Homosexuelle Fußballspieler in Amateurligen. Die wahren Profis?


Hausarbeit, 2015

30 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Homosexualität und Homophobie - Begriffserklärungen

2 Männlichkeit und Homosexualität aus soziologischer Perspektive
2.1 Hegemoniale Männlichkeit
2.2Männlicher Habitus

3 Homoerotik im Männerbund Fußball

4 Erscheinungsformen von Homophobie im Fußball

5 Gründe für Homophobie im Fu ßball
5.1 Bedrohung der männlichen Geschlechtsidentität
5.2 Zurschaustellung und Abgrenzung
5.3 Kulturelle Logik des Fußballs
5.4 Fußball als moralfreie Zone

6 Homosexualität im Amateurfußball
6.1 Methodik und Leitfadenentwicklung
6.2 Auswertung der Interviews

7 Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

Einleitung

Das öffentliche Coming-Out vom früheren Nationalspieler Thomas Hitzlsperger löste am Anfang des Jahres 2014 ein gewaltiges Medienecho aus und führte zu einer neu aufkommenden Debatte über das tabuisierte Thema Homosexualität im Fußball. Hitzlsperger thematisierte seine Homosexualität vier Monate nach dem Ende seiner Karriere als Profifußballer. Er wolle dadurch die Diskussion über Homosexualität unter Profisportlern voranbringen (vgl. Spiegel, 2014, http://www.spiegel.de/sport/fussball/bundesregierung-lobt-coming-out-von-thomas-hitzlsperger-a-942453.html). Das Echo auf sein Coming-Out fiel weitgehend positiv aus. Politiker, Verbände und Vereine lobten ihn für seinen Mut und zollten ihm ihren Respekt. Doch alleine die Tatsache, dass ein Fußballprofi mit seinem Coming-Out bis zum Ende seiner Karriere wartet, lässt aufhorchen.

Auffällig ist, dass es bis heute noch keinen aktiven Profispieler gibt, der sich zu seiner Homosexualität bekennt. Die beliebteste Sportart Fußball, die sonst für Offenheit, Fairness und Toleranz steht, tabuisiert das Thema Homosexualität noch immer, obwohl gleichgeschlechtliche Beziehungen in anderen Bereichen der Gesellschaft vielmehr einen Status der Normalität erlangt haben. Doch warum hält der Fußball am traditionellen Geschlechterverständnis und dem damit verbundenen Männlichkeitsbild fest? Aktuell bemühen sich zwar der Deutsche Fußballbund und auch einige Vereine um eine Enttabuisierung von Homosexualität, in dem sie Flyer entwerfen oder ein Handbuch zum Umgang mit Homosexualität herausgeben (vgl. DFB, 2013, http://www.dfb.de/ news/detail/dfb-veroeffentlicht-broschuere-fussball-und-homosexuali-taet-44975), jedoch klingt all dies eher nach Lippenbekenntnissen. Dafür spricht auch eine Umfrage der ARD Anfang diesen Jahres zum Umgang mit Homosexualität unter den 36 Bundesligavereinen der ersten und zweiten Liga. 14 Vereine ignorierten die Anfrage und 11 Vereine sagten die Teilnahme an der Umfrage ab (vgl. Focus, 2015, http://www.focus.de/sport/fussball/bundesliga1/25-von-36-vereine-verweigern-umfrage-bundesliga-clubs-gehen-thema-homosexualitaet-aus-dem-weg_id_4384913.html).

Dass der Profifußball das Thema meidet, ist nun deutlich geworden. Doch wie verhält es sich in Amateurligen? Den medialen Druck, wie ein Profi ihn erleben würde, erfährt ein Amateurspieler nicht. Anders als der Profi ist er aber auf dem Ascheplatz in der Kreisliga völlig ungeschützt. Die Sportplätze in den unteren Ligen haben eine weitaus persönlichere Note und damit auch das Verhalten von gegnerischen Mannschaften und Fans. Gibt es daher in Amateurligen überhaupt Spieler, die sich zu ihrer Homosexualität bekennen? Interessant ist es nun also zu untersuchen, welche Erfahrungen schwule[1] Spieler im Amateurfußball machen. Diese Ausarbeitung beschäftigt sich daher mit der folgenden Fragestellung:

Inwieweit ist Homosexualität im männlichen Amateurfußball akzeptiert und welche Erfahrungen machen homosexuelle Fußballspieler dort mit Homophobie?

