Die Kriegsbräuche der Plains- und Prärieindianer


Hausarbeit, 2002

22 Seiten, Note: 1 (sehr gut)


Leseprobe

Inhalt:

1. Einleitung

2. Materielle Kultur
2.1. Waffen
2.2. Bekleidung

3. Die Kriegerbünde

4. Kriegsmotive und -ziele, Taktik

5. Der Umgang mit dem Feind

6. Religiöse Elemente bei der Kriegführung

7. Die Rolle der Frau

8. Schlussbemerkung

Literatur:

1. Einleitung

Der Krieg war von herausragender Bedeutung für das Leben der das Gebiet der Plains und Prärien bewohnenden Indianer.

Die geographische Ausdehnung der Territorien der Stämme, wie sie zum Zeitpunkt der Unterwerfung durch die Vereinigten Staaten bestand, war selbst zu einem bedeutenden Teil Ergebnis militärischer Auseinandersetzungen und Machtverhältnisse. Am Beispiel der Sioux sei dies kurz verdeutlicht: Um die Mitte des 17. Jahrhunderts siedelten diese in einem Raum westlich des Oberen Sees mit Schwerpunkt im Mille-Lacs-Gebiet. Sie betrieben Ackerbau mit Schwerpunkt auf der Aufzucht von Mais. Um etwa 1680 wurden sie als Folge von Auseinandersetzungen mit den Cree, vor allem jedoch mit den Ojibwa, bei denen der Besitz der Wildreisgebiete von zentraler Bedeutung war, nach Westen abgedrängt. Im Verlauf dieser Bewegung ergriffen die Sioux selbst die Initiative und gewannen den ursprünglich dort lebenden Stämmen bedeutende Territorien ab: Während die Bisonjagd den Ackerbau ersetzte, wurde als Folge von Feldzügen gegen Iowa, Omaha, Kiowa, Cheyenne, Pawnee, Mandan und Arikara ein bedeutender, westlich des Oberen Missouri gelegener Raum gewonnen. Die erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts eroberten Black Hills bildeten dabei einen gewissen Schwerpunkt. Noch in den 1820er Jahren, wenige Jahrzehnte vor der endgültigen Unterwerfung der Sioux, gelang diesen die Übernahme des Bighorn-Gebietes als Folge eines Krieges gegen die Crow.[1]

Die weite Ausdehnung des Territoriums der Comanche und ihre Dominanz in den südlichen Plains im späten 18. und der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts beruhte auf deren Sieg über die Plains-Apache.[2]

Das häufige Vorhandensein militärischer Aktivitäten, das wie bei den Sioux bei den meisten anderen Stämmen des Plains- sowie Präriegebietes der Fall war, blieb nicht ohne Folgen: Der Krieg spielte in deren Denken und Alltag eine besondere Rolle; dies schlug sich in den Sitten sowie der materiellen Kultur nieder. Diese Gesichtspunkte bilden neben den in direktem Zusammenhang mit der Planung und Durchführung von militärischen Unternehmungen stehenden Bräuchen das Thema dieser Seminararbeit.

Der Zeitpunkt der Betrachtung reicht grundsätzlich vom Beginn der Kontakte zu den Weißen bis zur Aufzwingung des Reservationssystems durch die Vereinigten Staaten. Aufgrund der besonderen Dichte des Materials, das aus dieser Zeit vorhanden ist, liegt der zeitliche Schwerpunkt auf dem 19. Jahrhundert.

2. Materielle Kultur

2.1. Waffen

Offensivwaffen, die bereits vor Einflussnahme der Weißen vorhanden waren, stellten Pfeil und Bogen, Lanze und Keule dar.

Der Bogen konnte entweder in einer einfachen Ausführung, durch Umwickeln mit Sehnen verstärkt, oder als Kompositbogen hergestellt werden. Am liebsten wurde Eschen-, Ulmen-, Orange-, Hickory-, oder Chokocherryholz verwendet, wobei es regionale Unterschiede gab,

