Martha Fontane im Leben und Werk Theodor Fontanes


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003
28 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsangabe

1. Einleitung

2. Biographie Martha Fontanes
2.1 Fontane wird Familienvater
2.2 Marthas Kindheit
2.3 Ausbildung und Berufstätigkeit
2.4 Lebenssituation als Erwachsene im Haushalt der Fontanes
2.5 nach Fontanes Tod

3. Marthas Bedeutung für Fontanes Literatur
3.1 Vater-Tochter-Beziehungen in Fontanes Romanen
3.2 Grete Minde
3.3 Schach von Wuthenow
3.4 Ellernklipp
3.5 Frau Jenny Treibel
3.6 Effi Briest

4. Schlussbemerkungen

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Diese Arbeit hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Biographie der einzigen Tochter Fontanes genauer darzustellen. Dabei soll immer die Beziehung zum Leben Fontanes hergestellt werden, um eine Einordnung in dessen Lebenslauf zu ermöglichen. Ihre Beziehung zueinander steht im Vordergrund.

Mit Hilfe einzelner Werke wird dann versucht eine Beziehung zwischen Fontanes Arbeit und den Erfahrungen mit seiner Tochter herzustellen. Diese Texte werden in die Lebensgeschichte Fontanes und seiner Tochter eingeordnet und anschließend auf bestehende Parallelen zu dieser analysiert. Dazu werden neben einzelnen Biographien vor allem die zahlreichen erhaltenen Briefe herangezogen, die sich Fontane mit seiner Familie und Freunden geschrieben hat.

2. Biographie Martha Fontanes

2.1 Fontane wird Familienvater

Nach fünfjähriger Verlobungszeit im Alter von 30 Jahren heiratet Theodor Fontane am 16. Oktober 1850 Emilie Rouanet-Kummer und gründet eine Familie. Damit verbürgerlicht sich sein Lebensstil, er ist zu beruflichen Kompromissen gezwungen, weil er von nun an eine Familie durchzubringen hat. Immer wieder geraten er und Emilie in ihrer Ehe in Streit, weil einerseits Fontane ihr Bedürfnis nach materieller Absicherung nicht erfüllen kann und auf der anderen Seite er sich von Emilie in seinem literarischen Arbeiten nicht genügend unterstützt fühlt.

Als am 14. August 1851 der erste Sohn George geboren wird, ist Fontane ohne berufliche Anstellung und seine Reaktionen auf das neue Familienmitglied dementsprechend zwiespältig. Es fällt ihm schwer Vatergefühle zu entwickeln und sein Interesse wächst erst, als George sprechen lernt. Als Fontane im April 1852 nach London geht, um dort als Korrespondent der „Preußischen (Adler-)Zeitung“[1] zu arbeiten, und Emilie mit George in Berlin bleibt, vermisst er jedoch beide. Fontanes Frau ist zu der Zeit wieder schwanger und aus seinen Briefen wird erstmals deutlich, dass Fontane sich eine Tochter wünscht:

.. küsse Georg und bald auch Georginen...[2]

Im September 1852 – Fontane ist noch immer abwesend – wird ein zweiter Sohn geboren. Er stirbt kurz nach der Geburt, ebenso zwei weitere Kinder in den Jahren danach, beides wieder Söhne. Bei jeder Schwangerschaft hofft Fontane auf eine Tochter, so auch 1856:

Ich wünsche Dir das Allerbeste und bitte dich nur noch vorsichtig zu sein und auf Deinen Zustand und Deine Gesundheit die gebührende Rücksicht zu nehmen. Vielleicht hör` ich noch in Paris, daß Georgchens Schwesterchen angekommen ist. Gebe Gott seinen Beistand und mach` es Dir so leicht wie möglich.[3]

Bereits ein Jahr zuvor war Fontane nach kurzer Rückkehr ohne Frau und Sohn wieder nach London gegangen und sollte dort im Auftrag der preußischen Regierung eine Deutsch-Englische Korrespondenz aufbauen.[4] Am 3. November 1856 bringt Emilie in Abwesenheit ihres Mannes Sohn Theodor zur Welt. Fontane ist enttäuscht in seiner Hoffnung auf eine Tochter und lehnt Theo zeitlebens ab.[5]

Im Juli 1857 ist die Familie Fontane wieder vereint, Emilie folgt Theodor zusammen mit den beiden Kindern nach London. Und zusammen kehren sie 1859 für immer nach Berlin zurück.

