Rainer Maria Rilkes Dinggedicht "Archaischer Torso Apollos" ist das einleitende Werk seiner Gedichtsammlung "Der neuen Gedichte anderer Teil". Rilke schrieb es im Frühsommer 1908
in Paris. "Der neuen Gedichte anderer Teil" ist der zweite Teil seines Werkes "Neue Gedichte", welchen er dem Künstler Rodin widmete. Seit Rilke 1902 nach Paris gereist war, um eine Monographie über Rodin zu schreiben, hatte sich zwischen beiden eine Freundschaft entwickelt und Rodin hatte in weiten Teilen Einfluss auf Rilkes literarisches Schaffen. Die Bildende Kunst u.a. Rodins veranlasste Rilke zum Schreiben seiner Dinggedichte.
In der vorliegenden Arbeit sollen Rilkes Konzeption des Dinggedichts sowie sein Gedicht "Archaischer Torso Apollos" näher betrachtet werden. Mögliche Einflüsse und Hintergründe
bzgl. dieser Gedicht-Konzeption Rilkes sollen der Betrachtung hinzugezogen werden, wobei einerseits Rodin, andererseits auch gesellschaftliche sowie literaturwissenschaftliche Zusammenhänge eine Rolle spielen werden. Das genannte Gedicht soll formal und inhaltlich untersucht werden. In einer abschließenden Betrachtung sollen die Konzeption und Rolle des Dinggedichts bei Rilke, vordergründig anhand des untersuchten Gedichts, noch einmal verdeutlicht werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Dinggedicht
2.1 Zum Dinggedicht bei Rilke
2.2 Zu Rodins Einfluss auf Rilkes Konzeption des Dinggedichts
3. Archaischer Torso Apollos
4. Formale Analyse
4.1 Zur Gedichtform
4.2 Zu Anordnung und Aufbau , Konstruktion und Ablauf
5. Inhaltliche Analyse
5.1 Zu Hintergründen und Zusammenhängen
5.2 Zur 1. Strophe
5.3 Zur 2. Strophe
5.4 Zur 3. Strophe
5.5 Zur 4. Strophe
6. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Rainer Maria Rilkes Konzeption des Dinggedichts unter besonderer Berücksichtigung seines Werkes „Archaischer Torso Apollos“. Das primäre Ziel ist es, die formale und inhaltliche Struktur des Gedichts zu analysieren und dabei die Einflüsse von Auguste Rodin sowie gesellschaftliche und literaturwissenschaftliche Zusammenhänge aufzuzeigen, die Rilkes „Sachliches Sagen“ maßgeblich geprägt haben.
- Rilkes Poetik des Dinggedichts und dessen Entstehungshintergrund
- Die ästhetische und inhaltliche Bedeutung der Bildenden Kunst, insbesondere durch Rodin
- Strukturelle Analyse von Form und Aufbau des Sonetts „Archaischer Torso Apollos“
- Untersuchung der Rezeptionsdynamik zwischen Betrachter und Kunstwerk
- Die performative Wandlung des Subjekts durch die Begegnung mit dem Objekt
Auszug aus dem Buch
3. Archaischer Torso Apollos
Wir kannten nicht sein unerhörtes Haupt, darin die Augenäpfel reiften. Aber sein Torso glüht noch wie ein Kandelaber, in dem sein Schauen, nur zurückgeschraubt, sich hält und glänzt. Sonst könnte nicht der Bug der Brust dich blenden, und im leisen Drehen der Lenden könnte nicht ein Lächeln gehen zu jener Mitte, die die Zeugung trug.
Sonst stünde dieser Stein entstellt und kurz Unter der Schultern durchsichtigem Sturz Und flimmerte nicht so wie Raubtierfelle;
Und bräche nicht aus allen seinen Rändern aus wie ein Stern: denn da ist keine Stelle, die dich nicht sieht. Du musst dein Leben ändern.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung bettet Rilkes „Archaischer Torso Apollos“ in den Kontext der „Neuen Gedichte“ ein und erläutert die Zielsetzung der Arbeit, das Gedicht und Rilkes Dinggedicht-Konzeption zu untersuchen.
2. Das Dinggedicht: Dieses Kapitel definiert das Dinggedicht als lyrische Gattung und beleuchtet sowohl die theoretischen Grundlagen als auch Rilkes spezifische Ausprägung und Rodins Einfluss darauf.
3. Archaischer Torso Apollos: Hier wird der Originaltext des Gedichts präsentiert, das den zentralen Untersuchungsgegenstand der Arbeit darstellt.
4. Formale Analyse: Es wird untersucht, wie Rilke die Sonettform adaptiert und welche strukturellen Besonderheiten, wie Metrum und Reimschema, das Gedicht prägen.
5. Inhaltliche Analyse: Dieses Kapitel bietet eine detaillierte strophische Interpretation des Gedichts sowie eine Untersuchung der zugrunde liegenden kunstgeschichtlichen und mythologischen Bezüge.
6. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung resümiert die Ergebnisse und hebt hervor, wie Rilke durch das Gedicht eine neue Einheit von Sprache und Objekt sowie einen performativen Rezeptionsprozess schafft.
Schlüsselwörter
Dinggedicht, Rainer Maria Rilke, Archaischer Torso Apollos, Auguste Rodin, Lyrik, Sonett, Sachliches Sagen, Bildende Kunst, Rezeption, Sprachgebärden, Moderne, Apollo, Ästhetik, Kunstwerk, Performanz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse von Rainer Maria Rilkes berühmtem Dinggedicht „Archaischer Torso Apollos“ und dessen Einordnung in das literarische Konzept des „Sachlichen Sagens“.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Konzeption des Dinggedichts bei Rilke, der Einfluss von Auguste Rodin, die formale Gestaltung des Sonetts sowie die wechselseitige Beziehung zwischen dem Betrachteten und dem Betrachter.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Rilke mittels sprachlicher Mittel aus einem steinernen Fragment ein lebendiges „Kunst-Ding“ schafft und welche existenzielle Bedeutung dieser Prozess für den Rezipienten hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, die formale Aspekte (Metrik, Struktur) mit inhaltlichen Interpretationen sowie werkbiografischen und kunsthistorischen Kontexten verbindet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine formale Analyse des Gedichtaufbaus und eine detaillierte inhaltliche Interpretation der einzelnen Strophen, ergänzt durch Hintergründe zur Entstehung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Dinggedicht, Rilke, Archaischer Torso Apollos, Sachliches Sagen, Rezeption und Performanz.
Wie verändert sich die Rolle des Betrachters im Gedicht?
Der Betrachter wandelt sich von einer passiven, beobachtenden Instanz zu einem Subjekt, das sich durch die intensive Aura des Kunstwerks selbst erkannt sieht und zur Lebensänderung aufgefordert wird.
Welche Bedeutung kommt der „Wie-Fügung“ im Gedicht zu?
Die „Wie-Fügung“ dient als zentrales sprachliches Mittel, um das Gegenbild zwischen dem tatsächlichen Artefakt (dem Torso) und dem vorgestellten Urbild (dem antiken Gott) zu vermitteln.
Inwiefern beeinflusste Rodin Rilkes Dichtkunst?
Rodin veranlasste Rilke durch seine Bildhauerei dazu, Dinge als eigenständige, kunstvolle Gebilde wahrzunehmen und diese Erkenntnis in seine literarische Arbeit zu übertragen.
Was bedeutet das Schlusswort „Du musst dein Leben ändern“?
Es markiert den kulminierenden Punkt des performativen Rezeptionsprozesses, in dem die ästhetische Erfahrung des Kunstwerks in eine unmittelbare, existenzielle Aufforderung an den Leser mündet.
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- Theresa Hoch (Author), 2013, Rilkes Dinggedicht "Archaischer Torso Apollos". Formale und inhaltliche Analyse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/310185