Bei der Diskussion über Sterbehilfe prallen auch die unterschiedlichen Sichtweisen der verschiedensten Religionen bzw. Weltanschauungen auf einander. Diese Arbeit präsentiert einen Überblick über die verschiedenen Konzepte von Tod, Sterbehilfe und Jenseits in den Weltreligionen.
Es soll zuerst einmal die Einstellung zum Sterben und Tod der fünf großen Weltreligionen aufgezeigt werden.
Auch der jeweiligen Vorstellung des Lebens nach dem Tode wird Raum gegeben, da sie nicht unbedeutend für Befürwortung oder Ablehnung der Sterbehilfe in ihren verschiedensten Facetten darstellt.
Diesem folgt dann ein Überblick über die jeweiligen ethischen Begründungen bezüglich der Sterbehilfe. Wobei unter aktiver Sterbehilfe das gezielte Töten eines Menschen und unter ärztlich assistierten Suizid das zur Verfügungstellen eines tödlichen Mittels von einem Arzt verstanden werden soll. Im Unterschied dazu ist unter passiver Sterbehilfe der Verzicht auf lebensverlängernde Maßnahmen und unter indirekter Sterbehilfe die Verabreichung von schmerzlindernden Mitteln unter Inkaufnahme der dadurch verursachten Lebensverkürzung zu verstehen. Abschließend wird noch ein Blick auf die mögliche Einbindung in den Ethikunterricht geworfen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Hinduismus
1. 1. Tod - Jenseits
1.2. Sterbehilfe
2. Buddhismus
2. 1. Tod - Jenseits
2. 2. Sterbehilfe
3. Judentum
3. 1. Tod - Jenseits
3. 2. Sterbehilfe
4. Christentum
4. 1. Tod - Jenseits
4. 2. Sterbehilfe
5. Islam
5. 1. Tod - Jenseits
5. 2. Sterbehilfe
6. Ethikunterricht
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die unterschiedlichen Einstellungen zu Sterben, Tod und Sterbehilfe in den fünf großen Weltreligionen (Hinduismus, Buddhismus, Judentum, Christentum, Islam) und leitet daraus Ansätze für die Behandlung dieser komplexen Thematik im Ethikunterricht ab.
- Vergleichende Analyse religiöser Jenseitsvorstellungen.
- Ethische Begründungen für Befürwortung oder Ablehnung von Sterbehilfe.
- Definition und Abgrenzung verschiedener Formen der Sterbehilfe.
- Reflektion über die Rolle von Lebensheiligkeit und Selbstbestimmung.
- Didaktische Einbindung der Thematik in den Ethikunterricht.
Auszug aus dem Buch
1. 1. Tod - Jenseits
Gemeinsam ist allen indischen Religionen, dass sie an das Karma, das ewige Weltgesetz und die damit verbundene Seelenwanderung glauben. Der Tod wird als Transformationsvorgang gesehen, auf den man sich vorbereiten soll. Dieser Übergang wird z. B. in der Bhagavad Gita (BG) mit dem Ausziehen eines alten und dem Anziehen eines neuen Kleides verglichen, wobei der unsterbliche Kern eines Menschen deutlich zum Ausdruck gebracht wird, der durch nichts zerstörbar ist:
„Wie ein Mensch alte Kleider ablegt und zu anderen, neuen greift, so legt der Körperhaber alte Körper ab und geht <in> andere, neue <ein>. Nicht schneiden ihn Schwerter, nicht brennt ihn der läuternde <Feuergott>, auch nicht nässen ihn die Wasser, nicht dörrt ihn der Wind aus. Unschneidbar ist er, unbrennbar ist er, unnäßbar und undörrbar, beständig, alldurchdringend [in alles <hinein>gegangen], feststehend, nicht abweichend ist er, urewig. Erscheinungslos ist er, undenkbar ist er, unverwandelbar wird er genannt. Daher, so ihn wissend, darfst du nicht klagen.“ (BG 2,22-25)
Es gibt Zeichen für den nahenden Tod und die Aufgabe des Sterbenden ist es, sich rituell vorzubereiten, sich nicht dagegen zu wehren und den Tod anzunehmen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Kontroverse um Sterbehilfe unter Berücksichtigung von Hightech-Medizin und Selbstbestimmung sowie Darlegung des methodischen Vorgehens.