2.2 Marthas Kindheit

Nach der Rückkehr nach Berlin findet Fontane zunächst keine Anstellung als Journalist. Er ist noch immer arbeitslos, als am 21. März 1860 sein Wunsch nach einer Tochter endlich erfüllt wird: Martha wird geboren. Im Gegensatz zu den beiden Brüdern ist Mete, wie Fontane seine Tochter nennt, von Anfang an sein Liebling. Er zieht sie den beiden Brüdern vor. Und auch zwischen den Eltern nimmt Martha eine Sonderstellung ein. Sie sucht eine enge Bindung mit ihrem Vater und hat gerne kleine Geheimnisse mit ihm vor der Mutter. Ebendies beschreibt Emilie in einem Brief am 5. Mail 1867:

Martchen hat beifolgenden Brief geschrieben und couvertirt (sic), ohne mir zu zeigen, sie spricht immer von ihrem Väterchen und wird Dich vom Bahnhof abholen.[6]

Schon kurz nach Marthas Geburt, im Juni 1860 bekommt Fontane eine Anstellung als Redakteur bei der „Kreuz-Zeitung“, wo er die kommenden zehn Jahre beschäftigt sein wird.[7] Erstmals lebt die Familie in finanziell einigermaßen gesicherten Verhältnissen.

Im April 1870 bringt Emilie ihre zehnjährige Tochter nach England zur befreundeten Familie Merington. Hier soll sie ein Jahr bleiben, Englisch lernen und Kontakte knüpfen, um ihre spätere Existenz zu sichern, was für eine Frau vor allem heißt einen Ehemann zu finden. In diesem Jahr der Trennung wuchs ein reger Briefkontakt zwischen Martha und ihren Eltern. Vor allem Theodor Fontane vermisste seinen kleinen Liebling sehr. So schreibt er an seine Frau, die noch mit ihrer Tochter in England ist:

Nun leb wohl, grüße mir meinen Liebling, der sich jetzt hoffentlich so entwickelt, daß er in dieser Stellung verbleiben kann,...[8]

2.3 Ausbildung und Berufstätigkeit

Nach ihrer Rückkehr aus England besucht Martha die höhere Mädchenschule in Berlin. Dort lernt sie ihre beste Freundin Marie Schreiner kennen. Im Haus des Regierungsrats Schreiner verbringt sie fortan viel Zeit.

Über Martha in der Zeit ihrer Pubertät ist wenig bekannt. Viele Briefe aus diesen Jahren sind verschollen.[9]

1876, dem Jahr ihres Schulabschlusses, wird Martha eingesegnet. Damit wird ein Mädchen offiziell zur Erwachsenen und damit als heiratsfähig angesehen. Ein neuer Lebensabschnitt beginnt, in dem sich die Tochter von den Eltern loslösen soll. So beschließt die Familie, dass Martha zu den befreundeten Stockhausens ziehen und dort als Haustochter leben soll. Sie fängt am ersten staatlichen Lehrerinnenseminar Berlins an und wird zur Lehrerin für Volks-, mittlere und höhere Schulen ausgebildet. Dies ist die zu der Zeit fortschrittlichste Art der Ausbildung.[10] Voraussetzung dafür ist der Nachweis als Haustochter zu arbeiten. Damit hat Fontane, der zu dieser Zeit gerade entschieden hatte als freier Schriftsteller tätig zu sein, abgesehen von den erwachsenen Söhnen George und Theodor noch eine Person weniger zu versorgen. Und der Familie Stockhausen ist ebenso geholfen, denn Clara Stockhausen ist schwanger, als Martha in die Familie kommt, und hat bereits drei weitere Kinder.

Bevor Martha jedoch zu den Stockhausens zieht, fährt sie nach Rostock und besucht die befreundeten Wittes. Vater und Tochter verbindet wieder ein reger Briefkontakt. Als die Entscheidung zum freien Schriftsteller bei Emilie Widerstand und Kritik hervorruft, sucht Fontane bei seiner Tochter Verständnis und Unterstützung.[11] Wie kein anderer glaubt sie an seinen Erfolg. In seinen vielen Briefen schreibt er ihr von der Krise zwischen ihm und Emilie:

Wir erleben wohl allerhand, aber wenig Erfreuliches,... Übrigens werden wieder heitrere Tage kommen; das Schlimmste, so hoffe ich wenigstens, liegt hinter mir. Du wirst schon wissen, worauf sich das bezieht.[12]

Martha erkrankt zum ersten Mal am „Nervenleiden“, vielleicht weil sie sich gedrängt sieht Partei im Streit der Eltern zu ergreifen.[13] Fontane reagiert verwirrt und mit Distanz. Dem Wunsch seiner Tochter wieder nach Hause kommen zu dürfen erfüllt er nicht. Er schickt sie wie geplant nach dem Urlaub ins Haus der Familie Stockhausen.

Die Frage Deines Kommens oder Bleibens musst Du nochmals reiflich erwägen. Ein Rückzug ohne pressanten Grund wirkt leicht kränkend, andererseits darf man den Bogen nicht überspannen. Ich halte es für das Beste, Du gehst mit nach Warnemünde...[14]

Im gleichen Sommer wird eine Verheiratung Marthas zum Thema. Fontane schickt seiner Tochter die Verlobungsanzeige einer Klassenkameradin zu.[15] Er spricht deutlich aus, was er erwartet, nämlich dass sich seine Tochter innerhalb der nächsten Jahre verheiratet.

Indem er seiner Tochter schreibt, wie er sich einen Ehemann für sie vorstelle, nimmt Fontane großen Einfluss auf ihre Partnerwahl, was diese nicht beschleunigen wird. Dies zeigt, wie zwiespältig seine Gefühle zu einer Verheiratung waren: zum einen entsprach es den Gesellschaftlichen Vorstellungen, dass er sich einen Ehemann für seine Tochter wünscht und so für die finanzielle und soziale Absicherung sorgt, zum anderen trägt der enge Briefkontakt zu einer noch engeren Bindung zwischen ihm und seiner Tochter bei, eine Loslösung Marthas aus der Familie wird umso schwieriger.

Ein Jahr lebt Martha schon bei den Stockhausens, als sie erneut an Nervenleiden erkrankt. Vater Fontane sieht Wetterfühligkeit als Ursache der Erkrankung. Doch den wahren Grund erfährt er erst ein Jahr später: „Mete hatte sich in `Onkel` Julius Stockhausen verliebt.“[16] Dies erklärt sie im August 1878 ihren Eltern und auch, dass sie wegen dieser Liebe nicht mehr länger im Haus der Stockhausens leben könne. Obwohl Fontane empört ist, nimmt er seine Tochter gegenüber der befreundeten Familie in Schutz.[17] Er ist irritiert, dass seine Tochter einen gleichaltrigen Mann liebt.

Julius Stockhausen ist 1826 geboren und damit nur sieben Jahre jünger als Marthas Vater. Ebenso wie dieser ist er Künstler. Er war erfolgreicher Tenor und arbeitet jetzt in Berlin als Chorleiter, wobei er auf die finanzielle Hilfe seines Schwagers angewiesen ist. Er stellt sich ganz in den Dienst seiner Kunst und verlangt von seiner Frau ebenso Opfer wie Fontane von Emilie. Er ist an der Arbeit seines Freundes interessiert und begeistert Martha mit seinem musikalischen Können.[18]

Fontane reagiert eifersüchtig. Er will nicht mit seinem Freund Stockhausen verglichen werden. Diese aggressive und destruktive Kraft der Eifersucht wandelt er in kreative Produktivität um.

Martha lebt nun wieder bei ihren Eltern. Im Frühjahr hatte sie ihre Ausbildung mit Auszeichnung beendet,[19] doch sie tut sich schwer eine Anstellung zu finden. Sie erkrankt an Typhus und braucht ein Jahr, um sich wieder zu erholen.[20] Erst zwei Jahre nach ihrem Abschluss beginnt sie, bei Familie Mandel im pommerschen Kleindammer als Erzieherin zu arbeiten. Sie übernimmt den Unterricht von vier Kindern, die beiden Jungen sind drei und vier, die Mädchen elf und dreizehn Jahre alt.[21] Diese Aufgabe ist für die junge Lehrerin sehr schwer. Sie leidet aber vor allem darunter, intellektuell nicht gefördert zu werden. Ihr fehlen die Plauderein mit den Eltern.

...und mir ist schriftliches Plaudern ein großes Bedürfnis, da ich mich trotz all der Brücken, die Liebe und Liebenswürdigkeit schlägt, doch oft recht isoliert fühle[22]

In den 14 Monaten bei den Mandels schreibt Martha 90 Briefe an ihre Eltern. Dadurch wird die Bindung an die Eltern fester, Martha ist es nicht möglich sich vom Elternhaus zu lösen. Sie und ihr Vater schreiben sich auch über das literarische Schaffen Fontanes, Martha lobt seine Werke, freut sich mit ihrem Vater und leidet, wenn er leidet.[23]

Gestern habe ich mir einen himmlischen Abend bereitet und bin mit „l`Adultera“ und etwas Suchard zu Bett gegangen. – Ich habe vor Freude über die Novelle geweint und immer nur lebhaft gewünscht, daß Papa nicht nur für uns, die wir ihn lieben, noch recht lange leben möchte, sondern auch um noch das viele Schöne, was in ihm liegt, herauszuschaffen.[24]

Damit wird Martha zu dem, was ihr Vater zu einer Zeit, in der er wenig Anerkennung findet, am meisten braucht: „jemand, der sein Schaffen kritisch mitverfolgt und unterstützt. Seine `Persönlichkeitsmuse` eben.“[25]

[...]


[1] Pelser 1997, S. 9

[2] zitiert nach Erler 1998, Band 1, S. 140

[3] ebd., S. 404

[4] Pelser 1997, S. 9

[5] Dieterle 1996, S. 118

[6] zitiert nach Erler 1998, Band 2, S. 271

[7] Pelser 1997, S. 9

[8] zitiert nach Erler 1998, Band 2, S. 469

[9] Dieterle1996, S. 142

[10] Ziegler 1996, S. 197

[11] ebd., S. 185

[12] zitiert nach Erler 2001, S. 12

[13] Dieterle1996, S. 160

[14] zitiert nach Erler 2001, S. 15

[15] Dieterle 1996, S. 160

[16] ebd., S. 162

[17] ebd., S. 168

[18] ebd., S. 162 ff

[19] Ziegler 1996, S. 193

[20] Dieterle 1996, S. 179

[21] Ziegler 1996, S. 197

[22] zitiert nach Erler 2001, S. 96

[23] Dieterle 1996, S. 188

[24] zitiert nach Erler 2001, S. 143

[25] Dieterle 1996, S. 189

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Martha Fontane im Leben und Werk Theodor Fontanes
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Institut für neuere deutsche Literatur und Medien)
Veranstaltung
Hauptseminar Theodor Fontane
Note
1,7
Autor
Jahr
2003
Seiten
28
Katalognummer
V31086
ISBN (eBook)
9783638321969
Dateigröße
527 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Martha, Fontane, Leben, Werk, Theodor, Fontanes, Hauptseminar
Arbeit zitieren
Stephanie Kahlke (Autor), 2003, Martha Fontane im Leben und Werk Theodor Fontanes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/31086

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