Adidas erwirtschaftete 2010 fast 95 Prozent seines Umsatzes im Ausland und beschäftigte 33.164 seiner Mitarbeiter in anderen Ländern, was einem Auslandsanteil von 91 Prozent entspricht. Auch andere deutsche Unternehmen wie Bayer, Deutsche Post, Siemens oder Volkswagen erzielen den Großteil ihres Gewinnes in anderen Ländern und auch hier übersteigen die Beschäftigtenzahlen im Ausland die Beschäftigtenzahlen im Inland. Das Phänomen der Internationalisierung weitet sich durch eine zunehmende Globalisierung der gesamten Unternehmenstätigkeit immer mehr aus und erfasst auch kleine und mittelständische Unternehmen.
Motive für eine grenzüberschreitende Tätigkeit von Unternehmen liegen in der Steigerung des Absatzes, dem Erzielen von Kostenvorteilen, der Risikostreuung über zusätzliche Märkte oder Kundengruppen oder in der Erschließung von weltweiten Ressourcen. Dabei stellen die räumliche und kulturelle Distanz zwischen den Unternehmensteilen besondere Anforderungen an die Kommunikation zwischen Stammunternehmen und Auslandsgesellschaften. Nach dem populären EPRG-Modell – in der Literatur zum Internationalen Management – von Howard Perlmutter lassen sich vier Grundstrategien für internationale Aktivitäten unterscheiden, je nachdem wie stark das Stammunternehmen die Auslandsgesellschaft beeinflusst, zum Beispiel durch die Besetzung von Führungspositionen. Die Vorgehensweise bei der Internationalisierung lässt Rückschlüsse darauf zu, ob fremde Kulturen innerhalb des Unternehmens akzeptiert werden, sich an sie angepasst oder ihre Vielfalt genutzt wird.
In der vorliegenden Arbeit wird zunächst das EPRG-Konzept von Perlmutter vorgestellt und anschließend im Hinblick auf das Verständnis und die Rolle von Kultur diskutiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Darstellung des EPRG-Konzeptes von Perlmutter
2.1 Ethnozentrische Strategie
2.2 Polyzentrische Strategie
2.3 Geozentrische Strategie
2.4 Regiozentrische Strategie
3. Die Rolle von Kultur im EPRG-Konzept von Perlmutter
3.1 Zugrundeliegender Kulturbegriff
3.2 Dominanz vs. Anpassung
3.3 Bewertung des EPRG-Konzeptes
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das EPRG-Modell von Howard Perlmutter im Hinblick auf seine theoretische Fundierung und die zentrale Rolle kultureller Einflüsse in der internationalen Unternehmensführung. Dabei wird analysiert, wie die verschiedenen Strategietypen – ethnozentrisch, polyzentrisch, geozentrisch und regiozentrisch – den Umgang mit kultureller Vielfalt innerhalb multinationaler Konzerne prägen und welche Anforderungen dies an das Management stellt.
- Grundlagen und Definitionen des EPRG-Modells
- Analyse der vier Internationalisierungsstrategien
- Kulturverständnis und die Rolle interkultureller Kompetenz
- Dominanz- und Anpassungsmechanismen in internationalen Unternehmen
- Kritische Bewertung der Anwendbarkeit des Modells in der globalen Praxis
Auszug aus dem Buch
3.1 Zugrundeliegender Kulturbegriff
Welches Kulturverständnis liegt nun Perlmutters EPRG-Konzept zugrunde? Zunächst ist festzuhalten, dass es hier um die Interaktion zwischen Mitgliedern unterschiedlicher nationaler Kulturen geht. Übergeordnetes Ziel ist eine erfolgreiche internationale Kooperation zwischen den Unternehmensteilen, wobei Perlmutter die vier verschiedenen Strategien des EPRG-Modells anführt. Erfahrungen, Werte, Einstellungen und Praktiken eines Landes werden den jeweiligen Erfahrungen, Werten, Einstellungen und Praktiken anderer Länder gegenübergestellt (vgl. 2.1.3).
Aufgrund der Festlegung auf Nationalkulturen lässt sich der Kulturbegriff bei den funktionalistischen Kulturansätzen einordnen. Kulturen werden aus funktionalistischer Perspektive als homogen, sich im Verlauf der Zeit kaum verändernd und eindeutig abgrenzbar – wie es bei Nationen der Fall ist – gesehen. Nationale Kulturen lassen sich demnach als ein spezifisches Orientierungssystem anhand von universellen Dimensionen oder Kulturstandards vergleichen und unterscheiden.
