Das Motiv der Natur in Joseph von Eichendorffs "Aus dem Leben eines Taugenichts"


Hausarbeit, 2015

21 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Abstract

Diese Facharbeit widmet sich der Frage, wie Eichendorff das Motiv der Natur in seiner Novelle „Aus dem Leben eines Taugenichts“ verwendet, um den Taugenichts als Repräsentanten der Romantik darzustellen. Anja Peters beschreibt die Natur als „allegorisch zugerichtete Welt“[1], die einen „Zeichenwert“ [2] hat und so den Taugenichts als Romantiker etabliert. Auf Basis dieser These werden exemplarische Passagen sowohl nach inhaltlicher, als auch stilistischer Gestaltung analysiert.

Kapitel 2 untersucht die immanenten Bestandteile des Motivs der Natur, die den Taugenichts als typischen Romantiker etablieren. Darum beleuchtet Kapitel 2.1 zuerst die Facetten des Motivs der Natur in der Romantik, wobei sich herausstellt, dass es aus drei wesentlichen Kategorien besteht: es ist ästhetischer Raum der Selbstverwirklichung, Spiegel der Seele, sowie Begegnungsstätte mit Gott.

Daran orientiert, widmet sich Kapitel 2.2 der Darstellung des Motivs der Natur als ästhetischer Raum der Selbstverwirklichung während einer epochentypischen Lebenswanderschaft, was den Taugenichts zum Romantiker macht. Es wird festgestellt, dass er sich in Innenräumen, welche der Aufklärung zuzuordnen sind, unwohl fühlt. Stattdessen macht ihn die Ästhetik der ursprünglichen und unberührten Natur, fernab der gesellschaftlichen Zwänge, glücklich und ist somit nicht für das Leben der Aufklärung geeignet. Stilistisch untermalt Eichendorff die romantische Lebensweise mit der Verknüpfung des Naturmotivs und dem Motiv der Geige, sowie der Lebenswanderschaft nach Rom.

Kapitel 2.3 untersucht das Motiv der Natur als Spiegel der Seele, was den Taugenichts ebenfalls als Romantiker etabliert. Es wird deutlich, dass die Naturwahrnehmung und Naturdarstellung zum einen die Freude, zum anderen Zweifel, Trauer und Heimweh des Taugenichts veranschaulicht.

Daraufhin beleuchtet Kapitel 2.4 wie das Motiv der Natur als Begegnungsstätte mit Gott den Taugenichts zum Prototypen der Romantik macht. Die transzendente Verbindung zu Gott in der Natur regeneriert ihn und erlaubt ihm, Gottes Wort als kategorischer Imperativ zu empfangen. Abschließend werden die herausgearbeiteten Merkmale des Motivs der Natur in Kapitel 3 zusammengefasst. Wörter: 299

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung ... 4

2. Das Motiv der Natur um den Taugenichts als Repräsentanten der Romantik darzustellen ... 6
2.1 Das Motiv der Natur in der Epoche der Romantik ... 6
2.2 Die Natur als ästhetischer Raum der Selbstverwirklichung und Freiheit zur Darstellung des Taugenichts als Romantiker ... 8
2.3 Die Natur als Spiegel der Seele zur Darstellung des Taugenichts als Romantiker ... 12
2.3 Die Natur als Begegnungsstätte mit Gott zur Darstellung des Taugenichts als Romantiker ... 15

3. Fazit ... 18

4. Bibliographie ... 19

1. Einleitung

Mit seinen rund 500[3] Gedichten[4] zählt Joseph von Eichendorff[5] zu einem der beliebtesten romantischen Dichter. Seine spätromantische Novelle„Aus dem Leben eines Taugenichts“ war jedoch „schon zu Lebzeiten[...]sein populärstes Werk und ist es bis heute geblieben“.[6] Theodor Fontane erklärt den Erfolg damit, dass der Taugenichts „ nicht mehr und nicht weniger als eine Verkörperung des deutschen Gemüts [ist], die liebenswürdige Type nicht eines Standes bloß, sondern einer ganzen Nation“[7]. Wahrscheinlich ist es die „heitere, lebensfördernde Magie“[8], die den Taugenichts in den Augen vieler Kritiker zu dem „Prototypen eines Romantikers“[9]macht.

In der Fachliteratur wird immer wieder diskutiert, dass es Eichendorff durch zahlreiche typisch romantische Motive – das Träumen, das Land Italien, die Liebe – gelingt, den „Taugenichts als Repräsentanten des romantischen Menschen“[10] darzustellen. So verdeutlicht beispielsweise das Motiv der Musik„Ohne den Umweg über den Verstand [...] im romantischen Verständnis das Geheimnis der Natur “[11].

Jedoch ist vor allem das Motiv der Natur interessant, da es Eichendorff dabei hilft, den Taugenichts als Repräsentanten der Romantik darzustellen. So fasst auch Peters zusammen: „Die Naturszenerien bei [...] Eichendorff sind nicht realistisch, sondern basieren auf Stereotypen. Die Protagonisten bewegen sich durch eine allegorisch zugerichtete Welt, in der jedes Requisit und jeder Ort einen bestimmten Zeichenwert hat.“ [12]

Ausgehend von der These Peters geht diese Facharbeit daher konkret der Frage nach, wie Eichendorff das Motiv der Natur (als „allegorisch zugerichtete Welt“[13]) in„Aus dem Leben eines Taugenichts“ verwendet, um den „Zeichenwert“ [14] darzulegen und den Taugenichts als Repräsentanten der Romantik darzustellen.

Im Folgenden wird dies an der Analyse exemplarischer Passagen untersucht.[15]

Zunächst werden in Kapitel 2.1 die Facetten des Motivs der Natur etabliert, daran orientiert widmet sich Kapitel 2.2 der Bedeutung der Natur, als ästhetischer Raum der Selbstverwirklichung und Freiheit während einer Lebenswanderschaft zur Darstellung des Taugenichts als Romantiker. Daraufhin untersucht Kapitel 2.3 die Natur als Spiegel der Seele, also der Befindlichkeit und den Gefühlen des Taugenichts, um ihn als Romantiker darzustellen. Auf dieser Basis stellt Kapitel 2.4 die Rolle der Natur als Begegnungsstätte mit Gott im Sinne des pantheistischen Weltbildes zur Darstellung des Taugenichts als Romantiker dar.

2. Das Motiv der Natur um den Taugenichts als Repräsentanten der Romantik darzustellen

Zunächst werden die immanenten Bestandteile der Natur in der Romantik herausgestellt, um danach anhand dessen zu untersuchen, wie das Motiv der Natur den Taugenichts als Repräsentanten der Romantik versinnbildlicht.

2.1 Das Motiv der Natur in der Epoche der Romantik

Ziel dieses Kapitels ist es, die Merkmale des Motivs der Natur zu etablieren, um dann herauszuarbeiten, wie Eichendorff diese zur Darstellung des Taugenichts als Repräsentanten der Romantik verwendet.

Die beiden Epochen der Romantik und Aufklärung unterscheiden sich diametral[16]. Die Romantik kann als Gegenbewegung zu der rigiden, bürgerlichen Lebensweise der Aufklärung verstanden werden und ist somit sowohl„antibürgerlicher“[17], als auch „antiaufklärerischer Impuls“[18]. Der romantische Mensch lebt nach dem Prinzip ‚emotio statt ratio’, denn für ihn sind die Seele und das Herz wichtiger als der Verstand. Er „leidet an der Wirklichkeit, [...] an der Gewöhnlichkeit des Alltags mit seinen Zwecken und Pflichten; am gemeinen Leben der Familie und des Berufs mit seiner Gleichförmigkeit“[19]. Stattdessen hat er einen „unbändigen Freiheitsdrang“[20], welcher lediglich in der Natur im Sinne einer Lebenswanderschaft gestillt werden kann. Die romantische Leitvorstellung sieht die Natur in ihrer „zwecklose[n] Schönheit“[21]. Dies bedeutet, dass die Romantiker das Nützlichkeitsdenken der aufgeklärten Gesellschaft strikt ablehnen und die Natur als idealisierten, ästhetischen Raum betrachten. Dies fasst Kremer als „das allgemeine romantische Modell einer ästhetischen Natur- und Welterkenntnis, in der der sympathische Zusammenhalt aller Bereiche über einen ästhetischen Sinn hergestellt wird“[22], zusammen.

Das Motiv der Natur fungiert in der Epoche der Romantik also als ästhetischer Raum der Selbstverwirklichung und Freiheit (vgl. Kapitel 2.2). Demnach muss dieser Aspekt auch in Eichendorffs Werk untersucht werden.

Des Weiteren ist dem Romantiker nicht nur Freiheit und Selbstverwirklichung in der Natur wichtig, sondern auch das Prinzip ‚natura naturans’. Hierbei wird „die Natur [...] im Gegensatz zu den Naturwissenschaften nicht als bloßes Objekt, sondern als bildende Kraft“[23] und „schöpferische Quelle des Geschehens“[24] angesehen.

Das bedeutet, dass der Romantiker seine Gefühle durch Inspiration der ästhetischen Natur und Gott ausleben kann. So spiegelt die „Landschaftsdarstellung [...] die oft widersprüchliche innere Verfassung des Helden, schwankend zwischen Glück und Angst, Freude und Trauer“[25] wider. Insofern ist also die Natur als Spiegel der Seele und Ort der Gefühle (vgl. Kapitel 2.4) ein weiterer Bestandteil des Motivs der Natur und muss auch in Eichendorffs „Aus dem Leben eines Taugenichts“ beleuchtet werden.

[...]


[1] Peters, Anja (2004): Die rechte Schau: Blick, Macht und Geschlecht in Annette von Droste-Hülshoffs Verserzählungen; Paderborn, München: Schöningh, S.102

[2] Ebd. S.102

[3] Vgl. Die Deutsche Gedichte-Bibliothek Eintrag: „Joseph Freiherr von Eichendorff“. Online im Internet: http://gedichte.xbib.de/gedicht_Eichendorff.htm [Stand: 21.08.2014]

[4] Sein Gesamtwerk wurde vom Artemis u. Winkler Verlag rausgegeben und beträgt mehr als 2058 Seiten (Vgl. Wiemers, Carola (2013 ): Poesie und Polemik. Deutschlandradiokultur. Online im Internet. URL: http://www.deutschlandradiokultur.de/poesie-und-polemik.950.de.html?dram:article_id=242041 [Stand: 21.08.2014])

[5] Im Folgenden werde ich analog zur Fachliteratur nur von „Eichendorff“ sprechen. (Vgl. Wiemers, Carola (2013): Poesie und Polemik. Deutschlandradiokultur. Online im Internet. URL: http://www.deutschlandradiokultur.de/poesie-und-polemik.950.de.html?dram:article_id=242041 [Stand: 21.08.2014])

[6] Höfle, Peter (2007): Aus dem Leben eines Taugenichts Text und Kommentar : Frankfurt am Main : Suhrkamp Verlag, S.141

[7] Fontane, Theodor (1857): Brief an Paul Heyse, 6. Januar 1857. In: Keitel, Walter und Nürnberger, Helmuth (1976): Werke, Schriften und Briefe, München: Hanser Verlag, S.555

[8] Hesse, Hermann (1945): Einleitung. In: Eichendorff. Gedichte und Novellen. Ausgewählt und eingeleitet von Hermann Hesse, Zürich: Droemersche Verlagsanstalt, S. 11

[9] Klöhr, Friedhelm (1999): Aus dem Leben eines Taugenichts: Interpretationshilfe. Freising: Stark Verlagsgesellschaft GmbH, S. 27

[10] Lüthi, Hans Jürg (1993 ); Der Taugenichts Versuche über Gestaltungen und Umgestaltungen einer poetischen Figur in der deutschen Literatur des 19. Und 20. Jahrhunderts ;Tübingen ; A. Francke Verlag Tübingen und Basel, S.10

[11] Kremer, Detlef (2007): Romantik Lehrbuch zur Germanistik; Stuttgart: Carl Ernst Poeschel Verlag GmbH, S.65

[12] Peters, Anja (2004): Die rechte Schau: Blick, Macht und Geschlecht in Annette von Droste-Hülshoffs Verserzählungen; Paderborn, München: Schöningh, S.102

[13] Peters, Anja (2004): Die rechte Schau: Blick, Macht und Geschlecht in Annette von Droste-Hülshoffs Verserzählungen; Paderborn, München: Schöningh, S.102

[14] Ebd. S.102

[15] Aufgrund der Wortbegrenzung der Facharbeit ist jedoch keine umfassende Analyse des gesamten Werkes möglich.

[16] Immanuel Kant definiert Aufklärung als „Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.“ Mit Unmündigkeit ist„das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen“ gemeint. (Vgl: Kant, Immanuel (1784): Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?: Berlin: Berlinische Monatsschrift (Dezember 1784) Online im Internet. URL: http://gutenberg.spiegel.de/buch/beantwortung-der-frage-was-ist-aufkl-3505/1 [Stand: 21.12.2014]) Anhänger der Aufklärung, welche größtenteils dem Bildungsbürgertums angehörten, fingen an, ihre Abhängigkeit von Anderen und vor allem von den Autoritäten der Kirche und des Adels zu hinterfragen. Ihr Ziel war es, das Zusammenleben der Menschen in der Gesellschaft zu verbessern und Akzeptanz für neu erlangtes Wissen zu schaffen. Sie lebten nach rigiden gesellschaftlichen Konstrukten, um sich so von der ausschweifenden Lebensweise der oberen Schichten abzuheben.

[17] Höfle, Peter (2007): Aus dem Leben eines Taugenichts Text und Kommentar, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, S.148

[18] Ebd. S.148

[19] Lüthi, Hans Jürg (1993): Der Taugenichts Versuche über Gestaltungen und Umgestaltungen einer poetischen Figur in der deutschen Literatur des 19. Und 20. Jahrhunderts , Tübingen: A. Francke Verlag Tübingen und Basel, S.7

[20] Joseph von Eichendorff: Aus dem Leben eines Taugenichts: Wirkung. Friedrich-Schiller-Universität Jena: Online im Internet. URL: http://dtserv3.compsy.uni-jena.de/ss2011/nndlger/69371522/content.nsf/Pages/48BE66807D995371C12578B6002BBB25/$FILE/Dossier-Aus%20dem%20Leben%20eines%20Taugenichts.pdf [Stand: 20.10.2014]

[21] Freund-Spork, Walburga (2003): Königs Erläuterungen Aus dem Leben eines Taugenichts, Hollfeld: C. Bange Verlag, S.99

[22] Kremer, Detlef (2007); Romantik Lehrbuch zur Germanistik, Stuttgart: Carl Ernst Poeschel Verlag GmbH, S.62

[23] Natura naturans – natura naturata: Philosophie-Wörterbuch: Online im Internet: http://www.philosophie-woerterbuch.de/online-woerterbuch/?title=Natura%20naturans%20%E2%80%93%20natura%20naturata&tx_gbwbphilosophie_main%5Bentry%5D=586&tx_gbwbphilosophie_main%5Baction%5D=show&tx_gbwbphilosophie_main%5Bcontroller%5D=Lexicon&cHash=6c21344e9a9eb534ed0ce56af8e2dc71 [Stand: 21.12.2014]

[24] Philosophie-Wörterbuch Eintrag: Natura naturans – natura naturata: Online im Internet. URL: http://www.philosophie-woerterbuch.de/online-woerterbuch/?title=Natura%20naturans%20%E2%80%93%20natura%20naturata&tx_gbwbphilosophie_main%5Bentry%5D=586&tx_gbwbphilosophie_main%5Baction%5D=show&tx_gbwbphilosophie_main%5Bcontroller%5D=Lexicon&cHash=6c21344e9a9eb534ed0ce56af8e2dc71 [Stand: 21.12.2014]

[25] Freund-Spork, Walburga (2003): Königs Erläuterungen Aus dem Leben eines Taugenichts, Hollfeld: C. Bange Verlag, S.75-76

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Das Motiv der Natur in Joseph von Eichendorffs "Aus dem Leben eines Taugenichts"
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
21
Katalognummer
V310578
ISBN (eBook)
9783668092723
ISBN (Buch)
9783668092730
Dateigröße
443 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
"Eine sehr beeindruckende Arbeit"
Schlagworte
von Eichendorff, Joseph von Eichendorff, Aus dem Leben eines Taugenichts, Taugenichts, Deutsch, Literatur, Extended Essay, Motiv, Natur, Leitmotiv, Romantik, Repräsentant der Romantik
Arbeit zitieren
Ellen Saleck (Autor), 2015, Das Motiv der Natur in Joseph von Eichendorffs "Aus dem Leben eines Taugenichts", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/310578

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