Als erstes werden dazu die Begriffe Homosexualität und Homophobie erklärt. Anschließend werden dann zwei soziologische Theorien von der Soziologin Connell und den Soziologen Bourdieu und Meuser herangezogen, um den Männlichkeitsbegriff, der in diesem Zusammenhang eine entscheidende Rolle spielt, genauer zu beleuchten. Auch wird in diesen Theorien Bezug auf Homosexualität und den Fußball genommen. In einem weiteren Schritt wird erklärt, inwiefern Homoerotik im Fußball trotz des stark ausgeprägten Männlichkeitsbildes legitimiert ist. Anschließend werden dann die Erscheinungsformen und Gründe für Homophobie im Fußball beleuchtet. Im zweiten Teil soll empirisch erforscht werden, welche Erfahrungen speziell schwule Fußballspieler in Amateurligen machen. Dafür wurde ein Interviewleitfaden entwickelt und ein Experteninterview mit einem Präsidenten eines homosexuellen Fußballvereins geführt, der auch am Ligabetrieb teilnimmt. Des Weiteren wird ein bereits existierendes Interview eines homosexuellen Spielers, der in einer heterosexuellen Mannschaft Fußball spielt, zur Auswertung hinzugezogen. Abschließend erfolgt eine Bewertung anhand der Erfahrungen, die die Spieler gemacht haben, inwieweit Homosexualität im Amateurfußball akzeptiert ist und inwiefern Homophobie dort auftritt. An dieser Stelle sei auch nochmal darauf hingewiesen, dass diese Ausarbeitung nicht zu einer Genderdebatte beitragen soll, sondern sie vielmehr die Zusammenhänge und Kausalitäten von Homophobie und Fußball erklären soll.

1 Homosexualität und Homophobie - Begriffserklärungen

Der Begriff Homosexualität ist ein sehr moderner Begriff und fand erstmals im 19. Jahrhundert Verwendung. Trotzdem war Homosexualität bis dahin kein unbekanntes Thema, denn schon in der Antike lassen sich Hinweise auf homosexuelle Beziehungen finden. Homosexualität meint allgemein das „sich auf das eigene Geschlecht richtende sexuelle Empfinden“ (Duden, 2015, http://duden.de/rechtschreibung/Homosexualitaet). Früher wurde Homosexualität Jahrhunderte lang als Krankheit verstanden. Heute gilt sie vielmehr als alternative Lebensform. Trotzdem gibt es immer noch einige Menschen in der modernen Gesellschaft, die etwas gegen Lesben, Schwule und andere alternative Lebensformen haben. In diesem Zusammenhang kommt nun der Begriff der Homophobie ins Spiel.

Der Begriff Homophobie stammt aus dem Griechischen und setzt sich aus den Worten >homós<, was „gleich“ bedeutet, und >phob<, was für „Angst“ oder „Phobie“ steht, zusammen. Fasting definiert Homophobie als eine „irrationale Angst und Intoleranz gegenüber Homosexualität, Schwulen und Lesben – und sogar gegenüber Verhaltensweisen, welche außerhalb der erwarteten Geschlechterrollen liegen“ (Fasting, zitiert nach Walther-Ahrens, 2006, S.7).

Anhand dieser Definition wird deutlich, dass Homophobie keine typische Phobie darstellt, sondern ein Spektrum, welches bei einer Negierung anfängt über eine Abneigung bis hin zu Intoleranz, Feindseligkeit und Hass reicht. Die Angst wird dabei als irrational beschrieben, da sie rational nicht begründbar ist (vgl. de Hek, Kampmann, Kosmann & Rüßler, 2011, S.71). Die Diskriminierung und die Demonstration von Homophobie können dabei sehr unterschiedliche Ausprägungen annehmen. Sie können sowohl offen, durch Beschimpfungen und Äußerungen, als auch verdeckt, durch Ignorieren und Verschweigen in Erscheinung treten (vgl. Walter, 2006, S.8).

Die Erscheinungsformen von Homophobie, speziell im Fußball, werden in einem späteren Kapitel noch genauer beleuchtet. Nun soll zunächst das Männlichkeitsverständnis und Homosexualität aus soziologischer Perspektive erklärt werden. Auch wird dort bereits Bezug auf den Fußball genommen.

