Abhängigkeit und Ausbeutung unterentwickelter Ökonomien in Lateinamerika

Vorstellung von Gegenkonzepten


Bachelorarbeit, 2014

29 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Kurzfassung

II. Abstract

1 Einleitung

2 Zur Situation der Dependenztheorien

3 Zur Erklärung von Abhängigkeit und Ausbeutung
3.1 Die Prebisch-Singer-These und das Metropole-Satelliten-Modell
3.2 Abhängigkeit unterentwickelter Ökonomien
3.3 Ausbeutung unterentwickelter Ökonomien
3.3.1 Die indirekte Ausbeutung
3.3.2 Die direkte Ausbeutung

4 Gegenkonzepte zur abhängigen Entwicklung
4.1 Área de Libre Comercio de las Américas- ALCA
4.2 Alianza Bolivariana para los Pueblos de Nuestra América –ALBA
4.2.1 Entstehungsgeschichte und Mitglieder
4.2.2 Prinzipien und Ziele der ALBA
4.2.3 Elemente der Zusammenarbeit und Projekte
4.2.4 Bisherige Errungenschaften
4.2.5 Kritik

5 Zusammenfassung und Fazit

6 Literaturverzeichnis:

7 Abbildungsverzeichnis:

I. Kurzfassung

Diese Arbeit behandelt Armut in Lateinamerika, die durch die strukturelle Abhängigkeit der weniger entwickelten Länder von den industrialisierten Ländern entstanden ist. Diese wird anfänglich im Rahmen der Dependenztheorien durch das Metropole-Satelliten-Modell und die Prebisch-Singer-These beschrieben. Durch die Erläuterung des Phänomens der Abhängigkeit und die Formen der Ausbeutung unterentwickelter Länder wird auf das Thema genauer eingegangen. Die folgenden Themen dieser Arbeit werden auf Lateinamerika bezogen, da die strukturellen Abhängigkeiten in dieser Region stark ausgeprägt sind.

Zur Auseinandersetzung mit der Reduktion von Armut und der Verbesserung der Lebenssituation der Menschen in den beschriebenen Ländern, werden zwei verschiedene Strategien behandelt, wobei das Hauptaugenmerk auf die „Alianza Bolivariana de los Pueblos de Nuestra América“, die „Bolivarianische Allianz für die Völker unseres Amerika“, sowie unter anderem auf ihre Ziele und Errungenschaften gelegt wird. Zu diesem Thema werden oft Beispiele genannt, die sich auf das südamerikanische Land Venezuela beziehen, da dieses, wie später genauer erklärt wird, hierbei als anschauliches Beispiel verwendet werden kann.

II. Abstract

This thesis deals with poverty in Latin America, which is caused by the structural dependency of less developed countries from the industrialized countries. This is initially described in the context of dependency theories by the metropolis-satellite-model and the Prebisch-Singer-thesis. By explaining the phenomenon of dependence and the forms of exploitation of underdeveloped countries, the subject is discussed in more detail. The following issues of this thesis are related to Latin America, as the structural dependencies in this area are the strongest.

To meet the challenge of reducing poverty in the described countries, two different strategies are discussed, with particular emphasis on the "Alianza Bolivariana de los Pueblos de Nuestra América", the "Bolivarian Alliance for the Peoples of Our America”, her goals, achievements and other issues. Therefore some examples referring to the South American country Venezuela are described. The reason for choosing this country is that it can be used as an illustrative example, which is described in the second part of the thesis.

1 Einleitung

Was heutzutage als „Dependenztheorie“ bezeichnet wird, ist eine Vielzahl von unterschiedlichen Ansätzen verschiedener Autoren, die ein gemeinsames Argument aufweisen: Sie verstehen Unterentwicklung in den Entwicklungsländern und vor allem Lateinamerika nicht als ein Zurückbleiben hinter dem Entwicklungsstand der hochindustrialisierten Länder, sondern sehen diese eher als Folge der Integration in die Marktbeziehungen, die von genau diesen Ländern beherrscht werden. (Vgl. Boeckh, 1979: 1)

Unterentwicklung kann also als Folge von Abhängigkeit des globalen Südens vom globalen Norden verstanden werden. Diese Abhängigkeitsbeziehungen gehen mit gravierenden Folgen für die Bevölkerung, wie Inflation, Landenteignungen, Verschuldung von Bauern bei Großgrundbesitzern oder Verstädterung einher, der Hauptleidtragende Teil sind marginalisierte und indigenen Völker. (Vgl. Speiser, 2004: 28; Gand, 2006:4) Diese erlangten ab den 1970er Jahren erstmals durch die erste Konferenz von Barbados im Jahr 1971(„Symposium on Inter-Ethic Conflict in South America“) internationale Aufmerksamkeit. Man setzte sich dabei dafür ein, Indigene Völker vor entfremdenden Außeneinflüssen zu bewahren und ihnen das Recht zuzusprechen, ihre eigene Entwicklung selbst zu definieren und umzusetzen. (Vgl. Speiser, 2004: 29)

Doch nicht nur die Situation marginalisierter Bevölkerungsteile Lateinamerikas, sondern auch die des Restes der Bevölkerung bedarf einiger Veränderungen.

