Erzählungen aus dem fränkischen „Volksfreund“. Narrative Strategien der Volksaufklärung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1 Vorwort

2 Quellenkritische Vorüberlegungen

3 Volksaufklärerische Strategien in Erzählungen des Volksfreund
3.1 Inhaltliche Strategien
3.1.1 Die Protagonisten
3.1.2 Die Motive
3.1.3 Das Utilitaritätsprinzip
3.2 Formale Strategien
3.2.1 Der Abdruck von Bildern
3.2.2 Die Visuelle Hervorhebung wichtiger Begriffe und Textstellen
3.2.3 Die Erzählperspektive
3.3 Sprachliche und stilistische Besonderheiten
3.3.1 Die Verwendung von Vergleichen
3.3.2 Die Verwendung häufiger Fragen

4 Fazit

5 Quellen- und Literaturverzeichnis

1 Vorwort

„Wer leicht glaubt, wird leicht betrogen.“[1] – dass ein Übermaß an Naivität zum Verhängnis werden kann, erscheint heutzutage als eine nicht mehr notwendigerweise explizit zu erwähnende Selbstverständlichkeit. Es gab allerdings Zeiten, in denen dieser oder einer ähnlichen Lebensweisheit ganze Erzählungen oder gar Bücher gewidmet wurden, um sie der Gesellschaft einzubläuen: Die Rede ist von der Volksaufklärung, einer praktischen Reform- und Erziehungsbewegung des 18. und 19. Jahrhunderts,[2] bei der sich gemeinnützige Gesellschaften und Obrigkeiten sowie der Aufklärung freundlich gesinnte Einzelpersonen danach strebten, dem „gemeinen Mann“ das Gedankengut der Aufklärung zu vermitteln.[3] Dabei wurde das Ziel verfolgt, auf die sittlich-moralische und religiöse Erziehung des Volkes einzuwirken,[4] Lebenshilfe zu erteilen, Aberglaube zu vertreiben – kurzum – eine ganze Mentalitätsänderung der unteren Stände zu bewirken.[5] Die treibenden Kräfte der Volksaufklärung verstanden ebendiese als „Beitrag zum Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit‘“,[6] welcher in den verschiedenen Gebieten des Alten Reiches unterschiedlich fruchtete: Widmet man sich der fränkischen Region, so fällt auf, dass die Bereitschaft zur Rezeption von Gedrucktem als eher gering galt[7] und auch die Frage, ob die aufklärerischen Gedanken tatsächlich zum Volk durchdrangen, muss man kritisch diskutieren.[8] Sucht man in Franken nach einem regionalen Pionier der Aufklärung, kann vor allem Nürnberg als Wegbereiter der fränkischen Aufklärung angesehen werden,[9] weshalb für diese Arbeit fünf volksaufklärerische Erzählungen des Jahres 1799 aus Nürnberg als Untersuchungsgegenstand ausgewählt wurden. Dabei soll das ernsthafte Bemühen um eine Ansprache der niederen Stände veranschaulicht werden, indem der Frage nachgegangen werden soll, welcher narrativer Mittel sich die fränkischen Volksaufklärer bedienten, um das Interesse des ,gemeinen Mannes‘ zu wecken. Dafür soll in einem ersten Schritt einige quellenkritische Vorüberlegungen vorangestellt werden, um anschließend zur Analyse der Erzählungen aus dem Volksfreund überzugehen. Die Untersuchung widmet sich zunächst den inhaltlichen Strategien zur Überzeugung der Rezipienten, wobei hier die Auswahl der Protagonisten, die verwendeten inhaltlichen Motive und das Utilitaritätsprinzip der Geschichten beleuchtet werden soll. Danach stehen die formalen Techniken der Suggestion im Fokus, welche sich auf den Abdruck von Bildern, der visuellen Hervorhebung relevanter Textaspekte sowie der taktisch eingesetzten Erzählperspektive beläuft. Abschließend sollen die Erzählungen noch in Hinblick auf stilistische und sprachliche Besonderheiten untersucht werden, um eine ganzheitliche Analyse der Texte zu gewährleisten.

2 Quellenkritische Vorüberlegungen

Wie eingangs bereits erwähnt, stehen im Zentrum dieser Arbeit einige im Jahr 1799 in Nürnberg erschienene Erzählungen, wobei es sich dabei um Fortsetzungen der bereits 1797 von Johann Ferdinand Schlez herausgegebenen Flugschrift „Fliegende Volksblätter“ handelt, die nun unter dem neuen Namen[10] „Der Volksfreund. Eine Monatsschrift, deren Aufsätze auch einzeln, als Flugschriften, zu haben sind. (Mit vielen Bildern.)“ weiterführend veröffentlicht wurden. Dabei handelte es sich um Texte, „ganz dem Fassungskreise des gemeinen Mannes angemessen, zum Theil von ihm selbst und seinen Freunden verfaßt, zum Theil auch aus andern periodischen Schriften entlehnt.“[11] Aufgrund der ausgefächerten Sozialstruktur in Nürnberg birgt die Definition der Bezeichnung des ,gemeinen Mannes‘ einige Schwierigkeiten,[12] jedoch soll auch hier der Einfachheit wegen dieser Begriff verwendet werden, wobei damit der Teil der Bevölkerung gemeint ist, der keine höhere Bildung erfahren hatte und nicht zu den ,gesitteten‘ Ständen gehörte.[13]

[...]


[1] KELBER: Die glühenden Kolen; oder: wer leicht glaubt, wird leicht betrogen, in: Der Volksfreund Bd. 2,10 (1799), S. 1-16.

[2] Vgl. REINALTER, Helmut (Hrsg.): Lexikon zum aufgeklärten Absolutismus, Köln, Wien, Weimar 2005, S. 628.

[3] Vgl. BÖNING, Holger; SIEGERT, Reinhart, Volksaufklärung. Biobibliographisches Handbuch zur Popularisierung aufklärerischen Denkens im deutschen Sprachraum von den Anfängen bis 1850, Bd. I: Die Genese der Volksaufklärung und ihre Entwicklung bis 1780, Stuttgart-Bad Cannstadt 1990, S. X.

[4] Vgl. REINALTER, Lexikon, S. 628.

[5] Vgl. BÖNING, Holger: Aufklärung auch für das Volk? Buchhandel, Verleger und Autoren entdecken den gemeinen Leser, Oldenburg 1998.

[6] Vgl. SEIDERER, Georg: Formen der Aufklärung in fränkischen Städten. Ansbach, Bamberg und Nürnberg im Vergleich (Schriftenreihe zur Bayerischen Landesgeschichte 114), München 1997, S. 363.

[7] Vgl. ebd. S. 371.

[8] Vgl. ebd. S. 428.

[9] Vgl. DERS.: Aufklärung in Nürnberg, in: Diefenbacher, Michael (Hg.): Vom Adler zum Löwen, Nürnberg 2006, S. 77-89, hier S. 80.

[10] Vgl. O.V.: Revision der Literatur für die Jahre 1785-1800. In Ergänzungsblättern zur Allg. Lit. Zeitung dieses Zeitraums. Ersten Jahrgangs erster Band, Jena, Leipzig 1801, S. 564.

[11] Vgl. ebd. S. 564.

[12] Vgl. SEIDERER, Formen der Aufklärung, S. 418f.

[13] Vgl. REINALTER, Lexikon, S. 628.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Erzählungen aus dem fränkischen „Volksfreund“. Narrative Strategien der Volksaufklärung
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Lehrstuhl für Bayerische und Fränkische Landesgeschichte)
Veranstaltung
Lehrstuhl für Bayerische und Fränkische Landesgeschichte
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
16
Katalognummer
V310398
ISBN (eBook)
9783668091092
ISBN (Buch)
9783668091108
Dateigröße
474 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Aufklärung, Volk, Franken, Ferdinand Schlez, Aberglaube, Narration, Volksliteratur, 18. Jahrhundert
Arbeit zitieren
Julia Hümmer (Autor), 2014, Erzählungen aus dem fränkischen „Volksfreund“. Narrative Strategien der Volksaufklärung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/310398

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