Die Sozialisation von Jugendlichen. Einfluss des Internetkonsums auf eine Lebensphase


Hausarbeit, 2015

18 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Konzise Darstellung der Entstehung der Soziologie und ihrer Grundlagen
III. Einblick in die Sozialisation und Entwicklungspsychologie Jugendlicher
III. I Einblick in die Sozialisaton Jugendlicher
III.II Einblick in die Entwicklungspsychologie Jugendlicher

IV. Positive und negative Effekte des Internetkonsums auf die Sozialisation von Teenagern
IV.I Positive Effekte des Internetkonsums auf die Sozialisation von Teenagern
IV.I.I Erleichterung der Identitätsfindung
IV.I.II Entstehung neuer Integrationsmöglichkeiten
IV.I.III Abbau von Kommunikationsbarrieren
IV.II Negative Effekte des Internetkonsums auf die Sozialisation von Teenagern
IV.II.I Zugang zu altersunangemessenen Informationen IV.II.II Mobbingangriffe
IV.II.III Gesundheitliche Beeinträchtigungen

V. Fazit

VI. Literaturverzeichnis

Einleitung

Hinsichtlich der im Lauf der technologischen Entwicklungsgeschichte entstandenen Innovationen und deren Effekte auf das Gesellschaftssystem kann das 21. Jahrhundert als Internetzeitalter bezeichnet werden. Der Nährboden der mitverantwortlich für diese, sowie die Titulierung der heutigen Gesellschaft als Informations- und Wissens- anstatt wie zuvor als Industriegesellschaft, ist, wurde schon in den 1980er Jahren, in Form einer tief greifenden mikroelektronischen und digitalen Wandlung, geschaffen.

Deren Resultat war eine, alle Gesellschaftsschichten übergreifende, Nutzung von audiovisuellen Massenmedien wie dem Film, des Fernsehens sowie des Internets. Dieses ermöglichte es den Individuen fortan selbstständig auf eine scheinbar unendliche Fülle an Informationen, Wissen oder Unterhaltungsmöglichkeiten zuzugreifen, wodurch deren Weltanschauung entschieden beeinflusst wurde (vgl. Weiner 2011, S. 42). Verfolgt man den geschichtlichen Verlauf der Entstehung von heutzutage verbreiteten Medien noch weiter zurück, landet man bei der Erfindung des Mediums Schrift. Über jene des Buchdrucks gelangt man des Weiteren zu Werbung und Printmedien und nach ersten größeren, für die Massenverbreitung von Wissen nützlichen, technologischen Fortschritten zu Radio, Film und Fernsehen sowie schließlich zum Internet (vgl. Lenz & Zillien 2005, S. 237ff).

Dieses hebt sich von anderen Medien sowie von der Realität, hauptsächlich dadurch ab, dass in ihm Zeit und Raum anscheinend keine Relevanz haben. Diese zwei Faktoren sind insbesondere in einer Realität, in der soziale Vorgänge stattfinden sollen wichtig und hilfreich. So dient die Zeit z. B. als Maßstab und Begrenzung für die Länge von ihnen, und der Raum, der nach Georg Simmel einen „einzigen allgemeinenen Raum“ darstellt, „von dem alle einzelnen Räume nur Stücke sind“, sorgt dafür, dass in ihm die Gelegenheit gegeben wird, Gebiete festzulegen, in denen bestimmte Moralvorstellungen gelten (vgl. Stegbauer 2008, S. 4).

