Die Nachkalkulation im Regelkreis der baubetrieblichen Leistungserstellung

Methodik und Organisation einer Soll-Ist-Vergleichsrechnung


Masterarbeit, 2013

119 Seiten, Note: Sehr Gut (1B)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Kurzbeschreibung

Abstract

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Methodik
1.3 Aufbau der Arbeit

2 Grundlagen und Abgrenzungen
2.1 Baubetrieb
2.1.1 Definition Baubetrieb
2.1.2 Abgrenzung Betriebsgröße
2.1.3 Abgrenzung Bausparte
2.1.4 Abgrenzung Eigenleistung - Fremdleistung
2.2 Das baubetriebliche Rechnungswesen
2.2.1 Unternehmensrechnung
2.2.2 Kosten- und Leistungsrechnung
2.3 Controlling

3 Baukalkulation
3.1 Kalkulationsphasen
3.1.1 Regelkreis der Baukalkulation
3.1.2 Wertschöpfungskette im Baubetrieb
3.1.3 Leistungserstellungsprozess
3.2 Ausschreibung und Vergabe
3.2.1 Vergabeverfahren
3.2.2 Leistungsbeschreibung
3.2.3 Bauvertragstypen
3.3 Angebotskalkulation
3.3.1 Kostenartengruppen
3.3.2 Kostengruppen
3.3.3 Kalkulationsschema
3.3.4 K-Blätter
3.3.5 Kalkulationsmethoden
3.3.5.1 Methoden der stationären Industrie
3.3.5.2 Methoden der Kostenermittlung
3.3.5.3 Methoden der Zuschlagskalkulation
3.4 Nachkalkulation und Soll-Ist-Vergleichsrechnung
3.4.1 Nachkalkulation
3.4.1.1 Definition Nachkalkulation
3.4.1.2 Aufgaben der Nachkalkulation
3.4.1.3 Zielsetzung der Nachkalkulation
3.4.2 Arbeitskalkulation
3.4.2.1 Definition und Aufgaben der Arbeitskalkulation
3.4.2.2 Ablauf der Arbeitskalkulation
3.4.3 Soll-Ist-Vergleichsrechnung
3.4.3.1 Arten der Soll-Ist-Vergleichsrechnung
3.4.3.2 Kosten-Soll-Ist-Vergleich
3.4.3.3 Mengen-Soll-Ist-Vergleich
3.4.3.4 Stunden-Soll-Ist-Vergleich
3.4.4 Zwischenresümee

4 Empirische Studien über Vergleichsrechnungen in der Praxis
4.1 Mayer (1986)
4.1.1 Untersuchungsrahmen
4.1.2 Untersuchungsergebnisse
4.1.3 Probleme und Schwachstellenanalyse
4.2 Heim (2005)
4.2.1 Untersuchungsrahmen
4.2.2 Untersuchungsergebnisse
4.2.3 Abgeleitete Defizite
4.3 Auswirkungen der Informationstechnologie

5 Informationsmanagement für die Nachkalkulation
5.1 Integrierte Softwaregesamtlösungen versus separate Systeme
5.1.1 Stammdaten und Soll-Ist-Vergleich bei Bau-SU®
5.1.2 Standardkalkulation und Controlling mit Auer Success®
5.1.2.1 Ablauf der Angebotskalkulation
5.1.2.2 Ablauf der unterschiedlichen Controllingverfahren
5.2 Zeitnaher Soll-Ist-Vergleich mit MIS „Aristoteles“

6 Fallbeispiel Stützmauer (STM)
6.1 Grundlagen und Vorarbeiten
6.1.1 Auswahl der Bausoftware
6.1.2 Grundlagen des Projekts
6.1.3 Vor- und Arbeitskalkulation sowie Mengenberechnung
6.2 Durchführung der Vergleichsrechnungen
6.2.1 Kosten-Soll-Ist-Vergleich (STM)
6.2.2 Stunden-Soll-Ist-Vergleich (STM)

7 Schlussfolgerung und Ausblick
7.1 Synthese aus Theorie, Analyse der Studien und Fallbeispiel
7.2 Grundregeln für die Organisation der Nachkalkulation
7.2.1 Vergleich mit methodisch einwandfreier Systemausbildung
7.2.2 Auswirkungen einer „Kostenermittlung mit fertigen Einheitspreisen“
7.3 Ausblick auf weiteren Forschungsbedarf

8 Resümee

Anhang

Literatur- und Quellenverzeichnis

Kurzbeschreibung

Bei Bauunternehmen entscheidet meist schon die Angebotskalkulation über Erfolg oder Misserfolg eines Projekts. Aus diesem Grund hat sie im kybernetischen Regelkreis der Baukalkulation eine zentrale Bedeutung. Durch die Ermittlung der zu erwartenden Kosten und die darauf aufbauende Preisbildung werden mit der Vorkalkulation die Grundlagen der Vergütung für die im Auftragsfall auszuführende Bauleistung verbindlich festgelegt. Die nächsten nicht minder wichtigen Schritte im Regelkreis sind die projektbegleitende Planung in Form der Arbeitskalkulation, sowie die Steuerung und Kontrolle der Bauabläufe durch die Nachkalkulation.

Mit der Themenstellung der hier vorliegenden Arbeit „Die Nachkalkulation im Regelkreis der baubetrieblichen Leistungserstellung“ wird der Fokus auf diese mitunter zu wenig beachtete Kalkulationsphase gerichtet.

Zuerst wird das systemtheoretische Soll einer methodisch einwandfreien Nachkalkulation aufbereitet. Unter anderem erfolgt dazu die Einordnung der Nachkalkulation in das betriebliche Rechnungswesen und die Beschreibung unterschiedlicher Kalkulationsmethoden. Für die Feststellung des baupraktischen Ist-Zustands wird dann auf einschlägige Untersuchungen zurückgegriffen. Durch die Analyse von zwei empirischen Studien werden die auftretenden Probleme aus Sicht der Benutzer betrachtet und eine Schwachstellenanalyse der verwendeten Systeme durchgeführt. Es folgt eine Gegenüberstellung der beiden IT-Modelle „Integrierte Softwaregesamtlösung“ versus „Subsystem für den technischen Bereich“. Anhand eines Fallbeispiels wird dargestellt, wie die Methoden der Kosten- und Stunden-Soll-Ist-Vergleichsrechnung direkt in der betrieblichen Praxis angewendet und umgesetzt werden können. Unter Zuhilfenahme einer Standardbausoftware werden die drei Kalkulationsphasen eines Projekts durchgerechnet und mit entsprechenden EDV-Auswertungen belegt. Abschließend werden die Erkenntnisse aus Theorie, den empirischen Studien und dem Fallbeispiel zusammengefasst. Aus dieser Synthese werden in der Folge allgemeingültige Grundregeln für die Organisation der Nachkalkulation in einem mittelgroßen Bauunternehmen abgeleitet.

Abstract

In building companies, it is usually the calculation of the quotation that determines the success or failure of the project. For this reason it plays a central role in the cybernetic construction costing control loop. By determining the costs to be expected and the resulting price, the preliminary costing determines with binding effect the basis for the payment for the building services to be carried out if the contract is awarded. The next and no less important steps in the control loop are the project-accompanying planning in the form of work estimates, and the control and monitoring of the construction processes by means of retrospective calculation.

The topic of the present work, "Retrospective calculation in the control loop of the provision of services by building companies" directs the focus on this at times insufficiently regarded stage of the calculation.

First of all, the target of a methodologically fault-free retrospective calculation as required by the theory of the system is set out. This includes the classification of the retrospective calculation in the company's accounting system and the description of different calculation methods. Recourse is had to relevant investigations to determine the status quo in building practice. The analysis of two empirical studies considers the problems arising from the point of view of the user and a weak-point analysis of the systems used is carried out. This is followed by comparison of the two IT models, "integrated software total solution" versus "subsystem for the technical sector". On the basis of a case study it is shown how the methods of the comparative calculation of the target and actual costs and hours can be used and implemented in operational practice. A standard construction software program calculates the three calculation stages of the project and substantiates them with corresponding computer analyses. Finally, the findings from theory, the empirical studies and the case study are combined. This synthesis is then used to determine general basic rules for the organisation of retrospective calculation in a medium-sized building enterprise.

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1 Schwellenwerte der Europäischen Kommission

Abb. 2 Strukturmerkmale Bauwesen

Abb. 3 Struktur des Rechnungswesens

Abb. 4 Der kybernetische Regelkreis der Baukalkulation

Abb. 5 Die Kalkulationsphasen im Leistungserstellungsprozess

Abb. 6 Kalkulationsschema gemäß ÖN B 2061

Abb. 7 Gegenüberstellung Kalkulationsschema KLR-Bau und ÖN B 2061

Abb. 8 Kalkulationsmethoden

Abb. 9 Arten von Soll-Ist-Vergleichen nach KLR-Bau

Abb. 10 Methoden der Soll-Ist-Vergleichsrechnung

Abb. 11 Einsatzhäufigkeit von Bauarbeitsschlüssel

Abb. 12 Einsatzhäufigkeit der Kalkulationsarten

Abb. 13 Durchführungshäufigkeit von Abweichungsanalysen

Abb. 14 Benutzeroberfläche Bau-SU® Baustellen-Informations-System

Abb. 15 Benutzeroberfläche Auer Success ® Kostenartengliederung

Abb. 16 Benutzeroberfläche Auer Success ® Kostenarten drucken

Abb. 17 Benutzeroberfläche Auer Success ® Kostenkontrolle

Abb. 18 Benutzeroberfläche Auer Success ® Bauarbeitsschlüssel

Abb. 19 Benutzeroberfläche Auer Success ® Stundennachkalkulation

Abb. 20 Terminplanung für 1. Bauabschnitt Stützmauer

Abb. 21 Kalkulationsabweichungen in Abhängigkeit der BAS-Gliederung

Abb. 22 Zuordnung der Kostenarten

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

Die Nachkalkulation beschränkt sich in der Baupraxis all zu oft auf den Soll-Ist-Vergleich auf Gesamtkostenbasis der Bauerfolgsrechnung. Zusätzlich wird noch eine Gegenüberstellung der kalkulierten zu den tatsächlich geleisteten Gesamtstunden eines Projekts durchgeführt. Die in der Angebotskalkulation getroffenen Annahmen und prognostizierten Stunden- und Leistungsansätze bei einzelnen Positionen bzw. Teilleistungen werden jedoch nicht mehr weiter kontrolliert und analysiert. Kalkulationsabweichungen und deren Ursachen sind im Detail vielfach gar nicht bekannt. Meist werden diese Ansätze sogar, als die Erfahrungswerte des Kalkulanten, auf künftige Projekte weitertransformiert.