Diese Arbeit setzt sich mit der Entstehung der im Rahmen der Dependenztheorien entstandenen Abhängigkeitsbeziehungen auseinander und beschreibt zwei verschiedene Entwicklungsstrategien, die die Situation der Bevölkerung und die Integration der betroffenen Länder verbessern sollen. Die erste Strategie soll hierbei nur helfen, die Situation und den Standpunkt der an zweiter Stelle beschriebenen „Alianza Bolivariana para los Pueblos de Nuestra América“ (ALBA) besser darstellen zu können, auf welche das Hauptaugenmerk gelegt wird.

Die hier genannten Beispiele beziehen sich hauptsächlich auf das lateinamerikanische Land Venezuela, da die Hauptinitiative in diesem Bündnis meist von diesem Staat und vor seinem Tod vom ehemaligen venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez ausgeht, beziehungsweise ausgegangen ist, worauf im Laufe der Arbeit noch genauer eingegangen wird. (Vgl. Traczyk,2011:4)

Die vorliegende Arbeit soll die Entstehung von abhängiger Entwicklung Abhängigkeitsbeziehungen zwischen schwächeren und stärkeren Ökonomien erklären und dieser schließlich zwei Gegenkonzepte gegenüberstellen, deren Aufgabe es sein soll, diesem Phänomen entgegenzuwirken. Die zuerst beschriebene ALCA (Área de Libre Comercio de las Américas) zeigt eine von den Vereinigten Staaten ausgehende Sichtweise, die Arbeit konzentriert sich jedoch hauptsächlich auf das zweite Konzept ALBA, deren Ziele sich an lateinamerikanischen Interessen orientieren.

2 Zur Situation der Dependenztheorien

Erst durch das Scheitern der Modernisierungstheorien, die die Unterentwicklung der „dritten Welt“ auf endogene Ursachen und Mangel an Modernität zurückführt und die technische, wirtschaftliche und kulturelle Nachahmung der Industrieländer und eine zielgerichtete Modernisierungspolitik mit Hilfe von außen als Lösungsweg ansieht, wurde die Schaffung der Dependenztheorie notwendig. Diese konzentriert sich auf exogene Faktoren, legt das Augenmerk auf internationale Beziehungen und sieht die Unterentwicklung als das Resultat einer Ausbeutung durch koloniale Herrschaften und das kapitalistische System. Als Weg zur Entwicklung gilt hier die Abschottung vom Weltmarkt und autozentrierte Entwicklung, also die Befreiung der unterentwickelten Länder von der Fremdbestimmung und deren Ersatz durch Selbstbestimmung. (Vgl. Boeckh, 1979: 1f)

Als Hauptaussage der Dependenztheorie kann also kurz zusammengefasst werden, dass die Entwicklungsländer asymmetrisch in die Weltwirtschaft integriert sind und in dieser Konstellation keine Möglichkeit für diese besteht, sich der Ausbeutung selbst zu entziehen. Die industrialisierten Länder sind aber wiederum nicht interessiert daran, die Situation zu ändern, da diese von dieser Ausbeutung profitieren. (Vgl. Dettendorfer, 2006: 1)

3 Zur Erklärung von Abhängigkeit und Ausbeutung

3.1 Die Prebisch-Singer-These und das Metropole-Satelliten-Modell

Die sogenannte Prebisch-Singer-These ist auf den argentinischen Entwicklungsökonomen Raúl Prebisch und den deutschen Ökonomen Hans Wolfgang Singer zurückzuführen und wird auch als „These der säkularen Verschlechterung der Terms of trade“ bezeichnet. Unter den „terms of trade“ wir das Austauschverhältnis, die Handelsbeziehung zwischen handelnden Ländern beschrieben. Laut Prebisch und Singer bedeutet das Steigen dieser sogenannten „terms of trade“, dass ein Land eine bestimmte gegebene Menge an Exportgütern gegen eine Menge an Importgütern eintauschen kann, die höher ist als zuvor. (Vgl. Mengel, 2010: 68f)

„Kurz gefasst besagt die Prebisch-These, daß sich die Austauschverhältnisse zwischen Rohstoffen, die den größten Teil der Exporte der Entwicklungsländer ausmachen, und den von den Industrienationen exportierten Industriegütern zu Ungunsten der Rohstoffe verändert haben, daß also heute mehr Einheiten von Rohstoffen für dasselbe Industrieprodukt getauscht werden müssen, als dies noch vor einigen Jahrzehnten der Fall gewesen war.“ (Boeckh, 1979: 7)

Prebisch und auch weitere Ökonomen wie Andre Gunder Frank gehen von einem Metropole-Satellit-Modell/Zentrum-Peripherie-Modell aus, das die Austausch- und Ausbeutungsverhältnisse zwischen den Industrie- und Entwicklungsländern verdeutlichen soll. Es wird zur Analyse wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Beziehungen zwischen Regionen verwendet. Als Basis gilt die Annahme, dass zwischen peripheren und zentralen Regionen starke Strukturunterschiede bestehen und dass die Entwicklung in den Metropolen und Randgebieten ungleichmäßig verläuft. (Vgl. Wagner/ Kaiser/ Beimdiek, 1983: 49)

Das Zentrum gilt als der wirtschaftlich aktivere und entwickelte Raum, der über bessere Technologien verfügt und in dem vor allem Industriegüter produziert werden. Im Gegensatz dazu sind in der Peripherie Rohstoffgewinnung und Agrikultur vorherrschend. Diese beiden Regionen stehen in einem Abhängigkeitsverhältnis zueinander, in dem das Zentrum die mächtigere Position einnimmt und somit Druck und Einfluss auf die Satelliten ausüben kann. Der schwedische Friedensforscher und Soziologe Johan Galtung beschreibt eine Interessensharmonie zwischen den Eliten im Zentrum und den Eliten in der Peripherie, wobei er Interessen als Lebensbedingungen, Einkommen und Lebensstandard definiert. Er beschreibt weiters, dass jedes Zentrum und jede Peripherie wieder aus Zentrum und Peripherie bestehen. Zwischen jeder Peripherie im Zentrum und jeder Peripherie in der Peripherie herrscht eine Interessensdisharmonie, da die Unstimmigkeiten der Menschen in industrialisierten Ländern und Entwicklungsländern immer größer werden. (Vgl. ebd.: 49)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Metropole-Satellit: Struktur des Imperialismus

Frank beschreibt diese Metropole-Satellit-Beziehung folgenderweise: „Überdies fungieren die Provinzhauptstädte, die also selbst Satelliten der nationalen Metropole (und über sie vermittelt der globalen Metropole) sind, ihrerseits wieder als Provinzzentren, die von ihren eigenen lokalen Satelliten umkreist werden. Auf diese Weise verbindet eine ganze Kette von Metropole-Satellit-Konstellationen alle Teile des Gesamtsystems […]“ (Vgl. Frank, 1966: 152)

Jede Metropole dient also dazu, diese monopolistische Struktur und das Ausbeutungsverhältnis dieses Systems den Satelliten aufzulasten und aufrechtzuerhalten, um ihre eigene Entwicklung zu fördern. Somit sind die Unterentwicklung von Entwicklungsländern und die Entwicklung von Industrieländern also die zwei Seiten desselben historischen Prozesses des kapitalistischen Weltsystems. Demnach gilt Unterentwicklung als Folge eines kapitalistischen Entwicklungsprozesses in den industrialisierten Ländern und der sowohl politischen als auch wirtschaftlichen Abhängigkeit der weniger entwickelten Länder von diesen. (Vgl. Wiesner, 2004: 7)

Verbunden mit dieser Thematik ist es notwendig, die Begriffe „Abhängigkeit“ und „Ausbeutung“ erst einmal zu definieren, um in die Zusammenhänge besser nachvollziehen zu können.

[...]

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Abhängigkeit und Ausbeutung unterentwickelter Ökonomien in Lateinamerika
Untertitel
Vorstellung von Gegenkonzepten
Hochschule
Johannes Kepler Universität Linz  (Abteilung für Politik- und Entwicklungsforschung)
Veranstaltung
Vertiefung in der speziellen Soziologie: Entwicklungssoziologie
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
29
Katalognummer
V310302
ISBN (eBook)
9783668087637
ISBN (Buch)
9783668087644
Dateigröße
526 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
abhängigkeit, ausbeutung, ökonomien, lateinamerika, vorstellung, gegenkonzepten
Arbeit zitieren
Tina Höller (Autor), 2014, Abhängigkeit und Ausbeutung unterentwickelter Ökonomien in Lateinamerika, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/310302

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