Abgesehen davon, dass sich die unterschiedlichen Medien durch die Form oder Methode, in welcher sie Informationen vermitteln, voneinander abgrenzen, sind sie jedoch zur gleichen Zeit organisatorisch, technisch, ästhetisch, wirtschaftlich und journalistisch miteinander verbunden und bilden gemeinsam ein Mediensystem, welches wiederum, analog zum sozialen System, ein Teil der Gesellschaft ist, und sich dementsprechend gewissen Vorschriften unterordnen muss (vgl. Mai 2005, S. 255ff). Diese Regeln sind im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland fest verankert, und stellen sicher, dass den Medien rechtlich gesehen, nahezu uneingeschränkt die Möglichkeit der Einflussnahme gegeben wird. Gemäß Artikel fünf Absatz eins hat „jeder [...] das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten", des Weiteren werden „die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film [...] gewährleistet“ und keine Zensur durchgeführt. In Anbetracht der Tatsache, dass Deutschland eine Demokratie ist, lässt sich die Gesetzgebung zwar nachvollziehen, wird der Fokus jedoch auf die noch nicht wahlberechtigten Jugendlichen gerichtet, zu deren Sicherheit zwar der zweite Absatz des fünften Artikels beiträgt, die jedoch nichtsdestominder den teilweise grausamen, erschütternden und nicht immer unbedingt jugendfreien Bildern, bspw. im Rahmen der Nachrichtenberichterstattung aus aller Welt im Internet, vorerst schutzlos ausgeliefert sind, dann wird zwangsläufig die Frage aufgeworfen, inwiefern sich im öffentlichen Raum um das seelische Wohl der nachfolgenden Erwachsenengeneration gekümmert wird, und ob dies genügt (vgl. Hartmann & Dallinger 2011, S. 14). In folgender Hausarbeit soll deshalb untersucht werden, ob das Internet die Sozialisation Jugendlicher generell begünstigt oder im Gegenteil eher erschwert. Bevor diese Thematik näher durchleuchtet wird, soll jedoch zunächst, für ein tiefer gehendes Verständnis der Materie, ein Einblick in die Entstehungsgeschichte der Soziologie und ihrer Grundlagen, sowie in den Sozialisationprozess und die Entwicklungspsychologie Jugendlicher gegeben werden. Nach der Gegenüberstellung der pro und kontra Argumente bzgl. möglicher Effekte des Internetkonsums wird dann abschließend ein Resümee gezogen, und zu beurteilen versucht, ob das Internet tendenziell als förderlich für die Sozialisation Jugendlicher bewertet werden kann, oder ob mögliche schädliche, durch dessen Konsum hervorgerufene Auswirkungen dafür zu schwerwiegend sind.

Konzise Darstellung der Entstehung der Soziologie und ihrer Grundlagen

Der Begriff Soziologie setzt sich aus dem lateinischen Wort: socius, das bedeutet Mitmensch, sowie aus dem griechischen Wort logos, welches für Lehre steht, zusammen, und wurde seit dem 19. Jahrhundert für die Bezeichnung der „Lehre vom Sozialen“ gebraucht. Dem Sozialen wird in diesem Zusammenhang eine neutrale Wertung beigemessen, da es sich zum einen auf eine ethisch-moralische Einstellung bezieht, die ausgelebt wird, indem Hilfsbedürftigen geholfen wird, und zum anderen auf eine moralisch gesehen zunächst unsoziale Handlung, die erst im Licht der Wissenschaft als sozial erachtet werden kann, weil sie als zwischenmenschlicher Vorgang in das Zentrum des Interesses der Soziologie gerückt ist, und so zu neuen, für die Klärung weiterer soziologischer Sachverhalte nützlichen Erkenntnissen führen kann, die ansonsten ggf. im Verborgenen geblieben wären (vgl. Henecka 2015, S. 24ff). Die ersten Ansätze für die Heranbildung der Soziologie sind jedoch schon ca. 500 Jahre früher, im 14. Jahrhundert zu finden. „Der Zweifel ist der Feind des Glaubens.“ ist ein Zitat aus „Der Name der Rose“, einem Roman von Umberto Eco, das die Denkart dieser Zeit widerspiegeln soll, nach welcher lediglich jenen gesellschaftlichen Geschehnissen Glauben geschenkt wird, die gesehen und beobachtet werden können. Im 17. und 18. Jahrhundert, zu Zeiten der Aufklärung, versuchten Philosophen und Rechtswissenschaftler schließlich, aufgrund der nicht nachvollziehbaren Veränderung von Werten und Institutionen, verstärkt herauszufinden, welche Grundsätze, Kanons und Entwicklungsprinzipien das gesellschaftliche Miteinander bestimmten. Ein erster Ansatz für eine Antwort auf diese Fragestellung wurde allerdings erst im 19. Jahrhundert, durch die Einsicht, dass Institutionen als Orientierung dafür dienen, welche Leitlinien in der Gesellschaft prädominieren, entdeckt. Thomas Hobbes hat in diesem Kontext auf eine Relation zwischen dem Gewaltverzicht des Individuums sowie deren Weitergabe an das Staatswesen und einem harmonischen Zusammenleben hingewiesen. Auguste Comte (1798-1857), der im 19. Jahrhundert die Bezeichnung Soziologie für die Wissenschaft als solche eingeführt hatte, war der Erste, dem es gelang, eine Ursache, für in der Gesellschaft entstandene, nicht importierte, innergesellschaftliche Bewegungen zu konstatieren (vgl. Korte & Ernst 2011, S. 13ff).

Er vertrat die Soziologie, welche mit ihren disziplineigenen Begriffen, Theorien sowie Methoden die Struktur-, Funktions- und Entwicklungszusammenhänge der Gesellschaft offenbart, fortan als nahezu positivistische Zivilreligion, welche die gesellschaftliche Planung und Steuerung größtenteils übernehmen sollte (vgl. Nassehi 2008, S. 20ff). Seine Einteilung in das theologische oder fiktive, das metaphysische oder abstrakte, sowie das wissenschaftliche Stadium veranschaulicht, wie sich ihm zufolge, der Prozess der gesellschaftlichen Entwicklung vollzieht bzw. vollzogen hat.

Das erste Stadium steht für das Verständnis der inneren Natur der Dinge, für die absolute Erkenntnis der göttlichen Ordnung. Im zweiten Stadium wird die Idee der Transzendenz durch abstraktes Denken überwunden und der Weg zum dritten und progressivsten Stadium bereitet, in dem vernünftiges und inspizierendes Verhalten zur Einsicht von universal geltenden Gesetzen verhilft, und dessen oberstes Ziel, diese auf ein einziges Gesetz, eine Weltformel, zu deduzieren, erreicht werden soll indem, durch fortwährende, zukunftsgläubige Forschung, deren Anzahl stetig minimiert wird (Mikl- Horke 2011, S. 22f). Das Agens dafür, dass überhaupt solche gesellschaftlichen Entwicklungen stattfanden, war aus Comtes Blickwinkel eine vorausgehende Anhäufung von Wissen. Dahingegen wird bei Karl Marx (1818-1883) die Gesellschaftsform durch die jeweilige Produktionsform definiert, und somit die Entwicklung der Gesellschaft in Abhängigkeit der vorhandenen Produktivkräfte und Produktionsverhältnisse vorangetrieben (vgl. Korte & Ernst 2011, S. 22ff). Dass Marx und seine Anhänger, die Marxisten, zu diesem Befund kommen konnten, lag daran, dass sie sich, obwohl sie den bestehenden Kapitalismus anzweifelten und davon ausgingen, dass die Soziologie ihn in Zukunft ersetzen würde, aufgrund seiner Präsenz, bemühten, eine der kapitalistisch geprägten Gesellschaft innewohnende Gesetzmäßigkeit zu konstatieren und einen geschichtsphilosophischen Nutzen abzuleiten (vgl. Kim 2002, S. 76).

Emile Durkheim (1858-1917), einer der Urheber der modernen Soziologie, betrachtete den Kapitalismus ebenfalls skeptisch und schrieb der aus ihm hervorgehenden, fortschreitenden Industrialisierung, mitsamt der sich aus ihr erwachsenen Klassenkämpfe, die Schuld des Wegfalls, der, die Gesellschaft zusammenhaltenden, traditionellen und kulturellen Werte zu. Deshalb hielt er es für notwendig eine auf sozialen Tatsachen basierende Morallehre zu formulieren, welche diesen Verlust wieder ausgleichen sollte, indem sie den Menschen eine Richtschnur liefert, wie sie im Sinne der „progressiven Vernunft“, also dem dritten Stadium Comtes, zu agieren haben, damit langfristig verhindert wird, dass die Solidarität für das Kollektiv abhandenkommt oder ein Status quo mangelhafter gesellschaftlicher Integration von Individuen Oberhand gewinnen kann (vgl. Baumgart 2004, S. 31ff).

