Die Jugendkultur "Emo" im 21. Jahrhundert. Ihre Entwicklung, Merkmale und ihre Herausforderung in der Gesellschaft


Hausarbeit, 2015

19 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhalt

2 Einleitung

3 Entwicklung

4 Der grosse Hype – 2005
4.1 Vorbilder und deren Bedeutung
4.1.1 Das bekannteste Vorbild in Deutschland

5 Merkmale
5.1 Kleidung – Schminke – Frisur
5.2 Gefühle und Emotionen

6 Gemeinschaft vs. Gesellschaft
6.1 Vorurteile: Emos und die Gesellschaft Emos und der Zusammenhalt

7 Die Jugendkultur Emo im Kontext Schule

8 Fazit

9 Quellenverzeichnis

2 Einleitung

„Jugendkulturen sind diejenigen Teile einer

nationalen [] Population, die für das Jugend-Selbstverständnis einer bestimmten Epoche [] Leitbilder setzen und auch von den Erwachsenen und ‚Erziehungsberechtigten’ als diejenigen wahrgenommen werden, die aufgrund ihrer scharf konturierten Eigenarten mit oft herausforderndem Charakter für die ältere Generation in besonderer Weise Irritationen darstellen.“

(Stefanie Seewald: „Jugendkulturen, Eine Herausforderung für die soziale Arbeit“)

Beschäftigt man sich mit Jugendkulturen und deren Definitionen, so stößt man auf viele unterschiedliche Formulierungen. Die oben im Zitat erwähnte Definition hielt ich jedoch am passendsten für mein Thema, da die Emo-Szene relativ häufig in den vergangen Jahren angeeckt ist. Kaum eine Szene verursachte um die Jahre 2005-2010 so viele Irritationen.

Jugendkulturen stellen eine fundamentale Bedeutung für Jugendliche dar, sie bieten den Jugendlichen Halt und Freiraum. Viele der Jugendlichen, meist zwischen zwölf und 25 Jahren[1], befinden sich in verschiedenen Jugendkulturen, können sich dort frei entfalten und bekommen die Anerkennung, die ihnen eventuell von zu Hause aus fehlt. Jugendkulturen sind Gemeinschaften, die fest zusammenhalten. Sie haben oft ihren eigenen Kodex und können sich aufgrund der neuen Medien rasant verbreiten. Es gibt festgelegte Werte und Normen, die die einzelnen Jugendkulturen ausmachen.

Um Jugendkulturen, speziell die Emo-Szene, genauer unter die Lupe zu nehmen, werde ich dieses Phänomen in meiner Hausarbeit genauer beleuchten. Ich möchte die wichtigsten Punkte der Emo-Szene genauer betrachten und deren Intentionen genau darstellen.

Gleichzeitig sollen Vorurteile beseitigt werden, um den Fokus auf das wesentliche zu legen. Gerade heute ist wichtig, dass man sich mit den Themen, die die Jugendlichen beschäftigen, genau auskennt. Auf der einen Seite sollten wir aufgrund unseres angestrebten Berufs genau Bescheid wissen, auf der anderen Seite spielen Medien, vor allem Fernsehen und Internet, eine massive Rolle in der heutigen Zeit, wodurch sich Jugendkulturen rasant verbreiten und somit viele tausende Anhänger finden. Es ist also wichtig die wesentlichen Fakten zu kennen, um die Jugendlichen, die in einer solchen Jugendkultur verankert sind, zu verstehen.

Meine Hausarbeit beginnt bei der Entstehung der Emo-Szene und welche Faktoren dafür eine Rolle gespielt haben, darauf folgt der große Hype der Jahre 2005/2006 und die Vorbilder der Szene (in Deutschland). Gegen Ende beschäftigt sich die Ausarbeitung mit dem typischen Aussehen, den Werten der Szene, den dazugehörigen Vorurteilen und dem starken Zugehörigkeitsgefühl, welches in der Emo-Szene einen sehr hohen Stellenwert hatte. Vor allem auf die Vorurteile kommt es mir in meiner Ausarbeitung an, da diese damals sehr stark durch die Medien verbreitet und somit falsche Informationen zu Tage gebracht wurden.

