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Die Kriegsbräuche der Eskimo

Title: Die Kriegsbräuche der Eskimo

Term Paper , 2003 , 19 Pages , Grade: 1 (sehr gut)

Autor:in: Herwig Baum (Author)

Ethnology / Cultural Anthropology
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Summary Excerpt Details

Generell waren die Gesellschaften der die Arktis vom äußersten Fernen Osten Russlands bis nach Grönland bewohnenden Eskimo in nur sehr geringem Ausmaß fest strukturiert; Organisationsformen, die über die der Lokalgruppe hinaus gingen, bildeten eine seltene Ausnahme. Die Bevölkerungsdichte in diesem Raum war, entsprechend der großen Schwierigkeit des Nahrungserwerbs in diesem Areal, die selbst bei den in hohem Maße dem Umfeld angepassten wirtschaftlichen Methoden der Eskimo bestand, sehr gering. Ferner musste ein großer Teil der zur Verfügung stehenden Zeit und Energie auf die zum unmittelbaren Überleben notwendigen Tätigkeiten, insbesondere die oft aufwändige Jagd, verwendet werden. Aus diesen Fakten sowie der Tatsache, dass sich die Eskimo in Grönland sowie im kanadischen Bereich –ganz im Gegensatz zu zahlreichen Indianerstämmen- der Kolonisierung und der Übernahme der Kontrolle über ihr Territorium durch die entsprechenden Staaten kaum mit militärischen Mitteln erwehrten, erschien die Schlussfolgerung nahliegend, dass Eskimo im allgemeinen wenig dazu neigten, Konflikte gewaltsam auszutragen.
Diese These ließ sich jedoch nicht generalisieren: Bei Auseinandersetzungen zwischen Eskimo war das Instrument der Fehde bekannt, die zu einem bewaffneten Aufeinandertreffen zweier Streitparteien mit oft blutigem Ergebnis führen konnte. Nach außen war das Verhältnis
zahlreicher Eskimogemeinden von Labrador bis Alaska zu den benachbarten Indianerstämmen durch gegenseitige starke Abneigung, die sich häufig in Überfällen, die durch zahlreiche Grausamkeiten gekennzeichnet waren, Bahn brach. Ein historisch weiter zurückliegendes Beispiel kriegerischer Zwischenfälle stellte das Verhältnis der Eskimo zu den vom Hohen bis zum Späten Mittelalter in Grönland ansässigen Normannen dar.
Im Rahmen dieser Proseminararbeit sollen zum einen anhand von Einzelbeispielen der Ablauf gewaltsamer Auseinandersetzungen, an denen Eskimo beteiligt waren, aufgezeigt, zum anderen versucht werden, die Bedeutung derartiger Vorkommnisse organisierter Gewalt für deren Gesellschaft aufzuzeigen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Materielle Kultur: Waffen

3. Gewaltsame Aktionen unter Eskimo: Blutrache

4. Gewaltsame Aktionen nach außen

4.1. Die Auseinandersetzungen mit den Normannen

4.2. Die Auseinandersetzungen mit den Indianern

6. Schlussbemerkung

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die kriegerischen Aktivitäten der Eskimo, um die verbreitete These ihrer absoluten Friedfertigkeit kritisch zu hinterfragen und die Bedeutung organisierter Gewalt in ihrer Gesellschaft zu analysieren.

  • Materielle Voraussetzungen und Waffen der Eskimo
  • Strukturen und Ursachen der innergesellschaftlichen Blutrache
  • Konflikte mit den Normannen in Grönland
  • Feindseligkeiten und kriegerische Begegnungen mit Indianerstämmen

Auszug aus dem Buch

3. Gewaltsame Aktionen unter Eskimo: Blutrache

Auslöser einer Fehde unter Eskimo war stets Mord. Bei geringfügigeren Vergehen gegen eine Person wurde es stets zunächst als deren eigene Angelegenheit betrachtet, inwiefern sie sich dafür Genugtuung verschaffte oder Regelverletzungen hinnahm. Grundsätzlich anders wurde dies bei einer vorsätzlichen Tötung gesehen: Kam ein Eskimo durch eine Person, die einer anderen Familie angehörte, auf gewaltsame Art zu Tode, war dies regelmäßig Anlass einer Fehde zwischen den Verwandtschaftsverbänden, denen Opfer und Täter angehörten.