Die Nachkalkulation wird nur sehr selten als ein Instrument der lernenden Organisation eingesetzt. Als Argumente werden der hohe Arbeitsaufwand und die damit verbundenen hohen Kosten sowie die geringen Lerneffekte immer wieder ins Treffen geführt. Ein weiteres Gegenargument wird aus dem Umstand abgeleitet, dass Bauvorhaben Unikate sind, die projektorientiert abgewickelt werden und Rückschlüsse aus der Nachkalkulation daher nur bedingt auf andere Projekte übertragen werden können.

Zudem wird die klassische Zuschlagskalkulation zunehmend durch eine Kostenermittlung mit fertigen Einheitspreisen ersetzt. Selbst bei öffentlichen Ausschreibungen wird vielfach nur noch mit Preisansätzen anstatt mit Kosten gerechnet. Die K7-Blätter für eine vertiefte Angebotsprüfung werden dann im Bedarfsfall im sogenannten „reverse engineering“ dazu konstruiert.[1] Zur „reverse auction“ als gängiges Angebotsverfahren, „reverse charge“ als Sonderregelung bei den Abgaben, kommt also auch noch „reverse engineering“ bei der Kalkulation, als eine weitere Besonderheit der Bauwirtschaft hinzu. Bei dieser Kalkulationsmethode fehlen in der Folge nicht nur sämtliche Voraussetzungen für eine aussagekräftige Nachkalkulation, sondern erhöht sich auch das Kalkulationsrisiko um ein Vielfaches. Eine schon etwas ältere Studie eines Baukonzerns stellt die Risikoverteilung bei Bauaufträgen folgendermaßen dar: von den gesamten Risiken entfallen 41% auf schlechte Kalkulation, 30% auf die Bauausführung, 22% auf vertragliche Risiken und nur 7% auf höhere Gewalt.[2]

Die Nachkalkulation führt in der Baupraxis also ein Schattendasein. Sie wird leider nur sehr sporadisch erstellt[3] und wird in der Literatur auch schon einmal als das „ungeliebte Kind“ der Bauleitung bezeichnet.[4] So befindet sich auch im Katalog der Bibliothek der technischen Universität Wien in der Fachgruppe „BAU:094 Nachkalkulation“ aktuell lediglich eine einzige Publikation. Selbst diese behandelt jedoch nicht die klassische Nachkalkulation, sondern thematisiert die Herleitung von planungsorientierten Kostendaten eines Bauträgers. Das Thema Nachkalkulation wird rudimentär in der Fachgruppe „BAU:090 Kalkulation“ aufgegriffen, meist in Form des letzten Kapitels, oder wird unter „Baustellencontrolling“ subsumiert. Daraus lässt sich in gewisser Weise ein Forschungsbedarf ableiten. In dieser Arbeit werden daher folgende Fragen gestellt:

Wo liegen die Schwachstellen gängiger Controlling-Modelle in der praktischen Anwendung? Ist der administrative Aufwand tatsächlich so groß, dass Unternehmen anstatt einer systematisierten Vorgangsweise lieber mit individuellen Lösungen auf Bauleiterebene vorlieb nehmen, unter Umständen sogar ganz auf eine Nachkalkulation verzichten? Welche Auswirkungen hat es, wenn Unternehmen im Zuge der Angebotslegung anstelle einer Kostenkalkulation lediglich eine Preisermittlung mit fertigen Einheitspreisen durchführen?

Letztendlich stellt sich aber auch die grundsätzliche und strategische Frage: Was kann die Nachkalkulation zur Substanzerhaltung eines Bauunternehmens beitragen?

„...the proper question for any management is not ‚What is the maximum profit this business can yield?‘ It’s ,What is the minimum profitability needed to cover the future risks of this business?‘...“ [5]

1.2 Zielsetzung und Methodik

Im Rahmen dieser Arbeit sollen nun allgemeingültige Grundregeln für die Organisation einer prozessorientierten Nachkalkulation aufgestellt werden. Prozessorientiert ist dabei im Sinne einer sich nach den Arbeitsabläufen auf der Baustelle orientierenden und somit meist nach Bauarbeitsschlüsseln gegliederten Nachkalkulation zu verstehen. Dabei geht es nicht darum, ein völlig neues System zu entwickeln, sondern vielmehr sollen, durch die Identifizierung von Optimierungspotentialen gängiger Methoden, Anregungen für die Entwicklung einfacher und damit kostengünstiger Unternehmenslösungen, gegeben werden. Die Arbeit richtet sich in erster Linie an Geschäftsführer, kaufmännische und technische Leiter, Kalkulanten, Arbeitsvorbereiter und Bauleiter von KMU’s mit hohem Eigenleistungsanteil im Hoch- und Tiefbau. Sie soll aber auch als Informationsquelle für Studierende des Bau- und Wirtschaftsingenieurwesens dienen und geeignet sein.

Zur Erreichung dieser Ziele wird eine triadische Vorgehensweise gewählt.

Die ersten beiden Kapitel sind durch eine „theoretisch-analytische“ Vorgehensweise gekennzeichnet. Durch ein breit angelegtes Literaturstudium, ergänzt durch die Verallgemeinerung eigener Praxiserfahrungen, werden zum einen die theoretischen Grundlagen der Nachkalkulation und ihre Stellung im baubetrieblichen Rechnungswesen, zum anderen das systemtheoretische Soll einer methodisch einwandfreien Nachkalkulation erarbeitet.

Die Feststellung des baupraktischen Ist-Zustands erfolgt dann durch eine „empirisch-analytische“ Vorgehensweise. Für ein möglichst repräsentatives Daten- und Faktenmaterial wird dazu auf einschlägige Untersuchungen von Mayer[6] und Heim[7] zurückgegriffen. Diese haben, mit qualitativen und quantitativen Methoden, die praktischen Erfahrungen österreichischer und deutscher Bauunternehmen mit Nachkalkulation und Controlling erforscht. Der große zeitliche Abstand der Studien erscheint dabei vor allem für die Analyse des Einflusses, der sich aus der rasanten Entwicklung der Informationstechnologie ergibt, von Bedeutung und wurde daher bewusst gewählt.

Als drittes werden durch eine „induktiv-analytische“ Vorgehensweise theoretische Überlegungen mit den Erkenntnissen aus der Durchführung und Auswertung einer Fallstudie verknüpft. Bei dieser Fallstudie werden unter Zuhilfenahme einer Standardbausoftware die drei Kalkulationsphasen eines Projekts durchgerechnet und mit entsprechenden EDV-Auswertungen belegt. Der Schwerpunkt der Betrachtung wird dabei auf die Methodik der Controlling-Prozesse gerichtet. Handlungsempfehlungen sollen die induktiv gewonnenen Erkenntnisse wieder auf eine allgemeingültige Ebene transponieren.

1.3 Aufbau der Arbeit

Diese Arbeit umfasst acht Kapitel und gliedert sich in einen theoretischen Grundlagenteil und einen praktischen Haupt- und Schlussteil.

Im Anschluss an diese Einleitung (erstes Kapitel) werden im zweiten Kapitel die für diese Arbeit relevanten Begriffsbestimmungen erörtert und Abgrenzungen hinsichtlich Unternehmensgröße, Sparte und Projektorganisation getroffen. Die Einordnung der Nachkalkulation in das baubetriebliche Rechnungswesen erfolgt dann anhand des Bezugsrahmens „KLR-Bau“. Auch der Controlling-Begriff wird definiert und eingeführt.

Im dritten Kapitel werden die theoretischen Grundlagen der Baukalkulation erörtert. Nach dem Regelkreis der Baukalkulation werden dabei Definitionen, Aufgaben und Zielsetzungen der Angebots-, Arbeits-, und Nachkalkulation behandelt. Der Bezugsrahmen zum Bundesvergabegesetz (BVergG 2006) und zur ÖNORM B 2061 „Preisermittlung für Bauleistungen“ wird hergestellt. Als Ausgangsbasis und Grundlage für die Nachkalkulation werden auch die unterschiedlichen Kalkulationsmethoden beschrieben. Weiters werden Ablauf und Methodik von verschiedenen Arten der Soll-Ist-Vergleichsrechnung analysiert und am Ende des Kapitels in Form eines Zwischenresümees zusammengefasst.

Mit dem vierten Kapitel beginnt der praktische Teil. Als erstes wird durch die Analyse der empirischen Studien von Mayer[8] und Heim[9] der Einsatz der Nachkalkulation in der Baupraxis aufgezeigt. Um methodische Defizite bei der Anwendung zu identifizieren, werden sowohl die auftretenden Probleme aus Sicht der Benutzer betrachtet, als auch eine grundlegende Schwachstellenanalyse der verwendeten Systeme durchgeführt. Als Überleitung zum nächsten Kapitel wird in der Folge der nicht unwesentliche Einfluss der Informationstechnologie auf die verwendeten Controlling-Systeme thematisiert.

Das fünfte Kapitel befasst sich dann mit dem Informationsmanagement für die Nachkalkulation. Dazu erfolgt eine Gegenüberstellung der beiden IT-Modelle „Integrierte Softwaregesamtlösung“ versus „Subsystem für den technischen Bereich“. Anhand von zwei in Österreich weit verbreiteten Bausoftwareprodukten werden die Aspekte der Nutzung einer gemeinsamen Stammpreisliste sowie die Nutzung eines gemeinsamen Kostenartenverzeichnisses untersucht.

Im sechsten Kapitel werden anhand eines Fallbeispiels sämtliche Prozesse eines Baustellencontrollings durchlaufen. Entsprechende Auswertungen sollen die Nachvollziehbarkeit gewährleisten. In einer Variantenberechnung wird zudem der Einfluss der Gliederungstiefe auf die Kalkulationsabweichungen beim Soll-Ist-Vergleich verdeutlicht.

Im siebenten Kapitel werden Erkenntnisse aus Theorie, den empirischen Studien und dem Fallbeispiel zusammengefasst und daraus allgemeingültige Grundregeln für die Organisation der Nachkalkulation abgeleitet. Ausblicke und weiterführende Fragen runden das Thema ab.

Die Arbeit wird schließlich im achten Kapitel mit einem Resümee beendet.

2 Grundlagen und Abgrenzungen

Die für die Themenstellung dieser Arbeit relevante Fachliteratur ist unter den Schlagwörtern Baubetrieb, Controlling, Kalkulation, Nachkalkulation und Soll-Ist-Vergleichsrechnung zu finden. Für die ersten beiden Begriffe werden in der Folge die für diese Arbeit wichtigen Grundlagen beschrieben und die entsprechenden Abgrenzungen getroffen. So weit als möglich wird die in Österreich übliche Terminologie verwendet. Weil auf den Bezugsrahmen der Kosten- und Leistungsrechnung Bau (KLR-Bau) nicht verzichtet werden kann, werden mitunter die in Deutschland gebräuchlichen Begriffe synonym verwendet.

