Hat Polen durch den EU-Beitritt seine regionalen wirtschaftlichen Disparitäten verringert?


Seminararbeit, 2015

18 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Polens Entwicklung (v.a. in wirtschaftlicher Hinsicht) von etwa 1970 bis hin zum EU-Beitritt 2004

2 Hat Polen durch den EU-Beitritt 2004 seine regionalen wirtschaftlichen Disparitäten verringert?
2.1 Infrastruktur
2.2 Arbeitslosigkeit
2.3 Wohlstand

3 Zusammenfassung/Fazit

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Wirtschaftliche Entwicklung in Polen und anderen Transformationsstaaten

Tabelle 2: Entwicklung der Beschäftigungsquote in % (im Alter von 15-64) von 2003-2013

Tabelle 3: Arbeitslosenquoten in den Mitgliedsstaaten im November 2014

Tabelle 4: Arbeitslosigkeit in % in einzelnen Woiwodschaften (Stand Dezember)

Tabelle 5: Bruttoinlandsprodukt pro Kopf von 2004-2014 (in US-Dollar)

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Autobahnnetz 2008 (links) und 2012 (rechts) in Polen

Abbildung 2: Schnellstraßennetz 2008 (links) und 2012 (rechts) in Polen

Abbildung 3: Entwicklung des BIP je Einwohner, in Kaufkraftstandard (KKS), nach NUTS-2-Regionen, 2000-2009 (in %)

Abbildung 4: BIP je Einwohner, in KKS, nach NUTS-3-Regionen, 2009 (in % des EU-27-Durchschnitts, EU-27=100)

1 Polens Entwicklung (v.a. in wirtschaftlicher Hinsicht) von etwa 1970 bis hin zum EU-Beitritt 2004

Die parlamentarische Republik Polen ist heute ein fester Bestandteil der Europäischen Union (EU), und zwar – um genau zu sein – seit dem 1.Mai 2004. Grundlegend war hierfür die Beitrittsverhandlung 2003 in Athen, welche am 16. April 2003 unterzeichnet wurde und eben am 1.Mai in Kraft getreten ist. Es war die bis dato größte EU-Osterweiterung; neben Polen sind ebenfalls beigetreten: Tschechien, Estland, Litauen, Lettland, Malta, Slowakei, Slowenien, Ungarn und Zypern.

Warum und wie es im polnischen Fall dazu gekommen ist, wird hier anfangs zu erläutern sein. Im Hauptteil dieser Arbeit wird jedoch Wert auf die polnische Sicht gelegt, d.h. inwiefern sich der EU-Beitritt wirtschaftlich positiv (oder negativ) auf polnische Regionen ausgewirkt hat.

Um bewerten zu können, ob der EU-Beitritt positiv gewirkt hat, schauen wir uns zunächst die Entwicklung Polens seit etwa 1970 an.

In der Dekade der 1980er-Jahre entwickelte sich die Wirtschaft Polens nicht sehr positiv. In den Jahren 1970-1980 konnten noch positive Wachstumsraten pro Jahr verzeichnet werden, wie etwa in Hinsicht auf Konsum (6,5 %), Export (7,4 %) oder etwa dem Nationaleinkommen (5,2 %). Betrachtet man nun die Jahre 1980-1989 fällt eine stark negative Wirtschaftsentwicklung auf: So sank etwa die Wachstumsrate des Konsums auf 0,2 Prozent, des Exports auf 2,9 Prozent und des Nationaleinkommens auf 0,8 Prozent. Auffallend ist auch die enorm hohe Inflationsrate von nunmehr 53,9 Prozent, welche sich in den beiden Dekaden zuvor auf etwa 5,0 Prozent eingependelt hatte (vgl. Bohle, 2002: 103).

Aufgrund dessen wurden zahlreiche Reformversuche in den 1980er-Jahren durchgeführt, jedoch ohne Erfolg (vgl. Bohle, 2002: 97-102). Im Gegenteil: durch die Strategie der kreditfinanzierten Entwicklung (1970er-Jahre) wurde der außenwirtschaftliche Spielraum Polens stark eingeschränkt (Bohle, 2002: 105).

Diese Fakten – laut Bohle basierend auf „nicht nur internen Problemen“, sondern auch „strukturell ökonomischen Problemen“ – führten schließlich Ende der 1980er-Jahre zum Zerfall des sozialistischen Systems Polens, was sich „mit der Einführung des Balcerowicz-Programms am 1.1.1990 endgültig vollzogen hat“ (Bohle, 2002: 105ff).

Wie dies genau geschehen ist, hat u.a. Dorothee Bohle bereits ausreichend analysiert (vgl. Bohle, 2002: 91-111), weshalb ich darauf an dieser Stelle verzichte; schließlich dient hier die historische Rekonstruktion der Entwicklung Polens bis zum EU-Beitritt lediglich als Aufhänger bzw. Grundlage der Arbeit.

Inhaltlich zielte der Balcerowicz-Plan auf „die schnelle Umsetzung der Stabilisierungs- und Liberalisierungsmaßnahmen“ ab, was in der ersten Hälfte der 1990er-Jahre große Unterstützung genoss, v.a. durch politische Gruppierungen und Medien (Bohle, 2002: 111f.).

