„Bare Nouns“ in europäischen Sprachen und den Frankokreolsprachen von Réunion, Haiti und den Seychellen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2015
21 Seiten, Note: 1,3
Franz Stiegler (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bare nouns in europäischen Sprachen

3. Bare nouns in Frankokreolsprachen
3.1. Réunionnais Creole
3.2. Seychelles Creole
3.3. Haitian Creole

4. Korpusanalyse

Conclusion

1. Einleitung

Der, die oder das Spezi?”,
Der, oder das Radiergummi?”,
Die, oder das Nutella?”

Die Fragen richten sich nach der richtigen Wahl des bestimmten Artikels, bzw. des Determinierers. Differenziert wird zwischen dem bestimmten und unbestimmten Artikel, jeweils mit unterschiedlichen Formen zur Genus-unterscheidung. Neben der Verwendung von [±spez] Determinierern gibt es jedoch eine weitere Variante: das Weglassen des Determinierers. Da jede Sprache unterschiedliche Determinierer besitzt, unterscheiden sich auch die Möglichkeiten, wann welcher Determinierer auftreten muss und wann das Nomen blank bleiben darf. Letzterem Aspekt will ich mich hier zuwenden und klären, wann diese blanken Nomen, also bare nouns, auftreten und wann ein Determinierer benötigt wird. Zu Beginn vergleiche ich die uns am bekanntesten Sprachen Englisch, Deutsch und Französisch und stelle Parallelen in unterschiedlichen Gesprächskontexten, sowie in den verschiedenen Referenzarten her. Die europäischen Sprachen möchte ich mit einem kurzen Exkurs in weitere romanische Sprachen abschließen. Im nächsten Abschnitt erläutere ich das Determinierersystem der ersten Frankokreolsprache, des Réunionnais Creole, und analysiere dieses schließlich nach den selben Kriterien wie die europäischen Sprachen. Selbiges Verfahren wende ich anschließend auf zwei weitere, ebenso auf dem Französischen basierenden Kreolsprachen an – das Seychelles Creole und das Haitian Creole. Bei Letzterem gehe ich kurz auf die Pluralbildung ein, da diese auch Einfluss auf bare nouns hat. Nach deren Erläuterung bestimme ich ihre Auswirkungen auf die Verwendung von bare nouns, sowie Determinierer. Abschließend wende ich die gewonnenen Erkenntnisse in einer Korpusanalyse auf eine transkribierte Radiosendung aus dem Haitian Creole an. Diese wird zunächst auf die Spezifität und auf die Plural-Interpretation der bare nouns untersucht . Anschließend werden aus den daraus resultierenden Ergebnissen die Auswirkungen der [±spez] Bedeutung auf den Numerus analysiert.

2. Bare nouns in europäischen Sprachen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Meine erste Unterscheidung der bare nouns wird sich auf die europäischen Sprachen Deutsch, Französisch und Englisch beziehen. Zuerst wird verglichen, in welchen Kontexten bare nouns möglich sind. Bereits an den ersten Beispielen („Namen”/ Anreden unterschiedlicher Art) erkennt man sehr gut, dass sich die Sprachen bezüglich der Einsatz-möglichkeiten der bare nouns stark differenzieren. Bei proper nouns (1) sind bare nouns in allen Sprachen möglich, bei Vokativen (2) gibt es jedoch im Französischen bereits Einschränkungen. Beinamen (3) verbieten den Gebrauch von bare nouns in allen drei Sprachen.

Ebenso sind bare nouns bei anaphorischen Nomen, sowie bei Superlativen nicht möglich (4f.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wie man sieht, können bare nouns nicht immer frei verwendet werden; in den meisten Kontexten sind sie jedoch erlaubt. Zu diesen Kontexten gehören inkorporierte Objekte (verbes supports), Überschriften (beruhend auf Diskurs-traditionen), Prepositionalphrasen, „und”–Konstruktionen, sowie Pseudo–Partitiv–Konstruktionen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eine weitere Möglichkeit bare nouns zu untersuchen, ist die Einteilung in verschiedene Referenzarten. Hierbei soll im Folgenden zwischen existential reading [–spez], generic reading und definite reading [+spez] unterschieden werden.[1] Alle drei Referenzarten sind in den Sprachen Englisch und Deutsch möglich, in Französisch nur in Einzelfällen; die Definite-, sowie die generische Referenzart jedoch nur im Plural und nicht im Singular.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[2]

Bei genauer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass definite reading im Plural der Sprachen Englisch und Deutsch (13) nur möglich ist, sofern es mit dem Quantifizierer alle auftritt. Da alle (D) , all (E) und tout (F) als Prädeterminierer eingestuft werden, also vorgelagert sind, nehmen sie nicht die Determinierer-position ein. Somit fallen die dazugehörigen Nomen (in Englisch und Deutsch), aufgrund der freien Determiniererposition, dennoch in die Kategorie der bare nouns. Im Französischen muss die D-Position jedoch durch einen Artikel besetzt werden, weshalb hier kein bare noun möglich ist. Die einzige Möglichkeit ein bare noun im französischen definite reading zu verwenden, ist mittels einer coordinated noun phrase (13b – CNP).[3] Prädikativ (14) können bare nouns in allen drei Sprachen verwendet werden, lediglich bei der prädikativen Verwendung von Berufsbezeichnungen scheidet das Englische aus.

