug aus dem Buch

Homoerotik im Männerbund Fußball

Wenn ein Spieler ein Tor schießt, ist häufig zu beobachten, dass er sich das Trikot vom Leib reißt und Mitspieler sich umarmend auf den Spieler werfen. Auch ein Kuss oder ein Klaps auf den Po während des Spiels gehören dazu. Bei diesen Handlungen müsste man sofort vermuten, dass es sich dabei um homoerotische Gesten handelt. Sie werden jedoch nicht in Frage gestellt. Es erscheint zunächst paradox, dass intime Gesten unter Männern gerade im Fußball erlaubt und sogar erwünscht sind. Warum werden diese Körperlichkeiten, die außerhalb des Fußballs als erotisch und sexuell angesehen werden würden, nicht als homosexuelle Verhaltensweisen interpretiert? Als Erklärung lassen sich hier der Männerbund und seine inhärenten Strukturen heranziehen:

„Männerbünde definieren sich über - expliziten oder auch nur impliziten - Ausschluss von Frauen und dienen der Konservierung männlicher Vorherrschaft. Sie inszenieren sich als hochgradig maskulinische Wertegemeinschaften, die keineswegs nur rational, sondern vor allem emotional, affektiv und häufig auch (homo-)erotisch befestigt werden. […] Überdies werden in Männerbundkulturen merkwürdige Verkehrsformen, bizarre Wertmaßstäbe und nicht unbedingt zeitgemäße Denkfiguren gepflegt: Treue, Ehre, Kameradschaft, Gefolgschaft, Gehorsam, Unterwerfung“ (Kreisky, 2006, S.33).

Männerbünde haben somit die Funktion männliche Dominanz zu demonstrieren. Der Männerbund Fußball verfügt über zwei zentrale Merkmale, die die Homoerotik legitimieren. Die erste Grundannahme im Männerbund ist es, dass alle Spieler von vornherein heterosexuell sind. Der Fußball besitzt also „Kräfte der Vermännlichung“ (de Hek et al., 2011, S.78). Durch diese automatische Zuweisung können daher Körperlichkeiten zwischen Männern ausgelebt werden. Das zweite Merkmal des Männerbundes im Fußball ist, dass eine strikte De-Sexualisierung stattfindet. Der Fußball trennt dadurch Körperlichkeit von der Sexualität, wodurch homoerotische Körperkontakte eben als keine homosexuellen Verhaltensweisen angesehen werden. Daher werden die Umarmungen und Küsse im Fußball nicht als homosexuelle Orientierungen wahrgenommen, sondern vielmehr als ein Beweis von Teamgeist und der Männlichkeit im Fußballbund (vgl. ebd., S.79). Ein schwuler Spieler im Männerbund würde somit die Grundannahmen von diesem außer Kraft setzen.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung beleuchtet das Medienecho auf das Coming-Out von Thomas Hitzlsperger und stellt die Forschungsfrage nach der Akzeptanz von Homosexualität im Amateurfußball.

1 Homosexualität und Homophobie - Begriffserklärungen: Dieses Kapitel definiert die zentralen Fachbegriffe und ordnet Homophobie als ein Spektrum von Ablehnung bis Hass ein.

2 Männlichkeit und Homosexualität aus soziologischer Perspektive: Hier werden Theorien von Connell, Bourdieu und Meuser erläutert, um den Zusammenhang zwischen traditionellem Männlichkeitsverständnis, Abgrenzung vom Weiblichen und Homophobie zu erklären.

3 Homoerotik im Männerbund Fußball: Dieses Kapitel untersucht, warum trotz starker Homophobie körperliche Intimitäten unter Fußballern als legitim und nicht-sexuell wahrgenommen werden.

4 Erscheinungsformen von Homophobie im Fußball: Die verschiedenen Formen von verdeckter und offener Homophobie werden hier detailliert dargestellt.