2.1 Baubetrieb

2.1.1 Definition Baubetrieb

Der Begriff „Baubetrieb“ (BB) ist ein sehr umfassender Begriff, der in Zusammenhang mit der Erstellung von Bauleistungen verwendet wird. So umfasst er die Baudurchführung in ihrer Gesamtheit und somit sämtliche Tätigkeiten, die zur Errichtung von Bauwerken beitragen. Es werden sowohl die Baustelle als auch das Bauunternehmen als Baubetrieb bezeichnet. Die Lehre und Forschung über die Abwicklung von Bauvorhaben wird Baubetriebslehre benannt und, je nach Hochschulstandort, in die Zweige Technologie, Baudurchführung und innerbetriebliche Wirtschaftlichkeit sowie Bauwirtschaft mit Hauptaugenmerk auf öffentliche Beschaffung, Baukalkulation und Bauvertrag aufgeteilt.[10]

Im Rahmen dieser Arbeit umschreibt der Begriff „Baubetrieb“ schwerpunktmäßig Klein- und Mittelbetriebe des produzierenden Bauhauptgewerbes.

2.1.2 Abgrenzung Betriebsgröße

Nach der neuen KMU-Definition der Europäischen Kommission werden alle Unternehmen die weniger als 250 Mitarbeiter haben und entweder einen Jahresumsatz von höchstens 50 Mio. € erzielen oder deren Jahresbilanzsumme höchstens 43 Mio. € beträgt, als „KMU“ bezeichnet.[11]

Eine Zuordnung zu den Größenklassen „Kleinstunternehmen“, „Kleines Unternehmen“ und „Mittleres Unternehmen“ erfolgt nach den folgenden Unterscheidungskriterien: Anzahl der unselbstständigen Beschäftigten, jährliche Umsatzerlöse oder jährliche Bilanzsumme. Für die Zuordnung gilt dabei entweder der Jahresumsatz oder die Jahresbilanzsumme. Die entsprechenden Schwellenwerte sind in Abb. 1 dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 Schwellenwerte der Europäischen Kommission[12]

Nach der Leistungs- und Strukturstatistik der Statistik Austria waren in Österreich im Jahr 2010 rund 274.000 Personen im Bauwesen beschäftigt. Das entspricht rund 10% der Gesamtbeschäftigung und hat somit eine wesentliche Bedeutung für die österreichische Volkswirtschaft. Die heimische Bauwirtschaft wird dabei maßgeblich von KMU-Betrieben geprägt. Diese erzielten mit rund 80% der Beschäftigten drei Viertel der Umsatzerlöse. Von den insgesamt 30.000 Unternehmen waren lediglich 70 Großbetriebe.[13]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2 Strukturmerkmale Bauwesen[14]

Laut Abb. 2 repräsentieren Kleine- und Mittlere Unternehmen rund 56% der Beschäftigten und rund die Hälfte der Umsatzerlöse im österreichischen Bauwesen.

Für diese Arbeit erscheint eine Fokussierung auf KMU-Betriebe, exklusive Kleinstunternehmen, sinnvoll. Speziell in Hinblick auf die innerbetriebliche Organisation des Rechnungswesens bestehen oftmals erhebliche Unterschiede, sowohl zu handwerksmäßig organisierten Kleinstbetrieben als auch zu Großunternehmen. Das Hauptaugenmerk wird daher auf Klein- und Mittelbetriebe mit 10 bis 249 Mitarbeitern gelegt.

2.1.3 Abgrenzung Bausparte

Hinsichtlich der Bausparte erfolgt eine Abgrenzung auf die Bereiche Hoch- und Tiefbau. Diese erzielten 2010 im Bauwesen in Summe 51,7% der Umsatzerlöse.[15]

Das Leistungsspektrum im Hochbau umfasst dabei im wesentlichen die Errichtung von Rohbau inklusive Dach, Fassade, Ausbau jedoch ohne Haustechnik. Im weitesten Sinn also die Bauleistungen der standardisierten Leistungsbeschreibung Hochbau (LB-HB). Im Tiefbau erfolgt eine Abgrenzung auf die Leistungen der Leistungsbeschreibung Siedlungswasserbau (LB-SW). Eine Berücksichtigung der Leistungsbeschreibung Verkehrsinfrastruktur (LB-VI) mit den LB für Brücken-, Landschafts-, Straßen-, Tunnel- und Bahnbau, würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen.

2.1.4 Abgrenzung Eigenleistung - Fremdleistung

In den letzten Jahren ist bei Bauunternehmen eine Zunahme der anteiligen Nachunternehmerleistungen[16] am Jahresumsatz zu beobachten. Nicht zuletzt der erhöhte Preiswettbewerb hat dazu geführt, dass in vielen Baubetrieben der gewerbliche Mitarbeiterstand deutlich reduziert wurde und vermehrt spezialisierte Leistungen von Subunternehmen ausgeführt werden. Ein weiterer Grund für die Zunahme ist die Risikoverteilung bei Bauprojekten. Durch den Zukauf von Fremdleistungen kann das eigene Kalkulationsrisiko reduziert und auf den Subunternehmer ausgelagert werden.[17] Es wird damit aber auch ein Teil der eigenen Wertschöpfung vergeben. Anstelle des Kalkulationsrisikos treten dann Ausfalls- und Qualitätsrisiken. Weiters entstehen durch Ausschreibung, Vergabe und Kontrolle der Subunternehmerleistung auch Transaktionskosten. Diese strategischen Überlegungen sind jedoch andernorts zu führen. Die Auswirkungen der Fremdleistungskosten auf die Kalkulation werden im Kapitel 3.3.5 Kalkulationsmethoden noch näher erläutert.

An dieser Stelle soll jedoch eine Abgrenzung hinsichtlich der Projektorganisation von Hochbauprojekten getroffen werden. Bei der traditionellen Form wird die gesamte Bauleistung in mehrere Gewerke bzw. Fachlose geteilt und an mehrere Unternehmen vergeben. Diese erstellen als „Alleinunternehmen“ die jeweiligen Leistungen im Rahmen des eigenen Betriebs und vorwiegend mit eigenem Personal. Im Gegensatz dazu wird im sogenannten „Schlüsselfertigbau“ die Baumaßnahme als Komplettleistung an nur einen Auftragnehmer, den „Generalunternehmer“ (GU) vergeben. Dieser übernimmt gegenüber dem Auftraggeber die Verantwortung für die gesamte Bauausführung hinsichtlich Kosten, Termin und Qualität. In der Regel erstellt der GU nur den Rohbau mit eigenem Personal, die übrigen Bauleistungen werden an Subunternehmer vergeben.

Hinsichtlich der Projektorganisation ist der Fokus dieser Arbeit auf die Vergabe der Bauleistung nach Gewerken an Alleinunternehmen gerichtet, schließt aber den Schlüsselfertigbau durch Generalunternehmen nicht kategorisch aus.

2.2 Das baubetriebliche Rechnungswesen

Das Rechnungswesen stellt den Kern des Informationssystems eines Unternehmens dar. Sämtliche betriebliche Vorgänge, die sich in Zahlen ausdrücken lassen, werden im Rechnungswesen mengen- und wertmäßig erfasst, verarbeitet und ausgewertet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenAbb. 3 Struktur des Rechnungswesens[18]

Einerseits haben die sogenannten „Stakeholder“ (Eigentümer, Investoren, Banken, Behörden, Gläubiger, Mitarbeiter und Gesellschaft) berechtigte Interessen an diesen Informationen. Andererseits sind diese Informationen elementare Grundlage für die operative und strategische Führung eines Unternehmens. Durch die Verschiedenartigkeit der Informationsbedürfnisse haben sich zwei Hauptbereiche gebildet, das „externe Rechnungswesen“ und das „interne Rechnungswesen“.[19]

Nach der Begrifflichkeit der KLR-Bau werden diese zwei Rechenkreise als “Unternehmensrechnung“ und „Kosten- und Leistungsrechnung“ (KLR) bezeichnet und weiter strukturiert. Diese Grundstruktur des baubetrieblichen Rechnungswesens ist in Abb. 3 dargestellt.

2.2.1 Unternehmensrechnung

Die „Unternehmensrechnung“, auch als Finanzbuchhaltung bezeichnet, hat die Aufgabe, alle buchungsrelevanten Geschäftsvorfälle lückenlos aufzuzeichnen. Sie ist gesetzlich reglementiert (Unternehmens- und Steuerrecht), hat nach den Grundsätzen ordnungsgemäßer Buchführung und Bilanzierung zu erfolgen und ist die Grundlage für den Jahresabschluss. Der Jahresabschluss stellt die finanzielle Situation des Unternehmens per Stichtag dar. Er besteht aus der Bilanz, der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) sowie Anhang und Lagebericht. Die Bilanz liefert dabei eine Gegenüberstellung der Vermögens- und Schuldensituation zum Stichtag, die GuV liefert Information über Aufwand, Ertrag, Umsatz und Erfolg der Periode.

Der „Unternehmenserfolg“ (das pagatorische[20] Ergebnis) ist die Differenz von Ertrag minus Aufwand.

2.2.2 Kosten- und Leistungsrechnung

Die „Kosten- und Leistungsrechnung“ (KLR), auch als kalkulatorische Rechnung (betriebliches Rechnungswesen) bezeichnet, ist Gegenstand des internen Rechnungswesens. Sie ist nicht durch Gesetze reglementiert und wird individuell an die jeweilige Unternehmensstruktur angepasst. Sie konzentriert sich auf den eigentlichen Produktionsprozess im Unternehmen und liefert durch die Ermittlung von Kosten und Leistungen[21] unverzichtbare Entscheidunsgrundlagen für die Unternehmensführung. Die Kosten- und Leistungsrechnung ist das zentrale Instrument für das Baustellencontrolling.

Nach der KLR-Bau gliedert sie sich in die Teilbereiche Bauauftragsrechnung, Baubetriebsrechnung, Soll-Ist-Vergleichsrechnung und Kennzahlenrechnung.[22] Die einzelnen Bereiche werden nachfolgend kurz erläutert:

- Die „Bauauftragsrechnung“ dient der Ermittlung von Kosten vor, während und nach der Leistungserstellung. Der Begriff selbst wird in Österreich kaum verwendet und lautet hier die Kalkulation bzw. die Baukalkulation. Die Grundlagen der Baukalkulation werden in Kapitel 3 behandelt.
- Die „Baubetriebsrechnung“ (in Österreich Baubetriebsabrechnung oder einfach Kostenrechnung genannt) dient der Ermittlung von Kosten und Leistungen nach der Leistungserbringung. Sie gliedert sich wiederum in mehrere Bereiche mit folgenden Funktionen: Die „Abgrenzungsrechnung“ stellt die Verbindung zwischen Unternehmens- und Baubetriebsrechnung her. Die „Kostenrechnung“ dient der Ermittlung, welche Kosten (Kostenartenrechnung), wo entstehen (Kostenstellenrechnung) und wer oder was, die Kosten verursacht (Kostenträgerrechnung). Die „Bauleistungsrechnung“ stellt den Wert der erbrachten Bauleistung fest. Und die „Ergebnisrechnung“ dient der Ermittlung des „Betriebserfolgs“ (kalkulatorisches Ergebnis) als Differenz von Leistung minus Kosten.[23]
- Die „Soll-Ist-Vergleichsrechnung“ (S.I.V.) dient der Gegenüberstellung von Soll- und Ist-Mengen oder Werten zur Ermittlung und Analyse von Abweichungen.[24] Die S.I.V. bildet das substanzielle Element der Nachkalkulation und wird im Kapitel 3.4.3 ausführlich behandelt.
- Mit der „Kennzahlenrechnung“ werden unternehmensindividuell absolute oder relative Vergleichszahlen aus den drei vorgenannten Bereichen ermittelt.[25]

2.3 Controlling

In dieser Arbeit sollen im Wesentlichen die traditionellen Begriffe Nachkalkulation, Arbeitskalkulation und Soll-Ist-Vergleich verwendet werden. Grund dafür ist, dass der Begriff Controlling sehr gerne auch als Überbegriff verwendet wird, wodurch Aufgaben und Zielsetzungen der einzelnen Verfahren oft nicht deutlich genug abgegrenzt und unterscheidbar bleiben. Diese Verfahren werden in der Praxis jedoch kaum einzeln und isoliert angewendet, sondern sind in der Regel in ein Gesamtsystem integriert. Diese Koordinationssysteme werden selbstredend auch im Verständnis dieser Arbeit als Controlling bezeichnet.

Auf die in kaum einer literarischen Quelle fehlende Erklärung, dass „Controlling“ nicht mit dem deutschen Wort „Kontrolle“ gleichzusetzen sei, wird, mit folgendem Hinweis auf Horváth, nicht mehr näher eingegangen: „Heute sind die begrifflichen Unklarheiten weitgehend behoben. In der Praxis und Literatur sind die Begriffe „Controller“ und „Controlling“ unter Fachkundigen klar.“ [26]

Die Begriffe mögen zwar klar sein, Preißler meint allerdings: „Jeder hat seine eigenen Vorstellungen darüber, was Controlling bedeutet oder bedeuten sollte, doch jeder meint etwas anderes, wenn er von Controlling spricht.“ [27]

In diesem Sinn werden daher Aufgaben, Zielsetzungen und die unterschiedlichen Arten von Controlling, soweit sie für das Verständnis dieser Arbeit zielführend erscheinen, kurz zusammengefasst.

Die Aufgabe von Controlling besteht darin, durch die zyklische Abfolge der Funktionen „Planung, Steuerung und Kontrolle“, die Führungskräfte eines Unternehmens mit Informationen zu versorgen und sie dadurch bei ihren Entscheidungen zu unterstützen. Controlling bildet dabei einen Regelkreis aus Zielsetzung, Planung, Plan-Realisierung, Soll-Ist-Vergleich und sich daraus ergebenden Steuerungsmaßnahmen bzw. Zielveränderungen. Controlling erfüllt dabei keinen Selbstzweck, sondern ist stets auf die drei Globalziele Rentabilitätsmaximierung, Liquiditätssicherung und Substanzerhaltung ausgerichtet.[28]

Grundsätzlich ist zwischen operativem und strategischem Controlling sowie zwischen Unternehmens- und Baustellencontrolling zu unterscheiden.

Stehen beim „operativen Controlling“ die Betrachtung der Faktoren Erlöse, Kosten, Zeit, Qualität und damit die unmittelbare Erfolgserzielung und laufende Liquiditätssicherung im Vordergrund, sind es beim „strategischen Controlling“ die langfristigen Erfolgspotentiale eines Unternehmens.

Das „Unternehmenscontrolling“ befasst sich bereichsübergreifend mit sämtlichen Tätigkeiten eines Unternehmens und beinhaltet sowohl operative als auch strategische Aspekte. Im Unterschied dazu ist das „Baustellencontrolling“ ein Steuerungssystem für das einzelne Bauprojekt, welches vorwiegend operative Aspekte bedient.

Der Begriff „Baustellencontrolling“ greift eigentlich zu kurz. Eine Baustelle beginnt mit dem Baubeginn und endet mit der Fertigstellung. Die wichtigen Phasen der Arbeitsvorbereitung und der Nachkalkulation werden dabei definitorisch ausgeschlossen. Jacob spricht daher von „Bauprojekt-Controlling“. Dieses umfasst den Zeitraum von der Akquisition und Angebotslegung, geht weiter über die Projekterstellung bis Bauende und schließt auch die Analyse und Nachbetrachtung mit ein.[29] Leimböck[30] spricht von „Projektcontrolling“, Seyfferth[31] von „Bauprozesscontrolling“. Günther[32] und Girmscheid[33] bleiben beim ursprünglichen Begriff „Baustellencontrolling“ der auch in dieser Arbeit vorwiegend verwendet wird.

3 Baukalkulation

An den Beginn dieses Kapitels sollen zwei Leitgedanken gestellt werden, denen trotz, oder vielleicht gerade wegen ihrer Einfachheit, große Bedeutung zukommt:

„Man darf auf dem Bau vieles tun, nur nicht sich verkalkulieren.“ [34]

Oft entscheidet schon die Angebotskalkulation über Erfolg oder Misserfolg eines potentiellen Auftrags. Die Kalkulation ist daher immer in der Gesamtheit des betrieblichen Rechnungswesens und als fixer Bestandteil eines Strategie- und Controllingkonzepts zu begreifen.

„Im Rahmen der Kalkulation sind Preise und Kosten strikt zu trennen.“ [35]

Der Preis[36] ergibt sich in der Regel aus dem Markt. Er wird im wesentlichen von der jeweiligen Nachfragesituation, dem Wettbewerb, aber auch von der Kundenbindung und der betrieblichen Auslastung geprägt. Die festgelegten Preise und damit die Leistungsvergütung sind entweder höher, mitunter aber auch niedriger als die ermittelten Kosten der Bauleistung. Diese Arbeit beschäftigt sich primär mit der Kostenermittlung. Aus diesem Grund werden in der Folge zwar die Grundlagen der Preisermittlung erörtert, auf die Preisegestaltung selbst, mit all ihren Facetten, von der Umlageproblematik bis hin zum „spekulativen“ Preis, wird jedoch nicht näher eingegangen.

In diesem Kapitel werden die relevanten Grundlagen der Baukalkulation wie die Kalkulationsphasen, das Vergabeverfahren, die Angebotskalkulation mit unterschiedlichen Kalkulationsmethoden und schließlich die Nachkalkulation und Soll-Ist-Vergleichsrechnung behandelt.

3.1 Kalkulationsphasen

3.1.1 Regelkreis der Baukalkulation

Wie schon im Kapitel 2.2.2 erwähnt, dient die Kalkulation der Ermittlung von Kosten vor während und nach der Leistungserstellung. Dieser zeitliche Ablauf kann auch als kybernetischer[37] Regelkreis der Baukalkulation betrachtet werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4 Der kybernetische Regelkreis der Baukalkulation[38]

Nach der KLR-Bau erfolgt eine Gliederung der Kalkulation in „vor und nach der Auftragserteilung“. Die „Vorkalkulation“ (VK) beinhaltet die Angebots-, Auftrags- und Nachtragskalkulation. Nach Auftragserteilung erfolgt im Zuge der Arbeitsvorbereitung die „Arbeitskalkulation“ (AK) und nach Erstellung der Teil- oder Gesamtbauleistung die „Nachkalkulation“ (NK).[39]

3.1.2 Wertschöpfungskette im Baubetrieb

Bei der Auftragsabwicklung von Bauvorhaben werden folgende Geschäftsprozesse entlang der Wertschöpfungskette eines Bauunternehmens durchlaufen:

Nach dem von der Geschäftsleitung im Zuge der Jahresplanung (= Budgetierung) Art und Umfang der zu erbringenden Bauleistungen festgelegt wurden, werden meist im Rahmen von Ausschreibungen Angebote erstellt. Dabei werden die Kosten eines Projekts ermittelt und die Preisgestaltung als Grundlage für die Bauabrechnung vorgenommen (Angebotskalkulation). Im Auftragsfall wird im Zuge der Arbeitsvorbereitung (aktualisierte Verfahrensauswahl, Partiezusammensetzung, Geräteeinsatz, Material- und Subunternehmerpreise) die Arbeitskalkulation erstellt. Mit Beginn der Leistungserbringung werden sämtliche damit in Zusammenhang stehende Daten vom betrieblichen Rechnungswesen erfasst. Für die Planung, Steuerung und Kontrolle ist dabei die Baubetriebsrechnung (Kostenrechnung) von Bedeutung. Hier werden die Kosten und Leistungen den einzelnen Bereichen und Baustellen zugeordnet. Die so ermittelten Ist-Kosten können den in der Arbeitskalkulation ermittelten Soll-Kosten gegenübergestellt werden und Aufschluss über allfällige Abweichungen geben (Soll-Ist-Vergleich). Die Arbeitskalkulation ist weiters auch Grundlage für die Nachkalkulation, in der auch ein mengenmässiger Soll-Ist-Vergleich (z.B. Lohnstunden) erfolgt. Aus der Nachkalkulation werden dann Aufwands- und Verbrauchswerte für künftige Angebote abgeleitet.[40]

3.1.3 Leistungserstellungsprozess

Fasst man die Kalkulationsphasen zusammen, so sieht man, welche Bedeutung die Angebots-, Arbeits-, und Nachkalkulation haben. Die Kalkulation erstreckt sich über den gesamten Leistungserstellungsprozess und ist somit einer der Kernprozesse bei der Auftragsabwicklung. Sie ist somit „ ... das Bindeglied zwischen den Produktionsprozessen (Bauausführung) und Bewertungsprozessen des Rechnungswesens. Erst die Verknüpfung beider Bereiche liefert die besten kalkulatorischen und preisgestalterischen Ergebnisse.“ [41]

In Abb. 5 ordnet Girmscheid die einzelnen Kalkulationsphasen grafisch den jeweiligen Leistungserstellungsprozessen zu.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5 Die Kalkulationsphasen im Leistungserstellungsprozess[42]

Der Vollständigkeit halber sei auch die „Nachtragskalkulation“ noch kurz erwähnt (ÖNORM-konforme Bezeichnung „Zusatzauftragskalkulation“). Sie dient der Kostenermittlung von Bauleistungen, die im Vertrag nicht vereinbart sind.[43] Da sich diese Arbeit vordergründig mit der Nachkalkulation befasst, wird an dieser Stelle eine Abgrenzung vorgenommen und für den Themenkreis Nachtragskalkulation auf das Spezialgebiet Claim-Management verwiesen.

Die Nachkalkulation wird im Kapitel 3.4 noch eingehender behandelt. Ein abschließender Satz zu den Kalkulationsphasen sei jedoch hier bereits angeführt. Er lautet: Eine gut organisierte Nachkalkulation könnte das Bindeglied zwischen dem Leistungserstellungsprozess eines Einzelprojekts und der kontinuierlichen Wertschöpfungskette aller Projekte eines Bauunternehmens sein.

3.2 Ausschreibung und Vergabe

3.2.1 Vergabeverfahren

Sowohl Ausschreibungs- und Vergabeart, als auch die Vertragsgestaltung haben Auswirkungen auf die Kalkulation und das Controllingsystem.

Vergabeverfahren beginnen in der Regel mit der Ausschreibung von Bauleistungen durch den Bauherrn bzw. dessen Vertretung. Die erste grundlegende Unterscheidung ist, ob es sich um einen öffentlichen oder einen privaten Auftraggeber handelt. Bei öffentlichen Ausschreibungen ist das Vergabeverfahren gesetzlich geregelt. In Österreich durch das Bundesvergabegesetz (BVergG 2006). Die Vergabe von Aufträgen, die nicht dem Bundesvergabegesetz unterliegen, regelt hingegen die ÖNORM A 2050. Der private Auftraggeber ist in der Vertragsgestaltung grundsätzlich wesentlich freier. In viele Verträgen werden aber auch hier die Regelungen aus Gesetz und Norm aufgenommen, allenfalls spezifisch angepasst. Eine weitere Differenzierung in öffentliche und private Auftraggeber wird in dieser Arbeit daher nicht vorgenommen.

Im Rahmen von Ausschreibungen werden Unternehmen zur Abgabe von Angeboten aufgefordert oder eingeladen. Überwiegend werden Projekten im Hoch- und Tiefbau in Wettbewerbsverfahren ausgeschrieben, bei privaten Auftraggebern aber meist im Verhandlungsverfahren vergeben. Der § 25 des BVergG unterscheidet: offene, nicht offene, Verhandlungsverfahren und weitere Verfahren.[44] Gebräuchlich sind aber auch die in Deutschland nach der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB) verwendeten Begriffe „öffentliche“ oder „beschränkte“ Ausschreibung und „freihändige Vergabe“.

3.2.2 Leistungsbeschreibung

Die Ausschreibungsunterlagen für ein Bauprojekt enthalten neben Anschreiben, allgemeinen und technischen Vertragsbedingungen, planerischen Darstellungen als wesentlichen und vorrangigen Bestandteil eine Leistungsbeschreibung (LB). Für die Angebotskalkulation ist von Bedeutung, ob es sich um eine „konstruktive“ oder eine „funktionale“ Leistungsbeschreibung[45] handelt. Je nach Art ändern sich Zuständigkeiten, Aufwand und Risiken.

Das signifikante Merkmal einer „konstruktiven Leistungsbeschreibung“ ist ein in Einzelleistungen gegliedertes Leistungsverzeichnis (LV). Gängige Praxis bei der Erstellung des LV ist die Verwendung von standardisierten Leistungsbeschreibungen (LB oder STLB). Nach Sachgebieten getrennt werden bei STLB Einzelleistungen nach Leistungs-, Unterleistungsgruppen- und Positionsnummern gegliedert und mit entsprechenden Vorbemerkungen, Kurz- und Langtexten beschrieben. Im LV werden aus der STLB die entsprechenden Positionen ausgewählt und die ausgeschriebene Menge (Ausschreibungsmenge) je Verrechnungseinheit angegeben. Multipliziert mit dem angebotenen Einheitspreis des Bieters ergibt sich der Gesamtpreis der Position. Die Summe der Gesamtpreise aller Positionen ergeben schließlich den Angebotspreis.

Bei der „funktionalen Leistungsbeschreibung“ wird vom Auftraggeber anstelle eines LV ein Leistungsprogramm erstellt, aus dem sowohl Zweck als auch die an die Leistung gestellten Anforderungen hervorgehen. Die Beschreibung der Leistung ist dabei funktions- und qualitätsorientiert und enthält keine näheren Angaben zu Konstruktion und Materialien.[46] Planungsleistungen werden vom Auftraggeber auf den Auftragnehmer übertragen. Dadurch erhöht sich der Aufwand für den Bieter erheblich. Nach der zu erbringenden Planungsleistung ist in der Regel ein internes Leistungsverzeichnis inkl. Mengenermittlung zu erstellen, auf dessen Grundlage erst die Kalkulation erfolgen kann. Der Auftraggeber übernimmt dabei nicht nur das Planungsrisiko, sondern auch das Vollständigkeits- und Mengenrisiko. Andererseits ermöglicht ihm die funktionale Leistungsbeschreibung wiederum neue Produkte und Leistungen anzubieten, oder sich durch technische Innovationen Wettbewerbsvorteile zu verschaffen.

3.2.3 Bauvertragstypen

Jeder Bauvertrag ist grundsätzlich ein Werkvertrag nach ABGB. In der Werkvertragsnorm ÖNORM B 2110 sind die allgemeinen Vertragsbestimmungen für Bauleistungen geregelt. Normalerweise wird bei einer konstruktiven Ausschreibung ein „Einheitspreisvertrag“ vereinbart und bei einer funktionalen Ausschreibung ein „Pauschalvertrag“. Aufwandsverträge sind nur bei Regieleistungen im kleineren Umfang üblich. Bei diesen wird die Bauleistung nach tatsächlichem Aufwand (Leistungsstunden, Materialeinheiten) und nicht nach Leistung vergütet.

Der „Einheitspreisvertrag“ ist der Standardvertragstyp im Bauwesen. Die Vergütung erfolgt nach den Mengen der tatsächlich erbrachten Leistungen (Abrechnungsmengen) zu den vertraglich vereinbarten Einheitspreisen des LV. Das Mengenrisiko trägt dabei der Auftraggeber. Das führt in der Praxis leider oft dazu, dass vom Auftraggeber deutlich überhöhte Mengen ausgeschrieben werden. Dem wirkt der Auftragnehmer mit Preisumlagen im positiven Sinn oder durch Preisspekulationen im negativen Sinn entgegen. Nicht zuletzt deshalb werden Bauverträge immer öfter auch als Pauschalvertrag vergeben.

Beim „Pauschalvertrag“ erfolgt die Vergütung in Form eines Pauschalpreises. Das ist der in einem Betrag vereinbarte Preis für die Gesamt- oder Teilleistung. Man unterscheidet zwei grundsätzlich verschiedene Arten: - bei einem ausgepreisten LV wird der Angebotspreis pauschaliert. - bei einer funktionalen Leistungsbeschreibung mit Leistungsprogramm wird nicht nur das Entgelt, sondern auch die Leistung pauschaliert.[47] Die VOB spricht vom „Detail“ - und „Global“ -Pauschalvertrag, Kropik vereinfacht vom „unechten“ und „echten“ Pauschalvertrag.[48]

In beiden Fällen werden keine Abrechnungsmengen ermittelt. Das Mengenrisiko liegt beim Auftragnehmer und ist kalkulatorisch entsprechend zu berücksichtigen.

3.3 Angebotskalkulation

Bevor näher auf die verschiedenen Kalkulationsmethoden eingegangen wird, sollen die wichtigsten für die Baukalkulation relevanten Begriffe erläutert werden, um semantische Missverständnisse von Beginn an auszuräumen.

In Österreich ist die ÖNORM B 2061 „Preisermittlung für Bauleistungen“ das Maß aller Dinge in der Baukalkulation. Diese Verfahrensnorm enthält bei oberflächlicher Betrachtung zwar lediglich eine Vielzahl von Definitionen einzelner Begriffe, stellt in ihrer Gesamtheit aber den Aufbau einer normgerechten Baukalkulation dar. Sie ist damit nicht nur branchenüblicher Standard, sondern auch Basis für die Erstellung von EDV-Kalkulationsprogrammen.

3.3.1 Kostenartengruppen

Die ÖNORM B 2061 geht in ihrer Grundkonzeption von einer Gliederung der Kostenarten in sechs „Kostenartengruppen“ aus:[49]

(1) Personalkosten (Lohn- und Gehaltskosten) (2) Materialkosten (3) Gerätekosten (4) Kosten für Fremdleistungen (5) Kapitalkosten (6) andere Kosten (Steuern, Abgaben, Büromaterial, u.d.gl.)

3.3.2 Kostengruppen

Für den Aufbau der Preisermittlung werden für die Baustelle, aber auch für die anteiligen Kosten der Verwaltung des Unternehmens, die Kosten der nachstehenden „Kostengruppen“ ermittelt:[50]

(1) Einzelkosten (2) Baustellen-Gemeinkosten (3) Geschäftsgemeinkosten (4) Sonstige Gemeinkosten (5) Bauzinsen (6) Wagnis (7) Gewinn

„Einzelkosten“ (EK) bestehen aus fixen und variablen Kosten, die den Positionen des LV direkt zugeordnet werden können. Sie werden unterteilt in Einzellohn-, Einzelmaterial- und Einzelgerätekosten. Einzelkosten für Fremdleistungen basieren auf Angeboten von Dritten. Die „Baustellen-Gemeinkosten“ (BGK) sind grundsätzlich in eigenen Positionen zu erfassen und gliedern sich in einmalige und zeitgebundene Kosten der Baustelle, Gerätekoten der Baustelle und sonstige Kosten der Baustelle. Sie setzen sich wie die Einzelkosten zusammen. Sind in Sonderfällen (kleine, kurzfristige Bauvorhaben) keine eigenen Positionen für die BGK vorhanden, sind Hilfspositionen vorzusehen und die so ermittelten Kosten auf die jeweils vorgesehenen Kosten- und Preisanteile umzulegen. Der Einheits- oder Pauschalpreis einer Bauleistung ergibt sich, indem umsatzbezogene Kostenelemente der Verwaltung im „Gesamtzuschlag“ zusammengefasst werden und den „Zuschlagsträgern“ zugeschlagen werden. Zuschlagträger sind dabei die Lohn-, Gehalts-, Material-, Gerätekosten und die Kosten für Fremdleistungen. Der Gesamtzuschlag setzt sich zusammen aus den Anteilen für Geschäfts- und sonstige Gemeinkosten, Bauzinsen, Wagnis und Gewinn. Der Gesamtzuschlag kann für die einzelnen Zuschlagträger unterschiedlich hoch sein.[51]

3.3.3 Kalkulationsschema

Für die Berechnung der Angebotssumme hat sich in der Praxis die Gliederung der Kostenermittlung nach dem in Abb. 6 dargestellten Kalkulationsschema entwickelt. Dieses Schema ist auch in der KLR-Bau beschrieben und basiert letztendlich auf Grundlagen, die Opitz bereits 1940 entwickelt und veröffentlicht hat.[52]

Zur Illustration ist im Anhang 1 das Schema für den Aufbau der Angebotssumme nach Opitz aus seinem Werk „Selbstkostenermittlung für Bauarbeiten“ dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6 Kalkulationsschema gemäß ÖN B 2061[53]

Im ersten Schritt werden die direkten Kosten der Einzelleistungen ermittelt und mit den Mengen des LV multipliziert. Die Hinzurechnung der Baustellengemeinkosten ergibt die Herstellkosten. Durch Zuschlagen der Geschäftsgemeinkosten (Synonym für Zentralregie), der Sonstigen Gemeinkosten und der Bauzinsen werden die Selbstkosten ermittelt. Durch Addition von Wagnis und Gewinn ergibt sich der Gesamtpreis als Basis für die Umsatzsteuer. Diese dazu addiert ergibt letztendlich den Angebotspreis.

