Ein-Kind-Politik und was dann? Folgen der chinesischen Bevölkerungspolitik für Arbeitsmarkt und Wohlstand


Facharbeit (Schule), 2015
17 Seiten, Note: 10 Punkte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Bevölkerungspolitik im Extremen: Die Ein-Kind-Politik

2 Die Ein-Kind-Politik: Hintergründe und Durchführung
2.1 Anfänge der Ein-Kind Politik und ihre Vorgänger
2.2 Mechanismen der Ein-Kind-Politik
2.2.1 Kontrazeptiva, Sterilisation und Abtreibungen
2.2.2 Materielle Anreize und Sanktionen

3. Demographische Auswirkungen
3.1 Geburten
3.2 Veränderungen in der Geschlechterstruktur
3.3 Veränderungen in der Altersstruktur

4 Folgen für Arbeitsmarkt und Wohlstand
4.1 Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt
4.2 Auswirkungen auf den Wohlstand

5 Abschaffung der Ein-Kind-Politik - Chinas Antwort auf die Frage „Und was dann?“

6 Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 : Rohe Geburtenrate von 1978 bis 2013 (Selbst erstellt mit Daten aus SCHARPING, 2013)

Abbildung 2: Bevölkerungspyramide China, Zensus 1982 (Quelle: https://commons.wikimedia.Org/wiki/File:China_Sex_By_Age_1982_census.png)

Abbildung 3: Bevölkerungspyramide China, Zensus 2010 (Quelle: https://commons.wikimedia.Org/wiki/File:China_Sex_By_Age_2010_census.png)

1 Bevölkerungspolitik im Extremen: Die Ein-Kind-Politik

Die Bevölkerung wird immer älter, Geburtenraten sinken. Arbeitskräfte sind Mangelware, ebenso wie Kinder. Immer mehr Rentner sind von immer weniger Erwerbstätigen zu versorgen. Das sind nicht nur die Probleme der deutschen Bevölkerungspolitik, sondern auch die Probleme der Volksrepublik China in den kommenden Jahren und Jahrzehnten.

Deutschland versucht mithilfe von finanziellen Anreizen die Geburtenrate zu steigern, Kindergeld und ausreichend KiTa-Plätze, um mehr Kindersegen in eines der .ältesten“ Länder der Welt zu bringen.

Maos China hatte in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts mit einem komplett entgegengesetzten Problem zu kämpfen. Einer Bevölkerungsexplosion von ungeahntem Ausmaß.

Chinas Population wuchs von 582 Millionen in 1953 auf knapp über eine Milliarde in 1982.1 Experten prophezeiten Überbevölkerung, Hungersnöte und Aufstände. Um diese Entwicklung aufzuhalten wurde 1979 die Ein-Kind-Politik eingeführt. Nach über drei Jahrzehnten beschloss die Regierung nun, Ende Oktober 2015, die selbige aufzugeben und jeder Frau zwei Kinder zu erlauben.

Was ist also in der Zwischenzeit geschehen? Zum einen hat sich die durchschnittliche Kinderzahl von 6 Kindern pro Frau auf eine Fertilitätsrate von 1,55 verringert. Zum anderen ist China älter geworden. Etwa 30% der 1,3 Milliarden Einwohner sind über 50 Jahre alt. China erlebt nun den demographischen Wandel.

Neben den weitreichenden, sozialen Problemen, die auf die Ein-Kind-Politik zurückzuführen sind, sind auch die Folgen für die chinesische Wirtschaft bedeutend und beginnen sich nun zu zeigen. Die Anzahl der Personen im erwerbsfähigen Alter sank 2012 erstmals um etwa 3 Millionen und läutete somit eine Wende auf dem chinesischen Arbeitsmarkt ein.

Diese Entwicklung zeigt starke Parallelen zu Problemen in Deutschland oder anderen alternden Industriestaaten. Eine immer älter werdende Bevölkerung, ein Sozialsystem dass mehr Rentner versorgen muss, als es kann und ein Arbeitsmarkt, der dringend mehr Arbeitskräfte braucht. Und Arbeitskräfte waren lange Zeit das Gut, von dem China genug zu haben schien.

Die Ein-Kind Politik hat sich also nicht nur auf eine ganze Generation von staatlich erzwungenen Einzelkindern ausgewirkt, sondern auch auf die Demographie des Landes und in der Folge nun auch auf den Arbeitsmarkt Chinas und die Wirtschaft der Nation.

