Ergänzungstraining mit Schlingen als Fitness- und Therapiemethode


Hausarbeit, 2015

18 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung
1.1. Hintergrund der Verwendung von Schlingen
1.2. Aufbau und Funktionsweise verschiedener Schlingentrainer

2 Merkmale und Vorteile des Schlingentrainings
2.1 Bestimmung der Intensität durch Progression
2.2 Neuromuskuläre Ansteuerung und lokale Stabilisatoren
2.3 Training auf mehrdimensionalen Bewegungsebenen

3 Wirkung und Anwendungsbeispiele für Schlingentraining
3.1 Schlingentraining in der Therapie
3.2 Sportartspezifisches Ergänzungstraining und Verletzungsprävention
3.3 Ergänzungstraining für Fitnesssportler

4 Nachteile eines Schlingentrainings

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Im letzten Jahrzehnt hat sich das Schlingentraining im Fitness-, Gesundheits- und Leistungssport als Trainingsform des sogenannten „Funktionellen Trainings“ etabliert, welches genau auf Alltags- und sportartspezifische Bewegungsmuster eingehen kann (vgl. Schurr, 2011). Hierbei kommt dem Schlingentraining zugute, dass sich das Training mit dem eigenen Körpergewicht seit einigen Jahren großer Beliebtheit erfreut. Aufgrund der vielfältigen Einsatzmöglichkeiten und dem simplen Aufbau können Menschen mit ganz unterschiedlichen Trainings- oder auch Therapiezielen mit dem Schlingentrainer, auch „Suspension Trainer“ genannt, arbeiten. Training in den Schlingen wird sowohl in der Therapie als auch im Fitnessbereich eingesetzt. In beiden Segmenten haben sich jeweils unterschiedliche Anbieter auf dem Markt festgesetzt und machen mit ihren Geräten sowohl ein individuelles Einzeltraining, als auch Gruppentraining, beziehungswiese Gruppentherapie in verschiedenen Umgebungen möglich. In dieser Arbeit soll ein Überblick über die verschiedenen Einsatzmöglichkeiten eines gezielten Ergänzungstrainings mit verschiedenen Schlingensystemen geben sowie konkrete Eigenschaften und Vorzüge benennen, die ein Schlingentraining von anderen Formen des Krafttrainings unterscheidet. Zudem werden Studien vorgestellt, die die Wirksamkeit der Anwendung von Schlingen in verschiedenen Bereichen des Sports belegen. Aufbauend auf den Vorteilen sollen Fallbeispiele dargestellt werden, bei welchen im Rahmen eines Ergänzungstrainings von dieser Trainingsmethode profitiert wird.

1.1. Hintergrund der Verwendung von Schlingen

Ein Grund dafür, dass es heutzutage zahlreiche Anbieter von Schlingensystemen gibt, ist der Fakt, dass diese bereits in den 90er Jahren sowohl in der Physiotherapie, als auch im Fitnessbereich im weitesten Sinne eingesetzt wurden. Ursprünglich entwickelte sich das Schlingentraining aus der seit den frühen 90er Jahren eingesetzten Therapiemethode in der Physiotherapie, die sich das instabile System der Schlingen zu Nutze machte, um sensomotorische Veränderungen zu erwirken, die das Muskel- und Nervensystem betreffen (Schurr, 2011). Von dort aus begannen US-amerikanische Trainer und Wissenschaftler auch Nutzen im Leistungssport zu erkennen, wobei die Marineeinheiten des US-Militärs die ersten fitnessorientierten Anwender waren. Der offensichtlichste Vorteil damals war das geringe Gewicht des transportablen Geräts, welches ein effektives Kraft- und Stabilisationstraining des gesamten Körpers ermöglichte. Diese Ausdifferenzierung der Anwendungsfelder führte dazu, dass sich seither verschiedene Anbieter auf dem Markt positionieren konnten, deren Schlingenprodukte sich jeweils unterscheiden.

1.2. Aufbau und Funktionsweise verschiedener Schlingentrainer

Schlingentrainer, die im Fitnesssport eingesetzt werden, sind meist etwas einfacher aufgebaut als die Therapiegeräte. Bei den Fitnessgeräten hat sich eine Ankerschlinge, beziehungsweise eine Befestigungsschlaufe als Befestigungspunkt bewährt, welche über einen Karabinerhaken mit der Trainingsschlaufe verbunden ist. Die Länge der Trainingsschlaufen kann über die Anpassungsschlaufe verändert werden. So entsteht ein Dreieckssystem mit einem Aufhängepunkt und zwei Trainingsschlingen, an welchen zwei Griffe oder Schlaufen befestigt werden können oder bereits mit der Schlaufe verarbeitet worden sind (vgl. Kempf, S. 357; Doll, 2014).