Durkheim ging des Weiteren davon aus, dass für die Existenz soziologischer Fakten, die den Glaubensvorstellungen des Kollektivs entsprechen sollen, einzelne Mitglieder der Gesellschaft gemeinsam Institutionen gründen müssen, sodass Thesen und Verfahrensweisen entstehen können, die nicht dem Einzelwillen entstammen. Deshalb konnte ihm nach die Soziologie auch als Wissenschaft der Institutionen, deren Entstehung und Wirkungsart interpretiert werden (vgl. Durkheim 1984a, S. 97ff). Durkheims Zeitgenosse Georg Simmel (1858-1918) gebrauchte für die Benennung des Veränderungsprozesses der Gesellschaft den Terminus Vergesellschaftung. Diese stellte seiner Meinung nach den Normalzustand da und wurde durch die steten Reziprozitäten zwischen Individuen, Gruppen und Organisationen veranlasst, deren Wiederholungen zur Herausbildung der Gesellschaftsstruktur führten (vgl. Korte & Ernst 2011, S. 49f). Außer dass sich die verschiedenen sozialen Wechselwirkungen, aufgrund der Repetitionen, zu festgefahrenen Verhaltensmustern entwickeln, wird laut Simmel der Handlungsspielraum der innergesellschaftlichen Akteure zudem noch durch die Sesshaftwerdung der Gesellschaft eingeschränkt, wodurch das Feld der soziologischen Untersuchungen immer überschaubarer wird (vgl. Fritsch 2009, S. 20).

Bei Max Weber (1864-1920) war, entgegen dem ursächlichen Verständnis, der Bereich des sozialen Handelns von vornherein enger gefasst. Für ihn musste dieses zwangsläufig eine von einem Subjekt ausgehende zweckrationale, wertrationale, affektuelle oder traditionale Bedeutung haben, die durch das Agieren einer zweiten Person bedingt ist. Aus diesem Grund versuchte Weber, bei seinen soziologischen Untersuchungen, den Forschungsgegenstand sowohl aus geisteswissenschaftlicher als auch aus naturwissenschaftlichen Perspektive zu betrachten (vgl. Henecka 2015, S. 57ff). Als Mitglied und Mitbegründer der im Jahr 1909 ins Leben gerufenen Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) stand ihm eine Plattform zur Verfügung, auf der er seine Ansichten präsentieren konnte, und dadurch dazu beigetragen, dass der Soziologie als Wissenschaft in der Öffentlichkeit mehr Beachtung geschenkt wurde (vgl. Neef 2012, S. 57ff).

Pierre Bourdieu, der statt von der Gesellschaft bevorzugt von einer sozialen Welt sprach, konstituierte hingegen, dass die strukturfunktionalistische Soziologie diese als „ein Universum objektiver, von den Handelnden unabhängiger Regelmäßigkeiten, die von“ einem „Standpunkt eines unparteiischen, die beobachtete Welt überfliegenden Beobachtens jenseits des Handelns konstruiert sind“, also ohne Berücksichtigung subjektiver Umstände, wahrzunehmen hat (vgl. Ebrecht & Hillebrandt 2002, S. 9). Er war außerdem ein Vertreter der Position, dass die Soziologie, abgesehen von anderen, auch emanzipatorische Funktionen erfüllte. So war sie ihm nach zum einen dafür geeignet als Werkzeug bei einer Selbstanalyse, bei der die Zielsetzung ist, in Erfahrung zu bringen, welche sozialen Umstände dafür Sorge getragen haben, dass man zu dem geworden ist, was man ist, und um herauszufinden, welche soziale Rolle einem in der aktuellen Gesellschaft zugeteilt ist, zu fungieren. Zum anderen erachtete er sie als wertvoll für die Freimachung von gesellschaftlichen Zwängen, also von für die jeweilige soziale Rolle vorgefertigten, Handlungsmustern, bzw. für die Entdeckung

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Sozialisation von Jugendlichen. Einfluss des Internetkonsums auf eine Lebensphase
Hochschule
Universität Koblenz-Landau  (Institut für Erziehungswissenschaft)
Veranstaltung
Sozialisation, Lernen und Entwicklung
Autor
Jahr
2015
Seiten
18
Katalognummer
V310688
ISBN (eBook)
9783668093409
ISBN (Buch)
9783668093416
Dateigröße
598 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Der Dozent hat den Text als sehr gelungen bewertet, ein Notendurchschnitt wurde jedoch nicht vergeben.
Schlagworte
Sozialisation, Soziologie, Entwicklungspsychologie
Arbeit zitieren
Jana Bauer (Autor), 2015, Die Sozialisation von Jugendlichen. Einfluss des Internetkonsums auf eine Lebensphase, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/310688

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Sozialisation von Jugendlichen. Einfluss des Internetkonsums auf eine Lebensphase



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden