Nymphen im Denken der Hellenen und in Homers "Odyssee"


Hausarbeit, 2015
14 Seiten, Note: 2,7
Anonym

Leseprobe

Inhalt

0. Einleitung

1. Die Nymphen im Denken der Hellenen
1.1. Definition einer Nymphe
1.2. Der Nymphenkult

2. Die Nymphen in der Odyssee
2.1. Kalypso
2.2. Die Nymphen auf Ithaka

3. Fazit

Bibliographie

0. Einleitung

Die meisten griechischen Götter, wie Poseidon oder Zeus, wurden auf die ein oder andere Weise mit der Natur in Verbindung gebracht. Nur die Nymphen standen in direkter Beziehung zu ihr und wurden so auch verehrt. Einige spielten auch in der Dichtung eine wichtige Rolle, wie zum Beispiel Kalypso in der Odyssee, der ein ganzer Gesang gewidmet ist.

In dieser Arbeit soll die Frage erörtert werden, was für eine Rolle Kalypso für die Odyssee spielt und wie wichtig sie für das Gesamtwerk ist. Außerdem soll untersucht werden, wie mit den Nymphen sonst umgegangen wird. Bevor diese Fragen im zweiten Teil der Arbeit erläutert werden, wird im ersten Teil zuerst geklärt werden, was eine Nymphe überhaupt genau ist und wie sie verehrt wurden.

1. Die Nymphen im Denken der Hellenen

1.1. Definition einer Nymphe

Mit dem Wort nýmphē wurde nicht nur das Wesen selbst bezeichnet, sondern auch junge Frauen oder die Braut an sich. In dieser Bedeutung wurde es auch oft verwendet. Bei Homer sogar noch häufiger als bei anderen Dichtern[1]. So werden zum Beispiel Helena in der Ilias oder Penelope in der Odyssee als Nymphe bezeichnet.[2]

Der größte Unterschied zwischen einer normalen Frau und dem Naturwesen ist die Abstammung. Als Mutter der Bergnymphen, auch als Oreaden bezeichnet, nennt Hesiod in seiner Theogenie Gaia. Die Ur-Mutter, die aus dem Chaos entstand.[3]

Bei Homer und Hesiod wird als Vater der Okeaninen der Ur-Strom Okeanos angegeben, der beständig die Welt umfließt und begrenzt.

Nereus, ein Flussgott und einer der „Großen Alten“, der immer die Wahrheit spricht und gerecht ist, ist Vater der Nereiden.[4]

An mehreren Stellen ist ebenfalls Zeus, der Göttervater, als Erzeuger genannt.

Es wird zwischen mehreren Arten unterschieden, die auch stets ihren Lebensraum angeben: Die Oreaden leben im Gebirge, Okeaniden und Nereiden im Meer und in den Flüssen. Daneben gibt es noch die Baumnymphen. Wahrscheinlich die jüngste Art, da sie bei Homer noch nicht auftauchen, auch wenn in der Ilias wohl schon Prototypen auftauchen. Erst bei Hesiod in der Theogenie sind sie wirklich ausgearbeitet[5]. Baumnymphen, auch Hamadryaden, sind sehr eng mit ihrem Lebensraum verbunden. Sie werden mit ihrem Baum geboren, leben in ihm und sterben schließlich auch mit ihm.[6]

In Mythen begleiten sie meist Götter wie Aphrodite, Artemis und Dionysos. Kultisch waren sie aber mit Apoll, Hermes und Pan verbunden. Sie wurden meist in Dreiergruppen und stets tanzend und musizierend dargestellt, allerdings auch einzeln verehrt[7].

Nymphen und Flüsse halfen dabei lokale Identitäten zu schaffen und wurden oft als „Ur-Bewohner“ des Landes angesehen und als göttliche Ahnen genannt[8].

Man war sich sicher, sie würden Quellen sprudeln und versiegen lassen und könnten Einfluss auf die Natur nehmen.

Nymphen waren zwar überall in der Natur und stets präsent, dennoch wurden sie meist mit Wasser in Verbindung gebracht. Kein Wunder also, dass sich viele Rituale um das Wasser drehen und sie mit Heilung und Wahrsagerei in Verbindung gebracht wurden. Sie waren Beschützer während der Geburt und sollten auch über die Ehe wachen[9].

Neben den positiven Eigenschaften als hellseherisch begabte Schutzgottheiten hatten sie auch negative Seiten. Eine Grauzone stellt dabei die Nympholepsie dar. Die Hellenen glaubten, Nymphen könnten Besitz von Menschen ergreifen. Im besten Fall erlangte man dann hellseherische Kräfte oder wurde inspiriert oder, im anderen Fall, man verfiel in einen religiösen Wahn[10]. Ein Nympholept wurde von den Lateinern lymphaticus oder auch lunaticus genannt. Bei uns später ein gebräuchliches Wort für periodisch oder leicht geistig gestörte Menschen.[11]

Man brachte sie auch mit dem Tod in Verbindung. Träumte man davon mit einer Nymphe das Bett zu teilen, war der Tod nicht mehr fern[12]. Dieser Beischlaf fand meist in einer Grotte statt. Ein Ort, der zwar in unserer Welt, aber nicht an der Oberfläche ist. Also ein Platz zwischen der Ober- und Unterwelt könnte man sagen. Veilchen und Nymphen gehörten auch zusammen. Einerseits natürlich, weil Veilchen Blumen sind und Nymphen Naturgottheiten, aber andererseits auch, weil Veilchen durchaus mit dem Tod in Verbindung gebracht wurden[13]. Das lag daran, dass Persephone, Gattin des Hades und damit auch Herrin der Unterwelt, gerade Blumen pflückte, als sie von Hades entführt wurde und unter anderem von einer Nymphe namens Veilchen begleitet wurde[14].

Kurz zusammengefasst sind Nymphen also Wesen göttlicher Abstammung, die hauptsächlich als Beschützerinnen und Heilerinnen angesehen und verehrt wurden, aber auch negative Seiten, wie die von Todesomen haben.

1.2. Der Nymphenkult

Nymphen wurden hauptsächlich von den einfachen Leuten verehrt, da sie stets präsent und damit „greifbarer“ waren, als die olympischen Götter. Diese waren mit der Zeit immer mehr entrückt und hatten sich immer mehr entfernt[15].

Ihr Kult wurde überall ausgeführt, wie Grotten, Höhlen, Quellen, Brunnen und Flüsse. Den Lebensräumen der Nymphen. Es musste auch nicht unbedingt ein Altar oder gar ein Heiligtum existieren. Es wurde teilweise direkt am Rande des Flusses, auf der Brücke oder in der Höhle bzw. Grotte geopfert. Durch sehr strikte Regeln wurden die Flüsse sauber gehalten. Rituelle Handwaschungen und kleinere Opferungen waren üblich. Ein sehr verbreitetes Opfer, war die Spende einer Locke, als sehr persönlicher Gegenstand, die man in den Fluss warf[16]. In Nymphengrotten, oder auch Höhlen, in denen ihnen in der Antike geopfert wurde, finden sich häufig Puppen, die Mädchen dorthin gebracht haben, wenn sie vom Kindesalter in das heiratsfähige bzw. Erwachsenenalter kamen[17]. Aber auch sonst brachten die Leute viele Statuen an die Kultplätze. Entweder in Form von Tieren oder auch häufig Figuren von schwangeren Frauen[18]. Sie erhofften sich durch dieses Opfer eine gute Schwangerschaft und leichte Geburt[19].

Es gab aber auch aufwendige Tieropfer. Viele Menschen ließen dann sogenannte pinakes (bemalte Holztafeln) da, um an ihr Opfer zu erinnern. Auf einem sehr gut erhaltenen pinax ist eine Familie zu sehen, die sich darauf vorbereitet ein Schaf zu schlachten[20].

