Der Tod Theodosius’ I. und die Leichenpredigt des Ambrosius von Mailand


Hausarbeit, 2011
14 Seiten, Note: 1,3
Tom Nachtigall (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Letzte Regierungsjahre bis zum Tod
2.1. Die letzte Schlacht: Der Sieg über Eugenius
2.2. Der Tod des Theodosius‘

3. Reichsteilung nach dem Tod

4. Konflikte mit Ambrosius
4.1. Die Synagoge von Kallinikon
4.2. Das Massaker von Thessaloniki

5. Die Leichenpredigt des Ambrosius
5.1. Aufbau der Rede
5.2. Interpretation der Rede

6. Fazit

7. Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Theodosius der Große war der letzte alleinherrschende Kaiser des gesamten damaligen Römischen Reiches. Er wurde am 11. Januar 347 in Cauca geboren1 und starb am 17.Januar 395 in Mailand.2 Sein Tod zog die Teilung des Römischen Reiches in eine Ost- und eine Westhälfte mit sich, die dann von seinen beiden Söhnen Arcadius und Honorius regiert wurden. Theodosius schaffte es in seiner Zeit als Kaiser trotz vieler Konflikte und Hindernisse das Christentum zu einer Staatsreligion zu erheben und gleichzeitig insgesamt doch ein mildes und gnädiges Verhalten im Bezug auf die heidnischen Anhänger zu bewahren.

In meiner Arbeit möchte ich zunächst einen Einblick in die letzten Regierungsjahre und Erfolge im Leben des Theodosius‘ bis zu seinem Tod geben und im Anschluss die Frage klären, wie die mit seinem Tod verbundene Teilung des Römischen Reiches verlaufen ist. Im zweiten Teil werde ich mich mit dem Aufbau und der Interpretation der Leichenpredigt des Ambrosius‘ von Mailand für Theodosius auseinandersetzen. Dabei halte ich es für vorteilhaft im Vorfeld kurz das Verhältnis zwischen Ambrosius und Theodosius anhand zweier Konflikte zu beleuchten, um dies in der Interpretation der Leichenrede mit einbeziehen zu können. Dabei wird die Frage zu klären sein, wie sich das Verhältnis der beiden im Laufe der Jahre verändert hat und wie die Aussagen des Ambrosius in der Leichenrede zu bewerten sind.

Die Beschreibung der letzten Regierungsjahre des Theodosius, soll in meinem ersten Punkt mit dem Tod des Valentinian II. und der daraus resultierenden letzten Usurpation in seiner Kaiserzeit beginnen.

2. Letzte Regierungsjahre bis zum Tod

2.1. Die letzte Schlacht: Der Sieg über Eugenius

Nach dem Tod des damaligen Kaisers im Westen Valentinian II. am 15. Mai 392, bei dem nicht genau geklärt ist, ob es ein Selbstmord oder ein Totschlag durch den damaligen Heermeister im Westen Arbogast war, erhob dieser den Hofbeamten Eugenius zum Kaiser.3 Eugenius war ein Leiter einer Hofkanzlei im Westen und somit in politischen Angelegenheiten bewandert, jedoch hatte er zuvor noch keine militärischen Erfahrungen gemacht.4 Eigentlich wäre es Theodosius Aufgabe gewesen, einen neuen Kaiser in den Westen zu schicken, doch vermutlich war ihm das Risiko zu groß, dass einem seiner Söhne dasselbe Schicksal wie Valentinian widerfährt.5

Der heidenfreundliche Kaiser Eugenius bemühte sich zunächst noch um Theodosius‘ Anerkennung, doch im Bezug auf die Heidenpolitik, die Theodosius damals führte - er erließ am 8. November als Reaktion auf Eugenius das antiheidnische Gesetz, dass private Kultausübung verbot - konnte man vermuten, dass dies vergeblich bleiben würde.6 Auch Ablehnungen von Anfragen des Senats auf staatliche Zuschüsse für Kultpflege und das Schlagen von Münzen mit Bildern des Theodosius‘ konnten daran nichts ändern. Am 23. Januar 393 erhob Theodosius seinen Sohn Honorius zum Augustus, womit Eugenius schließlich zum Ursupator erklärt wurde und sämtliche Hoffnung auf Anerkennung zu Nichte gemacht wurde.7 Durch die Begünstigung heidnischer Senatoren im Konsulat durch Eugenius und die Tatsache, dass Theodosius diesen ignorierte, war klar, dass es zum Krieg kommen würde, welchen man sogar in Anbetracht der Tatsachen als Religionskrieg oder Entscheidungsschlacht zwischen Christen und Heiden bezeichnen konnte.8

Eugenius begann früh mit militärischen Aktionen, bei denen ihm sogar Erfolge gegen die Germanen und die Inbesitznahme Italiens bis zum 14. April 393 gelang. Afrika jedoch konnte Theodosius, der dagegen seine Truppen zunächst verstärken musste umfangreich vorbereiten musste, für sich behalten.9 Im Mai 394 brachen dann beide Seiten zum Kampf auf. Eugenius aus Mailand und Theodosius aus Konstantinopel, wo er zuvor ein Gebet für den günstigen Ausgang des Krieges aussprach.10

Nach langsamem Vormarsch trafen die beiden Seiten am 05. September 394 im Tal des Flusses Frigidus in Wippach, wo Eugenius und seine Truppen bereits warteten, aufeinander. Eugenius hatte diesen Platz gut überlegt ausgesucht, da er hinter einem Engpass lag und Theodosius‘ Truppen so keine Möglichkeit zur Entfaltung hatten.11 Er ist in den Kriegsgeschichten bis zum ersten Weltkrieg immer wieder Austragungsort für große Schlachten gewesen.12 Da die Möglichkeit eines Rückzuges von feindlichen Truppen blockiert wurde, blieb Theodosius kein anderer Weg, als der Versuch eines Durchbruches. Dadurch musste Theodosius hohe Verluste - nach übertreibender Aussage des Orosius‘ 10000 Tote - hinnehmen.13 In der Nacht zum 6. September gelang es, die im Rücken postierten Truppen unter Arbitio zum Abzug zu bewegen. Nach Theodoret sollen nun die Generäle zu einem Rückzug geraten haben, doch der Kaiser, der sich keine Niederlage eingestehen und die Gegner mit einem Überraschungsgegenschlag bewältigen wollte, schloss sich diesem Plan nicht an. Darüber hinaus soll Theodosius die Nacht über mit Gebet verbracht haben und in einem Traum vom Täufer Johannes und Apostel Phillip zum Sieg geführt worden sein.14 Aus den Berichten Theodorets verlief der zweite Kampftag folgendermaßen:

„Als die Schlachtreihen aufgestellt waren, zeigte sich die Menge der Feinde um ein vielfaches größer als das Heer des Kaisers, das sehr leicht zu zählen war. Kaum aber hatte man auf beiden Seiten begonnen, die Geschosse zu schleudern, als die [himmlischen] Beschützer ihre Versprechungen als wahr erwiesen. Denn ein gewaltiger Sturmwind, der seine Richtung gegen den Feind nahm, warf ihre Pfeile, Lanzen und Speere zurück, so daß jegliches Geschoß für sie nutzlos war und weder Schwerbewaffnete noch Bogenschützen noch Leichtbewaffnete dem Heere des Kaisers Schaden zufügen konnten. Außerdem wurden ihnen ganze Wolken von Staub in das Gesicht getrieben, die sie zwangen, ihre Augenlider zu schließen, um so ihre gefährdeten Augen zu schützen. Die Soldaten des Kaisers dagegen erfuhren von jenem Sturm nicht den geringsten Nachteil, sondern machten die Feinde unerschrocken nieder.“15 (übersetzt von A. Seider)

[...]


1 Leppin, Hartmut: Theodosius der Große. Darmstadt 2003, S. 24.

2 Ebenda, S. 224.

3 Vgl. Lippold, Adolf: Theodsius der Große und seine Zeit. München 1980, S.47.

4 Vgl. Leppin, S.206.

5 Vgl. Demandt, Alexander: Geschichte der Spätantike. Das Römische Reich von Diocletian bis Justinian 284 - 565 n.Chr.. München 2008, S. 166.

6 Vgl. Leppin, S.216.

7 Vgl. Lippold, S. 47.

8 Demandt, S. 167.

9 Lippold, S.48.

10 Leppin, S.216.

11 Ebenda, S. 217.

12 Vgl. Demandt, S. 167.

13 Orosius HE. 7, 35, 19.

14 Theod. HE 5, 24.

15 Ebenda.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Der Tod Theodosius’ I. und die Leichenpredigt des Ambrosius von Mailand
Hochschule
Universität Rostock  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Proseminar: Politik und Religion: Theodosius I. und seine Dynastie
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
14
Katalognummer
V310558
ISBN (eBook)
9783668093188
ISBN (Buch)
9783668093195
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Theodosius, Ambrosius, Leichenpredigt
Arbeit zitieren
Tom Nachtigall (Autor), 2011, Der Tod Theodosius’ I. und die Leichenpredigt des Ambrosius von Mailand, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/310558

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