Die folgende in Abb. 7 dargestellte Gegenüberstellung soll zur Klarstellung der zum Teil unterschiedlichen Begriffe im Kalkulationsschema der KLR-Bau und der ÖNORM B 2061 beitragen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 7 Gegenüberstellung Kalkulationsschema KLR-Bau und ÖN B 2061[54]

3.3.4 K-Blätter

Für die Darstellung der Preisermittlung sind in der ÖNORM B 2061 folgende Kalkulationsformblätter vorgesehen:[55]

Formblatt K 3 Mittellohnpreis, Regielohnpreis, Gehaltspreis Formblatt K 4 Materialpreise Formblatt K 5 Preise für Produkte, Leistungen Formblatt K 6 Gerätepreise Formblatt K 6 A Gerätepreise (Ergänzung) Formblatt K 7 Preisermittlung

Ausdrucke von Kalkulationsprogrammen haben im Aufbau und Inhalt diesen Formblättern zu entsprechen.

3.3.5 Kalkulationsmethoden

An dieser Stelle könnte eine Abgrenzung dahingehend getroffen werden, dass im wesentlichen nur eine Kalkulation wie sie im vorigen Kapitel beschrieben ist, die Voraussetzungen für eine aussagekräftige Nachkalkulation erfüllt. Nicht zuletzt auf Grund des Wandels vieler Betriebe von reinen Bauleistungsbetrieben zu Baudienstleistungsbetrieben unterliegen auch die Berechnungsmethoden von Kalkulation und Nachkalkulation einem gewissen Wandel. In Hinblick darauf werden in der Folge daher auch weitere Kalkulationsmethoden vorgestellt. Der Fokus liegt dabei nicht auf der detaillierten Beschreibung der Vorgehensweise, sondern es sollen vielmehr grundlegenden Unterschiede der Verfahren aufgezeigt werden. Eine Gliederung der Methoden in Einheitspreis- und Pauschalpreiskalkulationen[56] wird dabei bewusst nicht vorgenommen, da einerseits in der Regel auch der Pauschalpreiskalkulation zumindest ein internes LV zugrunde liegt und andererseits auch bei der Einheitspreiskalkulation mitunter pauschale Kostenermittlungsverfahren ergänzend zum Einsatz kommen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 8 Kalkulationsmethoden[57]

Wie in Abb. 8 dargestellt, werden in der Folge daher drei Gruppen gebildet: die Kalkulationsmethoden der stationären Industrie als Abgrenzung, die Methoden der Kostenermittlung als Ergänzung und die unterschiedlichen Ausprägungen der Zuschlagskalkulation als Voraussetzung für die Nachkalkulation.

3.3.5.1 Methoden der stationären Industrie

Ein Charakteristikum der Baukalkulation ist die Preisermittlung ex ante. Im Gegensatz dazu werden in der stationären Industrie die Produkte zuerst produziert und die Verkaufspreise dann im Nachhinein ermittelt. Gängige Verfahren dafür sind die „Divisions-, Äquivalenzziffern-, und Verrechnungssatzkalkulation“.

Die „Divisionskalkulation“ ist ein einfaches Kalkulationsverfahren für Betriebe, die einheitliche Produkte in großen Mengen herstellen. Die Stück-Selbstkosten ergeben sich in dem für eine Zeitperiode die Gesamtkosten des Betriebs durch die Produktionsmenge dividiert wird. Es gibt ein- und mehrstufige Verfahren. Im Baubetrieb wird sie bei so genannten Einproduktbetrieben wie der Asphalt-, Beton-, oder Kiesherstellung verwendet. Bei Sortenfertigung in diesen Bereichen kommt die „Äquivalenzziffernkalkulation“, eine abgewandelte Form der Divisionskalkulation, zum Einsatz.[58] Die „Verrechnungssatzkalkulation“ hat für den Baubetrieb weniger Bedeutung und soll daher an dieser Stelle auf weitere Ausführungen verzichtet werden.

3.3.5.2 Methoden der Kostenermittlung

Kostenermittlung wird allgemein als Vorausberechnung der entstehenden Kosten bzw. Feststellung der tatsächlich entstandenen Kosten definiert.[59]

Der Begriff Kostenermittlung wird sowohl für die Kostenplanung durch den Bauherrn bzw. dessen Planer, als auch für die Preisermittlung des ausführenden Bauunternehmens verwendet. Es gilt die grundlegend verschiedenen Zielsetzungen zu beachten. Für den Auftraggeber stellt die Kostenermittlung sowohl eine Entscheidungsgrundlage hinsichtlich der Realisierung eines Bauprojekts, als auch ein Instrument zur Kostenkontrolle dar. Der Auftragnehmer hingegen verfolgt in dieser Phase mit der Kostenermittlung das Ziel, ein zum Auftrag führendes verbindliches Angebot zu erstellen. In der Praxis ist der Begriff Kostenermittlung überwiegend ein Begriff aus der Kostenplanung.

In Österreich ist die Kostenermittlung in der ÖNORM B1801-1 „Bauprojekte- und Objektmangement“ geregelt (in Deutschland DIN 276). Je nach Planungsfortschritt werden 6 Stufen der Kostenermittlung unterschieden: Kostenziel, Kostenrahmen, Kostenschätzung, Kostenberechnung, Kostenanschlag und Kostenfeststellung.[60] Die auftragnehmerseitige Kostenermittlung entspricht dabei den Anforderungen eines Kostenanschlags. Der Arbeitsaufwand für die Angebotslegung ist vom Differenzierungs- und Genauigkeitsgrad der Kostenermittlung abhängig. Die Auswahl des Verfahrens ist daher an den jeweiligen Zweck anzupassen. Aus Sicht des Bauunternehmens sind daher auch Verfahren der Kostenschätzung und Kostenberechnung durchaus sinnvoll anzuwenden. Sei es für die erste überschlägige Einschätzung der Größenordnung eines Bauprojekts, für den Aufbau und die Pflege einer Richtwert-Datenbank oder einfach nur für die Erstellung eines schnellen Angebots. Sting unterscheidet die folgenden Kostenermittlungsverfahren:[61]

- „Kostenermittlung nach Rauminhalt oder Grundfläche des Bauwerks“ Kostenschätzung auf Basis von Vergleichswerten, wie Kosten je m[3] Rauminhalt, Kosten je m[2] Wohnfläche, u.d.gl.
- „Kostenermittlung nach Kostenanteilen von Bauwerkselementen“ Kostenberechnung auf Basis von Kostenvergleichswerten für Bauelemente
- „Kostenermittlung nach Kostenanteilen von Leistungsbereichen“ Kostenberechnung auf Basis von Gewerkekenngrößen, Kosten aus Erfahrungswerten oder Preisen aus Nachunternehmerausschreibungen
- „Kostenermittlung nach überschlägig ermittelten hauptsächlichen Mengen“ Kostenanschlag mit näherungsweiser Ermittlung der Hauptmengen und Hochrechnung auf die Gesamtkosten (ABC-Analyse, Paretoprinzip)
- „Kostenermittlung mit fertigen Einheitspreisen“ Kostenanschlag bei dem kurzerhand fertige Einheitspreise aus vergleichbaren Angeboten übernommen werden. Dieses Verfahren ist in der Praxis sehr beliebt und verbreitet. Es sollte jedoch durchaus kritisch betrachtet werden. Im Grunde ist es nur anwendbar, wenn Aufbau, Rahmenbedingungen und die einzelnen Leistungen des LV absolut vergleichbar sind und die übernommenen Preise dereinst genau kalkuliert wurden. Problematisch wird es jedoch, wenn Kostenänderungen durch Korrektur der Einheitspreise berücksichtigt werden. Preisändernde Faktoren können nur mit einer genauen Kalkulation ermittelt und beurteilt werden.

3.3.5.3 Methoden der Zuschlagskalkulation

Kropik erklärt das Prinzip der Zuschlagskalkulation folgendermaßen:

„Die vom Unternehmer kalkulierten Kosten der Bauproduktion werden den Einzelleistungen (LV-Positionen) „zugeschlagen“, durch die Menge geteilt und ergeben so die Einheitspositionskosten (...). Auf diese Kosten wird noch ein prozentueller Zuschlag, der Gesamtzuschlag, (...) aufgeschlagen, um die Einheitspreise bzw. Positionspauschalpreise zu erhalten.“ [62]

Die bundesdeutsche Literatur spricht hingegen von einer Zuschlagskalkulation, wenn die Gemeinkosten (indirekten Kosten), über einen oder mehrere Zuschläge auf die Einzelkosten der Teilleistungen (direkten Kosten) aufgeschlagen werden. Generell werden dort meist zwei Arten der Zuschlagskalkulation unterschieden: die „Kalkulation mit vorbestimmten Zuschlagsätzen“ und die „Kalkulation über die Angebotssumme“. Der Unterschied der Verfahren liegt in der Art und Weise, wie die Baustellen- und Geschäftsgemeinkosten in die Einheitspreise eingerechnet werden.

