Diese Arbeit hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Biographie der einzigen Tochter Fontanes
genauer darzustellen. Dabei soll immer die Beziehung zum Leben Fontanes hergestellt
werden, um eine Einordnung in dessen Lebenslauf zu ermöglichen. Ihre Beziehung
zueinander steht im Vordergrund.
Mit Hilfe einzelner Werke wird dann versucht eine Beziehung zwischen Fontanes Arbeit und
den Erfahrungen mit seiner Tochter herzustellen. Diese Texte werden in die Lebensgeschichte
Fontanes und seiner Tochter eingeordnet und anschließend auf bestehende Parallelen zu
dieser analysiert. Dazu werden neben einzelnen Biographien vor allem die zahlreichen
erhaltenen Briefe herangezogen, die sich Fontane mit seiner Familie und Freunden
geschrieben hat. Nach fünfjähriger Verlobungszeit im Alter von 30 Jahren heiratet Theodor Fontane am 16.
Oktober 1850 Emilie Rouanet-Kummer und gründet eine Familie. Damit verbürgerlicht sich
sein Lebensstil, er ist zu beruflichen Kompromissen gezwungen, weil er von nun an eine
Familie durchzubringen hat. Immer wieder geraten er und Emilie in ihrer Ehe in Streit, weil
einerseits Fontane ihr Bedürfnis nach materieller Absicherung nicht erfüllen kann und auf der
anderen Seite er sich von Emilie in seinem literarischen Arbeiten nicht genügend unterstützt
fühlt.
Als am 14. August 1851 der erste Sohn George geboren wird, ist Fontane ohne berufliche
Anstellung und seine Reaktionen auf das neue Familienmitglied dementsprechend
zwiespältig. Es fällt ihm schwer Vatergefühle zu entwickeln und sein Interesse wächst erst,
als George sprechen lernt. Als Fontane im April 1852 nach London geht, um dort als
Korrespondent der „Preußischen (Adler-)Zeitung“1 zu arbeiten, und Emilie mit George in
Berlin bleibt, vermisst er jedoch beide. Fontanes Frau ist zu der Zeit wieder schwanger und
aus seinen Briefen wird erstmals deutlich, dass Fontane sich eine Tochter wünscht: [...]
1 Pelser 1997, S. 9
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Biographie Martha Fontanes
2.1 Fontane wird Familienvater
2.2 Marthas Kindheit
2.3 Ausbildung und Berufstätigkeit
2.4 Lebenssituation als Erwachsene im Haushalt der Fontanes
2.5 nach Fontanes Tod
3. Marthas Bedeutung für Fontanes Literatur
3.1 Vater-Tochter-Beziehungen in Fontanes Romanen
3.2 Grete Minde
3.3 Schach von Wuthenow
3.4 Ellernklipp
3.5 Frau Jenny Treibel
3.6 Effi Briest
4. Schlussbemerkungen
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Biografie der einzigen Tochter Theodor Fontanes, Martha Fontane, und analysiert die wechselseitige Beziehung zwischen ihrem Lebensweg und dem literarischen Schaffen ihres Vaters. Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, wie Fontane persönliche Erfahrungen mit seiner Tochter in sein Werk integrierte und inwiefern diese für seine literarische Produktivität sowie die Gestaltung seiner weiblichen Romanfiguren konstitutiv waren.
- Biografische Analyse der Vater-Tochter-Beziehung
- Einfluss von Marthas Lebensstationen auf Fontanes Literatur
- Analyse der Vater-Tochter-Konstellationen in ausgewählten Romanen
- Die psychologische Bedeutung der Tochter als „Persönlichkeitsmuse“
- Thematisierung von gesellschaftlichen Konventionen und familiären Erwartungen
Auszug aus dem Buch
3.4 Ellernklipp
Nachdem Fontane im Sommer 1878 von der Liebe seiner Tochter zu Julius Stockhausen erfahren hat, entsteht auch die Erzählung „Ellernklipp“. Das Konzept dazu entwickelt er schon im August desselben Jahres, ein Jahr später wird „Ellernklipp“ beendet. In dieser Erzählung rückt Fontane die Geschichte, die er Jahre zuvor noch in einer Fußnote beschrieben hat, nun in den Mittelpunkt: Er phantasiert die Liebe eines Vaters zu seiner Tochter, mit der er nicht biologisch verwandt ist, die er aber als sein Kind in Pflege genommen hat.
In „Ellernklipp“ beschreibt Fontane wie schon in „Grete Minde“ das Heranwachsen eines Mädchens zur Frau. Das Waisenkind Hilde wird nach dem Tod ihrer Mutter von dem Heidereiter Baltzer Bocholt aufgenommen, der schon seit einiger Zeit Witwer ist und sich alleine um seinen Sohn Martin kümmert. Wie Geschwister wachsen die beiden nun auf. Doch als Hilde zu einer schönen jungen Frau heranwächst, fühlen sich Vater und Sohn gleichermaßen von ihr angezogen. Martin und Hilde verlieben sich ineinander, halten ihre Liebe jedoch aus Angst vor dem Vater geheim. Als Baltzer ein heimliches Gespräch zwischen den beiden belauscht, in dem sie von Flucht und heimlichen Treffen sprechen, wird ihm seine Eifersucht bewusst. Als er auf Ellernklipp zufällig seinen Sohn trifft, stößt er diesen dort in die Tiefe. Alle nehmen an, Martin sei weggelaufen, keiner erfährt von dem Mord. Drei Jahre später heiraten Baltzer Bocholt und seine Pflegetochter. Den Heidereiter plagt das schlechte Gewissen und als es auf Ellernklipp zu spuken beginnt und man den Ruf „Vader“ zu hören glaubt, stirbt er auf ungeklärte Weise, vermutlich durch Selbstmord. Hilde blüht noch einmal kurze Zeit auf, doch bald darauf stirbt auch sie.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung definiert das Forschungsziel, die Biografie von Martha Fontane im Kontext ihrer Beziehung zum berühmten Vater und dessen literarischem Werk zu untersuchen.
2. Biographie Martha Fontanes: Der biografische Teil zeichnet Marthas Leben von der Kindheit über ihre Ausbildung und Berufstätigkeit bis hin zu ihrer Ehe und ihrem Tod nach.
3. Marthas Bedeutung für Fontanes Literatur: Dieses Kapitel analysiert anhand verschiedener Werke den Einfluss von Marthas Lebensweg auf zentrale Vater-Tochter-Motive in Fontanes Romanen.
4. Schlussbemerkungen: Das Fazit bestätigt die These, dass Martha Fontane eine zentrale, unterstützende Rolle für die Schaffenskraft ihres Vaters spielte und ihr Leben als „nichtliterarisches Werk“ eng mit seiner Literatur verwoben war.
Schlüsselwörter
Theodor Fontane, Martha Fontane, Mete, Vater-Tochter-Beziehung, Literaturanalyse, Biografie, Grete Minde, Effi Briest, Frau Jenny Treibel, Ellernklipp, Familiengeschichte, Eifersucht, literarische Inspiration, 19. Jahrhundert, Schreibprozess.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht die Biografie der Tochter Theodor Fontanes, Martha Fontane, und erforscht deren entscheidenden Einfluss auf das Leben und das literarische Schaffen ihres Vaters.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die biographischen Fakten, die komplexe psychologische Vater-Tochter-Beziehung, gesellschaftliche Erwartungen an Frauen im 19. Jahrhundert sowie die literarische Verarbeitung persönlicher Konflikte.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist der Nachweis, dass Marthas Existenz und ihre enge Bindung an den Vater eine unerlässliche Voraussetzung für Fontanes Werk und dessen spezifische Ausgestaltung weiblicher Charaktere waren.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit angewendet?
Die Autorin kombiniert eine biografische Recherche mit einer literaturwissenschaftlichen Analyse, indem sie Briefwechsel und biographische Informationen in Bezug zu inhaltlichen Motiven von Fontanes Romanen setzt.
Welche Themen behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Biografie Marthas und eine anschließende Werkinterpretation, in der Werke wie "Grete Minde", "Schach von Wuthenow" und "Effi Briest" auf ihre autobiografischen Bezüge untersucht werden.
Welche Keywords charakterisieren die Untersuchung am besten?
Neben dem Namen Fontane selbst sind Begriffe wie Vater-Tochter-Beziehung, literarische Inspiration, Familiengeschichte und die spezifische psychologische Rolle der "Persönlichkeitsmuse" für die Arbeit prägend.
Inwiefern beeinflusste die Eifersucht Fontanes seine Literatur?
Die Arbeit zeigt auf, dass Fontane die Eifersucht gegenüber den Partnern seiner Tochter in "Weißgluthitze" und damit in eine hohe Produktivität verwandelte, die sich direkt in den tragischen Konstellationen seiner Romane widerspiegelt.
Welche Bedeutung kommt der Rolle von Marthas Ehemann Karl Fritsch zu?
Fritsch wird als ein Mann analysiert, der Fontanes Vorstellungen entsprach, eine soziale Absicherung für Martha bot und somit nach dem Tod Fontanes die Rolle des Vaters in einer beschützenden Form übernahm.
- Quote paper
- Stephanie Kahlke (Author), 2003, Martha Fontane im Leben und Werk Theodor Fontanes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/31086