2 Männlichkeit und Homosexualität aus soziologischer Perspektive

Homosexualität gilt im Männerfußball als verpönt und wird als Angriff auf die Struktur des Fußballs erlebt, denn der Fußball gilt als „eine Domäne heterosexueller, monokultureller Männlichkeit“ (Schwenzer, 2010, http://www.zip-projekt.de/content_files /samstags_reservat.pdf ) und stellt einen wichtigen Ort der Inszenierung von Männlichkeit dar (vgl. Lehnert, 2006, S.83). Im Fußball spielten schon immer Siegeswille, Mut, Härte und Tapferkeit eine wichtige Rolle. Gerade durch die Abnahme an körperlichen und handwerklichen Fähigkeiten durch die industrielle Revolution, wird die Ausübung und Demonstration von körperlichen Fähigkeiten immer wichtiger. Der Fußballplatz eignet sich perfekt für diese Demonstration und gilt somit als „Reservat, ein Schutz- und Rückzugsraum für überkommene Männlichkeitsvorstellungen“ (Walther-Ahrens, 2006, S.5).

Da es jedoch nicht den Männlichkeitsbegriff schlechthin gibt, ist es nun sinnvoll, die Vorstellungen von Männlichkeit, die der Ausarbeitung zugrunde liegen, zu skizzieren. So sollen nun die zentralen Elemente des theoretischen Männlichkeitsverständnisses vorgestellt werden, die sich auf die Konzepte der Soziologin Rawyen Connell und der Soziologen Pierre Bourdieu und Michael Meuser beziehen. Auch wird in den Konzepten Bezug auf Homosexualität genommen.

2.1 Hegemoniale Männlichkeit

Die Soziologin Connell konstituiert den Begriff der Männlichkeit einerseits zwischen Männern und Frauen, andererseits aber auch zwischen den Männern untereinander. Männlichkeit geht dabei immer mit der Abgrenzung zum Weiblichen einher, konstituiert sich aber auch in den sozialen Beziehungen unter Männern. In der heutigen Zeit existiert nicht nur ein Bild von Männlichkeit, sondern es gibt vielfältige Männlichkeitsentwürfe. Da diese Vielfalt als eine Bedrohung für den eigenen sozialen Status wahrgenommen werden kann, bildet sich eine Männlichkeitshierarchie heraus (vgl. Meuser, 2008, S.120). Connell differenziert auf der homosozialen Ebene, der Ebene auf der Männer unter sich sind, vier Hauptformen der Männlichkeit : hegemoniale, komplizenhafte, marginalisierte und untergeordnete Männlichkeit (vgl. Connell, 2006, S. 97-102).

Die hegemoniale Männlichkeit nimmt dabei in der Hierarchie den oberen Rang ein, so dass ihr eine bestimmende Position im Geschlechterverhältnis zukommt, sowohl den Frauen gegenüber, als auch anderen Formen der Männlichkeit. Connell definiert die Hegemonie als eine „gesellschaftliche Dynamik, mit welcher eine Gruppe eine Führungsposition im gesellschaftlichen Leben einnimmt und aufrechterhält“ (ebd., S. 98). Wichtig sei, so sagt Connell, dass die hegemoniale Männlichkeit nicht als ein unveränderliches Bild zu verstehen ist, sondern eine in der jetzigen Zeit von der Gesellschaft akzeptierte Strategie verkörpert (vgl. Lehnert, 2006, S.87). Das wichtigste Merkmal der hegemonialen Männlichkeit ist die eigene Heterosexualität und die Ablehnung und Abwertung von Homosexualität (vgl. Heißenberger, 2008, S.22). Nach Heißenberger ist ein wichtiges Kriterium eines hegemonialen Fußballspielers, neben seiner von vornherein angenommenen Heterosexualität, die überdurchschnittliche Leistung. So wäre ein typischer hegemonialer Spieler ein Führungsspieler, also ein Spielmacher oder Kapitän, an welchem sich die ganze Mannschaft orientiert (vgl. ebd., S.137).