1. Hinduismus: Analyse des Konzepts von Karma und Reinkarnation sowie deren Einfluss auf die Ablehnung von Sterbehilfe.
2. Buddhismus: Betrachtung des Sterbens als Bewusstseinswandel im Samsara und die ethische Ablehnung aktiver Sterbehilfe aufgrund der Intention.
3. Judentum: Darstellung des Lebens als Geschenk Gottes und die halachische Ablehnung jeglicher Lebensverkürzung.
4. Christentum: Untersuchung des christlichen Menschenbildes als Abbild Gottes und die daraus resultierende Ablehnung aktiver Sterbehilfe.
5. Islam: Analyse des Sterbens als Heimkehr zu Allah und das Verbot der Selbsttötung sowie aktiven Tötens.
6. Ethikunterricht: Didaktische Reflexion über die Vermittlung dieser komplexen Grenzfragen im schulischen Kontext.
Schlüsselwörter
Sterbehilfe, Hinduismus, Buddhismus, Judentum, Christentum, Islam, Tod, Jenseits, Karma, Auferstehung, Ethikunterricht, Lebensende, Suizid, Selbstbestimmung, Weltreligionen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die ethischen und religiösen Positionen zu Sterben, Tod und Sterbehilfe in den fünf großen Weltreligionen sowie deren Bedeutung für den Ethikunterricht.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die zentralen Themen sind religiöse Jenseitsvorstellungen, die Bewertung aktiver, passiver und indirekter Sterbehilfe sowie die Bedeutung von Lebensheiligkeit und Karma oder Gotteswillen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die unterschiedlichen religiösen Sichtweisen auf das Sterben aufzuzeigen und eine fundierte Basis für die Auseinandersetzung mit Sterbehilfe in der Schule zu schaffen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse religiöser Texte, ethischer Grundsatzdokumente und medizinethischer Fachbeiträge der jeweiligen Glaubensrichtungen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden für Hinduismus, Buddhismus, Judentum, Christentum und Islam jeweils die spezifischen Konzepte von Tod, Jenseits und die jeweilige Haltung zur Sterbehilfe dargelegt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Sterbehilfe, Weltreligionen, Ethik, Karma, Auferstehung, Lebensheiligkeit und Selbstbestimmung.
Wie bewerten die monotheistischen Religionen das Thema Patientenverfügung?
Insbesondere im Judentum und Christentum wird betont, dass das Leben ein Geschenk Gottes ist, weshalb die Verfügungsgewalt des Menschen über den eigenen Körper begrenzt ist.
Welche Rolle spielt die Schmerztherapie in der islamischen Lehrmeinung?
Die islamische Ethik gestattet Palliativmedizin und Schmerztherapie, solange die Absicht nicht das gezielte Herbeiführen des Todes, sondern die Linderung von Leid ist.
Wie unterscheidet sich die buddhistische Sichtweise zum Karma von der hinduistischen?
Im Buddhismus liegt der Fokus bei der Karma-Bewertung stärker auf der dahinter liegenden Absicht (Intention) als auf der rein äußeren Tat.
Warum wird im Judentum eine Verbrennung des Leichnams in der Regel abgelehnt?
Die Verbrennung wird oft als Hindernis für die Auferstehung betrachtet und steht im Widerspruch zur Wahrung der Totenruhe und der Unversehrtheit des Körpers.
- Arbeit zitieren
- Mag. theol. Ottilie Kumpitsch (Autor:in), 2015, Konzepte von Tod, Jenseits und Sterbehilfe in den fünf Weltreligionen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/310842