Es zeigt sich, dass englische und deutsche bare nouns meist im semantischen Plural stehen, egal bei welcher Referenzart (15f.). Eine Ausnahme stellen hier die number-neutral nominals dar, welche trotz Pluralmarkierung als Singular interpretiert werden. So bezieht sich (17) nicht auf Kinder, Pl. (mehrere Kinder? – nein, nur eines), sondern wird als Singular interpretiert (Ja, ich habe eines).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[4] [5] [6] [7] [8]

Im Vergleich Italienisch – Englisch erkennt man, dass bare nouns im existential reading [–spez] (18) ebenso möglich sind. Im generic reading (19) muss im Italienischen jedoch der Determinierer i hinzugefügt werden, ein bare noun ist somit nicht möglich. Am Beispiel Portugiesisch – Englisch zeigt sich die Verwendung von bare nouns im definite reading (20). Somit ist in den Sprachen Spanisch, Portugiesisch und Italienisch existential- [–spez] und definite reading möglich, generic reading jedoch nicht.

Die soeben vollzogenen Untersuchungen möchte ich nun auf eine Auswahl an Frankokreolsprachen anwenden, um herauszufinden, in welchen Kontexten und Referenzarten bare nouns in diesen Kreolsprachen möglich sind.

3. Bare nouns in Frankokreolsprachen

3.1. Réunionnais Creole

Die erste Kreolsprache ist das auf Französisch basierende Kreol aus der Réunion, einer Insel nahe Madagaskar, genannt Réunionnais Creole. [9]

Im RC sind vier verschiedene Möglichkeiten zur Verwendung von Determinierern vorhanden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten [10]

Der Definit–Determinierer la ist mit dem aus dem Französischen bekannten Determinierer la gleichzusetzen. Allerdings besteht keine Adjektivkongruenz, was bedeutet, dass der Genus der Adjektive nicht angeglichen wird. Da die Wörter des Französischen aus dem 17. Jahrhundert in das RC übernommen wurden, ist ein späterer Genuswechsel (in Französisch) unbedeutsam. So war z.B. der Genus des heutigen le sable/ le poison vor dem 18. Jahrhundert weiblich, weswegen sie bis heute im RC als la sab, bzw . la poizon verwendet werden. Aufgrund der Orientierung des RC am Französischen nehmen häufig auch nicht-französische Wörter wegen ihrer Ähnlichkeit zu Polysemen/ Minimalpaaren den weiblichen Artikel an (z.B. la tant (Malagasy: = spezieller Korb) aufgrund der Ähnlichkeit zu la tante (= Tante); la tente (= Zelt)).

Da man das Kreol als direkte Methode, also durch Konversation, erlernte, wurde der Determinierer in einigen Fällen als Teil des Wortes interpretiert. Man spricht hier von Agglutination. Bei dem französischen Wort les épaules [lezepol] wurde die Liaison als Teil des Wortes verstanden. So entstand das kreolische Wort le zépol. Ein weiteres Beispiel wäre lopital, was sich aus dem Französischen l’hôpital [lopital] ableitet.

Als letzten Determinierer dieser Kreolsprache möchte ich nun den Null-determinierer erläutern. Während der Definitartikel eine bestimmte Bedeutung (21) und der Indefinitartikel eine unbestimmte Bedeutung (22) trägt, so kann der Nulldeterminierer (= bare nominal) generisch, sowie [±spez] Singular, bzw. Plural zu interpretieren sein. In (23) kann er somit als der Baum, ein Baum, sowie Bäume verstanden werden.

[...]


[1] existential reading = einige von N, [– spez]; [±spez] = spezifisch/ nicht-spezifisch generic reading = alle N/ die Spezies N definite reading = [+spez]

[2] Roodenburg 304–305

[3] Aboh 208

[4] Déprez „11. Implicit Determination and Plural” 305

[5] Pereltsvaig 53

[6] Verglichen werden die Sprachen Italienisch, Spanisch und Portugiesisch. Diese haben eine identische Verwendung von bare nouns in den Referenzarten; Die Ergebnisse der jeweiligen Beispielsätze gelten somit für alle drei Sprachen.

[7] Déprez „11. Implicit Determination and Plural” 306

[8] Märzhäuser 292f.

[9] Réunionnais Creole werde ich im Verlauf dieser Arbeit mit RC abkürzen.

[10] Chaudenson 226

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
„Bare Nouns“ in europäischen Sprachen und den Frankokreolsprachen von Réunion, Haiti und den Seychellen
Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Veranstaltung
Gegenwartssprache Französisch: Dimensionen der NP
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
21
Katalognummer
V309907
ISBN (eBook)
9783668086470
ISBN (Buch)
9783668086487
Dateigröße
600 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bare nouns, Nominalphrase, Kreol, Frankokreolsprache, Korpusanalyse, Referenzarten, Spezifität, Haitian Creole, Réunionnais Creole, Seychelles Creole, romanische Sprachen, NP, Kreolsprache, Romanistik
Arbeit zitieren
Franz Stiegler (Autor), 2015, „Bare Nouns“ in europäischen Sprachen und den Frankokreolsprachen von Réunion, Haiti und den Seychellen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/309907

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