5 Gründe für Homophobie im Fußball: Hier werden Ursachen wie die Bedrohung der männlichen Identität, Abgrenzungsmechanismen, die kulturelle Logik des Fußballs und die "moralfreie Zone" des Stadions analysiert.

6 Homosexualität im Amateurfußball: Dieses Kapitel widmet sich der Methodik der eigenen Datenerhebung und der Auswertung der Interviews mit Experten und betroffenen Spielern.

7 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, wonach sich im Amateurfußball ein Wandel zu mehr Toleranz andeutet, obgleich unterschwellige Homophobie weiterhin existiert.

Schlüsselwörter

Homosexualität, Homophobie, Amateurfußball, Männlichkeit, Hegemoniale Männlichkeit, Männerbund, Soziologie, Diskriminierung, Coming-Out, Fußball, Habitus, Homoerotik, Geschlechterrollen, Toleranz, Sportsoziologie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit befasst sich mit der Situation homosexueller Fußballspieler in Amateurligen und untersucht, inwieweit diese Akzeptanz erfahren oder mit homophoben Strukturen konfrontiert werden.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Themenfelder umfassen soziologische Männlichkeitstheorien, die Strukturen des "Männerbundes" Fußball, Erscheinungsformen von Homophobie sowie die Erfahrungen betroffener Spieler im Amateurbereich.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das primäre Ziel ist es, aufzuklären, ob Homosexualität im Amateurfußball akzeptiert wird und welche Rolle das traditionelle Männlichkeitsbild bei der Entstehung von Homophobie spielt.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?

Die Autorin kombiniert eine theoretische Fundierung durch soziologische Fachliteratur mit einer empirischen Analyse, basierend auf einem Experteninterview und einem existierenden Interview mit einem betroffenen Amateurspieler.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil behandelt die theoretischen Männlichkeitskonzepte (Connell/Bourdieu), die Funktion der Homoerotik im Fußball, die verschiedenen Facetten der Homophobie und die konkreten Erfahrungen aus dem Amateurfußballalltag.

Welche Begriffe charakterisieren diese Arbeit besonders?

Die Arbeit wird besonders durch Begriffe wie "hegemoniale Männlichkeit", "Männerbund", "homosexuelle Orientierung", "Diskriminierung" und "Amateurfußball" charakterisiert.

Warum wird im Amateurfußball ein rauerer Umgangston vermutet?

Es wird vermutet, dass auf Amateurebene eine persönlichere Note und ein Festhalten an traditionellen Männerbildern, insbesondere in Dorfvereinen, dazu führen, dass Homosexualität weniger akzeptiert wird als in professionelleren oder städtischen Umgebungen.

Welchen Einfluss haben Schiedsrichter auf Homophobie auf dem Platz?

Laut den Ergebnissen der Interviews fehlt es Schiedsrichtern oft an einer klaren Linie, da homophobe Äußerungen im Fußballklima häufig toleriert und nicht als ernsthafte Diskriminierung sanktioniert werden.

Ist das Coming-Out eines Profis wie Hitzlsperger für Amateure relevant?

Ja, laut den Interviews dient das Coming-Out von Profis als Vorbildfunktion, die dazu beitragen kann, den sensibleren Umgang mit dem Thema Homosexualität auch im Amateurbereich voranzutreiben.

Excerpt out of 30 pages  - scroll top

Details

Title
Homosexuelle Fußballspieler in Amateurligen. Die wahren Profis?
College
Bielefeld University  (Fakultät für Psychologie und Sportwissenschaften)
Grade
1,3
Author
Nina Knepper (Author)
Publication Year
2015
Pages
30
Catalog Number
V309843
ISBN (eBook)
9783668122383
ISBN (Book)
9783668122390
Language
German
Tags
homosexuelle fußballspieler amateurligen profis
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Nina Knepper (Author), 2015, Homosexuelle Fußballspieler in Amateurligen. Die wahren Profis?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/309843
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  30  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint