Der saarländische Dialekt als Varietät der deutschen Sprache


Bachelorarbeit, 2015

28 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definitionen
2.1 Varietät
2.2 Dialekt

3. Besonderheiten im saarländischen bzw. Saarbrücker Dialekt
3.1 Lexik
3.2 Phonetik
3.2.1 Konsonanten
3.2.2 Vokale und Diphthonge
3.3 Grammatik
3.3.1 Deklination
3.3.1.1 Substantive
3.3.1.2 Pronomen
3.3.1.3 Adjektive
3.3.2 Konjugation
3.3.3 Syntax

4. Analyse zweier Texte

5. Fazit

1. Einleitung

Im Saarland gibt es nicht den einen Dialekt: Es werden rheinfränkische und moselfränkische Dialekte gesprochen. Die Sprachgrenze zwischen den beiden Dialektgruppen wird auch „dat-das-Linie“ genannt. Der Name deutet daraufhin, dass in moselfränkischen Dialekten der bestimmte Artikel bzw. das Personal- oder Demonstrativpronomen als /dat/ gesprochen wird, während die rheinfränkischen Dialekte es als /das/ lesen. Diese Grenze verläuft nördlich von Saarbrücken durch das gesamte Saarland und hat sich schon bereits vor mehreren Jahrhunderten gebildet. Durch die Mobilität der Menschen ist die Grenze allerdings nicht mehr sehr trennscharf.

Die folgende Arbeit setzt sich vornehmlich mit den rheinfränkischen Dialekten auseinander; im Besonderen mit dem Saarbrücker Dialekt. Zunächst werden die grundlegenden Begriffe Varietät und Dialekt definiert. Das dritte Hauptkapitel beschäftigt sich mit den Besonderheiten des saarländischen bzw. Saarbrücker Dialektes. Augenmerk wird hier auf die Lexik, die Phonetik, die Deklination von Substantiven, Pronomen und Adjektiven, die Konjunktion von Verben und die Syntax gelegt. Im Kapitel 3.1 wird der französische Einfluss auf den Wortschatz erörtert, um sich im nächsten Unterkapitel mit der Phonetik von Konsonanten, Vokalen und Diphthongen zu beschäftigen. Das Kapitel 3.3.1.1 (Substantive) wird vor allem von der Bildung des Plurals und Substantiven mit Hilfe von Affixen handeln, während im darauffolgenden Kapitel die verschiedenen Arten von Pronomen, nämlich Personal-, Interrogativ-, Demonstrativ-, Relativ-, Possessiv- und Indefinitpronomen behandelt werden. Das Kapitel 3.3.1.3 gibt einen Überblick über die Bildung von Adjektiven durch Affixe, die Komparation und Deklination. Hierauf folgt der Abschnitt „Konjugation“, der Verbalaffixe, die Bildung des Infinitivs, der Partizipien, die drei Modi Indikativ, Konjunktiv und Imperativ und schließlich das Passiv thematisiert. Das Kapitel 3.3.3 (Syntax) beschränkt sich auf den Aussagesatz, unterscheidet aber zwischen einfachen und mehrteiligen Prädikaten, Umstandsbestimmungen bzw. Adverbialbestimmungen, Unter- und Überordnung und die unterschiedlichen Arten von Nebensätzen.

Anschließend werden zwei Texte anhand der zuvor erörterten Gesichtspunkten analysiert.

Den Abschluss der Arbeit bildet ein zusammenfassendes Fazit.

2. Definitionen

2.1 Varietät

In der Linguistik gibt es keine genaue Definition, was eine Varietät ist. Laut Berruto sind Varietäten „bestimmte Realisierungsformen des Sprachsystems in vorhersagbarer Weise mit bestimmten sozialen und funktionalen Merkmalen [, die] kookkurieren (gemeinsam auftreten)“ (Berruto 2004: 189; nach Sinner 2014: 19). Für Dittmar sind Varietäten als eine „Menge sprachlicher Strukturen (Phonologie, Morphologie, Syntax, Semantik, Lexikon, Pragmatik) [zu] verstehen, die relativ zu außersprachlichen Faktoren (z.B Alter, Geschlecht, Gruppe, Region, historische Periode, Stil etc.) in einem Varietätenraum geordnet sind“ (Dittmar 1997: 177), während Lüdtke und Mattheier Varietäten als „eine verankerte Zusammenziehung von Variationsbündeln zu einer übergreifenden, in sich relativ geschlossenen Einheit“ (Lüdtke, Mattheier 2005: 15) sehen. Mit Variationsbündeln ist hier „die Inbezugnahme von Variantenbündeln […], also […] der Realisierung bestimmter sprachlicher Einheiten aus jeweils mehr als einer möglichen Variante in einer konkreten Äußerung“ (Sinner 2014: 20) gemeint.

Eugenio Coseriu hat Varietäten in drei Kategorien unterteilt (Coseriu 1988: 24f): Diastratische Varietät (lat. stratum „Schicht“) meint die Unterschiede zwischen soziokulturellen Sprachschichten und -niveaus. Diaphasische Varietät unterscheidet hinsichtlich der verschiedenen Sprachstile, die der Sprecher in diversen Situationen nutzt. Diatopische Varietät (griech. Τόπος „Ort”) bezeichnet die Verschiedenheit im Raum, d.h es werden verschiedene Dialekte gebildet.

2.2 Dialekt

Dialekte sind auf eine Region beschränkt und „bestimmbar als Summe spezifischer sprachlicher Charakteristika, die das Sprachsystem bzw. den Sprachgebrauch einer durch geographische Daten abgrenzbaren Sprachgemeinschaft auszeichnen“ (Linke et al. 2001: 347). Sie weisen Besonderheiten auf der Lautebene, Phonologie, Morphologie, Lexik, Syntax und Idiomatik auf. Der Dialekt hat aber auch Einfluss auf die Lautung und den Wortschatz haben (Knoop 2010: 144f). Coseriu hat die Dialekte ebenfalls kategorisiert: Primäre Dialekte sind Dialekte, die genauso lange oder länger existieren als die Standardsprache. Sekundäre Dialekte bedeuten, dass sich regionale Unterschiede innerhalb der Standardsprache gebildet haben. Tertiäre Dialekte sind „räumlich bedingte unterschiedliche Realisierung[en] der Gemeinsprache“ (Wirtz 2014: 29ff). Oft weisen sie Unterschiede in der Artikulation auf.

3. Besonderheiten im saarländischen bzw. Saarbrücker Dialekt

3.1 Lexik

Durch die gemeinsame Vergangenheit mit Frankreich sind viele Wörter französischer Herkunft in den Sprachgebrauch eingeflossen. Bereits nach dem Dreizigjährigen Krieg (1618-1648) gründete Frankreich eine „Saarprovinz“ auf dem Gebiet des heutigen Saarlandes, sodass das Gebiet angegliedert wurde. 1697 musste Frankreich das Saargebiet wieder aufgeben. Als Folge der Französischen Revolution wurde 1793 das Gebiet wieder unter französische Herrschaft gestellt. Nach dem Wiener Kongress (1814- 1815) wurden Teile des Saargebiets Preußen und Bayern zugeteilt. Dies kann eine Ursache für die unterschiedlichen Dialekte sein, die heutzutage im Saarland gesprochen werden. Durch die Niederlage des Deutschen Reiches im Ersten Weltkrieg, wurde das Saargebiet für 15 Jahre unter die Aufsicht von Frankreich gestellt, bis sich die Einwohner 1935 in einer Volksabstimmung entschieden haben an das Dritte Reich angegliedert zu werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Saargebiet wiederum Frankreich zugesprochen, bis das Saarland 1959 schließlich endgültig an Deutschland angegliedert wurde.

Beispiele für den französischen Einfluss auf den Wortschatz sind die Wörter Deetz für Kopf (frz la. Tête), Fasson für Form oder Fassung (frz. la façon), Fatiguen für Müdigkeit (frz. la fatigue), Flämm für Lustlosigkeit, Frustriertheit oder Erkältung (frz. la flemme), Jubbe für Männerjacke (frz. la jupe), Parrablü für Regenschirm (frz. la parapluie) oder Trottwa für Bürgersteig (frz. le trottoir) (Albrech et. Al 1987: 70f).

3.2 Phonetik

3.2.1 Konsonanten

Konsonanten entstehen im Gegensatz zu Vokalen, indem der Luftstrom behindert bzw. umgeleitet wird und dadurch ein Geräusch erzeugt wird (Lüdeling 2013:47). [p] ist ein stimmloser bilabiler Plosiv, d.h er wird mit der Ober- und Unterlippe gebildet. Außerdem wird bei der Artikulation der Luftstrom blockiert, um ihn zur Entstehung des Lautes wieder entweichen zu lassen. Er kann im An- [pan] (Pfanne) oder Inlaut [gəpɪf] (Gemüse) stehen. Der Konsonant [t] ist ebenso ein stimmloser Plosiv ([tabə], [bətʊbə]), der allerdings mit der Zungenoberfläche am Zahndamm gebildet wird. Im Gegensatz dazu wird der dorsovelare Plosiv [k], der in [kɔb] (Kopf) und [fərkərd] (verkehrt) zu finden ist, mit Hilfe des Zungenrückens und Hintergaumens artikuliert. [b] ist ein stimmhafter bilabialer Plosiv. Er kann im Anlaut [bauə], Inlaut [glɔbə] (klopfen) und Auslaut [kɔb] stehen. [d] entsteht wie [t] durch die Zungenoberfläche und dem Zahndamm, es handelt sich aber um einen stimmhaften Konsonanten. Ähnlich verhält es sich mit den Konsonanten [k] und [g]. Sie haben die gleichen Artikulationsart und -ort; [g] ist aber ein stimmhafter Konsonant. [m] ist ein stimmhafter bilabialer Nasal. Hier entweicht die Luft nicht durch den Mund, sondern durch die Nase. [ɱ] hingegen ist ein labiodentaler Nasal, der vor [f] oder [v] stehen kann. Den stimmhaften, dorsodentalen Nasal [n] kann man in Wörtern wie Nase [nɔ:s], können [kɪnə] und sein, Sünde oder Sinn [sɪn] finden. Wird der Konsonant am Hintergaumen gebildet, lautet er [ɳ] und kann nur im Inlaut [faɳə] oder Auslaut [sɪɳ] vorkommen. [ʀ] ist ein uvularer Vibrant. Dieser wird mit Hilfe des Zäpfchens gebildet und kann im Anlaut [ʀɛnə] oder Inlaut [ʃnɛʀə] (schnellen) stehen.

Der stimmlose und labiodentale Frikativ oder Spirant [f] ist z.B. in [fa:ʀə], [gəfʊn] und [ˀʊf] zu finden. [s] und [ʃ] sind stimmlose dorsodentale bzw. dorsopalatale Sibilanten (Zischlaute). Diese sind eine Unterkategorie der Frikative und werden am Zahndamm oder Vordergaumen gebildet. Der stimmlose, dorsopostvelarer Frikativ [x] steht nur im An- oder Inlaut ([ʀaxidiʃ], [dax]). [h] wird als stimmloser glottaler Frikativ an den Stimmlippen gebildet. Er kann im Anlaut, wie im Wort Haus [haʊs], oder im Inlaut, wie in vor allem [fɔɐhɑ:bd] vorkommen. [v], ein stimmhafter labiodentaler Frikativ, kann gleichermaßen nur im Anlaut [vɛ:] oder Inlaut [lɛ:və] stehen.[j] gilt als Halbvokal, d.h es wird eine Enge im Mundraum erzeugt wird, die nicht so eng ist, dass sie ein Frikativ entstehen lassen (Lüdeling 2013: 47) (Seitz 1981: 35ff).

3.2.2 Vokale und Diphthonge

„Die Artikulation der Vokale erfolgt ohne Engebildung im Mund- und Rachenraum“ (Kunkel-Razum et al. 2009: 26). Im Saarbrücker Dialekt gibt es diverse Vokale, die im An-, In- oder Auslaut vorkommen können. Kurze Vokale stehen allerdings nie im Auslaut. [i:] ist ein geschlossener, ungerundeter, langer Vokal, der nur in betonten Silben auftreten kann. Beispiele für [i:] sind im Anlaut [ˀi:və] (üben), im Inlaut [si:n] (sehen) und im Auslaut [vi:] (wie). Der fast geschlossene, ungerundete, kurze Vokal [ɪ] kann im Anlaut [ˀɪs] oder im Inlaut [kɪsə] stehen, während [e:] als halbgeschlossener, ungerundeter, langer Vokal im Anlaut [ˀe:l] (Öl), Inlaut [ʃe:n] (schön) und im Auslaut [me:] existieren kann; jedoch nur in betonten Silben. [ɛ] ist ein halboffener, ungerundeter, kurzer Vokal, wie in [ˀɛsə] (essen) oder [gɛd] (wird). Wird dieser Vokal lang ausgesprochen, also [ɛ:], kann er in Wörtern wie Eisen [ˀɛ:sə], Bein [bɛ:n] oder kein [kɛ:] stehen. In den Wörtern niesen [ˀadsə] und Kappe [kab] kommt [a], ein offener, ungerundeter, kurzer Vokal, im An- bzw. Inlaut vor. Ist dieser Vokal stattdessen lang, ist er nur in betonten Silben zu finden. Der Vokal [ɔ] wird halboffen, ungerundet und kurz artikuliert und kann in Wörtern wie ob [ˀɔb] oder groß [gʀɔs] stehen; der lang ausgesprochene Vokal [ɔ:] ist in [ɔ:s] (Aas), [kɔ:lə] (schwindeln) und [dɔ:] (da) vorhanden. Der halbgeschlossene, leicht gerundete, lange Vokal [o:] steht im Anlaut [ˀo:lɪʃ] (ölig), Inlaut [so:n] (Sohn) und Auslaut [vo:] (wo). [ʊ] ist geschlossen, halbgerundet und kurz ([ˀʊnɐ], [gʊd]). Der lange Vokal [u:] kommt in Wörtern wie necken [ˀu:dsə], tun [du:n] und Kuh [ku:] vor. Das Schwa [ə] ist in [ˀəs] (es, der), [lɛ:səs] (Lesestoff) und [də] (du, der) zu finden (Seitz 1981: 31ff).

In allen saarländischen Dialekten ist das Artikulieren von Diphthongen sehr unüblich. Im Allgemeinen gibt es nur zwei: [aɪ] kann im Anlaut [ˀaɪ], Inlaut [paɪl] und Auslaut [dʀaɪ] stehen, ebenso wie der zweite Diphthong [aʊ] ([ˀaʊ], [kaʊl], [saʊ]) (Seitz 1981:35).

3.3 Grammatik

3.3.1 Deklination

3.3.1.1 Substantive

Der Plural starker Substantive wird durch dem Umlaut des Stammvokals gebildet. Endet der Singularstamm von Maskulina und Feminina mit einen kurzen Vokal und /ld/ oder /nd/, lautet der Stammvokal im Plural zwar um, das auslautende /d/ entfällt aber. Bei der Pluralbildung der Substantive /ʹman/ und /ʹvald/ lautet der Stammvokal ebenfalls um, es wird aber auch das Pluralsuffix der Neutra /ər/ angehängt. Es gibt aber auch einige starke Maskulina, die ihren Stammvokal nicht umlauten, aber die Pluralendung /ər/ anfügen. Bei der Pluralbildung des neutralen Substantivs /ʹho:r/ wird der Stammvokal umgelautet, das Suffix /ər/ aber nicht verwendet (Seitz 1981: 76f).

Der Plural schwacher Substantive unterscheidet sich in dem Punkt vom Plural starker Verben, dass der Stammvokal nicht umgelautet wird, sondern Suffixe angehängt werden. Im Allgemeinen wird der Plural mit dem Suffix /ə/ gebildet. Endet die Singularform eines Substantivs bereits auf /ə/, gibt es keine eigene Pluralform.

Fremdwörter englischer, französischer oder italienischer Herkunft, z.B /ʹkaubai/ (Cowboy), /ʹhisje:/ (frz. „huissier“ Gerichtsvollzieher) oder /ʹkɔndo:/ (ital. „conto“) bilden ihre Pluralform mit dem Suffix /s/. Ausnahmen sind Substantiven englischer Herkunft, die auf /ər/ und /s/ enden, da ihr Plural mit dem Suffix /ə/ gebildet wird. Wörter französischer Herkunft, die auf einen betonten Langvokal und einem Konsonanten auslauten oder auf /əl/ und /s/ enden, fügen das Suffix /ə/ an. Dahingegen haben Pluralformen von Fremdwörtern griechisch-lateinischer Herkunft das Suffix /s/ nur, wenn sie auf einen nicht betonten Vokal auslauten. Das Suffix /ə/ wird angefügt, wenn das Substantiv mit einem betonten /i:/ endet (Seitz 1981: 78ff).

Im Saarbrücker Dialekt gibt es diverse Nominalaffixe, mit deren Hilfe neue Substantive gebildet werden können (Derivation). Zum einen gibt es geschlechtliche Nominalaffixe. Das maskuline Suffix /ər/ wird an Verbstämme beigefügt; das so gebildete Substantiv bezeichnet grundsätzlich ein männliches Agens. Wird das Suffix an Namen größerer Orte, Länder oder Städte gehängt, beschreibt es den männlichen Bewohnernamen. Das Suffix /liɳ/ nach verschiedenen Stämmen bildet Substantive, die Personen (meist auf eine negative Weise), Pflanzen und Dinge bezeichnen (Seitz 1981:82ff). Die weiblichen Allomorphe /hɛ:d/ und /kɛ:d/ treten zu schwachen Adjektivstämmen, die auf /ər/ und /əl/ enden. Beispiele hierfür sind /ʃe:nhɛ:d/ (Schönheit) und /du:ʃbərkɛ:d/ (Düsternis). Wird /in/ an ein Substantiv, gehängt, das eine Person bezeichnet, wird das weibliche Gegenstück gebildet (/fraind/-/fraindin/). Tritt das Suffix / ʃ/ im Auslaut nach /ər/ auf, bezeichnet es das weibliche Agens, wie in /nɔ:bərʃ/ (Nachbarin). Wird es jedoch nach Familiennamen verwendet, bildet es die weibliche Form hierzu (/di: maiərʃ/ „die Frau von Herrn Meier“). /ʃafd/ nach Substantiven bildet Kollektiva, d.h. aus /midər/ wird /midərʃafd/ (Mütterschaft) (Seitz 1981: 82ff). Das Zirkumfix /gə/ _ /s/ bei Verbstämmen hat meist ein pejorativ wirkendes Substantiv zur Folge; aus /du:n/ wird /gədu:ns/ (Getue).

Zum anderen gibt aber auch nicht-geschlechtliche Affixe, wie /əl/, dass ursprünglich das Substantiv dimininuieren soll. Ein Beispiel für die Bildung eines Substantivs mit Hilfe dieses Suffixes ist /pagə/ und /pagəl/. Hier wird aus Paket Päckchen. Wird das Suffix /du:m/, das den Plural /di:mər/ bildet, an Substantive gefügt, bezeichnen diese Personengruppen, z.B /fɛrʃd/ und /fɛrʃdədu:m/ (Plural: /fɛrʃdədi:mər/). Das Präfix /gə/ vor verschiedenen Stämmen kann Konkreta oder Abstrakta bilden1, wie z.B /ʃmag/ und /gəʹʃmag/. Das Suffix /nis/ hingegen bildet nur Abstrakta; aus dem Adjektiv /du:ʃdər/ wird das Substantiv /du:ʃdərnis/ (Seitz 1981:91ff).

Zudem gibt es noch feste Affixfolgen, wie /lər/, die sich aus /əl/ und /ər/

zusammensetzt; aus /kunʃd/ wird /kinʃdlər/. Es ist ein Substantiv entstanden, dass „Personen und Sachen [bezeichnet], die mit dem Gegenstand des suffigierten Substantivs direkt oder indirekt zu tun haben“ (Seitz 1981:94). Weitere Suffixfolgen, die aber selten genutzt werden, sind /ʃəs/, /jəs/ und /əlʃəs/, die aus den Suffixen /ʃə/, /jə/, /əlʃə/ und /əs/ entstanden sind (/gligər/ (Murmel) - /gligərʃəs/).

3.3.1.2 Pronomen

Pronomen werden als Stellvertreter der Substantive eingesetzt. Diese Wortart kann weiter klassifiziert werden in Personal-, Interrogativ-, Demonstrativ-, Possessiv-, Relativ- und Indefinitpronomen. Die Personalpronomen unterscheiden sich in Kasus, wobei der Genitiv im Saarbrücker Dialekt nicht gebräuchlich ist, Genus des Substantivs und Numerus2. Im Nominativ lauten die Personalpronomen /iʃ/, /də/, /ər/, /sə/, /əs/, /mər/, /ər/ und /sə/, im Dativ /mər/, /dər/, /əm/, /ər/, /əm/, /uns/, /aiʃ/ und /nə/ und im Akkusativ /miʃ/, /diʃ/, /nə/, /sə/, /əs/, /uns/, /aiʃ/ und /sə/. Die Form des Personalpronomens ist im Plural jeweils in allen Genera identisch (Seitz 1981:100ff; Braun 1986: 189f).

Die Interrogativpronomen unterscheiden lediglich den Kasus. Diese Gruppe von Pronomen ersetzt das Substantiv in einem Fragesatz. Wird nach Personen gefragt, wird im Nominativ /vɛr/, im Dativ /vɛm/ und im Akkusativ /vɛnə/ verwendet. Mit /vas/ wird in allen Kasus nach einer Sache gefragt (Seitz 1981: 109).

Mit Demonstrativpronomen3kann die Entfernung eines Gegenstandes oder einer Person zum Sprecher ausgedrückt werden. Steht das Substantiv dem Sprecher näher als dem Hörer, nutzt man im Nominativ /hi: dɛr/ (bei maskulinen Substantiven), /hi: das/ (bei neutralen Substantiven) und (bei feminen Substantiven und im Plural). Im Akkusativ ändert sich das Pronomen für Maskulina in /hi:dɛnə/. Im Dativ gibt es die Formen /hi:dɛm/ (Maskulina und Neutra), /hi:dɛr/ (Feminina) und /hi:dɛnə/ (im Plural). Liegt der Gegentand, der durch das Substantiv ausgedrückt wird, allerdings dem Hörer näher als dem Sprecher, wird /hi:/ durch /dɔ/ in jedem Genus, Numerus und Kasus ersetzt (Seitz 1981:113ff).

Die Relativpronomen im Saarbrücker Dialekt ähneln sehr den Demonstrativpronomen; es wird lediglich /vo:/ in jedem Kasus, Numerus und Genus angefügt (Seitz 1981:125). Possessivpronomen zeigen Besitz oder Eigentum an. „Der Gegenstand eines Possessivpronomens“, also der Besitzer, wird Possessor, „das von einem Possessivpronomen gekennzeichneten Substantiv“ Possessum genannt (Seitz 1981:

[...]


1 Als Abstrakta werden Substantive angesehen, die etwas sinnlich nicht wahrnehmbares bezeichnen, wie Gefühle, Eigenschaften oder geistliche Vorstellungen.

2 Zur Verdeutlichung befindet sich Tabelle 1 im Anhang.

3 Tabelle 2 befindet sich zur Erklärung im Anhang.

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Der saarländische Dialekt als Varietät der deutschen Sprache
Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig
Note
2,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
28
Katalognummer
V310491
ISBN (eBook)
9783668096189
ISBN (Buch)
9783668096196
Dateigröße
702 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
dialekt, varietät, sprache
Arbeit zitieren
Sarah Lux (Autor), 2015, Der saarländische Dialekt als Varietät der deutschen Sprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/310491

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