Der Marktführer der Schlingen mit einfacher Aufhängung und Verwendung im Fitness- und Leistungssport ist der Schlingentrainer von TRX, eine Marke des US-Amerikaners Randy Hetrick. TRX bietet neben dem einfachen Schlingensystem auch noch andere Produkte, wie den TRX-Riptrainer an, einer Stange mit einem Zugband, mit welchem ebenfalls mehrdimensionale Bewegungen möglich sind. Außerdem bietet TRX als weltweite Marke ein eigenes Lizenzsystem an, dessen wirtschaftlicher Wert klar ist. Dennoch bleiben Zweifel am Sinn von Lizenzausbildungen bestehen, welche sich ausschließlich auf ein einziges Produkte eines Anbieters in einem Segment des Breitensports beziehen. Es existieren viele andere Anbieter, welche ein ähnliches System zu einem niedrigeren Preis anbieten. Eine Besonderheit ist die Verarbeitung einer Umlenkrolle, welche für noch instabilere Verhältnisse sorgt und zugleich gezielte Rotationsbewegungen auf der Transversalebene ermöglichen.

Im Bereich des therapeutischen Schlingentrainings hat sich der Anbieter Redcord etabliert. Redcord verfügt ebenfalls über ein komplexes Lizenzausbildungssystem, welches sich auf Trainingsangebote im Bereich des Gesundheitssports mit dem Redcord Trainer bezieht. Unterschieden wird zwischen Gruppentraining mit Sportlern als Ergänzungstraining („Redcord Sport“), Sporttherapie in Gruppen („Redcord Active“) , bei welchen othopädische Indikationen behandelt werden können sowie einem therapeutischen Einzeltraining im Bereich der Physiotherapie mit dem Namen „Neurac“ oder „Redcord Medical“. Laut Redcord (2012) erreicht Neurac „lokale und globale Muskulatur in ihrer integrierenden Funktion für die Muskelketten durch hochgradige neuromuskuläre, schmerzfreie Stimulation“.

Redcord bietet verschieden komplexe Version von Schlingentrainern an. Auf diesem Bild ist eine aufhängbare Version mit zwei Aufhängungspunkten abgebildet, welche sich für die Gruppentherapie oder einen Schlingentisch mit fester Räumlichkeit eignet. Werden weitere Schlingentrainer hinzugenommen, so ist die Arbeit mit mehreren Aufhängungspunkten denkbar. Dies kann entweder als Unterstützung von Schwachstellen in der kinematischen Kette (beispielsweise durch Positionierung einer Schlaufe unter der Hüfte) oder als zusätzliches instabiles Element zur weiteren Progression verwendet werden. Die zwei Aufhängungspunkte ermöglichen den Einsatz weiterer Schlaufen für das Becken, die Beine oder den Kopf. Gearbeitet wird sowohl mit festen Seilen, als auch mit elastischen Expandern. Neben dem Redcord Trainer gibt es kleinere und preisgünstigere varianten, wie den Redcord Mini, der in der Handhabung etwas einfacher ist. Ein Beispiel für die therapeutische Arbeit mit mehreren Aufhängungspunkten zeigt folgende Abbildung:

2 Merkmale und Vorteile des Schlingentrainings

Grundsätzlich wird in den Schlingen hauptsächlich mit dem eigenen Körpergewicht gearbeitet. Das bedeutet, dass der Trainierende mit Armen, Beinen, Händen oder Füßen in den Schlaufen befestigt ist und gegen die Schwerkraft arbeitet. Durch die freie Beweglichkeit der Schlingen ist ein Training in allen drei Bewegungsebenen möglich, sowohl in der Front-, der Sagital- und der Transversalebene. Dieser Umstand bietet die Möglichkeit, koordinativ anspruchsvolle Bewegungen durchzuführen, geschlossene kinematische Muskelketten zu aktivieren und sportartspezifische Bewegungen durchzuführen. Das Training in der komplexen kinematischen Muskelkette bei bestimmten Übungen ermöglicht ein Training der intermuskulären Koordination. Es sind sowohl Bewegungen in der offenen als auch in der geschlossenen kinematischen Kette möglich. Das Training in der geschlossenen Kette verbessert in besonderem Maße neuromuskuläre Ansteuerungsmuster und die intermuskuläre Koordination, während Bewegungen in der offenen Kette die Kraft einzelner Muskeln effektiv zu erhöhen vermögen.

Eines der wichtigsten Merkmale des Schlingentrainings ist die Tatsache, dass die Übungen jeweils in kurzer Zeit so verändert werden können, dass der stets individuell optimale Schwierigkeitsgrad erreicht wird. Durch die Veränderung im Raum zur Schlaufe, durch Veränderung des Aufhängungspunkts sowie durch Ergänzung der Übung durch zusätzliche Kleingeräte oder Bewegungen kann eine Progressionsstufe gewählt werden, die den Trainierenden weder unter- noch überfordert (Bretschneider, 2012)
Eine besondere Eigenschaft des Trainings in Schlingen ist die Instabilität. Anders als bei Übungen in Kraftgeräten müssen alle Gelenke des Bewegungssystems stets stabilisiert werden. Gerade bei Übungen in der geschlossenen kinematischen Kette werden so Schwachstellen und Ausgleichsbewegungen leicht sichtbar (Heißel, 2010). Die Instabilität kann durch den Einsatz von zusätzlichen labilen oder instabilen Elementen nochmals erhöht werden. Bei fast allen Übungen geht es darum, den Körper entsprechend der Schwerkraft entgegen zu stabilisieren. Dies kann durch isolierte Zusatzbewegungen einzelner Extremitäten erschwert werden. Durch Übungen unter instabilen Verhältnissen werden die tiefliegenden lokalen Stabilisatoren in besonderem Maße stimuliert (ebd.). Grundsätzlich ist ein Schlingentraining durch die vielen Möglichkeiten der Progression und durch die zahlreichen Übungsvariationen für alle Leistungsstufen und Bereiche des Sports geeignet.