Ein übliches Ritual vor der Hochzeit war das Bad von Braut und Bräutigam in Wasser aus der nächsten Quelle. Während der Hochzeit wurde das Brautpaar dann mit Wasser besprenkelt und nach der Hochzeit ging das Brautpaar noch an eine Kultstätte, tätigte ein Opfer und bat um Fruchtbarkeit und eine glückliche Ehe[21].

Da es sich die einfachen Leute oft nicht leisten konnten nach Delphi zum Orakel oder an andere Orakelstätten zu pilgern, entwickelte sich eine recht primitive Art der Mantik. Man nahm ganz einfach die Knochen von Ziegen und Schafen und würfelte damit an einem Ort, an dem Nymphen verehrt wurden. Meist wurden nur einfache Ja-/Nein- Fragen gestellt. Sehr rudimentär und einfach, aber das reichte den Menschen damals aus. Vor allem bei den einfachen Fragen[22].

[...]


[1] Nilson, Martin P.: Geschichte der griechischen Religion, Die Religion Griechenlands bis auf die griechische Weltherrschaft, Handbuch der Altertumswissenschaft, Abt. 5, Teil 2, 2. unveränderter Nachdruck der 3. durchgesehenen und erg. Auflage, München 1992, S. 245.

[2] Homer, Ilias, III, 130. Homer, Odyssee, IV, 743

[3] Hesiod, Theogenie, 184/188

[4] Hesiod, Theogenie, 261-263, 362-366

[5] Nilson, Martin P.: Geschichte der griechischen Religion, München 1992, S. 246.

[6] Möllendorff, Peter, von: Der Neue Pauly, Bd. 8, Darmstadt 2013, Sp. 1071 – 1072, s.v. Nymphen.

[7] Larson, Jennifer: Ancient Greek Cults. A Guide, New York 2007, S. 153.

[8] Larson, Jennifer: Ancient Greek Cults. A Guide, New York 2007, S. 153.

[9] Ballentine, Floyd G.: Some Phases of the Cult of the Nymphs in: Harvard Studies in Classical Philology, Vol. 15, Harvard 1904, S.78.

[10] Larson, Jennifer: Ancient Greek Cults. A Guide, New York 2007, S. 154

[11] Kerényi, Karl: Die Mythologie der Griechen, Zürich 1951, S. 177.

[12] Larson, Jennifer: Ancient Greek Cults. A Guide, New York 2007, S. 154

[13] Peterich, Eckart: Die Theologie der Hellenen, Leipzig 1938, S. 132.

[14] Peterich, Eckart: Die Theologie der Hellenen, Leipzig 1938, S. 132.

[15] Nilsson, Martin P.: Geschichte der griechischen Religion, München 1992, S. 246

[16] Larson, Jennifer: Ancient Greek Cults. A Guide, New York 2007, S. 152.

[17] Larson, Jennifer: Ancient Greek Cults. A Guide, New York 2007, S. 154.

[18] Deoudi, Maria: Die Polis-Höhle, Odysseus und die Nymphen, Athen 2008, S. 352.

[19] Larson, Jennifer: Ancient Greek Cults. A Guide, New York 2007, S. 153.

[20] Larson, Jennifer: Ancient Greek Cults. A Guide, New York 2007, S. 153.

[21] Ballentine, Floyd G.:Some Phases of the Cult of the Nymphs in: Harvard Studies in Classical Philology, Vol. 15, Harvard 1904, S.98-99.

[22] Larson, Jennifer: Ancient Greek Cults. A Guide, New York 2007, S. 154.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Nymphen im Denken der Hellenen und in Homers "Odyssee"
Hochschule
Universität Erfurt  (Philosophische Fakultät)
Veranstaltung
Einführung in das Historische Arbeiten
Note
2,7
Jahr
2015
Seiten
14
Katalognummer
V310941
ISBN (eBook)
9783668093768
ISBN (Buch)
9783668093775
Dateigröße
698 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
nymphen, denken, hellenen, homers, odyssee
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Anonym, 2015, Nymphen im Denken der Hellenen und in Homers "Odyssee", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/310941

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