Um diese und andere Aspekte in meiner Hausarbeit so plastisch wie möglich darzustellen, versuche ich so viele Quellen wie möglich zu verwenden und diese mit in die Hausarbeit einzufügen.

3 Entwicklung

Die Emo-Szene ist keine Szene, die sich selbst komplett neu entwickelt hatte. Im Grunde genommen handelte es sich um eine Subszene die sich aus verschiedenen vorangegangenen Jugendkulturen entwickelt hatte. Für die Entwicklung spielten drei verschiedene Kulturen eine maßgebliche Rolle. Im Folgenden beschäftigen wir uns näher mit den verschiedenen Jugendkulturen. Dadurch lässt sich genauestens erkennen wie die Jugendkultur Emo entstanden ist und welche Themen und Werte die Emo-Szene von den anderen Jugendkulturen übernommen hat und nun selbst vertritt.

Zu Beginn sind die Punks zu nennen, die in den 80er-Jahren entstanden sind und deren Intention darin lag, Themen wie Verzweiflung und gesellschaftliche Probleme aufzuzeigen.[2] Ihre auffälligen Frisuren und die bunten Farben waren ebenso Teil ihrer Persönlichkeit, wie das Tragen von Karomustern und das Herstellen und Wiederverwenden von Kleidung. Die zweite Jugendkultur, welche ebenso eine Rolle für die Entstehung der Emoszene gespielt hatte, waren die Gothics. Diese zeichneten sich dadurch aus, dass sie eher düster, sprich schwarz, gekleidet waren. Das Make-Up gehörte fest zu ihrer Jugendkultur. Nicht nur Frauen sondern auch Männer schminkten sich auffällig stark, lackierten sich die Nägel und hatten wilde Frisuren, welche schwarz gefärbt waren. Das bekannteste Beispiel hierfür war Robert Smith, welcher als „Begründer“ der Gothicszene galt. Dieser präsentierte sich oft schwarz gekleidet und schwarz geschminkt.[3] Hier fand schon eine milde Form mit dem Spiel der Geschlechterrolle statt, denn damals war es eher untypisch sich komplett schwarz zu schminken, allen voran als Mann. Als letzte Jugendkultur lässt sich die Visual-Kei-Szene nennen. Diese Jugendkultur war eigentlich nur in Japan bekannt und fand hier keine größere Bedeutung. Oftmals sind Ausläufer dieser Jugendkultur auf verschiedenen Messen wie der Cosplay-Messe, anzutreffen.

Auch wenn es dort eher um das Nachahmen verschiedener Figuren von Videospielen ging, kommt dies der Szene relativ nahe und lässt sich somit am besten bildlich darstellen. Der Name dieser „Jugendkultur“ setzt sich wie folgt zusammen: Visual (optisch, visuell) und dem japanischen Zeichen kei (Clique, Herkunft, System, Stil). Grundsätzlich handelte es sich hierbei nicht um eine Jugendkultur, wie oben beschrieben, ferner ist es eine Musikrichtung, die fast ausschließlich aus Männern bestand, welche aber kaum noch als solche zu erkennen waren, da sie sehr weiblich und zierlich geschminkt waren. Dieser Faktor spielte aber eine zentrale Rolle für die Entwicklung der Jugendkultur Emo, im Besonderen bei den männlichen Anhängern der Emo-Szene.

