Die Ausarbeitung beschäftigt sich mit dem Bildungsbegriff der Jugendarbeit und widmet sich der Frage, inwieweit Jugendarbeit zur ganzheitlichen Bildung beitragen kann.
In ihrer beruflichen Praxis als Sozialpädagogin/Sozialarbeiterin wird die Autorin mit dem Bildungsverständnis unterschiedlicher Institutionen konfrontiert. Zwar beschäftigen sich alle mit dem Thema Bildung, decken aber immer nur jeweils einzelne Bildungsaspekte ab. Die Schule als Ort, an dem Jugendliche verbindlich und gezwungenermaßen teilnehmen, erhebt als Institution von Wissenserwerb einen hohen Machtanspruch bezüglich dem Thema Bildung.
Doch bereits seit den 1990er Jahren wird an Konzepten gearbeitet, die beinhalten, dass Bildung nicht nur den reinen Wissenserwerb definiert, sondern dass vor allem das informelle Lernen zur Kompetenzerweiterung Jugendlicher beiträgt. Das heutzutage leider immer noch vorhandene Verständnis, das Bildung als Wissenserwerb und Lerndisziplinierung sieht, widerspricht dabei einem humanistischen Bildungsverständnis (Bildung durch umfassende Persönlichkeitsbildung) (vgl. Delmas 2005).
Bereits vor einigen Jahren hat die Autorin an unterschiedlichen Schulen Kompetenzprojekte angeboten, wie beispielsweise Medienprojekte oder Projekte der Erlebnispädagogik, die von Schüler/innen und Lehrer/innen zwar sehr gut angenommen wurden, aber keinen verbindlichen Platz im Stundenplan fanden und ihnen wurde nur selten ein Bildungsanspruch zugewiesen.
Hinsichtlich dessen beschäftigt sie sich in der Ausarbeitung mit der Fragestellung, inwieweit Bildung in der Jugendarbeit zur ganzheitlichen Bildung beitragen kann. Diese Frage wird allerdings nur theoretisch bearbeitet, eine praktische Umsetzung wird in dieser Hausarbeit nicht beleuchtet.
Beginnend mit der Thematik "Soziale Arbeit und Bildung" wird weiterführend auf die ,,Bildung in der Jugendarbeit" und die "ganzheitliche Bildung" eingegangen. Anschließend wird das Thema ,,Jugendarbeit als Bildungs- und Lebensort sowie als Aneignungsort für Kompetenzen" erörtert, um weiterführend die aus der Fragestellung resultierenden ,,Konsequenzen für die Jugendarbeit" zu erläutern und mit einem Fazit abzuschließen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Soziale Arbeit und Bildung
1.1. Bildung in der Jugendarbeit
1.2. Ganzheitliche Bildung
2. Jugendarbeit als Lebens- und Bildungsort
2.1. Jugendarbeit als Aneignungsort für Kompetenzen
2.2. Partizipation durch Jugendarbeit
3. Konsequenzen für den Bildungsauftrag der Jugendarbeit
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis von Jugendarbeit und Bildung mit dem Ziel zu klären, inwiefern die Jugendarbeit einen substanziellen Beitrag zur ganzheitlichen Bildung leisten kann. Im Zentrum steht dabei die theoretische Auseinandersetzung mit dem Bildungsbegriff sowie die Frage, wie Jugendarbeit als informeller Bildungsort in ein kooperatives Bildungssystem integriert werden kann.
- Verhältnis von Sozialer Arbeit und schulischer Bildung
- Bildungsprozesse und Selbstbildung in der Jugendarbeit
- Jugendarbeit als Ort des Erwerbs von Lebenskompetenzen
- Partizipation als bildungsrelevanter Faktor
- Perspektiven für eine engere Zusammenarbeit im Bildungswesen
Auszug aus dem Buch
1.1 Bildung in der Jugendarbeit
Laut Hornstein (vgl. 2004) bewegen sich Bildungsprozesse in einem Kräftefeld, das vorerst durch die strukturellen Bedingungen des Feldes und nur bedingt durch die Bildungsinteressen, -bedürfnisse und -möglichkeiten der Adressaten bestimmt ist.
Jugendarbeit orientiert sich am Kern der klassischen Bildungstheorien, die von Kant, Humboldt und weiteren formuliert wurden, in denen es nicht darum geht, wie man Jugendliche zu nützlichen Gesellschaftsmitgliedern machen kann. Bildung bedeutet für sie, dass Jugendliche ihre eigene Biographie selbstverantwortlich entwerfen und Fähigkeiten entfalten, die sie in der Gesellschaft einbringen können (vgl. Müller 2004).
Jugendarbeit verzichtet im Gegensatz zur Schule auf vorgegebene Lernziele, Kontrolle und Selektion und orientiert sich ausschließlich an den Interessen und der Lebenswelt der Jugendlichen. Sie bietet Angebote, die an den Stärken der Jugendlichen anknüpfen und aktiviert somit bildungsrelevante Prozesse (vgl. Delmas 2005).
Nach Hornstein (vgl. 2004) ermögliche die Jugendarbeit günstige Formen des Lernens, in denen experimentiert werden kann, ohne dass die Ergebnisse in Form von Prüfungen oder Zeugnissen negativ behaftet sind. Somit bestehe die Möglichkeit, die notwendigen Kräfte dafür zu entwickeln, selbst etwas zu machen, was niemand von einem verlangt. Dies ermögliche Lernvorgänge, in denen Kompetenzen vermittelt werden, die für ein selbstbestimmtes Leben notwendig seien.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung führt in die Fragestellung ein, wie Jugendarbeit zur ganzheitlichen Bildung beitragen kann und skizziert das Spannungsfeld zwischen formalem Wissen und informellen Lernprozessen.
1. Soziale Arbeit und Bildung: Dieses Kapitel erörtert die notwendige Neupositionierung der Sozialen Arbeit im Bildungswesen und diskutiert die Kritik an einer einseitigen Wissensorientierung.
1.1. Bildung in der Jugendarbeit: Hier wird dargelegt, dass Jugendarbeit Lernprozesse ohne äußeren Leistungsdruck ermöglicht und die Selbstbildung der Jugendlichen in den Mittelpunkt stellt.
1.2. Ganzheitliche Bildung: Das Kapitel definiert den Begriff der ganzheitlichen Bildung unter Einbeziehung formeller, nicht-formeller und informeller Bildungsanteile.
2. Jugendarbeit als Lebens- und Bildungsort: Der Fokus liegt auf der Bedeutung von Anerkennung und dem Milieu als Voraussetzung für erfolgreiche Bildung in der Jugendarbeit.
2.1. Jugendarbeit als Aneignungsort für Kompetenzen: Es wird beschrieben, wie Jugendarbeit als informeller Rahmen für den Erwerb von Lebenskompetenzen und Eigenverantwortung fungiert.
2.2. Partizipation durch Jugendarbeit: Dieses Kapitel erläutert, wie durch Selbstbestimmung und Mitsprache Bildungsprozesse in einem geschützten, freiwilligen Rahmen gefördert werden.
3. Konsequenzen für den Bildungsauftrag der Jugendarbeit: Hier werden Schlussfolgerungen für die Gestaltung von Jugendarbeit gezogen, um deren bildungsrelevante Potenziale sichtbarer zu machen.
4. Fazit: Das Fazit plädiert für eine engere Kooperation zwischen Schule und Jugendarbeit, um ganzheitliche Bildung für Jugendliche systemübergreifend zu ermöglichen.
Schlüsselwörter
Jugendarbeit, ganzheitliche Bildung, Soziale Arbeit, informelle Bildung, Selbstbildung, Lebenskompetenzen, Partizipation, Bildungsauftrag, Aneignungsort, Kompetenzerwerb, Bildungsgerechtigkeit, Jugendliche, pädagogisches Handeln, Schule, Bildungssystem.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle der Jugendarbeit innerhalb des Bildungssystems und hinterfragt, wie diese zur ganzheitlichen Bildung von Jugendlichen beitragen kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Abgrenzung zwischen formaler und informeller Bildung, der Bildungsauftrag der Sozialen Arbeit und die Bedingungen, unter denen Jugendarbeit als Bildungsort fungiert.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist die Beantwortung der Frage, inwiefern Jugendarbeit als eigenständiger Bereich einen wirksamen Beitrag zur ganzheitlichen Bildung leisten kann und wie dieser Beitrag durch andere Systeme anerkannt wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse und einer Auseinandersetzung mit Fachliteratur sowie bildungstheoretischen Diskursen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Verhältnisses von Sozialer Arbeit und Bildung, die Rolle der Jugendarbeit als Kompetenzort sowie die Analyse von Partizipation und Anerkennung als Bildungsfaktoren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Jugendarbeit, ganzheitliche Bildung, Selbstbildung, Lebenskompetenzen und Partizipation.
Warum wird die PISA-Studie in diesem Kontext erwähnt?
Die PISA-Studie dient als Ausgangspunkt, um die Differenzen im deutschen Bildungswesen aufzuzeigen und die Notwendigkeit eines breiteren Bildungsverständnisses zu begründen.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor zur Zusammenarbeit mit der Schule?
Der Autor schließt, dass eine ganzheitliche Bildung nur durch eine engere Kooperation und systemübergreifende Zusammenarbeit aller an Bildung beteiligten Institutionen erreicht werden kann.
- Arbeit zitieren
- Tonia Lehmann (Autor:in), 2015, Jugendarbeit als Beitrag zur ganzheitlichen Bildung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/310914