Ausgetragen wurde diese Auseinandersetzung dabei nicht nur zwischen den engsten Familienangehörigen, mit denen die betroffenen Personen oft in Haushaltsgemeinschaft zusammengelebt hatten bzw. zusammenlebten, sondern zwischen den gesamten Familienverbänden, zu denen die weiteren Verwandten sowohl der väterlichen als auch der mütterlichen Linie zählten. Als Grund einer Mordtat traten zumeist persönliche Zwistigkeiten und Rivalitäten, Streitigkeiten um Frauen, Neid, insbesondere auf erfolgreiche Jäger, oder die Tötung eines Hundes auf.

Die Wurzel des Fehdewesens bildete die in der sozialen Wertigkeit als sehr bedeutend eingestufte Fürsorgepflicht des Einzelnen für seine Angehörigen, bei deren Tötung die Rache an den Tätern als Teil der Verpflichtung dem Opfer gegenüber gesehen wurde. Gleichzeitig sollte die erwartete Abschreckungswirkung einen Schutz für den Einzelnen darstellen. Ein von Steenhoven zitierter Informant ging davon aus, dass beispielsweise im Fall von Schlafenden oder allein Jagenden, die einem Meuchelmörder als leichte Opfer erscheinen mussten, die latente Drohung einer Reaktion der Verwandten eine Rolle spielte : „But such sneaking murders were liable to be reacted to by collective revenge.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die soziokulturellen Rahmenbedingungen der Eskimo und stellt die These auf, dass Eskimo keineswegs generell friedfertig waren, sondern bei Konflikten durchaus Gewalt anwandten.

2. Materielle Kultur: Waffen: Dieses Kapitel beschreibt die traditionellen Offensiv- und Defensivwaffen der Eskimo, deren Herstellungsmaterialien sowie den technologischen Wandel durch den Kontakt mit Europäern.

3. Gewaltsame Aktionen unter Eskimo: Blutrache: Hier werden die Ursachen und sozialen Mechanismen der Blutrache als Mittel der Fehde innerhalb der Eskimogesellschaft detailliert dargestellt.

4. Gewaltsame Aktionen nach außen: Dieses Hauptkapitel untersucht die Konflikte der Eskimo mit fremden Bevölkerungsgruppen, unterteilt in die historische Interaktion mit Normannen sowie die langjährigen Spannungen mit Indianerstämmen.

6. Schlussbemerkung: Das Fazit fasst zusammen, dass Krieg zwar vorkam, aber im Vergleich zu anderen Kulturen keine zentrale Rolle als Lebensform oder Mittel zum sozialen Aufstieg spielte.

Schlüsselwörter

Eskimo, Inuit, Blutrache, Fehde, Stammeskonflikte, Indianer, Normannen, Kriegführung, materielle Kultur, Gewalt, Sozialstruktur, Jäger, interethnische Beziehungen, Überlieferung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Phänomen gewaltsamer Auseinandersetzungen in der Geschichte und Kultur der Eskimo und stellt die These einer generellen Friedfertigkeit in Frage.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder sind die Bewaffnung, die innergesellschaftliche Blutrache sowie die externen Konflikte mit Normannen und nordamerikanischen Indianerstämmen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, den Ablauf und die soziale Bedeutung von organisierter Gewalt in der Eskimogesellschaft aufzuzeigen und die tatsächliche Rolle von kriegerischen Handlungen zu bewerten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer ethnologischen Literaturanalyse, die mündliche Überlieferungen, historische Berichte und anthropologische Studien auswertet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die materielle Waffenkultur, die Mechanismen der Fehde bei Mord, sowie spezifische historische Konflikte mit externen Gruppen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Blutrache, Eskimo, Stammeskonflikte, Kriegführung und soziale Wertigkeit charakterisiert.

Wie wurde die Blutrache innerhalb der Eskimogesellschaft beendet?

Da keine formellen Institutionen existierten, konnte eine Fehde nur durch direkte Konfrontation, unbewaffnete Vermittlung durch Verwandte oder manchmal durch Schamanen beendet werden.

Warum war das Verhältnis zwischen Eskimo und Indianern so feindselig?

Das Verhältnis war von gegenseitigem tiefem Misstrauen, Angst vor Überfällen und oft als "unmenschlich" empfundenen kulturellen Praktiken geprägt, die zu einer dauerhaften Feindseligkeit führten.

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Details

Title
Die Kriegsbräuche der Eskimo
College
LMU Munich  (Institut für Völkerkunde und Afrikanistik)
Course
Arktis (Inuit/Eskimo)
Grade
1 (sehr gut)
Author
Herwig Baum (Author)
Publication Year
2003
Pages
19
Catalog Number
V31076
ISBN (eBook)
9783638321860
ISBN (Book)
9783638842747
Language
German
Tags
Kriegsbräuche Eskimo Arktis
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Herwig Baum (Author), 2003, Die Kriegsbräuche der Eskimo, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/31076
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