Aus den oben angerissenen Jugendkulturen und deren Merkmalen, sowie den Intentionen, lässt sich nun die Entwicklung der Emoszene darstellen. In den 90er- Jahren stand Emo noch für Emocore. Dieser Begriff unterzog sich im Laufe der Zeit einem Wandel. Heute steht Emo für Emotional. Die Merkmale der Punks, das zeigen von gesellschaftlichen Problemen und Verzweiflung. Der schwarze Kleidungsstil der Gothics, sowie das Schminken und Frisieren der Haare, waren feste Elemente, die die heutige Emoszene übernommen hatte. Auch das auffällige Spielen mit der Geschlechterrolle aus der Visual-Kei-Szene, in denen die Männer sehr weiblich aussahen, hatte die Emoszene übernommen. Mit den Jahren entwickelte sich die Emoszene in verschiedene Richtungen. Je nach Gefühlslage und Ausmaß der einzelnen Personen, entstanden unterschiedliche Wege. Dem Wortstamm Emo wurden verschiedene Begriffe wie Pop, Rock oder Core angehängt. Aus damaliger Erfahrung, lässt sich sagen, dass Pop der geringste Härtegrad war, gefolgt vom Rock und dem Core.[4] Dieser Ausprägungsgrad spiegelte sich nicht nur in der Musik wieder, sondern auch in dem Darstellen der jeweiligen emotionalen Lage der Emoanhänger.

4 Der grosse Hype – 2005

Im Jahr 2005 begann der eigentliche Hype um die Emoszene. Verschiedene Jugendzeitschriften, vor allem die Zeitschrift Bravo, publizierten immens viel über diese Jugendkultur. Klaus Farin, vom Archiv der Jugendkulturen, ging sogar so weit und sagte das die Bravo der „Mitgeburtshelfer“ der Jugendkultur Emo in Deutschland war.[5] Zum größten Teil wurden dort die verschiedenen Klischees und Vorurteile aufgegriffen, die man über diese Szene heute kennt. Dieses Bild hält sich bis heute. Angeblich geplagt von Trauer und Einsamkeit, trafen sich die Emoanhänger an verschiedenen Orten, um traurig zu sein oder sich zu ritzen. Die männlichen Anhänger waren angeblich alle Homosexuell oder einfach nur durchgeknallt. Obwohl diese Jugendkultur bis heute die kleinste war, erregte sie jedoch am meisten Aufsehen. Keine andere Jugendkultur wurde so häufig erwähnt und publiziert wie diese. Diese Publikationen brachte die Jugendkultur sehr in den Fokus der anderen Medien.

Es entstanden neue Stilrichtungen, Musikrichtungen und es gab immer mehr Anhänger der Szene. Vor allem in der Musik hatte sich einiges getan, denn das öffentliche Interesse war gleichzeitig auch die Startrampe für neue Bands.

Doch dieser Hype hatte auch seine Schattenseiten. Jugendkulturen wollen zwar polarisieren und auf Missstände aufmerksam machen, jedoch lief der Hype um diese Szene in eine völlig andere Richtung. Die Szene wurde durch die Medien in ein schlechtes Licht gerückt, indem nur von negativen Dingen wie Ritzen, Trauer und Einsamkeit die Rede war. Die eigentliche Intention von Jugendkulturen, die eher indirekt auf Probleme aufmerksam machen wollten, ging dadurch völlig verloren.

4.1 Vorbilder und deren Bedeutung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bevor das bekannteste Vorbild der Emoszene in Deutschland besprochen wird, wird vorher kurz definiert, was Vorbilder sind und welche Bedeutung sie für Jugendkulturen (oder auch nur Jugendliche) haben. Der Duden definiert den Begriff „Vorbild“ folgendermaßen:

Dies ist eine mögliche Definition des Begriffs, die auf die heutige Zeit am ehesten zutrifft. Jugendliche, welche die Hauptakteure von Jugendkulturen sind, übernehmen sehr gerne menschliche Vorbilder und richten sich nach ihnen. Vorbilder sind deshalb so wichtig, da sie den Jugendlichen Halt bieten. Gerade in der Jugendphase haben viele Jugendliche Probleme mit sich selbst und springen aus diesem Grund stark auf Vorbilder an. Sie stehen zwischen den Stühlen und suchen ihre eigene Identität. Vorbilder können in dieser Phase eine gute Hilfe für die Jugendlichen sein, um sich in der Gesellschaft zurechtzufinden.[6] Vorbilder sind nicht nur Personen des öffentlichen Lebens.

Es sind auch die eigenen Eltern, die täglich mit ihren Handlungen gegenüber den Jugendlichen ein Vorbild abgeben, woran sich viele Jugendliche orientieren. Diese Orientierung wirkt sich auch auf die Partnerbeziehungen der Jugendlichen aus.[7]

Vorbilder sind in der heutigen Zeit wichtig. Jugendliche müssen feste Vorbilder haben, da sich die Zeitspanne, in der man Jugendlicher ist, immer mehr verschiebt, länger ausgeprägt ist und es so schwerer fällt sich in der Gesellschaft zu behaupten.[8] Ferchhoff spricht auch von dem Begriff Postadoleszenz. Dieser Begriff beschreibt eine Gruppe von Jugendlichen, die ihre Lebensformen und die Wahl ihres Lebensstils frei gestalten sowie teilweise auch autonom handeln, aber ökonomisch weiterhin von ihren Eltern abhängig sind.[9]

Grundsätzlich kann man den Begriff Vorbild in verschiedene kleinere Subbegriffe ordnen. Diese werden im Folgenden kurz angerissen damit man die verschiedenen Facetten besser versteht. Für den Lehrerberuf eignet sich dieses Wissen ebenfalls gut:[10]

1. Vorbild

Ist eine menschliche Person, die aufgrund ihrer Eigenschaften oder (moralischen) Handlungen zum persönlichen Leitbild auserwählt wird. Oftmals wird diese Person nachgeahmt und die Jugendlichen können sich mit ihr identifizieren. Es gibt Vorbilder die unerreichbar sind (große Persönlichkeiten) und es gibt Vorbilder, die erreichbar sind. Meistens handelt es sich dann um Personen wie die eigenen Eltern, Nachbar/innen oder Trainer/innen vom Sportverein.

[...]


[1] Vgl. Zeitspanne der Shell Studie 2010

[2] Vgl. http://www.derwesten.de/zeusmedienwelten/zeus/fuer-schueler/zeus-regional/bottrop/emo-was-ist-das-eigentlich-id679420.html (gesehen am 08.01.15 um 12:54Uhr)

[3] Vgl. http://www.bpb.de/gesellschaft/kultur/jugendkulturen-in-deutschland/36272/einfuehrung (gesehen am 08.01.15. Um 13:20)

[4] Vgl. https://www.youtube.com/watch?v=L_2SX_tr7Rw

[5] Vgl. http://www.taz.de/!90000/ (gesehen am 08.01.15. um 13:40 Uhr)

[6] http://www.step21.de/fileadmin/contentmedia/projekte/vorbilder_des_alltags/Medizinische_Universitaet_Innsbruck_Kinder_und_Jugendliche_brauchen_Vorbilder.pdf (gesehen am 08.01.15, um 14:00Uhr)

[7] Vgl. K. Hurrelmann; Lebensphase Jugend – Eine Einführung in die soz.-wiss. Jugendforschung, Juventa 9. Auflage 2007, S.109.

[8] Vgl. K. Hurrelmann; Lebensphase Jugend – Eine Einführung in die soz.-wiss. Jugendforschung, Juventa 9. Auflage 2007, S.17.

[9] Vgl. W. Ferchhoff; Jugend und Jugendkulturen im 21. Jahrhundert, VS Verlag 2011, 2. Auflage S.96.

[10] Vgl. http://www.steyler.eu/media/svd/docs/Dokumente-AT/ZSG/bilum/bilum-6/Zusaetze/05_begriffsklaerungen.pdf (am 09.01.15 um 10:00 Uhr)

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Jugendkultur "Emo" im 21. Jahrhundert. Ihre Entwicklung, Merkmale und ihre Herausforderung in der Gesellschaft
Hochschule
Pädagogische Hochschule Heidelberg
Note
1,5
Autor
Jahr
2015
Seiten
19
Katalognummer
V310045
ISBN (eBook)
9783668084070
ISBN (Buch)
9783668084087
Dateigröße
408 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
emo, hardcore-punk, punk
Arbeit zitieren
Marc-Christian Rodler (Autor), 2015, Die Jugendkultur "Emo" im 21. Jahrhundert. Ihre Entwicklung, Merkmale und ihre Herausforderung in der Gesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/310045

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