die an dem im jeweiligen Territorium eines Stammes vorhandenen Baumbestand orientiert waren. Das Bogenholz wurde geschabt, geformt, eingefettet und getrocknet. Bei der Verstärkung wurde die Sehne mit Leim getränkt und um den Bogen gewickelt. Kompositbögen fanden v. a. bei den Gros Ventre, Crow, Wind River Shoshone, Teton, Cheyenne und Comanche Verwendung. Sie setzten sich aus drei bis vier Teilen zusammen, als Material wurde Horn vom Bison, Wapiti oder Bergschaf verwendet. Die Hornstücke wurden durch Weichen in Wasser flexibel gemacht, während dem zusammengefügten Bogen ebenfalls durch Umwickeln mit Tiersehnen Festigkeit verliehen wurde. Entsprechend dieser aufwändigen Fertigung stellte eine solche Waffe einen bedeutenden materiellen Wert dar: Bei den Comanche wurde er gegen sechs bis zwanzig Pferde getauscht. Bogensehnen wurden gewöhnlich aus zusammengedrehten Flechsen vom Rücken eines Bisons oder vom Unterschenkel eines Hirsches gefertigt, die Länge eines Bogens betrug 100 bis 130 Zentimeter.

Pfeilspitzen bestanden bis in die erste Hälfe des 19. Jahrhunderts aus Knochen, Horn oder Stein; als Flugstabilisatoren wurden Eulen- Bussard- und Truthahnfedern radial am Holzschaft angebracht.[3]

Die effektivste Entfernung für den Einsatz von Pfeil und Bogen betrug in etwa 35 bis 150 m, dabei konnte eine beachtliche Schussgeschwindigkeit erreicht werden: Gemäß zahlreichen, von Schöppl v. Sonnwalden zusammengestellten Quellen kann man davon ausgehen, dass es möglich war, pro halbe Minute acht bis zwölf Pfeile abzuschießen.[4]

Lanzen waren in der Regel zwei bis zweieinhalb Meter lang, wurden geworfen oder gestoßen.[5] Gelegentlich bewahrte man sie in verzierten Scheiden auf. Von großer Bedeutung waren Zeremoniallanzen, die oft als Insignien der Männerbünde dienten (vgl. unter Pkt. 3.). Aus der Kopplung mit einem langen Bogen entstand die sogenannte Bogenlanze, die jedoch nur ornamentale Bedeutung hatte oder zum coup- Zählen (vgl. unter Pkt. 4.) verwendet wurde.[6]

Keulen fanden in mehreren Formen Verwendung: Die Hammerkeule bestand aus einem spitzeiförmigen Stein, der mittels einer Lederschlaufe mit einem biegsamen Stab, der den Griff bildete, verbunden war. Der Schlagteil der Totschlägerkeule wurde durch einen in Leder eingenähten, kugelförmigen Stein gebildet, der beweglich mit dem Schaft verbunden war. Neben diesen unter dem Sammelbegriff der Kugelkopfkeulen zusammengefassten Waffen gab es in selteneren Fällen die Flachkeule, in deren schmale Kante zwei oder mehr Messer eingesetzt waren. Die nach ihrer Form als Säbel- oder Gewehrkolbenkeulen bezeichneten Schlagwaffen tauchten westlich des Missouri kaum auf.[7]

Bedeutendste Defensivwaffe war der Schild. Dieser wurde im Gebiet der Plains und Prärien grundsätzlich rund ausgeführt,[8] der Durchmesser betrug zumeist etwas weniger als 60 Zentimeter. Hergestellt wurde er in der Regel aus der dicken Nackenhaut eines alten Bisonbullen, die durch wiederholtes Halten über Feuer oder Wasserdampf zum Schrumpfen gebracht wurde, was eine Stärkung des Leders zur Folge hatte. Dann wurde der Schild durch Reiben glatt und geschmeidig gemacht und anschließend geschmückt.[9] Die hauptsächliche Schutzwirkung einer derartigen Waffe wurde jedoch nicht von ihrer rein physischen Durchschlagssicherheit erwartet, sondern ihrer spirituellen Potenz zugeschrieben. Die Herstellung eines Schildes war oft mit umfangreichen zeremoniellen Handlungen verbunden: So ging ein Crow, der dies beabsichtigte, in die Einsamkeit, um dort eine Vision zu erwarten.