2 Die Ein-Kind-Politik: Hintergründe und Durchführung 2.1 Anfänge der Ein-Kind Politik und ihre Vorgänger

Bevor die Ein-Kind-Politik als solche durchgeführt wurde, gab es in der Volksrepublik China schon einige Versuche, das Bevölkerungswachstum in den Griff zu bekommen. Diese bevölkerungspolitischen Bemühungen liefen in drei Kampagnen von unterschiedlicher Länge und mit unterschiedlichem Erfolg ab. Die ersten zwei Versuche in den 1950er und 1960er Jahren, die dritte Kampagne dann in den 1970er Jahren. Diese wurde schließlich von der Ein-Kind-Politik abgelöst.

Nach dem Ende des Bürgerkrieges und der Proklamation der kommunistischen Volksrepublik China in 1949 war Geburtenkontrolle nichts, was die junge Nation als essentiell wichtig ansah. Im Gegenteil, hohe Geburtenraten wurden nach langen Kriegsjahren als Zeichen des Aufschwungs empfunden und gefeiert.2

Erst die Ergebnisse des Zensus von 1953-54, die eine Bevölkerungsgröße von 580 Million Menschen zeigten und rapides Wachstum voraussagten, führten zu einer Debatte zum Thema Geburtenkontrolle. Die Gefahren einer Überbevölkerung veranlassten die Kommunistische Partei schließlich dazu, eine erste Kampagne zur Geburtenkontrolle zu erlauben und durchzuführen. Diese lief von 1954 bis 1958 und beschränkte sich zwar überwiegend auf Aufklärung zum Thema Kontrazeptiva und Familienplanung, propagierte aber auch zum ersten Mal eine spätere Heirat und kleinere Familien. Auch wurden die vorher bestehenden Beschränkungen für Abtreibungen und Sterilisation gelockert.3

Während des großen Sprungs nach vorn 1958-1961 kehrte sich dieser Trend jedoch wieder um und Mao selbst propagierte die Idee, dass mehr Menschen für mehr Wohlstand sorgen würden. Erst 1962, nach der größten Hungerskatastrophe in der Geschichte der Menschheit begannen wieder erste Versuche, Geburtenplanung durchzuführen. Diese äußerten sich in der Wiedereröffnung von Beratungsstellen für Familienplanung, der Propaganda von Richtlinien, die zwei bis drei Kinder pro Familie empfahlen und 1963 in der landesweiten Legalisierung von Abtreibungen. Diese zweite, eher mäßig erfolgreiche, Kampagne zur Regulierung des Bevölkerungswachstums kam im Zuge der Kulturrevolution jedoch zum Erliegen.4

Die dritte Kampagne zur Geburtenkontrolle begann schließlich 1971 mit Propaganda wie „One child isn’t too few, two are just fine, three are too much“5 oder auch dem Slogan „Later (births), Longer (intervals), Fewer (children)“6. 1972 und 1973 folgten dann auch gesetzliche Pendants im Bereich Ehe und Geburten. Als Beispiele sind hier ein Mindestheiratsalter von 25 Jahren bei Frauen, beziehungsweise 28 bei Männern zu nennen, sowie die Regel, dass zwischen erstem und zweitem Kind mindestens vier Jahre gewartet werden musste. Dieser dritte Versuch, das Bevölkerungswachstum in den Griff zu bekommen war nicht nur umfassender als die ersten zwei, sondern auch bedeutend erfolgreicher. Die Fertilitätsrate sank von 4,76 in 1970 auf 3,01 in 1980.7 8

Nach dem Tod Mao Zedongs beschlossen die führenden Kräfte in der kommunistischen Partei, die Geburtenkontrolle weiter zu verschärfen. Das Bevölkerungswachstum sollte innerhalb weniger Jahre auf durchschnittlich unter 1% gesenkt werden und in der Folge sogar auf 0,5% sinken. Das Ziel war, bis zur Jahrtausendwende eine Bevölkerungszahl von 1,2 Milliarden nicht zu überschreiten. Um diese extremen Vorgaben erfüllen zu können, wurde beschlossen aus der Ein­Kind-Empfehlung einen Ein-Kind-Zwang zu machen und dadurch die Fertilitätsrate auf den erwünschten Wert zu senken. Dieser Ein-Kind-Zwang wurde mit verschiedensten Maßnahmen durchgesetzt. Von Aufklärung zu Verhütungsmethoden über finanzielle Sanktionen bei der Geburt eines zweiten Kindes in Form von Geldstrafen und Lohnkürzungen, bis hin zu Zwangsabtreibungen und Sterilisationen. Obwohl

