Somalische Hirtennomadinnen. Frauenrollen im Wandel und der lange Weg zur Mitbestimmung


Hausarbeit, 2009

23 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Gliederung

Einleitung

Teil 1: Die Rolle der Frau vor dem Bürgerkrieg
1.1 Die traditionelle Rolle der Frau im Klan-System
1.1.1. Die Traditionellen Aufgaben der Frau
1.1.2 Frauen im Handel
1.1.3. Verwandtschaft
1.1.4. Traditioneller Umgang mit Vergewaltigungen
1.1.5. Heirat
1.1.6. Die traditionelle Rolle der Frau bei der Konfliktlösung
1.2 Veränderungen der Rolle der Frau unter der Kolonialherrschaft
1.2.1. Frauen in Handel und Wirtschaft während der Kolonialherrschaft
1.2.2. Die soziale Rolle der Frau während der Kolonialherrschaft
1.3 Veränderungen der Rolle der Frau unter der Regierung Siyaad Barres
1.3.1. Frauen in Handel und Wirtschaft während der Regierungszeit Siyaad Barres
1.3.2. Die Gleichberechtigungspolitik Siyaad Barres
1.3.3. Einschätzung der Gleichberechtigungspolitik

Teil II: Die Veränderung der Rolle der Frau im Bürgerkrieg
2.1. Die Veränderung der Geschlechterbeziehung in der Familie
2.2. Die Veränderung der Rolle der Frau in Wirtschaft und Handel
2.3. Klan-Identität im Krieg
2.4. Vergewaltigung als Kriegswaffe
2.5. Die Veränderung des Heiratsverhaltens
2.6. Die Rolle der Frauen beim Friedensprozess

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Es ist wichtig, sich mit einem Thema wie der Veränderung der Frauenrolle im somalischen Bürgerkrieg zu beschäftigen, weil es notwendig ist, zu verstehen, wie sich die Struktur einer Gesellschaft im Bürgerkrieg verändert, um wirkungsvolle Entwicklungszusammenarbeit zu leisten. Wie verändern sich traditionelle Rollenmuster durch Kriege? Ergeben sich daraus Chancen für marginalisierte Gruppen wie Frauen? Weisen diese Transformationsprozesse in verschiedenen Kriegen und in verschiedenen Regionen Gemeinsamkeiten auf? Dies sind Fragen, die grade bei der Beschäftigung mit Afrika hochaktuell und interessant sind.

O, Deeqa, I am truly at a loss

As to the real intentions of this war.

Unlike unrelated people who can drift apart.

My own people are fighting one another,

Neighbours are fiercely at each other’s throat,

My plight has no match.

My clothes have caught fire on both ends,

Knowing nothing of swimming,

I was taken away by a current.

From the bitter da’ar tree [aloe],

And fatal poison had I my fill.

Why do people from this bank,

Despise people on the other?

Why must weary orphans flee again?

Must grieving mothers suffer afresh?

Deeqa, I am truly at a loss.[1]

Diesen Ausschnitt aus einem der berühmten Friedensgedichte Saado Abdi Amares stelle ich meinem Text voran, weil darin zum Ausdruck kommt, wie sehr die Frauen im Bürgerkrieg darunter zu leiden hatten, dass ihre nächsten Verwandten gegeneinander kämpften.

Um die Auswirkungen des Bürgerkrieges auf Frauen zu verstehen, muss man die Rolle der Frau in der somalischen Gesellschaft kennen. Aus diesem Grund, habe ich meine Hausarbeit in zwei große Bereiche aufgeteilt: Teil 1 soll eine Grundlage schaffen, indem er die traditionelle Rolle der Frau in der somalische Gesellschaft beschreibt, die sich durch strikte Normen, Arbeitsteilung und eine klar umrissene Vorstellung davon, wie Frauen sich verhalten sollen, auszeichnet. Teil 1 beinhaltet auch die Veränderung der Frauenrolle unter der Kolonialherrschaft und unter der Regierungszeit Siyaad Barres, da diese beiden prägenden Zeiträume nicht ausgeklammert werden können, ohne einen Vergleich mit der Frauenrolle im Bürgerkrieg zu verfälschen. Teil 2 beschäftigt sich anschließend mit der Veränderung der Frauenrolle im Bürgerkrieg, wobei aufgezeigt wird, wie es zu diesen Veränderungen kam und, falls absehbar, welche Folgen möglicherweise daraus hervorgehen.

