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Das Augustusbild bei Tacitus zwischen kritischer Würdigung und Dekonstruktion

Title: Das Augustusbild bei Tacitus zwischen kritischer Würdigung und Dekonstruktion

Term Paper (Advanced seminar) , 2015 , 18 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Reinhold Wipper (Author)

World History - Early and Ancient History
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Der Aufstieg Octavians und die Errichtung seiner Alleinherrschaft als Imperator und „Divus Augustus“ – vergöttlichter Augustus – markiert das Ende einer römischen Gesellschafts- und Staatskrise. Diese Krise kann dabei bereits vor dem Hintergrund des einsetzenden Wandels der römischen Gesellschaft und der Transformation der politischen Machtverhältnisse nach dem zweiten punischen Krieg beschrieben werden.

Insgesamt begann mit dem Principat des Augustus eine Symbiose der militärischen Welt mit der zivilen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, die in ihrem Zusammenwirken wohl wesentlich zur Stabilität und Expansion des Imperiums beigetragen hat. Höchster Ausdruck dieser symbiotischen Staatsräson war die vergöttlichte Person des Kaisers und der damit verknüpfte Kaiserkult. Dabei ist das Herrschaftssystem des römischen Imperiums nicht mit der Machtergreifung des Augustus schon in seiner „Vollendung“ aufgetreten.

Wie der Weg zur Macht selbst bis zur Schlacht bei Actium (31 v. Chr.) ein langwieriger, blutiger Prozess mit offenem Ausgang war, war auch die Entwicklung zum göttlichen Herrscher ein schwieriger Weg; das Prinzipat war nicht Resultat eines „[...] einheitlichen 'imperialistischen' Generalplans [...]“, sondern Ergebnis eines Vorantastens. Eine Voraussetzung, um den Kult zu Lebzeiten zu festigen und den Nachruhm zu sichern, besteht nun gerade darin, den (eigenen) Aufstieg der Kontingenz des Schicksals zu entziehen und ihn zu einer notwendigen geschichtlichen und staatspolitischen Fügung zu machen. Wer diese Fügung in Frage stellt, dekonstruiert die Legitimität der Herrschaft des Princeps und damit die Legitimität des aus ihr erwachsenden römischen Kaisertums. Genau darin sah der Historiker Tacitus seinen historischen Auftrag. Dieses Wechselspiel aus (Selbst-)Legitimation, öffentlichem Kult und Dekonstruktion soll in den nächsten Kapiteln dieser Arbeit eingehender untersucht werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Selbsterhöhung und Kaiserkult

3. Tacitus: Kritik des Principats aus altrömischem Geist

3.1. Quellen und die „Methode“ der Kritik

3.2. Das Bild des Prinzeps in den „Annalen“

3.3. Die Dekonstruktion des Nachruhms: Geschichtsschreibung als „Waffe“

3.4. Das Augustusbild des Tacitus im Kontext der römischen Geschichtsschreibung: Sueton und Cassius Dio

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung des Augustus und seines Prinzipats im Werk des Historikers Tacitus. Dabei wird analysiert, wie Tacitus durch eine spezifische literarische und moralische Geschichtsschreibung den Herrscher als Dekonstrukteur der altrömischen republikanischen Werte zeichnet und kritisiert.

  • Der Wandel von der römischen Republik zum augusteischen Prinzipat
  • Die Rolle von Selbsterhöhung und Kaiserkult in der augusteischen Zeit
  • Die methodische Herangehensweise des Historikers Tacitus an seine Quellen
  • Tacitus als moralischer Kritiker des augusteischen Herrschaftssystems
  • Vergleichende Analyse des Augustusbildes bei Sueton und Cassius Dio

Auszug aus dem Buch

3.2 Das Bild des Prinzeps in den „Annalen“

Das Augustusbild, das Tacitus in seinen Annalen zeichnet, ist davon geprägt, dass der Princeps so gesehen wird, wie es Tacitus möchte, dass er gesehen werden soll. Obwohl Tacitus versichert, der Historiker habe sein Werk „sine ira et studio“ zu verfassen, und obwohl dieses Zitat von Tacitus bis heute gerne angeführt wird, wenn es um die Objektivität der Geschichtsschreibung geht, geben die Annalen ein anderes Zeugnis: Sie sind keine objektive Darstellung, sondern Ausdruck gezielter Kritik. Schon der Aufstieg des Augustus ist – in der Darstellung Tacitus – durch ungünstige Verhältnisse und den rücksichtslosen Herrschaftswillen eines Emporkömmlings geprägt.