„Kulturstandards sind Arten des Wahrnehmens, Denkens, Wertens und Handelns, die von einer Mehrzahl der Mitglieder einer bestimmten Kultur für sich und andere als normal, typisch und verbindlich angesehen werden. Eigenes und fremdes Verhalten wird aufgrund dieses Kulturstandards gesteuert, reguliert und beurteilt.“
Diese Definition stammt von Alexander Thomas, einem Vertreter der Kulturpsychologie. Verschiedene Werte, Handlungs- und Denkweisen implizieren auch unterschiedliche Managementstile, weil es immer einzelne Personen sind, die eine Führungsrolle übernehmen. So geht Perlmutter davon aus, dass die Internationalisierungsstrategien seines EPRG-Konzeptes auf der Grundeinstellung der Unternehmensleitung und damit auf den Werten, Einstellungen, Erfahrungen und Vorurteilen von Individuen basieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Internationalisierung deutscher Unternehmen und stellt das EPRG-Modell als zentralen Bezugsrahmen zur Analyse internationaler Führungsstrategien vor.
2. Darstellung des EPRG-Konzeptes von Perlmutter: Dieses Kapitel erläutert die vier strategischen Orientierungen – ethnozentrisch, polyzentrisch, geozentrisch und regiozentrisch – und deren Auswirkungen auf die Organisationsstruktur und Führung.
3. Die Rolle von Kultur im EPRG-Konzept von Perlmutter: Der Abschnitt untersucht das zugrundeliegende Kulturverständnis, diskutiert die Spannungsfelder zwischen Dominanz und Anpassung und bewertet das Modell kritisch hinsichtlich seiner Realitätsnähe.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Bedeutung des Konzepts für ökonomische Fragestellungen zusammen und hinterfragt das klassische Kulturverständnis angesichts moderner globaler Entwicklungen wie der Transkulturalität.
Schlüsselwörter
EPRG-Modell, Internationales Management, ethnozentrische Strategie, polyzentrische Strategie, geozentrische Strategie, regiozentrische Strategie, Kulturstandards, Interkulturelle Kompetenz, Unternehmenskultur, globale Effizienz, transkulturelle Identität, Internationalisierung, Führungskonzeption, Kultur-Kolonialisierung, Anpassungsstrategie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert das von Howard Perlmutter entwickelte EPRG-Modell und untersucht, wie internationale Konzerne ihre Strategien an kulturelle Gegebenheiten anpassen oder diese ignorieren.
Welche vier Strategietypen stehen im Fokus der Arbeit?
Die Arbeit behandelt die ethnozentrische, polyzentrische, geozentrische und regiozentrische Strategie als Grundtypen internationaler Ausrichtung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, das Verständnis von Kultur innerhalb des EPRG-Modells aufzuzeigen und zu erörtern, inwieweit diese strategischen Ansätze in der heutigen globalisierten Geschäftswelt noch zeitgemäß sind.
Welche wissenschaftliche Perspektive wird eingenommen?
Die Arbeit nutzt primär funktionalistische Kulturansätze und kulturpsychologische Perspektiven, insbesondere unter Rückgriff auf Alexander Thomas, um das Verhalten von Führungskräften in internationalen Kontexten zu erklären.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Vorstellung der vier Strategien und eine kritische Auseinandersetzung mit der Rolle von Kultur, inklusive der Spannungsfelder zwischen Dominanz und lokaler Anpassung.
Welche zentralen Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind neben den vier Strategietypen des EPRG-Modells vor allem interkulturelle Kompetenz, Kulturstandards, globale Effizienz und die Transformation von Unternehmenskulturen.
Warum wird im Fazit der Begriff der "Patchwork-Identität" genannt?
Dieser Begriff dient als Gegenentwurf zum statischen Kulturverständnis des EPRG-Modells, um die hybride Realität moderner globaler Lebens- und Arbeitswelten besser abzubilden.
Inwiefern ist laut Arbeit der Geozentrismus idealistisch?
Die geozentrische Strategie gilt zwar als ökonomisch und menschlich gewinnbringend, scheitert in der Realität jedoch oft an individuellen Widerständen wie Nationalismus, Sprach- oder Mobilitätsbarrieren.
- Arbeit zitieren
- Corinna Gronau (Autor:in), 2014, Die Bedeutung von Kultur im EPRG-Konzept von Howard Perlmutter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/310299