Diese erste Phase der polnischen Transformation hatte vor allem zur Folge, dass „das politische Zentrum eine neue ökonomische Steuerungskapazität über die Geld- und Haushaltspolitik erlangte und gleichzeitig die Weichen für den nicht mehr hinterfragbaren Systemwechsel stellen konnte“ (Bohle, 2002: 112).

In den Folgejahren herrschte ein parteiübergreifender Konsens neoliberaler Reformen. Dieser Konsens und die externe Sicherung durch westliche Gläubiger (aufgrund vorheriger enormer Verschuldungen) und den IWF (Internationaler Währungsfonds) führten zu Kontinuität in der Stabilisierungspolitik Polens (vgl. Bohle, 2002: 137). Auffallend war hierbei, dass die westliche Politik gegenüber Polen durchaus als flexibler zu bezeichnen war als etwa die Politik gegenüber Ungarn oder anderen Transformationsstaaten. Bleiben wir in diesem Zusammenhang bei dem Beispielvergleich zwischen Polen und Ungarn: Polen erreichte beim Pariser Club 1991 einen 70-prozentigen Schuldenerlass, Ungarn hingegen musste etwa 40 Prozent seiner Einnahmen durch den Export für den Schuldenabbau leisten (vgl. Bohle, 2002: 137f.).

Es ist also festzuhalten, dass Polen bereits früh (im Vergleich zu anderen mittelosteuropäischen Transformationsstaaten) von westlichen Akteuren „betreut“ wurde und somit eine externe Absicherung durch jene erhielt.

Die dritte Phase der polnischen Transformation, nämlich die Strategie des Staatskapitalismus in den Jahren 1994-1997 verzeichnete durchaus wirtschaftliche Erfolge, was Tabelle 1 belegt. In dieser Phase versuchte die neue Regierung sowohl die Wettbewerbsfähigkeit Polens auf internationaler Ebene voranzutreiben, wie auch die „Konsolidierung bedeutender interner Unternehmensgruppen“ (Bohle, 2002: 144).

Demnach weist Polen in den Jahren 1994-1997 ein durchweg positives Wirtschaftswachstum auf (6,3 % BSP-Wachstum im Durchschnitt sowie Bruttoindustriewachstum im Durchschnitt von 10,3 %). Dazu kommt die enorm gesunkene Arbeitslosigkeit von 16,4 Prozent (1993) auf 10,5 Prozent (1997). Neben diesen wirtschaftlichen Problemen hatte Polen ebenfalls – dies sei hier nur am Rande erwähnt – auch politische Probleme, welche sich erst 1997 gelegt haben, und zwar aufgrund eines Referendums zur Legitimierung der Verfassung.

Ab 1998 stand Polen in Beitrittsverhandlungen mit der EU. Im Dezember 2002 wurden die polnischen Bemühungen durch den Kopenhagener EU-Gipfel anerkannt bzw. als positiv bewertet, was zur Beitrittszusage zur EU für das Jahr 2004 führte (vgl. Bertelsmann-Stiftung, 2015: 2f.).

Tabelle 1: Wirtschaftliche Entwicklung in Polen und anderen Transformationsstaaten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Bohle, 2002: 162, Tabelle 19.

Nachdem nun die wirtschaftliche Leistung Polens vor EU-Beitritt dargestellt wurde, stellt sich die zentrale Frage dieser Arbeit: Hat die neu gewonnene EU-Mitgliedschaft auch innerhalb Polens die regionalen Disparitäten vermindert oder wurden diese etwa verstärkt? Der Fokus wird hierbei auf Stadt-Land-Differenzen gelegt.

2 Hat Polen durch den EU-Beitritt 2004 seine regionalen wirtschaftlichen Disparitäten verringert?

Polen ist also am 1.Mai 2004 offiziell zur Europäischen Union beigetreten. Was bedeutete das für Polen, bzw. wie steht das Land mittlerweile da? Hat die vorherige Entwicklung den EU-Beitritt bedingt, um eine weitere Entwicklung sichern zu können? Die zentrale Frage jedoch lautet: Sind die regionalen Disparitäten in Polen selbst – vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht – durch den EU-Beitritt vermindert worden?

Die Kriterien zur Überprüfung dieser zentralen Frage lauten wie folgt: Infrastruktur, Arbeitslosigkeit sowie Wohlstand.

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Hat Polen durch den EU-Beitritt seine regionalen wirtschaftlichen Disparitäten verringert?
Hochschule
Technische Universität Chemnitz  (Institut für Europäische Studien)
Veranstaltung
Seminar "Regionale Disparitäten in Ostmitteleuropa"
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
18
Katalognummer
V310066
ISBN (eBook)
9783668090699
ISBN (Buch)
9783668090705
Dateigröße
881 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Polen, Europäische Union, Folgen, Regionen, Wirtschaft, Wojwodschaften, Politik, Politikwissenschaft, Sozial- und Wirtschaftsgeographie, Regionale Disparitäten
Arbeit zitieren
Andreas Will (Autor), 2015, Hat Polen durch den EU-Beitritt seine regionalen wirtschaftlichen Disparitäten verringert?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/310066

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