Das Problem bei der hegemonialen Männlichkeit ist jedoch, dass nur ein kleiner Teil der Männer diesem Muster entsprechen kann. Die hegemoniale Männlichkeit dient daher vielmehr als eine „normative Orientierungsfolie“ für Männer, die diese nicht verkörpern, aber mit ihr in Verbindung stehen (Heißenberger, 2008, S.22). Connell nennt diese Form die komplizenhafte Männlichkeit. Auch sie können einen Nutzen aus der hegemonialen Männlichkeit ziehen, da sie an der „patriarchalen Dividende“, also Achtung, Macht, Erfolg und Prestige, teilhaben. Den Risiken sind sie hingegen aber nicht ausgesetzt (Connell, 2006, S.100). Nach Heißenberger können die meisten Fußballspieler mit der Form der komplizenhaften Männlichkeit in Verbindung gebracht werden. Denn nicht alle Spieler können dem dominanten Führungsspieler entsprechen, sie können aber trotzdem mit ihm in Verbindung stehen und mit am Erfolg des Spiels verantwortlich sein. Sie stehen dabei aber immer im Schatten der Führungsspieler. Laut Heißenberger sind es genau diese Spieler, die sich durch hartes Zweikampfverhalten und Abgrenzung gegenüber Frauen und Homosexuellen, eine Position im oberen Teil der Mannschaft sichern wollen (vgl. Heißenberger, 2008, S.136).

Connell geht davon aus, dass die Hegemonie „spezifische Geschlechterbeziehungen von Dominanz und Unterordnung zwischen Gruppen von Männern“ mit sich bringt (Connell, 1999, S.99). Hier ist nun die dritte Form des Konzepts der Hegemonie, die untergeordnete Männlichkeit, zu nennen. Die wichtigsten Unterordnungs- und Dominanzverhältnisse sind in der heutigen westlichen Gesellschaft, laut Connell, die Dominanz der heterosexuellen Männer und die Unterordnung homosexueller Männer. Homosexualität wird dabei als Angriff auf die Heteronormativität[2] verstanden, so dass homosexuelle Männer eine Position im unteren Bereich der Männlichkeitshierarchie zugewiesen bekommen. Auch können Männer, die eher feminine Eigenschaften besitzen, wie zum Beispiel Weichheit, Sensibilität oder Verletzlichkeit, vom „Kreis der Legitimierten“ ausgeschlossen werden und so zur untergeordneten Männlichkeit zugehören. Ein homosexueller Fußballspieler ließe sich nach Connells Konzept dieser Hierarchiestufe zuordnen. Trotz vermeintlich guter Leistungen wird der Spieler dann von anderen Spielern, Funktionären und Fans, welche sich an der hegemonialen oder der komplizenhaften Männlichkeit orientieren, untergeordnet, zum Beispiel auf Grund von weiblich attribuiertem Verhalten und dem Zeigen von Schwäche. Dies würde sofort als unmännlich gelten, so dass der Spieler im unteren Bereich der männlichen Hierarchie angesiedelt wird (vgl. de Hek et al., 2011, S.77).

Als letzte Männlichkeit führt Connell die marginalisierte Männlichkeit an. Marginalisierung meint dort den Prozess der Verdrängung einer Gruppe an den Rand der Gesellschaft. Männern, die der marginalisierten Männlichkeit angehören, fehlt es, laut Connell, an sozialen, habituellen und ökonomischen Grundlagen, so dass es ihnen nicht möglich ist, der hegemonialen Männlichkeit anzugehören (vgl. Connell, 1999, S.102). Diese Männlichkeitsform hat jedoch keine Bedeutung für die weiteren Ausführungen, so dass auf diese nicht weiter eingegangen wird.

Connell betont, dass diese vier Männlichkeitsformen keine festen in sich geschlossene Begriffe und Charaktertypen sind, sondern vielmehr „Handlungsmuster, die in bestimmten Situationen innerhalb eines veränderlichen Beziehungsgefüges entstehen“ (Connell, 2006, S.135). Ob diese vier Handlungsmuster der Realität entsprechen, ist gerade Gegenstand von Diskussionen. Connell selbst spricht davon, dass ihr Konzept aufgrund von fehlenden theoretischen Begrifflichkeiten und der Mehrdeutigkeit des Männlichkeitsbegriffes einen „vagen Rahmen“ für Analysen von Männlichkeit bildet. Trotzdem erweist sich das Konzept durchaus als brauchbar für die weiteren Ausführungen. Dennoch wird ein weiteres Konzept von Bourdieu und Meuser herangezogen, das als theoretisch fundierte Alternative gilt, um Männlichkeit zu beschreiben.

