In der Forschung gibt es unterschiedliche Ansätze, die Symbole in Patrick Süskinds "Die Taube" zu verstehen. Diese Arbeit wird zunächst einen Überblick über die bisherigen Interpretationen geben, bevor eine eigene, kritische Beleuchtung der symbolhaltigen Gegenstände der Novelle erfolgen kann.
Hierbei soll so vorgegangen werden, dass alle Interpretationen mithilfe der Originalquelle auf ihre innerfiktionale Logik überprüft werden. Die sich stellende Frage ist, welche Interpretationen für die Symbole stichhaltig sind und welche sich nicht an Süskinds Text belegen lassen. Zum Abschluss wird eine Zusammenfassung folgen, in der deutlich gemacht werden soll, welche in der Novelle auftretenden Gegenstände tatsächlich Symbole und wie diese im Gesamtzusammenhang des Textes zu verstehen sind oder ob Nadezda FRANKEs These zutrifft, dass "Die Taube" „keine durchgehende Symbolik“ aufweist und eingesetzte Bilder und Figuren nur zu Veranschaulichung des Innenlebens Noel eingesetzt würden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Inhaltsangabe
3. Forschungsstand
4. Symbole
4.1. Die Taube
4.2. Vogel-Assoziationen
4.3. Die Sphinx
4.4. Der Clochard
4.5. Das Gewitter
5. Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit untersucht die symbolische Bedeutung zentraler Gegenstände und Figuren in Patrick Süskinds Novelle „Die Taube“. Ziel ist es, die Interpretationen der Forschung kritisch zu beleuchten und mithilfe der Originalquelle auf ihre innere Logik zu prüfen, um die Entwicklung des Protagonisten Jonathan Noel nachzuvollziehen.
- Analyse der Symbolik von Tieren und Objekten in „Die Taube“
- Kritische Auseinandersetzung mit existierenden literaturwissenschaftlichen Interpretationen
- Untersuchung der psychologischen Transformation des Protagonisten Jonathan Noel
- Diskussion der Gattungsfrage und des offenen Endes der Novelle
- Rolle von existenzphilosophischen Konzepten wie Ekel und Isolation
Auszug aus dem Buch
4.1. Die Taube
Die Taube als das Leitsymbol und auch Titel der Novelle war in der Forschung sehr häufig Gegenstand von Analysen und Interpretationen. Interessanterweise ist das Tier auch oft als Beispiel in Artikeln zu dem Thema ‚Symbol’ genannt (vgl. DUDEN 2011 oder SCHURF 2008, S. 144): eine Art ‚Vorbelastung’ der Taube als Symbol, die Patrick Süskind bekannt gewesen sein dürfte. So hat eine Taube in unterschiedlichen Religionen einen symbolischen Gehalt, der vom Sinnbild für den heiligen Geist in der Bibel bis zum Kuriervogel des indischen Todesgottes Yama reicht, wie WASSMANN ausführlich darlegt (vgl. 2009, S. 269ff.). Tauben können aber auch für den Frieden und Liebe stehen (vgl. REIMANN 1992, S. 8) oder im Alltag vieler Stadtmenschen als ‚geflügelte Ratten’ für Dreck und eine hohe Vermehrungsrate. Dieser letzte Bedeutungsbereich wird auch in der Novelle ausdrücklich angesprochen (vgl. BUTZER & JACOB 2012, S. 441).
Was bei der Interpretation des Symbols ‚Taube’ in der vorliegenden Novelle jedoch oft übersehen wird, ist die biologische Zuordnung des von Süskind beschrieberen Tieres „in bleigrauem, glattem Gefieder“ (T., S. 15). Es handelt sich hier eindeutig um eine so genannte Straßentaube (Columba livia f. domestica), eine nicht fest zu umreißende Art, da sie aus Hybriden ehemaliger Felsentauben (Columba livia) und aus der Gefangenschaft entkommenen Zucht- und Brieftaubenarten besteht (vgl. SVENSSON 2011, S. 214f.). Doch auch unabhängig von der biologischen Artzuweisung gibt es eine semantische Differenz des deutschen Wortes ‚Taube’. Sie lässt sich am Besten mit der Entsprechung im Englischen erklären: ‚Pigeon’ und ‚dove’ stehen beide umgangssprachlich für die biologische Familie der Columbiformes (Tauben, vgl. SVENSSON 2011, S. 214f.), jedoch öffnen die augenscheinlichen Synonyme zwei unterschiedliche Bildbereiche. Unter ‚pigeon’ finden sich bei der Google Bildersuche vor allem die oben beschriebenen Straßentauben. Bei Eingabe des Wortes ‚dove’ jedoch finden sich, neben Werbung für die Kosmetikmarke dieses Namens, ausschließlich Bilder der weißen Friedenstaube und der hell gefärbte Türkentaube (Streptopelia decaocto).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Novelle und Vorstellung des Autors Patrick Süskind sowie dessen Werk.
2. Inhaltsangabe: Zusammenfassung der Lebensgeschichte von Jonathan Noel und des zentralen Konflikts durch das Auftauchen einer Taube.
3. Forschungsstand: Überblick über die literaturwissenschaftliche Rezeption der Novelle und verschiedene Deutungsansätze.
4. Symbole: Analyse der zentralen Symbole der Novelle, darunter die Taube, verschiedene Vögel, die Sphinx, der Clochard und das Gewitter.
5. Zusammenfassung und Fazit: Synthese der Ergebnisse und Interpretation des offenen Endes hinsichtlich der persönlichen Transformation von Jonathan Noel.
Schlüsselwörter
Patrick Süskind, Die Taube, Jonathan Noel, Symbolik, Literaturwissenschaft, Novelle, Isolation, Identität, Angst, Straßentaube, Vogel-Assoziationen, Sphinx, Clochard, Gewitter, Transformation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der symbolischen Bedeutung von Gegenständen und Figuren in Patrick Süskinds Novelle „Die Taube“ und deren Einfluss auf die psychologische Entwicklung des Protagonisten.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse der Symbolik, der literaturwissenschaftlichen Gattungsdiskussion und der existenziellen Isolation des Hauptcharakters.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die in der Forschung diskutierten Symbole kritisch zu hinterfragen und zu prüfen, welche Deutungen im Kontext der Novelle logisch stichhaltig sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen werkorientierten Ansatz, der Interpretationen anhand der Originalquelle und der innerfiktionalen Logik auf ihre Plausibilität überprüft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden detailliert die verschiedenen Symbole (Taube, Raben/Eule, Sphinx, Clochard, Gewitter) analysiert und deren symbolische Funktion für Jonathan Noel herausgearbeitet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Süskind, Symbolik, Isolation, Identität und Transformation beschreiben.
Welche Bedeutung hat die biologische Zuordnung der Taube?
Die Identifikation als Straßentaube grenzt das Symbol von einer rein religiösen oder friedenssymbolischen Bedeutung ab und verankert es im Bereich des Alltäglichen und der Ängste vor dem Chaos.
Wie deutet die Autorin das offene Ende der Novelle?
Das Ende wird als eine erfolgreiche Transformation von Jonathan Noel interpretiert, der durch die Überwindung seiner Ängste wieder positiv in die Zukunft blicken kann.
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- Dorothee Salewski (Autor), 2014, Patrick Süskinds Novelle "Die Taube". Eine Analyse der Symbolik, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/310981