Besonders wirksame Schilde konnten von Medizinmännern, die aufgrund von Träumen dazu befugt waren, gefertigt werden. Diese Träume und Visionen schlugen sich auch in der äußerlichen Gestaltung der entsprechenden Waffen nieder: Neben der Bemalung spielte hier das Befestigen von Federn, Krallen, Tierbälgen und Pferdehaar eine Rolle. Während bei den Crow, gemessen an den Verzierungen, jedes Schild ein Einzelstück darstellte, gab es bei den Kiowa und Kiowa Apache zahlreiche immer wieder verwendete Muster. Mehr dem Schutz seiner spirituellen Kraft, als um den Unbilden der Witterung und eventuellen Transportschäden entgegenzuwirken, diente auch die Hülle, in die nicht benutzte Schilde gesteckt wurden. Tabus sollten gleichfalls den Erhalt dieser Kräfte sichern: So mussten die Waffen vor der Nähe menstruierender Frauen bewahrt werden.[10]

Was Körperpanzerungen betrifft, so waren insbesondere mehrfach übereinander getragene Lederhemden in Gebrauch. Dies ist von den Blackfoot, Pawnee und Plains Cree überliefert.[11]

Eine besondere Version der Panzerung ist von den Comanche übermittelt: diese nähten kleine Rohlederstücke überlappend übereinander und verstärkten dieses Gebilde anschließend durch das Aufleimen von Sand.[12]

Waffen europäischer Provenienz wurden zunehmend bereits im 18. Jahrhundert, besonders massiv aber im 19. Jahrhundert eingesetzt. Bedeutend waren hier das stählerne Messer, der Tomahawk sowie die Feuerwaffen.

Die als Tomahawk bezeichnete Stahlaxt drang von Osten des Kontinents vor, erreichte aber im Bereich der Plains und der Prärien niemals die militärische Bedeutung, die sie im nordöstlichen Waldland hatte. Eine besonders beliebte Version stellte der Pfeifentomahawk, dessen Klinge mit einem Pfeifenkopf kombiniert war, dar.[13]

Gewehre wurden im Gefolge des Pelzhandels und der Pelztierjagd von Norden und Osten her verbreitet. Eine gewisse Vorreiterrolle hatte dabei die von Kanada aus tätige Hudson Bay Company, die die Cree mit Gewehren versorgte, jedoch verhandelten auch die Franzosen im 18. Jahrhundert von Louisiana aus Schusswaffen.[14] Der konkrete Einfluss der frühen Vorderlader ist umstritten: Während Friederici[15] und Hartmann[16] von einem Überwiegen der psychologischen Wirkung ausgingen, setzte Secoy eine bereits frühzeitige, tiefgreifende Beeinflussung der Kriegführung voraus: Er verwendete das Vorhandensein dieser Waffen als eines der Hauptindizien für seine Einteilung der Kriegführung auf den Plains in zeitliche Phasen. Bereits ab den 1730er Jahren setzte er den Zeitraum der „ occasional gun period[17] an. Unbestritten ist jedoch der determinierende Einfluss der Feuerwaffen auf die Kriegführung ab spätestens den 1850er Jahren, als für die Stämme zunehmend Hinter- und Mehrlader, zumeist in der Form von Repetiergewehren, verfügbar wurden.

[...]


[1] Hyde 1937, S. 14f., MacGregor 1946, S. 30, Hassrick 1982, S. 70ff.;

[2] Hartmann 1973, S. 35ff.

[3] Hartmann 1973, S. 91f.

[4] Schöppl v. Sonnwalden 1984, S. 60f.

[5] Smith 1949, S. 116 im Gegensatz zu Hartmann 1973, S. 95, der vom Einsatz der Lanze ausschließlich als Stoßwaffe ausgeht

[6] Schöppl v. Sonnwalden 1984, S. 46

[7] Hartmann 1973, S. 94

[8] Petri 1938, S. 244

[9] Hartmann 1973, S. 95f.

[10] Schöppl v. Sonnwalden 1984, S. 47; Hartmann 1973, S. 95f.

[11] Secoy 1953, S. 16ff.

[12] Fletcher and La Fleche 1911, S. 79

[13] Hartmann 1973, S. 91, 94

[14] Schöppl v. Sonnwalden 1984, S. 53ff.

[15] Friederici 1991, S. 38

[16] Hartmann 1973, S. 93

[17] Secoy 1953, S. 45f.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Die Kriegsbräuche der Plains- und Prärieindianer
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Völkerkunde und Afrikanistik)
Veranstaltung
Plains- und Prärieindianer
Note
1 (sehr gut)
Autor
Jahr
2002
Seiten
22
Katalognummer
V31077
ISBN (eBook)
9783638321877
ISBN (Buch)
9783638682978
Dateigröße
548 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kriegsbräuche, Plains-, Prärieindianer, Plains-, Prärieindianer
Arbeit zitieren
Herwig Baum (Autor), 2002, Die Kriegsbräuche der Plains- und Prärieindianer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/31077

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