Von den Gliederungspunkten im ersten Kapitel „die traditionelle Rolle der Frau im Klansystem“ bezieht sich jeder direkt auf einen Gliederungspunkt des zweiten Teils „die Veränderung der Rolle der Frau im Bürgerkrieg“. Um den Vergleich zwischen den beiden Teilen zu erleichtern, sind sie in der gleichen Reihenfolge angeordnet, die sich folgendermaßen begründet: In Teil 2 sind die ersten beiden Abschnitte „Die Veränderung der Geschlechterbeziehung in der Familie“ und „Die Veränderung der Rolle der Frau in Wirtschaft und Handel“ eng miteinander verknüpft. Der folgende Gliederungspunkt „Klan-Identität im Krieg“ ist wichtig zur Erläuterung der drei folgenden Gliederungspunkte. Für die Kapitel über die Kolonialzeit und die Regierungszeit Siyaad Barres habe ich die Gliederung aus Teil 2 nicht übernommen, da es mehr Sinn machte, diese Entwicklungen unter anderen Gesichtspunkten zusammenzufassen.

In meiner Arbeit beschäftige ich mich fast ausschließlich mit den ethnischen Somali im Norden Somalias, die als Hirtennomaden leben. Vergleiche mit Städtern oder der sesshaften Bevölkerung im Süden wären interessant gewesen, hätten aber den Rahmen der Hausarbeit gesprengt. Ich habe mich entschieden, über die Hirtennomaden zu schreiben, weil die Mehrheit der Bevölkerung Somalias als Hirtennomaden lebt und ich so auch Aussagen über die Mehrheit der Frauen machen konnte.

Teil 1: Die Rolle der Frau vor dem Bürgerkrieg

1.1 Die traditionelle Rolle der Frau im Klan-System

Die somalische Gesellschaft ist akephal und segmentär organisiert, d.h. es gibt keine zentrale Autorität (wie z.B. den Staat) und die einzelnen Segmente sind relativ ebenbürtig, was grundlegend für die Machtbalance ist (Touati 1997: 14/15, zitiert nach Middleton & Tait 1958: 6). Darüber hinaus ist die Gesellschaft jedoch auch patriarchalisch, was ein männliches Oberhaupt zur zentralen Autorität auf häuslicher Ebene macht (ebd.). Dies führt dazu, dass die Welt der Männer relativ demokratisch organisiert ist (jeder erwachsene Mann kann an Verhandlungen teilnehmen[2] ), während Frauen größtenteils vom öffentlichen Leben ausgeschlossen sind (ebd. 16). Der Ältestenrat entscheidet über die Köpfe der Frauen hinweg über ihre Rolle in der Wirtschaft, ihren Anspruch auf Besitz und allgemein über ihre Behandlung durch die Verwandten (Samatar 2005: 229). Die explizite Ideologie der Ungleichheit der Geschlechter führt Kapteijns auf die Konstruktion des Klan-Systems zurück[3]. Die folgenden Abschnitte sollen beleuchten, wie diese Ideologie sich auf das alltägliche Leben der Frauen vor dem Bürgerkrieg auswirkte, und eine Basis schaffen für den Vergleich mit der Situation der Frauen während dem Krieg.

Der Einfluss des Islam auf die Rolle der Frau wird nur am Rande behandelt, da dies ansonsten den Rahmen der Hausarbeit sprengen würde. Erwähnenswert ist allerdings, dass die vorkoloniale islamische Praxis in Somalia, im Hinblick auf die soziale und ökonomische Position der Frauen, eine der liberalsten der muslimischen Welt war (Samatar 2005: 226).

1.1.1. Die Traditionellen Aufgaben der Frau

Das Zusammenleben der somalischen Hirtennomaden zeichnet sich durch strikte Arbeitsteilung aus (R. Ibrahim 2004: 28). Die Hauptaufgaben der Frauen sind die Pflege des Kleinviehs (Schafe und Ziegen), die Gewinnung und Verarbeitung von tierischen Produkten wie Milch und Leder und deren Einteilung in Eigenbedarf und Überproduktion für den Verkauf (ebd.). Frauen organisieren ebenfalls Verkauf, Schlachtung und Zucht des Kleinviehs und kümmern sich um kranke Tiere (ebd. 29). Weiterhin sind Frauen zuständig für alle häuslichen Aufgaben wie Kochen, Waschen, Feuerholz sammeln, Wasser holen und Kinder betreuen (ebd.). Transport, Aufbau, Abbau, Pflege und die sehr aufwändige Herstellung der traditionellen Häuser sind ebenfalls reine Frauenarbeiten (ebd.). Im Fall einer Dürre sind Frauen dafür verantwortlich, Nahrung haltbar zu machen, damit die Familie überleben kann, und schwache Tiere zum Verkauf auszuwählen.[4] Es ist offensichtlich, dass die Arbeit der Frauen bei der Viehzucht und im Haushalt grundlegend für das Überleben der nomadischen Lebensweise ist (R. Ibrahim 2004:31).

Dass Frauen den Hauptteil der Arbeit verrichten, während Männer im Besitz der Ressourcen sind, ist ein weit verbreitetes Muster in afrikanischen Gesellschaften (Merryman 1996: 188). Dieses Muster scheint auch bei den Nomaden vorhanden zu sein: Männer besitzen die Hauptressource (die Herde), während die Arbeit von Frauen grundlegend für die Viehzucht ist. Allerdings ist unklar, wie weit die Verfügungsrechte der Frauen über die ihnen anvertrauten Tiere wirklich reichen (Touati 1997: 27). Anderen Quellen zufolge haben Ehefrauen eindeutig Besitzrechte an den ihnen zugeteilten Tieren (R. Ibrahim 2004: 28).

1.1.2 Frauen im Handel

Über Händlerinnen im vorkolonialen Somalia ist nur wenig bekannt. Es ist aber überliefert, dass einige Nomadenfrauen, vor allem ältere Witwen, die Karawanen begleiteten (Warsame 2004: 117) um mit Gütern zu handeln, die traditionell dem Aufgabenbereich der Frauen zugeordnet werden, z.B. Butterfett (Ghee) und für den Hausbau benötigtes Material (Warsame 2004: ebd.). Ebenso war der Milchhandel schon immer eine Domäne der Frauen (Ibrahim 2004: 30). Traditionell ist den Frauen die Arbeit außer Haus erlaubt, vor allem wenn ihre Familie davon profitiert (Gardner & El Bushra 1, 2004:10). Touati betont hingegen, dass von Kapteijns und Spaulding[5] befragte Informanten die Autonomie der Frauen als gering einschätzten (Touati 1997: 28). Zusammenfassend kann man sagen, dass der Handel hauptsächlich Angelegenheit der Männer war, und eher wenige Frauen in begrenzten Bereichen tätig waren.

1.1.3. Verwandtschaft

Die Familie ist die Basis der Organisation der nomadischen Lebensweise: die Kernfamilie und ihre Herde bilden eine Einheit, die mit dem somalischen Begriff raas bezeichnet wird (Touati 1997: 20;25). Mehrere raas leben zusammen in einer Gemeinschaft, die auf der Vorstellung der gemeinsamen Abstammung von einem Ahnen beruht (Touati 1997: 21), im nachfolgenden wird diese Gemeinschaft mit dem Begriff „Klan“ bezeichnet. Deszendenz wird ausschließlich durch patrilineare Verwandte weitergegeben (Gardner & Warsame 2004: 153), Männer und Frauen gehören ihr Leben lang dem Klan ihres Vaters an, was sich auch nach der Heirat nicht ändert (ebd. 158) wenn Frauen zum Klan ihres Ehemannes ziehen[6]. Die Geburt eines Sohnes bedeutet mehr Prestige für seine Eltern als die Geburt einer Tochter, weil Söhne die Lineage ihres Vaters fortführen; generell trägt jedoch die Geburt jedes Kindes zum Status der Eltern bei während Unfruchtbarkeit als schlimmster Fluch angesehen wird (Gardner & El Bushra 1, 2004: 9).

Da der Klan als Gemeinschaft von durch agnatische Verwandtschaft verbundenen Männern[7] definiert wird, sind Frauen automatisch Mitglieder zweiter Klasse und nehmen im Haushalt des Mannes einen „outsider-Status“ (Zitat nach Kapteijns 1993: 3) ein. Laut Kapteijns verschleiert die Klan-Ideologie zwar Klassenunterschiede, die Frauen sind jedoch explizit untergeordnet (ebd.). Die „communal identity“ (Zitat nach Kapteijns 1993: 4) der somalischen Viehzüchter basiert auf Verwandtschaft: Patrilineare Deszendenzgruppe, sowie Alter und Geschlecht, bestimmen die verschiedenen Bereiche des sozialen Lebens wie Zugang zu Produktionsmitteln, Arbeitsteilung, politische Autorität und Wohlstand (ebd. 4).

1.1.4. Traditioneller Umgang mit Vergewaltigungen

Das Klan-System bietet traditionell Schutz vor Vergewaltigungen: Die Vergewaltigung einer Frau ist eine Schande für ihren Klan, weil er sie nicht beschützen konnte, und diese Schande erfordert in der Regel die Rache am Täter und an seinen männlichen Verwandten (R. Ibrahim 2004: 33). Ein bewaffneter Konflikt kann jedoch vermieden werden, wenn der Täter (oder einer seiner Verwandten) das Opfer heiratet (ebd.). Zusätzlich wird in der Regel eine Entschädigungszahlung verlangt, die von der Familie des Mannes an die Familie der Frau zu leisten ist, und deren Höhe nach dem Status der betroffenen Frau variiert (Musse 2004: 76). War das Opfer noch Jungfrau und unverheiratet, wird zusätzlich noch das traditionell bei einem Mord gezahlte Blutgeld (diya -payment[8] ) verlangt, da die betroffene Frau danach als „socially dead“ (Zitat nach Musse 2004: 76) gilt. Falls Täter und Opfer dem gleichen Klan angehören, ist die Entschädigungszahlung meistens niedriger oder entfällt ganz (ebd. 78).

In der somalischen Gesellschaft ist Vergewaltigung stark stigmatisiert: Betroffene Frauen erfahren Ablehnung durch Familie, Ehemann und Gemeinde, ihr Status verschlechtert sich und ihr Ruf wird beschädigt (ebd. 80). Unverheiratete Frauen finden meistens keinen Mann mehr, während verheiratete Frauen oft mit der Scheidung konfrontiert sind, vor allem wenn sie durch die Vergewaltigung schwanger wurden (ebd.).

1.1.5. Heirat

Für die Hirtennomaden Somalias hat die Heirat eine große Bedeutung über die Kernfamilie hinaus: Durch Heirat werden Allianzen zwischen Gruppen gebildet, die für die soziale, ökonomische und politische Organisation der nomadischen Gesellschaft unerlässlich sind (Gardner & El Bushra 2, 2004: 51). Aus diesem Grund werden exogame Heiraten gefördert, vor allem wenn dadurch neue Beziehungen zu anderen Klans hergestellt werden können (ebd. 52)[9]. Für die Frau ist eine exogame Heirat der beste Schutz gegen häusliche Gewalt: Wird sie von ihrem Ehemann oder seinen Verwandten schlecht behandelt, ist die Allianz gefährdet und ihre Blutsverwandten werden in der Regel eingreifen (meistens erfüllt der Vaterbrudersohn diese Rolle) (ebd.).

Im Gegensatz zu den Männern, deren Status mit dem Alter höher wird, verringert sich der Status der Frauen nach den fruchtbaren Jahren (Gardner & El Bushra 1, 2004: 10) und viele Männer heiraten dann eine zweite Ehefrau (Merryman 1996: 191). Während Polygamie[10] für die Männer, ökonomisch gesehen, die Verfügbarkeit weiterer Einkommensquellen darstellt (R. Ibrahim 2004: 28), bedeutet sie für Frauen ökonomische Nachteile: Die einzige Altersvorsorge einer Frau sind ihre Söhne und mit jeder weiteren Ehefrau und deren Kindern wird das Erbe weiter aufgeteilt (Merryman 1996: 191). Es entsteht folglich eine starke Konkurrenz zwischen den Ehefrauen (ebd.).

Die Jungfräulichkeit unverheirateter Frauen ist von großer Bedeutung: Um ein passives Sexualverhalten der Frauen zu garantieren, wird in Somalia traditionell die drastischste Form der Genitalverstümmelung (Infibulation) angewendet (Touati 1997: 146;148)[11]. Die Infibulation gilt als Vorraussetzung für die Heiratsfähigkeit der Frau (ebd. 146)

Die Heiratsmuster variieren je nach Lebensweise: Während die Nomaden exogam heiraten und die Frau anschließend zum Wohnsitz des Mannes zieht, heiraten die Anbau betreibenden Hirten und sesshaften Bauern überwiegend endogam und beide Ehepartner leben danach weiterhin in gleichen Dorf (Merryman 1996: 191). Endogame Heiraten sorgen dafür, dass das Land innerhalb der Familie bleibt (ebd.). Frauen haben folglich keinen „outsider-status“ (Zitat nach Kapteijns 1993: 3)[12] in der Familie ihres Ehemannes und ihre soziale Position ist wesentlich besser als die der Nomadinnen (ebd.).

1.1.6. Die traditionelle Rolle der Frau bei der Konfliktlösung

Um die traditionelle Rolle der Frau bei politischen Prozessen zu verstehen, ist es wichtig, zwischen politischer Macht und politischer Herrschaft (im Sinne eines allgemein anerkannten Anrechtes auf Macht) zu unterscheiden (Touati 1997: 141, zitiert nach O’Barr 1984: 141). Afrikanische Frauen verfügen oft über politische Macht, während es ihnen an politischer Herrschaft mangelt (ebd.), deshalb beeinflussen sie ihre männlichen Verwandten, um Entscheidungen mit zu gestalten (Touati 1997: 141). Aufgrund dieser indirekten Einflussnahme von Frauen ist es jedoch von außen schwer zu erkennen, über wie viel Macht sie tatsächlich verfügen.

Traditionell spielen Frauen eine wichtige aber indirekte Rolle bei der Konfliktlösung: Oft werden sie als Friedensgesandte losgeschickt, um den ersten Kontakt zwischen zwei verfeindeten Klans herzustellen (Gardner & El Bushra 3, 2004: 140). Frauen sind dafür besser geeignet als Männer, weil sie über mehr verschiedene starke Verwandtschaftsverbindungen verfügen: während Männer sich vor allem ihrer Patrilineage verbunden fühlen, haben Frauen zusätzlich starke Bildungen zum Klan ihrer Mutter, sowie zum Klan ihres Ehemannes, dem auch ihre Kinder angehören, welche jedoch durch Heirat wiederum mit anderen Klans verbunden sein können (Gardner & Warsame 2004: 160/161). Aufgrund dieser dualen Klan-Identität[13] werden Frauen traditionell als Brücken zwischen verschiedenen Klans wertgeschätzt (ebd. 162). Gleichzeitig ist die duale Klan-Identität aber auch der Grund, aus dem Frauen nach ihrem Dienst als Friedensgesandte von den eigentlichen Friedensverhandlungen ausgeschlossen werden: Während ein Mann sich vor allem dem Klan seines Vaters verbunden fühlt, weiß niemand sicher, welchem Klan die größte Loyalität einer Frau gilt (ebd. 161). Ist es gelungen, den Frieden wieder herzustellen, werden oft Frauen mit Männern des vorher feindlichen Klans verheiratet, um das Bündnis zu festigen (Ahmed 2004: 54). Beide Ehepartner haben in diesem Fall kein Mitspracherecht (ebd.).

[...]


[1] Das Gedicht wurde übernommen aus dem Sammelband Somalia – The Untold Story S. 139

[2] in der Regel hat ein Mann mehr Einfluss, je älter und je wohlhabender er ist (Touati 1997: 16)

[3] mehr dazu in Abschnitt 1.1.3. Verwandtschaft

[4] Die folgende Quelle beschreibt ebenfalls die Aufgaben der Nomadenfrauen: Touati 1997: 27

[5] Kapteijns, Lidwien; Jay Spaulding: Class Formation and Gender in Precolonial Society: A Research Agenda. in: Northeast African Studies Vol. 11, No. 1 (1989), S. 39-52

[6] mehr dazu siehe Abschnitt 1.1.5. Heirat

[7] Männer, die über Männer miteinander verwandt sind

[8] Das diya -payment für den Mord an einer Frau beträgt in der Regel die Hälfte des Betrags, der für den Mord an einem Mann gezahlt werden muss.

[9] siehe auch Touati 1997: 45

[10] ein Mann darf mit bis zu vier Frauen verheiratet sein. (Gardner/El Bushra 2004: 11)

[11] siehe auch Merryman 1996: 190 und Musse 2004: 72

[12] siehe Abschnitt 1.1.3. Verwandtschaft

[13] Der Begriff duale Klan-Identität bezieht sich auf die gleichermaßen starke Bindung der Frauen an den Klan ihres Vaters und den Klan ihrer Mutter (Gardner & Warsame 2004: 160/161)

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Somalische Hirtennomadinnen. Frauenrollen im Wandel und der lange Weg zur Mitbestimmung
Hochschule
Universität Bayreuth  (Fachbereich Ethnologie)
Veranstaltung
Ethnizität, Ethnogenese, Geschichte, Nationbuilding und Nationalismus in Ostafrika
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
23
Katalognummer
V310437
ISBN (eBook)
9783668090446
ISBN (Buch)
9783668090453
Dateigröße
772 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frauen, Somalia, Nomaden, Rolle der Frau, Bürgerkrieg, Klan, Tradition, Gleichberechtigung, Ostafrika
Arbeit zitieren
Anna Carina Speitkamp (Autor), 2009, Somalische Hirtennomadinnen. Frauenrollen im Wandel und der lange Weg zur Mitbestimmung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/310437

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