Die im Kapitel 3.3 beschriebene Preisermittlung nach ÖNORM B 2061 entspricht einer abgewandelten Form der „Kalkulation mit vorbestimmten Zuschlagsätzen“. Es werden dabei aus der Baubetriebsrechnung abgeleitete, vorberechnete, nicht projektspezifische Zuschläge auf die direkt ermittelten Einzelkosten und Baustellengemeinkosten, prozentuell aufgeschlagen. Dieses Verfahren ist dem vom Schweizerischen Baumeisterverband (SBV 1996) verbreitete Schema der Zuschlagskalkulation durchaus vergleichbar.[63]

Bei der „Kalkulation über die Angebotssumme“ sind zwei Rechengänge erforderlich. Im ersten Schritt wird die Angebotssumme ermittelt, indem zu den Einzelkosten des Bauwerks und der Baustelleneinrichtung die Geschäftsgemeinkosten, Bauzinsen, Wagnis und Gewinn, in absoluter Höhe und spezifisch für das jeweilige Projekt ermittelt, addiert werden. In einem zweiten Schritt werden Zuschlagsätze ermittelt und durch Umlagen die Einheitspreise gebildet.[64]

Mit „Kalkulation über die Angebotssumme“ wird in der Praxis aber auch ein völlig anderes Verfahren bezeichnet. Ausgehend von einer gründlichen Vorkalkulation wird der Angebotspreis bei diesem Verfahren ausschließlich nach marktorientierten Kriterien, wie in letzter Zeit beobachtete Vergabepreise, konjunkturelle Lage und Wettbewerb, festgelegt. Die Differenz zwischen dieser marktorientierten Angebotssumme und den ermittelten Kosten (inkl. Bauzinsen und projektspezifischer Risiken) ist der Deckungsbeitrag, der zur Deckung der Gemeinkosten und eines zu erwirtschaftenden Gewinns beiträgt. Der Gesamtzuschlag wird demnach rückgerechnet (retrograde Kalkulation), und erst dann werden die Einheitspreise ermittelt.[65] Zum Leidwesen vieler ist dieses Verfahren auch für rein spekulative Angebote prädestiniert. Mitunter sogar ohne entsprechende Kostenermittlung wird der zu erwartende günstigste Angebotspreis einfach geschätzt und nach strategischen Überlegungen auf Leistungspositionen verteilt, wenn möglich auch noch auf Positionen, bei denen eine Erhöhung der Abrechnungsmenge zu erwarten ist. Vom Bestbieter zum Bestabrechner lautet dabei die Devise. Im Bedarfsfall werden die K7-Blätter für eine vertiefte Angebotsprüfung dann im sogenannten „reverse engineering“ dazu konstruiert.[66] Meist auf Basis von Standardkalkulationsansätzen werden dabei die Detailkalkulationen retrograd aus den Einheitspreisen gebildet. Der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt, solange das Ergebnis noch entsprechend argumentiert werden kann. Im positiven Sinn entspricht dieses Verfahren jedoch einer Form des sogenannten „Target Costing“ (der Zielkostenrechnung). Dabei handelt es sich nicht um ein weiteres Kalkulationsverfahren, sondern um ein komplexes Kostenmanagementsystem bei dem auf Basis von erzielbaren Marktpreisen die zulässigen Kosten für ein Produkt abgeleitet werden.[67]

Bisher wurde von einer Baupreisermittlung auf Basis Vollkostenrechnung ausgegangen (Herstellkosten + Gesamtzuschlag = Gesamtpreis). Der Vollständigkeit halber sei aber auch noch auf die Kalkulation auf Grundlage der Deckungsbeitragsrechnung hingewiesen. Dieses Verfahren unterscheidet zwischen den „variablen Kosten“, die unmittelbar durch die Herstellung des Produkts entstehen und den „fixe Kosten“, die auch entstehen, wenn weniger produziert wird. Leimböck weist allerdings darauf hin, dass eine Zuordnung zu fixen und variablen Kosten bei Bauunternehmen sehr problematisch ist und betont, (...) dass bei Bauunternehmen die Deckungsbeitragsrechnung die Vollkostenrechnung nicht ersetzen kann. [68] Auch Girmscheid betont den sehr hohen Aufwand, setzt diesen jedoch in Relation zum Nutzen. Die Prozesskostenkalkulation ermöglicht eine verursachungsgerechtere Zuordnung der Kosten, führt dadurch zu einer Erhöhung der innerbetrieblichen Kostentransparenz und ihr Einsatz ist in großen Unternehmen sicher sinnvoll.[69] Um aufzuzeigen, wie aufwendig und komplex die Aufschlüsselung in variable und fixe Kosten ist, wird an dieser Stelle noch explizit auf die Diplomarbeit von Makovec verwiesen. Systematisch, der Gliederung der Kostenartengruppen und dem Aufbau der Kostenermittlung nach ÖNORM B 2061 folgend, werden dabei die Kostenstrukturen in ihre kleinsten Bestandteile zerlegt und die Parameter, die für die Variabilität der Kosten verantwortlich sind, herausgearbeitet.[70]

3.4 Nachkalkulation und Soll-Ist-Vergleichsrechnung

3.4.1 Nachkalkulation

Die Einordnung der Nachkalkulation in das baubetriebliche Rechnungswesen (siehe Abb. 3) und in den kybernetischen Regelkreis der Baukalkulation (siehe Abb. 4) ist bereits erfolgt. Definition, Aufgaben und Zielsetzung der Nachkalkulation werden in diesem Kapitel näher erläutert.

3.4.1.1 Definition Nachkalkulation

Die KLR-Bau definiert die Nachkalkulation folgendermaßen:

„Die Nachkalkulation dient der Ermittlung der entstandenen Kosten nach Beendigung der Leistungserstellung, und zwar zur - Überprüfung der Vorkalkulation in Form von Soll-Ist-Vergleichen, (...)“. [71]

Im Gegensatz zur Vorkalkulation werden bei der Nachkalkulation keine Preise, sondern zusätzlich zu den tatsächlich entstandenen Kosten auch Aufwands- und Verbrauchswerte ermittelt. Diese haben länger Gültigkeit als Preise.[72]

Exkurs zu den Begriffen Aufwands- und Leistungswert:[73]

Für vorwiegend manuelle Arbeiten wird zur kalkulatorischen Darstellung der Leistung der Aufwandswert (auch als Stundenansatz bezeichnet) verwendet. Er stellt den auf die Menge bezogenen Arbeitsaufwand dar (z.B.: h/m[3]).

Der reziproke Wert des Aufwandswertes ist der Leistungswert (Leistungsansatz). Dieser stellt die innerhalb einer Zeiteinheit erbrachte Produktionsmenge dar (z.B.: m[3]/h). Der Leistungswert ist ein Synonym für Produktionsleistung und wird vorwiegend zur Messung der Leistung bei maschinellen Arbeiten und für Arbeitskolonnen verwendet.

Ende des Exkurses.

Im allgemeinen Verständnis beschränkt sich die Nachkalkulation nicht nur auf die herstellungsbegleitende oder nachgelagerte Ermittlung der Kosten, sondern schließt eine Überprüfung der Vorkalkulationswerte, sowie eine Analyse der Abweichungen mit ein.[74] Sie ist demnach mehr als eine reine Kostenfeststellung (die 6. Stufe der Kostenplanung nach ÖNORM B 1801-1).

3.4.1.2 Aufgaben der Nachkalkulation

Im Wesentlichen erfüllt die Nachkalkulation zwei Hauptaufgaben. Erstens erfolgt im Rahmen eines umfassenden Bauprozesscontrollings eine fertigungsbegleitende Fortschritts- und Erfolgskontrolle. Die festgestellten Werte werden mit den Vorgabewerten aus der Vorkalkulation bzw. den daraus abgeleiteten Werten der Arbeitskalkulation verglichen und analysiert, um Abweichungen und allfällige Schwachstellen zu identifizieren und im Bedarfsfall rechtzeitig entsprechende Gegenmaßnahmen ergreifen zu können. Die Nachkalkulation ist demnach sowohl ein Kontroll- als auch ein Steuerungsinstrument. Die zweite Hauptaufgabe der Nachkalkulation besteht in der Ermittlung und Registrierung von Kennwerten und Vorkalkulationsansätzen für zukünftige Projekte.

Nach Sting,[75] Pickl[76] und Leimböck[77] wird die Nachkalkulation erst am Ende der Bauzeit, nach Abschluss der beauftragten Bauleistung durchgeführt (nach Sting sogar einschließlich der Gewährleistungsarbeiten). Die gesamten Daten, die im Zuge des Bauablaufs dokumentiert wurden, stehen dann für die Ermittlung von Richtwerten für künftige Angebotskalkulationen zur Verfügung. Die herstellungsbegleitende Kontrolle und Steuerung wird von ihnen den Begriffen Soll-Ist-Vergleich, Ablaufkontrolle und Projektcontrolling zugeordnet. Mit dieser Abgrenzung erfolgt allerdings eine Fokussierung auf lediglich einen der Aufgabenbereiche. In dieser Arbeit wird daher die umfassende und allgemeine Sicht der Nachkalkulation beibehalten.

In der Literatur werden häufig auch die Begriffe technische und kaufmännische Nachkalkulation verwendet. Der Vergleich von Mengen- und Leistungsdaten wird als technische Nachkalkulation bezeichnet. Beispiel dafür ist eine reine Stundennachkalkulation.
Wird hingegen der Vergleich auf Kostendaten bezogen, wird von einer kaufmännischen Nachkalkulation gesprochen.[78] Beispiel dafür ist ein Kostenarten-Soll-Ist-Vergleich. Eine Unterscheidung und Zuordnung nur auf Grund des Tätigkeitsbereiches wäre schon allein wegen der Abgrenzung problematisch und sind die beiden Begriffe so auch nicht zu verstehen. Gerade die Nachkalkulation erfordert eine enge Zusammenarbeit von kaufmännischen und technischen Bereichen im Unternehmen. Für optimale Ergebnisse gilt es, die Verknüpfung beider Bereiche über eine einheitliche Gliederung der Daten und definierte Schnittstellen sicherzustellen. Nicht zuletzt deshalb wird in dieser Arbeit daher auch keine Unterscheidung von technischer und kaufmännischer Nachkalkulation vorgenommen.

3.4.1.3 Zielsetzung der Nachkalkulation

Welchen Stellenwert die Nachkalkulation letztendlich im Unternehmen hat, ist stark von der individuellen Zielsetzung abhängig. Ganz allgemein lassen sich jedoch folgende strategischen Ziele der Nachkalkulation unterscheiden:[79]

- Die „kurzfristig operativen Ziele“ für die Beurteilung und Steuerung des Einzelprojekts. Lange Zeit stand hier die Beurteilung im Vordergrund. Einerseits zur Überprüfung, inwieweit Zielvorgaben aus der Vorkalkulation erreicht werden können, andererseits aber auch zur Leistungsbeurteilung von Führungspersonal und Baustellenproduktivität. Neuerdings wird der Fokus jedoch mehr und mehr auf die Steuerung gelegt, mit dem Ziel, durch ein zeitnahes Controllingsystem Ansätze zur Optimierung der laufenden Bauprozesse zu schaffen.
- Die „mittel- bis langfristigen operativen Ziele“ für die Ableitung von Erfahrungswerten. Die aus dem Einzelprojekt ermittelten Werte und Erkenntnisse stehen projektübergreifend und gesamtbetrieblich zur Verfügung und generieren Lerneffekte.
- Das „langfristig strategische Ziel“ der Ertragssicherung und Maximierung der Lebensfähigkeit des Unternehmens.

3.4.2 Arbeitskalkulation

Als Erstes ist hier die Bedeutung der Arbeitskalkulation als Ausgangsbasis und Grundlage für die Soll-Ist-Vergleichsrechnung hervorzuheben. Ihre Bedeutung reicht über diese Funktion jedoch weit hinaus. Die Arbeitskalkulation ist heute das wesentliche Instrument im Baustellencontrolling.

3.4.2.1 Definition und Aufgaben der Arbeitskalkulation

Im kybernetischen Regelkreis der Baukalkulation (siehe Abb. 4) dient die Arbeitskalkulation der unternehmensinternen Kostenermittlung während der Leistungserstellung.

Die Arbeitskalkulation hat im Wesentlichen zwei Aufgaben zu erfüllen. Zum einen werden aus den ermittelten Kosten Planwerte und in der laufenden Fortschreibung Sollwerte abgeleitet, die in der Folge Grundlage für Kontrolle und Steuerung der Bauausführung sind. Zum anderen wird mit der Arbeitskalkulation eine Prognose für das zu erwartende Ergebnis der Baustelle hochgerechnet.

3.4.2.2 Ablauf der Arbeitskalkulation

In einem ersten Schritt wird bei der Arbeitskalkulation nach Auftragseingang im Rahmen der Arbeitsvorbereitung die Vorkalkulation überarbeitet. In der Regel ergeben sich zwischen Angebotslegung und Baubeginn Änderungen bei der Ausführung. Geänderte Terminsituationen, geänderter Leistungsumfang, optimierte Baumethoden, konkrete Partie- und Gerätezusammensetzung, nachverhandelte Material- und Subunternehmerpreise sind entsprechend zu berücksichtigen.

Mitunter wird ein Angebotspreis aber auch nur „grob geschossen“ (ohne detaillierte Planung der Arbeitsabläufe und ohne projektspezifische Material- und Nachunternehmerpreise). Die Betriebsmitteleinsatz- und Ablaufplanung in Hinblick auf die wirtschaftlichste Bauausführung erfolgt in diesem Fall dann erst im Zuge der Ersterstellung der Arbeitskalkulation.

Des weiteren sind Umlagen auf Leistungspositionen zurückzuführen und Positionen die mehrere Leistungen beinhalten auf einzelne Positionen aufzugliedern.[80] Allfällige Spekulationen sind ebenfalls zu beseitigen. Alle Kostenaussagen in der Arbeitskalkulation beziehen sich auf tatsächlich zu erbringende Leistungen.[81]

Bei Vorliegen einer qualifizierten Ausschreibung, geringfügigen Änderungen und einer differenziert und exakt kalkulierten Angebotskalkulation kann diese unmittelbar als Arbeitskalkulation verwendet werden, bzw. ist der zuvor beschriebenen Aufwand der Anpassung entsprechend geringer.

[...]


[1] vgl. Kurbos (2008), S. 477

[2] vgl. Linden (1999), S. 9 zitiert in Jacob (Hrsg. 2011), S. 357

[3] vgl. Bargstädt (2008), S. 222

[4] vgl. Hagmann-Schramm (2008), S. 54

[5] vgl. Drucker (1982), S. 49 zitiert in Malik (2006), S. 67

[6] vgl. Mayer (1986), o.S.

[7] vgl. Heim (2005), o.S.

[8] vgl. Mayer (1986), o.S.

[9] vgl. Heim (2005), o.S.

[10] vgl. Jodl (Hrsg. 2010), S. 42f

[11] vgl. Europäische Gemeinschaften (Hrsg. 2006), S. 5

[12] Quelle: eigene Darstellung, vgl. Europäische Gemeinschaften (Hrsg. 2006), S. 14

[13] vgl. Statistik Austria, Tabelle: Bauunternehmen (ÖNACE 2008: Abschnitt F) - Ausgewählte Strukturmerkmale 2010 nach Beschäftigtengrößenklassen

[14] Quelle: eigene Darstellung mit einer Verdichtung nach Unternehmensgrößen der KMU-Definition, vgl. Statistik Austria, Tabelle: Bauunternehmen (ÖNACE 2008: Abschnitt F) - Ausgewählte Strukturmerkmale 2010 nach Beschäftigtengrößenklassen

[15] vgl. Statistik Austria, Grafik: Anteil der Bausparten (ÖNACE 2008: Abschnitt F) 2010 an der Zahl der Unternehmen, den Beschäftigten und den Umsatzerlösen

[16] Die Begriffe „Nachunternehmen“ und „Subunternehmen“ werden synonym verwendet

[17] vgl. Girmscheid (2007), S. 195f

[18] Quelle: eigene Darstellung, vgl. KLR-Bau (1978), S. 9f

[19] vgl. Keil (2008), S. 1

[20] Definition des Begriffs [nach Gabler Online-Wirtschaftslexikon]:

„pagatorisch“: auf Zahlungsvorgängen beruhend, mit Zahlungen zusammenhängend.

[21] Definition des Begriffs [wie oben]:

„Kosten“: bewerteter Verzehr von wirtschaftlichen Gütern materieller und immaterieller Art zur Erstellung und zum Absatz von Sach- und/oder Dienstleistungen sowie zur Schaffung und Aufrechterhaltung der dafür notwendigen Teilkapazitäten. Kosten werden üblicherweise aus dem Aufwand hergeleitet.

„Leistung“: D as (gelungene) Ergebnis eines betrieblichen Erzeugungsprozesses. ... Wert des Prozessergebnisses, d.h. der bewertete mengenmäßige Output. Leistung ist in letzterem Sinn Gegenbegriff der Kosten, wird aber in dieser Bedeutung zunehmend durch den Terminus Erlös ersetzt.

[22] vgl. KLR-Bau (1978), S. 9f

[23] vgl. KLR-Bau (1978), S. 56ff

[24] vgl. KLR-Bau (1978), S. 92

[25] vgl. KLR-Bau (1978), S. 99

[26] Horváth (2011), S.18

[27] Preißler (2007), S. 14

[28] vgl. Heim (2005), S. 39ff

[29] vgl. Jacob (Hrsg. 2011), S. 451

[30] vgl. Leimböck (2012), o.S.

[31] vgl. Seyfferth (2003), o.S.

[32] vgl. Günther (1996), o.S.

[33] vgl. Girmscheid (2013), o.S.

[34] Jacob (Hrsg. 2011), S. VI

[35] Girmscheid (2007), S. 58

[36] Definition des Begriffs [nach Gabler Online-Wirtschaftslexikon]: „Preis“: bezeichnet den in Geldeinheiten ausgedrückten Tauschwert eines Gutes.

[37] Definition des Begriffs [nach wirtschaftslexikon24.com]: „Kybernetik“: kommt vom griechischen Wort kybernetes (Steuermann). (...) Der betriebliche Kreis von Planung, Ausführung und Kontrolle wird modellmäßig als kybernetischer Regelkreis betrachtet.

[38] Quelle: eigene Darstellung

[39] vgl. KLR-Bau (1978), S. 27

[40] vgl. Keil (2008), S. 20f

[41] Girmscheid (2007), S. 8

[42] Quelle: Girmscheid (2007), S. 96

[43] vgl. KLR-Bau (1978), S. 28

[44] vgl. BVergG 2006, §25 (1)

[45] Erklärung zu beiden Begriffen: [laut BVergG 2006, §95] (2) „Bei einer konstruktiven Leistungsbeschreibung sind die Leistungen nach zu erbringenden Teilleistungen in einem Leistungsverzeichnis aufzugliedern.“ (3) „Bei einer funktionalen Leistungsbeschreibung werden die Leistungen als Aufgabenstellung durch Festlegung von Leistungs- oder Funktionsanforderungen beschrieben.“

[46] vgl. Duško (2011), S. 39

[47] vgl. Jodl (Hrsg. 2010), S. 182f

[48] vgl. Kropik (2012a), S. 21

[49] vgl. ÖNORM B 2061 (1999), S. 7

[50] vgl. ÖNORM B 2061 (1999), S. 9

[51] vgl. ÖNORM B 2061 (1999), S. 9ff

[52] vgl. Opitz (1941), S. 57ff

[53] Quelle: eigene Darstellung, vgl. ÖNORM B 2061 (1999)

[54] Quelle: eigene Darstellung, vgl. KLR-Bau (1978) und ÖNORM B 2061 (1999)

[55] vgl. ÖNORM B 2061 (1999), S. 14

[56] vgl. Keil (2008), S. 54f

[57] Quelle: eigene Darstellung

[58] vgl. Girmscheid (2007), S. 125f

[59] vgl. Kropik (2012b), S. 7

[60] vgl. ÖNORM B 1801-1 (2009), S. 8f

[61] vgl. Sting (1992), S. 27ff

[62] vgl. Kropik (2012a), S. 17

[63] vgl. Girmscheid (2007), S. 132f

[64] vgl. Girmscheid (2007), S. 135f

[65] vgl. Kropik (2012a), S. 90

[66] vgl. Kurbos (2008), S. 477

[67] vgl. Girmscheid (2007), S. 125

[68] vgl. Leimböck (2012), S. 55

[69] vgl. Girmscheid (2007), S. 140

[70] vgl. Makovec (2010), o. S.

[71] KLR-Bau (1978), S. 28

[72] vgl. Jodl (Hrsg. 2010), S. 168

[73] vgl. Kropik (2012b), S. 34f

[74] vgl. Mayer (1986), S. 1

[75] vgl. Sting (1992), S. 115

[76] vgl. Pickl (2000), S. 25

[77] vgl. Leimböck (2012), S. 3

[78] vgl. Girmscheid (2007), S. 105 und Keil (2008), S. 18

[79] vgl. Mayer (1986), S. 2f

[80] vgl. Pickl (2000), S. 21

[81] vgl. Heim (2005), S. 88

Ende der Leseprobe aus 119 Seiten

Details

Titel
Die Nachkalkulation im Regelkreis der baubetrieblichen Leistungserstellung
Untertitel
Methodik und Organisation einer Soll-Ist-Vergleichsrechnung
Hochschule
Fachhochschule Burgenland  (AIM Austrian Institute of Management)
Veranstaltung
Lehrgang zur Weiterbildung MBA in General Management
Note
Sehr Gut (1B)
Autor
Jahr
2013
Seiten
119
Katalognummer
V310943
ISBN (eBook)
9783668103016
ISBN (Buch)
9783668103023
Dateigröße
5608 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
nachkalkulation, regelkreis, leistungserstellung, methodik, organisation, soll-ist-vergleichsrechnung
Arbeit zitieren
Ing. / MBA Clemens Kern (Autor:in), 2013, Die Nachkalkulation im Regelkreis der baubetrieblichen Leistungserstellung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/310943

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