Ausnahmen in besonderen Fällen vorgesehen waren, kam es selten zur Erteilung von Geburtserlaubnissen für ein zweites Kind in der Zeit von 1979 bis 1884, in der die Ein­Kind-Politik am rigorosesten durchgeführt wurde.9

In den darauf folgenden Jahren begann eine erste Lockerung der strengen Ein-Kind- Politik mit der Implementation verschiedenster Ausnahmen. Diese Form der flexibleren Geburtenkontrolle war die Antwort der Regierung auf den universellen Wiederstand aus der Bevölkerung, der der Ein-Kind-Politik entgegenwirkte. Eine Erlaubnis für eine zweite Geburt gab es in diesem Zusammenhang unter anderem für Bauernfamilien, deren erstes Kind ein Mädchen war, oder auch für Paare, bei denen beide Partner selbst Einzelkinder waren. Auch wurde mit vielen anderen Methoden experimentiert, wie zum Beispiel Geburtserlaubnissen gekoppelt mit anschließender freiwilliger Sterilisation oder späterer Heirat und längeren Zeiträumen zwischen den einzelnen Geburten, im Ausgleich für eine zweite Geburtserlaubnis. Dies wirkte sich konkret dahingehend aus, dass fünf bis sieben Jahre nach der Geburt des ersten Kindes eine zweite Geburt zugelassen wurde. Weitere experimentelle Ansätze schlossen die generelle Erlaubnis einer zweiten Geburt ein, obwohl dies nur in wenigen Verwaltungsbezirken tatsächlich versucht wurde. Für die nationalen Minderheiten wurden ebenfalls Ausnahmen eingeführt, ein Paar durfte danach ein zweites Kind bekommen soweit ein Partner Teil einer Minderheit mit weniger als 10 Millionen Mitgliedern ist. Es stellt sich jedoch mittlerweile heraus, dass trotz all dieser Lockerungen der Geist der Ein-Kind-Politik tief in der Gesellschaft verwurzelt ist. Viele Familien sind der Meinung, ein Kind sei mehr als genug und verzichten, trotz einer Möglichkeit, darauf weiter Kinder zu haben. Auch die Abschaffung der Ein-Kind-Politik wird an dieser großen gesellschaftlichen Veränderung wenig ändern.10

2.2 Mechanismen der Ein-Kind-Politik

Über die Jahrzehnte, in der die Ein-Kind-Politik durchgeführt wurde gab es immer wieder Veränderungen in der genauen Ausführung der Direktiven der Kommunistischen Partei. Auch ist zu beachten, dass viele Anweisungen von oberster Stelle bewusst vage gehalten wurden, um den Regierungen in den einzelnen Provinzen die Möglichkeit zu geben, sie so umzusetzen, wie es für die lokale Situation am geeignetsten scheint.

[...]


1 vgl. SCHARPING, THOMAS (2013): Birth Control in China 1949-2000. Population policy and demographic development. New York: Routledge, S. 344.

2 vgl. SCHARPING, Birth Control in China, a.a.O., S. 43.

3 vgl. SCHARPING, Birth Control in China, a.a.O., S.44-48.

4 vgl. SCHARPING, Birth Control in China, a.a.O., S.47-49.

5 SCHARPING, Birth Control in China, a.a.O., S.49.

6 SCHARPING, Birth Control in China, a.a.O., S.50.

7 UNITED NATIONS DEPARTMENT OF ECONOMIC AND SOCIAL AFFAIRS/POPULATION DIVISION (2013): World Population Prospects: The 2012 Revision, Volume I: Comprehensive Tables. New York: United Nations, S.216

8 vgl. SCHARPING, Birth Control in China, a.a.O., S.49-50.

9 vgl. SCHARPING, Birth Control in China, a.a.O., S.50-58.

10 vgl. SCHARPING, Birth Control in China, a.a.O., S.58-63.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Ein-Kind-Politik und was dann? Folgen der chinesischen Bevölkerungspolitik für Arbeitsmarkt und Wohlstand
Note
10 Punkte
Autor
Jahr
2015
Seiten
17
Katalognummer
V310348
ISBN (eBook)
9783668168879
ISBN (Buch)
9783668168886
Dateigröße
4298 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ein-kind-politik, folgen, bevölkerungspolitik, arbeitsmarkt, wohlstand
Arbeit zitieren
Alexander Püttner (Autor), 2015, Ein-Kind-Politik und was dann? Folgen der chinesischen Bevölkerungspolitik für Arbeitsmarkt und Wohlstand, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/310348

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