2.2 Männlicher Habitus

In Die männliche Herrschaft befasste sich Bourdieu ausschließlich mit Geschlechterverhältnissen (Bourdieu, 2005). Kennzeichnend für Bourdieu ist das Habituskonzept, worin er ein „System dauerhafter Dispositionen, ein Erzeugungsprinzip von Strategien, die es ermöglichen, unvorhergesehenen und fortwährend neuartigen Situationen entgegenzutreten“ versteht (Bourdieu, 1997, S.165). Basis des Habitus ist immer die soziale Lage. Akteure, die also eine gemeinsame Soziallage auszeichnet, tendieren dazu, Situationen in ähnlicher Weise wahrzunehmen und ähnlich zu handeln. Der Habitus wirkt somit als „Handlungs-, Wahrnehmungs- und Denkmatrix“ (ebd., S.169). So werden durch den Habitus eine soziale Orientierung und auch eine soziale Differenzierung ermöglicht. In Anlehnung an Bourdieu führt der Soziologe Michael Meuser den Begriff des geschlechtlichen Habitus ein. Damit ist gemeint, dass Männer und Frauen gemäß dem Prinzip ihrer Geschlechtskategorie handeln, welches aber nur für die eigene und nicht für die andere Geschlechterkategorie gültig ist (vgl. Meuser, 2006, S.117). Somit fungiert auch der geschlechtliche Habitus als gesellschaftlicher Orientierungssinn. Durch diesen „weiß“ der Körper genau, was er tun muss, um als Frau oder als Mann erkannt zu werden. Im Körper ist die Geschlechtlichkeit also habitualisiert (vgl. ebd, S.118).

Bei der Konzeption des männlichen Geschlechtshabitus muss berücksichtigt werden, wie „Mannsein“ sich in Abgrenzung von „Frausein“ konstituiert (heterosoziale Dimension) und wie männliche Dominanz unter Männern entsteht (homosoziale Dimension) (vgl. ebd., S.120). Nach Bourdieu ist Männlichkeit ein „relationaler Begriff, der vor und für andere Männer und gegen die Weiblichkeit konstruiert ist, aus einer Art Angst vor dem Weiblichen“ (Bourdieu, 2005, S.96).

Hegemonie ist dabei die vorgegebene Form, in der Männlichkeit gegen Weiblichkeit konstruiert wird und ist gleichzeitig der „Spieleinsatz“ im Wettbewerb der Männer untereinander auf homosozialer Ebene. Jeder möchte der hegemonialen Männlichkeit entsprechen. Es gibt jedoch nicht den einen männlichen Habitus, sondern eine Vielzahl an Formen. Hergestellt werden diese meistens in der homosozialen Dimension, also in Männern vorbehaltenen Räumen. Dort widmen sie sich den „ernsten Spielen des Wettbewerbs“, bei denen es immer um Macht, Dominanz und Überlegenheit geht (vgl. ebd, S.126). Grundlage dieser Spiele ist das „Prinzip gleicher Ehre“, welches besagt, dass soziale Anerkennung nur von anderen Männern zugesprochen werden kann; gleichzeitig wünscht sich der Mann, geleitet von der libido domandi, andere Männer zu dominieren (Bourdieu, 1997, S.215). Bestens geeignet für diese Spiele ist der Sport, vor allem der Fußball, welcher die sichtbaren Eigenschaften der Männlichkeit hervorbringt wie Kraft, Mut und Kampfeswille.

[...]


[1] Das Wort „schwul“ ist in dieser Ausarbeitung nicht diskriminierend zu verstehen, sondern wird sich hier am allgemeinen Sprachgebrauch, auch von Homosexuellen, orientiert.

[2] Heteronormativität meint, dass es zwei distinkte Geschlechter gibt, das männliche und das weibliche. Diese Annahme der Zweigeschlechtlichkeit soll zu einer Strukturierung und einer symbolischen Ordnung des Gesellschaftsgefüges führen. Die kohärenten Geschlechter Mann und Frau gelten als Norm. Sollte eine Person von dieser Norm abweichen, muss sie sich erklären bzw. rechtfertigen. Darüber hinaus geht die Theorie der Heteronormativität von einem grundsätzlich heterosexuellen Begehren aus, welches die „natürliche Ordnung“ der Gesellschaft sichert (vgl. Wagenknecht, 2007, S.17-19).

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Homosexuelle Fußballspieler in Amateurligen. Die wahren Profis?
Hochschule
Universität Bielefeld  (Fakultät für Psychologie und Sportwissenschaften)
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
30
Katalognummer
V309843
ISBN (eBook)
9783668122383
ISBN (Buch)
9783668122390
Dateigröße
824 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
homosexuelle, fußballspieler, amateurligen, profis
Arbeit zitieren
Nina Knepper (Autor), 2015, Homosexuelle Fußballspieler in Amateurligen. Die wahren Profis?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/309843

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