Brutus und Cassius sind tot, der Staat führungslos und ohne militärische Macht und Octavian ist ein entschlossener homo novus, der die Gunst der Stunde nutzt und dessen Aufstieg mit Amtsanmaßung einsetzte. Er „[...] legte die Bezeichnung Triumvir ab, trat als Konsul auf und tat so, als begnüge er sich zum Schutz der Plebejer mit dem Rang eines Tribuns; sobald er dann die Soldaten, das Volk mit der Verteilung von Getreide, alle zusammen mit den Annehmlichkeiten des Friedens betört hatte, wagte er sich Schritt für Schritt nach oben und zog die Befugnisse des Senats, der Amtsträger und der Gesetze an sich, ohne auf Widerstand zu stoßen.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung skizziert den Zusammenbruch der römischen Republik und den Aufstieg Octavians zum Alleinherrscher, was den Ausgangspunkt für das Verständnis des augusteischen Prinzipats bildet.

2. Selbsterhöhung und Kaiserkult: Dieses Kapitel thematisiert die Legitimationsstrategien des Augustus durch literarische Einbettung und die Entstehung des Kaiserkultes als Ausdruck einer neuen Staatsräson.

3. Tacitus: Kritik des Principats aus altrömischem Geist: Hier wird Tacitus als ein Historiker porträtiert, der mit archaisierendem Stil und moralischem Impetus das Bild des Augustus dekonstruiert und den Verlust republikanischer Freiheit beklagt.

4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Tacitus Geschichte vor allem als moralisches Urteil versteht, das weniger an historischer Objektivität als an einer zeitkritischen, konservativen Utopie interessiert ist.

Schlüsselwörter

Augustus, Prinzipat, Tacitus, Annalen, Römische Republik, Kaiserkult, Geschichtsschreibung, Macht, Legitimation, Moral, Quellenkritik, Sueton, Cassius Dio, Staatskrise, Antike

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die kritische Darstellung des römischen Kaisers Augustus durch den Historiker Tacitus in dessen Werk „Annalen“.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Themen umfassen den Untergang der römischen Republik, die Etablierung des Prinzipats, die Rolle des Kaiserkultes und die literarische Gestaltung historiographischer Texte.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu zeigen, dass Tacitus' Geschichtsschreibung nicht neutral ist, sondern ein bewusstes moralisches und politisches Gegenmodell zur augusteischen Herrschaft darstellt.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Es wird eine literaturwissenschaftliche und historische Analyse der Tacitus-Texte im Vergleich zu zeitgenössischen Quellen wie Sueton und Cassius Dio vorgenommen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der Quellenlage, der spezifischen Rhetorik des Tacitus, der Konstruktion des Augustusbildes und dem Vergleich mit anderen antiken Geschichtsschreibern.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Tacitus, Augustus, Prinzipat, Geschichtsschreibung und moralische Zeitkritik definieren.

Wie unterscheidet sich Tacitus in seiner Darstellung von Sueton oder Cassius Dio?

Während Sueton und Cassius Dio ein teils differenzierteres oder positiveres Bild von Augustus als fähigem Staatsmann zeichnen, fokussiert Tacitus auf die moralische Verderbtheit und Machtanmaßung des Herrschers.

Welche Rolle spielt der „Geist der Republik“ in der Argumentation des Tacitus?

Der Geist der Republik dient Tacitus als eine Art moralische Folie, um die neue, in seinen Augen korrumpierte Kaiserzeit als kontrastierende Dekadenz darzustellen.

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Details

Title
Das Augustusbild bei Tacitus zwischen kritischer Würdigung und Dekonstruktion
College
University of Hagen  (Kulturwissenschaften)
Grade
2,0
Author
Reinhold Wipper (Author)
Publication Year
2015
Pages
18
Catalog Number
V310350
ISBN (eBook)
9783668086210
ISBN (Book)
9783668086227
Language
German
Tags
augustusbild tacitus würdigung dekonstruktion
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Reinhold Wipper (Author), 2015, Das Augustusbild bei Tacitus zwischen kritischer Würdigung und Dekonstruktion, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/310350
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