Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Thema „Schulbestrafungen zur Zeit des Nationalsozialismus“. Im Fokus stehen die unterschiedlichen körperlichen sowie psychischen Bestrafungsmaßnahmen, die in der Zeit von 1933 bis 1945 verübt wurden. Unterschieden wird zwischen Mädchen und Jungen.
Die konkrete Fragestellung, die in dieser Forschungsarbeit untersucht wird, lautet: ,,Inwieweit unterscheiden sich die schulischen Bestrafungsmaßnahmen zwischen Mädchen und Jungen zur Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland basierend auf die damaligen Erziehungsziele?“ Diese Fragestellung wurde gewählt, da viele, vor allem körperliche Strafen, heutzutage nicht mehr in den Schulen verübt werden und es interessant ist, einen Zeitraum zu untersuchen, in dem diese Bestrafungsmaßnahmen noch aktuell waren. In der Zeit des Nationalsozialismus herrschte vor allem oberste Disziplin. Spiegelte sich diese Disziplin auch in den Schulstrafen wider?
Vorab wird ein kurzer Einblick in die Erziehungsziele des Nationalsozialismus und den unter-schiedlichen Bestrafungsmaßnahmen von Jungen und Mädchen gewährleistet. Um die Fragestellung zu analysieren, wird anschließend auf die Erfahrung zweier Zeitzeugen zurückgegriffen, die ungefähr zur selben Zeit zur Schule gegangen sind. Es wurden eine Frau und ein Mann gewählt, damit zwei unterschiedliche Sichtweisen verschiedener Geschlechter analysiert werden können, da männliche Geschlechter im Gegensatz zu weiblichen anders argumentieren und empfinden.
Durch die Befragung der Zeitzeugen kann ermittelt werden, welche Bestrafungsmaßnahmen damals aktuell waren und wie die Befragten diese empfanden. Diese Informationen geben Aufschluss über damalige Erlebnisse und Erfahrungen, so dass ein realer Rückblick stattfinden kann. Im Anschluss an die Befragung wird Literatur hinzugezogen, um die Aussagen zu bekräftigen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Darstellung der Forschungsmethode: problemzentriertes Interview
3. Vorstellung und Analyse des ausgewählten Quellenmaterials
3.1 Erziehungsziele im Nationalsozialismus
3.2 Die Lehrkraft: Ausführer der Bestrafungen
3.3 Separate Schulerziehung
3.4 Bestrafungen
3.4.1 Körperliche Bestrafungen
3.4.2 Psychische Bestrafungen
3.4.3 Bestrafungen: Jungen
3.4.4 Bestrafungen: Mädchen
3.4.5 Bestrafungsmaßnahmen bei Regelverstoß: Mädchen und Jungen
4. Auswertung der Interviews
4.1 Unterschiede
4.2 Gemeinsamkeiten
5. Fazit: Auseinandersetzung mit der Forschungsfrage
6. Reflektion der Vorgehensweise
7. Möglichkeiten der Einbeziehung des Themas in den Schulunterricht
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Unterschiede in den schulischen Bestrafungsmaßnahmen zwischen Mädchen und Jungen in der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland, basierend auf den damaligen Erziehungszielen, um ein tieferes Verständnis für die pädagogischen Strukturen und die Rolle von Disziplin und Gewalt in dieser Epoche zu gewinnen.
- Erziehungsziele und Schulpolitik im Nationalsozialismus
- Methodische Anwendung des problemzentrierten Interviews mit Zeitzeugen
- Körperliche und psychische Bestrafungsformen im Schulalltag
- Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Disziplinierung
- Didaktische Möglichkeiten zur Aufarbeitung des Themas in der Primarstufe
Auszug aus dem Buch
3.4.1 Körperliche Bestrafungen
Die am häufigsten verwendete Bestrafungsmethode im Nationalsozialismus war die körperliche Bestrafung in verschiedener Ausführung. Diese Bestrafungsmaßnahme herrschte seit den Klosterschulen, bei der die körperliche Züchtigung vor allem religiös begründet wurde und zur klösterlichen Selbstdisziplin führen sollte. Im neunzehnten Jahrhundert schwächte diese ab, jedoch lebte diese Bestrafung im Nationalsozialismus wieder in Form einer „körperlichen Züchtigung“ auf. Die „Prügelstrafe“ war in der Schule das zentrale Mittel, um Erziehungsziele wie Gehorsam, Ordnung und Anpassung durchzusetzen. Dieselben Ideale, die der Nationalsozialismus verfolgte. Körperliche Züchtigungen wurden generell als ein Machtmittel der Vergeltung und Abschreckung betrachtet und bei Schülerinnen und Schülern verübt, um sie zu disziplinieren.
Das bekannteste Hilfsmittel, welches der Lehrer für die sogenannte „Prügelstrafe“ benutzte, war der Rohrstock, der zur Ausführung der Bestrafungsmaßnahme dienen sollte. Mit dem Rohrstock verpasste die Lehrkraft Schläge auf die Handflächen oder auf das, teilweise bloße, Gesäß. Ebenso wurde mit der bloßen Hand zugeschlagen, vor allem auf die Wange der Schülerinnen und Schüler in Form einer Ohrfeige. Ebenso zogen die Lehrkräfte, vor allem die Jungen bei Verachtung der Disziplin, an den Ohren.
Der Grund, warum die Lehrkräfte diese drastischen Bestrafungsmaßnahmen durchführten, lag vor allem darin, dass sie im nationalsozialistischen Regime neu geschult und folglich gleichgeschaltet wurden. Ihnen fehlte zum Beispiel ein Training im psychologisch sachgerechten praktischen Umgang mit Kindern und Jugendlichen, wie es in der heutigen Lehrerausbildung üblich ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Themas, der zentralen Fragestellung bezüglich geschlechtsspezifischer Bestrafungen im Nationalsozialismus sowie der methodischen Herangehensweise.
2. Darstellung der Forschungsmethode: problemzentriertes Interview: Erläuterung des gewählten Interviewmodells zur Informationsgewinnung und der Bedeutung der Gesprächsführung mit Zeitzeugen.
3. Vorstellung und Analyse des ausgewählten Quellenmaterials: Theoretische Einbettung in die Erziehungsziele, die Rolle der Lehrkraft sowie detaillierte Betrachtung der Strafmaßnahmen nach Geschlecht und Regelverstößen.
4. Auswertung der Interviews: Vergleich und Analyse der Zeitzeugengespräche hinsichtlich Gemeinsamkeiten und Unterschieden bei der erlebten schulischen Disziplinierung.
5. Fazit: Auseinandersetzung mit der Forschungsfrage: Synthese der Forschungsergebnisse und Beantwortung der Fragestellung im Kontext der NS-Ideologie.
6. Reflektion der Vorgehensweise: Kritische Auseinandersetzung mit dem eigenen Forschungsverlauf und den Herausforderungen bei der Literatursuche und Gesprächsführung.
7. Möglichkeiten der Einbeziehung des Themas in den Schulunterricht: Didaktische Konzeption einer Unterrichtseinheit zum Thema Schulstrafen in der Geschichte.
Schlüsselwörter
Nationalsozialismus, Schule, Bestrafung, Prügelstrafe, Erziehungsziele, Disziplin, Rohrstock, Zeitzeugen, Geschlechtertrennung, Schulerziehung, Pädagogik, Körperliche Züchtigung, Schuldidaktik, Schulgeschichte, Gehorsam.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den schulischen Bestrafungsmaßnahmen in der Zeit des Nationalsozialismus und untersucht deren Ausführung sowie deren Zusammenhang mit den damaligen Erziehungszielen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die Analyse von körperlichen und psychischen Strafen, die Rolle der Lehrkraft als Autoritätsperson sowie der geschlechterspezifische Vergleich zwischen Jungen und Mädchen im nationalsozialistischen Schulalltag.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: „Inwieweit unterscheiden sich die schulischen Bestrafungsmaßnahmen zwischen Mädchen und Jungen zur Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland basierend auf die damaligen Erziehungsziele?“
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde das problemzentrierte Interview nach Witzel, Reinders und Hermanns angewandt, um durch Zeitzeugenberichte subjektive Erfahrungen zur Schulzeit zu erfassen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Analyse der NS-Schulideologie, die Auswertung der Zeitzeugeninterviews und die anschließende Reflexion der Ergebnisse im Vergleich mit wissenschaftlicher Fachliteratur.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Nationalsozialismus, Schule, Bestrafung, Prügelstrafe, Erziehungsziele, Disziplin und Zeitzeugen.
Wie unterschieden sich die Bestrafungen nach Geschlecht?
Die Forschung zeigt, dass Jungen häufiger und härter körperlich bestraft wurden (z.B. Schläge mit dem Rohrstock auf das Gesäß), während bei Mädchen diese Form der Strafe oft als unschicklich galt und mildere Maßnahmen (z.B. Schläge auf die Handflächen) bevorzugt wurden.
Wie bewerteten die Zeitzeugen ihre Lehrkräfte?
Erstaunlicherweise empfanden beide befragten Zeitzeugen ihre Lehrkräfte trotz der Strenge und der Anwendung körperlicher Züchtigungen als fachlich kompetent und blicken rückblickend weitgehend positiv auf ihre Lehrer und den Lernerfolg zurück.
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- Mona Ullmann (Author), 2014, Physische und psychische Schulbestrafungen zur Zeit des Nationalsozialismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/310010