Bei jeder Form des Schlingentrainings ist es besonders aufgrund der sehr großen Zahl an Übungsvariation außerordentlich wichtig, die Übung in den Schlingen stets mit idealer Ausführung und Körperhaltung durchzuführen, um Verletzungen an Gelenken und allen voran an der Lendenwirbelsäule vorzubeugen. Grundlage dafür ist die Aktivierung der tiefliegenden Rumpfmuskulatur noch von Initialisierung der Bewegung.

2.1 Bestimmung der Intensität durch Progression

Da das Training mit dem Schlingentrainer ohne Zusatzgewichte von statten geht, wird eine Kraftentwicklung vor allem durch die wirkende Schwerkraft notwendig und gilt damit als besonders gelenkschonend. Ein wesentliches Merkmal von Schlingentraining ist die Eigenschaft, dass die Übungen in allen Schwierigkeitsstufen stattfinden können und somit für ganz unterschiedliche Zielgruppen und Leistungsstufen geeignet sind. Im Folgenden wird dargestellt, welche Möglichkeiten es gibt, die Schwierigkeit entsprechend zu verändern (nach Schurr, 2011).

- Schlaufenhöhe: Tief hängende Schlaufen vergrößern den Hebelarm und damit den Schwierigkeitsgrad der Übung.
- Hebelarm: Eine Fixierung der Schlaufen näher zum Körperschwerpunkt hin (zum Beispiel zum Unterarm statt an den Händen oder am Knie statt am Sprunggelenk) verkleinert den Hebelarm und senkt somit in den meisten Fällen den Schwierigkeitsgrad der Übung.
- Aufhängungspunkt: Durch die Veränderung des Aufhängungspunktes ergeben sich ebenfalls vielfältige Veränderungen der Übung. Befindet sich der Aufhängungspunkt über dem bewegungsausführenden Gelenk, so spricht man von einem axialen Aufhängungspunkt. Wird der Aufhängungspunkt Richtung kaudal verlegt, so kommt es zu einem leichten Kompressionseffekt im Gelenk. Außerdem wird die Bewegung dadurch etwas erleichtert. Bei kranialer Aufhängung (über dem Fuß und weiter) kommt es gegenteilig zu einer etwas erschwerten Bewegung und zu einer Dekompression im Gelenk.

Bei lateraler Aufhängung muss gegen die Schwerkraft nach außen gearbeitet werden, wobei noch einmal ein anderer Anspruch an die Stabilisationsfähigkeit und an den Kraftaufwand gegen die wirkenden Kräfte gestellt wird.

- Instabilität und Auflagefläche: Neben der von Hause aus gegebenen Instabilität der Schlingen, kann diese noch zusätzlich durch Veränderung des Standes oder durch den Einsatz weiterer instabiler Unterlagen erhöht werden. Ein breiterer Stand bei Übungen im Stehen kann durch einen engeren Stand oder durch einen instabilen Untergrund erschwert werden. Bei Übungen in liegender Position kann die Unterstützung der Arme aufgehoben werden. Ebenfalls können wackelige Elemente wie beispielsweise Sisselkissen als Unterlage verwendet werden.
- Zusatzbewegungen und komplexe Bewegungsaufgaben:
Die Stabilisationsfähigkeit und Bewegungskoordination kann zusätzlich trainiert werden, indem Bewegungen aus einer stabilen Position heraus ausgeführt werden. Je komplexer und schneller die Bewegung ausgeführt wird, desto höher ist der Anspruch an Bewegungskoordination, an das sensomotorische System und damit verbunden an die Fähigkeit, den Körper in einer stabilen Position zu halten.
- Einschränkung der Sensorik: Durch das Einschränken von Sinnen, beispielsweise durch das Schließen eines Auges, wird die Übung ebenfalls erschwert, da andere Sensorsysteme des Organismus zu verstärkter Aktivität herangezogen werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Ergänzungstraining mit Schlingen als Fitness- und Therapiemethode
Hochschule
Deutsche Hochschule für Gesundheit und Sport (vormals H:G Hochschule für Gesundheit & Sport, Technik & Kunst)
Note
1,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
18
Katalognummer
V310245
ISBN (eBook)
9783668091238
ISBN (Buch)
9783668091245
Dateigröße
463 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Funktionelles Training, Schlingentraining, sling training, Rehabilitation, Redcord, TRX, Core Training, Rumpfkraft, Rumpfstabilisation, sling exercise, functional training, functional exercise, Krafttraining
Arbeit zitieren
BA Johannes Boldt (Autor:in), 2015, Ergänzungstraining mit Schlingen als Fitness- und Therapiemethode, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/310245

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