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"Lernt mich gut lesen!" Nietzsche lesen als Einübung in die Haltung des freien Geistes

Título: "Lernt mich gut lesen!" Nietzsche lesen als Einübung in die Haltung des freien Geistes

Tesis (Bachelor) , 2015 , 40 Páginas , Calificación: 1,0

Autor:in: Laura Meinhardt (Autor)

Filosofía - Filosofía del siglo XIX
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Die Gedankenwelt Friedrich Nietzsches ist in ihrer philosophischen Bedeutsamkeit für die europäische Philosophiegeschichte essenziell. Seine poetische Sprache, sein Genie und seine andauernde Aktualität begeistern viele seiner Leser. Doch worin mag diese außergewöhnliche Faszination, die seine Leser bis heute in den Bann zieht, bestehen?

Dieser Arbeit liegt die Überzeugung zu Grunde, dass die außergewöhnliche und schwer zu beschreibende Kraft des Werkes Nietzsches vor allem mit der eigentümlichen Verschränkung von Form und Inhalt zusammenhängt. Diese soll hier mit besonderem Fokus auf den Leser untersucht werden. Durch welche literarischen Mittel lässt Nietzsche den Leser was erfahren? Und welche Konsequenzen hat seine Art und Weise des Schreibens auf die Haltung des Lesers?

Zwar ist der „Nietzscheleser“ an sich nie zu beschreiben, da jeder Leser sich und sein Leben in die Lektüre hineinträgt, dennoch möchte ich versuchen Hinweise in den sprachlichen Mitteln Nietzsches und in seinen eigenen Äußerungen über sein Schreiben zu finden, die eine gewünschte Wirkung seiner formulierten Sprache erkennen lassen. Nach einigen Vorbemerkungen zu Nietzsches Auffassung von Stil und Sprache soll der Aphorismus, der ein wesentlicher Bestandteil der Schriften Nietzsches ist, in den Blick genommen werden. Er interessiert zunächst als außergewöhnliche Art des Philosophierens, besonders in Hinblick auf seine dialektische, offen-geschlossene Form.

Anschließend sollen beispielhaft zwei Aphorismen der Fröhlichen Wissenschaft herausgegriffen werden und auf heraus stechende literarische Mittel untersucht werden. In einem anschließenden Exkurs soll besonders die Metapher in ihrem spezifischen Wahrheitscharakter nach Hans Blumenberg beleuchtet werden. Es handelt sich in dieser Arbeit um eine Auswahl von Aphorismen, der kein besonderes Schema zu Grund liegt, da dieses Vorhaben grundsätzlich mit jedem Aphorismus Nietzsches möglich wäre. Aus der Analyse sollen Konsequenzen und Wirkungen für die Denkhaltung des Lesers herausgearbeitet werden, die anschließend mit dem Charakter des „freien Geistes“, den Nietzsche entwirft, in Verbindung gebracht werden (Kapitel 4). Dabei leitet mich die These, dass die intensive Lektüre von Nietzsches Aphorismenbücher, genauer der Fröhlichen Wissenschaft als Einübung in eine philosophische Haltung des freien Geistes verstanden werden kann.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Nietzsches Auffassung von Stil und Sprache

2.1. „Der Stil muss leben“

2.2. Wir „besitzen doch nichts als Metaphern der Dinge“

3. Nietzsches literarische Mittel in ihrer Wirkung auf den Leser

3.1. Der Aphorismus als Nietzsches philosophische Form

3.2. Aphorismus 307: Zu Gunsten der Kritik

3.3. Aphorismus 343: Was es mit unserer Heiterkeit auf sich hat

Exkurs zur Metapher nach Hans Blumenberg

4. Der Charakter des freien Geistes und die Herausforderungen des Lesers

4.1. Schaffend im Angesicht des radikalen Nichts

4.2. Das Bild des Tanzes als Notwendigkeit der Bewegung

4.3. Die wenigen freien Geister

4.4. Die Übung des freien Geistes und die Kunst des Lesens

4.5. Die Tugenden des freien Geistes

5. Schluss

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die enge Verschränkung von Form und Inhalt in Friedrich Nietzsches Werk, insbesondere in den Aphorismenbüchern wie der Fröhlichen Wissenschaft. Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Nietzsche durch seine spezifische Schreibweise und literarische Mittel den Leser dazu auffordert und befähigt, sich in eine philosophische Haltung des sogenannten "freien Geistes" einzuüben.

  • Die Analyse von Nietzsches Verständnis von Stil, Sprache und Metaphorik.
  • Die Untersuchung des Aphorismus als offene, dialektische Denkform.
  • Die Charakterisierung des "freien Geistes" und dessen Haltung zur Ungewissheit.
  • Die Herausarbeitung der Rolle des Lesers als aktiver Mitgestalter und "Übender".

Auszug aus dem Buch

3.2. Aphorismus 307: Zu Gunsten der Kritik

Der Aphorismus 307 in der Mitte des vierten Buches der Fröhlichen Wissenschaft beschreibt die Erfahrung, Wahrheiten, die man einst glaubte, mit Blick auf sein bisheriges Leben aber als Irrtümer „erkennt“. Hierfür wird nicht die Vernunft gelobt, die uns Dank ihrer Kraft aus diesem Irrtum befreit hat, sondern es wird die jeweilige Lebenssituation zum Maßstab von wahr und falsch (vgl.: FW, 343) herangezogen.

Zu Beginn des Aphorismus wird eins direkt deutlich: Nietzsche spricht seinen Leser mit „Du“ an, was dem Aphorismus einen dialogischen Charakter verleiht. Ob Nietzsche einen Dialog mit seinem Leser im Sinn hat, oder einen inneren Dialog, oder ein anderes „Du“ anspricht, sei dahingestellt. Zumindest ist festzustellen, dass das Identifikationspotential der direkten Anrede höher ist, als das eines allgemeinen „man“, von dem sich der Leser durchaus distanzieren kann. Doch hier sieht sich der Leser zurückgeworfen auf sein individuelles Leben und seine persönliche Erfahrungen. Er begibt sich mit Nietzsche in ein persönliches Gespräch. „Jetzt erscheint dir Etwas als Irrthum, das du ehedem als Wahrheit oder Wahrscheinlichkeit geliebt hast.“ (FW, 307) lautet der erst Satz.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung begründet das Vorhaben, Nietzsches Werk durch den Fokus auf die Wechselwirkung von Form und Leser zu untersuchen, und stellt die These auf, dass seine Aphorismen als Einübung in die Haltung des freien Geistes dienen.

2. Nietzsches Auffassung von Stil und Sprache: Dieses Kapitel erläutert Nietzsches Verständnis von Sprache als metaphorisches Begriffsgebäude und die Forderung nach einem "lebendigen" Stil, der den Leser persönlich affiziert.

3. Nietzsches literarische Mittel in ihrer Wirkung auf den Leser: Hier wird der Aphorismus als philosophische Form analysiert, die durch das Wechselspiel von Behauptung und Frage den Leser zur aktiven Interpretation herausfordert, beispielhaft demonstriert an den Aphorismen 307 und 343.

4. Der Charakter des freien Geistes und die Herausforderungen des Lesers: Das Kapitel verknüpft die methodischen Irritationen des Lesers mit dem Ideal des "freien Geistes", der sich im Angesicht des radikalen Nichts durch Selbstbestimmung und Tanz auszeichnet.

5. Schluss: Der Schlussteil resümiert, dass die Lektüre Nietzsches als pragmatische Einübung in eine tapfere Wahrhaftigkeit verstanden werden kann, die den Leser dazu befähigt, Sinn in einer ungewissen Welt selbst zu schaffen.

Schlüsselwörter

Friedrich Nietzsche, Fröhliche Wissenschaft, Aphorismus, Freier Geist, Stil, Sprache, Metapher, Leser, Wahrheit, Irrtum, Perspektivismus, Selbstüberwindung, Nihilismus, Redlichkeit, Experiment.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie Friedrich Nietzsche durch die literarische Gestaltung seiner Aphorismen den Leser dazu bringt, eine bestimmte philosophische Grundhaltung einzunehmen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen Nietzsches Verständnis von Stil und Sprache, die Funktion des Aphorismus als philosophische Form sowie die Charakterisierung der Haltung des sogenannten "freien Geistes".

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage lautet, durch welche literarischen Mittel Nietzsche den Leser beeinflusst und welche Konsequenzen seine spezifische Art des Schreibens für die Denkhaltung des Lesers hat.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine philosophische Text- und Stilinterpretation, die Nietzsches Schriften kontextuell analysiert und durch Bezugnahmen auf Interpreten wie Stegmaier, Krüger und Blumenberg untermauert wird.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung der Sprachauffassung Nietzsches, eine detaillierte Analyse der Aphorismen 307 und 343 sowie die Herleitung des Ideals des "freien Geistes" aus diesen Analysen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Aphorismus, Freier Geist, Perspektivismus, Wahrhaftigkeit, Metaphorik und das Experiment als Lebensform.

Was bedeutet "Beweisen durch Zeigen" in Bezug auf Nietzsche?

Damit ist gemeint, dass Nietzsche keine systematische logische Argumentation anstrebt, sondern den Leser durch die bildliche Kraft und den Rhythmus seiner Sprache direkt in die besprochenen Stimmungen (wie Angst oder Heiterkeit) versetzt.

Wie spielt der "Widerspruch" in Nietzsches Aphorismen eine Rolle?

Der Widerspruch dient dazu, den Leser davon abzubringen, den Aphorismus als starre Lehre oder Dogma zu missverstehen; er fungiert als offene Denkform, die zum ständigen Neudenken und Interpretieren zwingt.

Final del extracto de 40 páginas  - subir

Detalles

Título
"Lernt mich gut lesen!" Nietzsche lesen als Einübung in die Haltung des freien Geistes
Universidad
University of Hildesheim  (Institut für Philosophie)
Calificación
1,0
Autor
Laura Meinhardt (Autor)
Año de publicación
2015
Páginas
40
No. de catálogo
V311042
ISBN (Ebook)
9783668096141
ISBN (Libro)
9783668096158
Idioma
Alemán
Etiqueta
lernt nietzsche einübung haltung geistes
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Laura Meinhardt (Autor), 2015, "Lernt mich gut lesen!" Nietzsche lesen als Einübung in die Haltung des freien Geistes, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/311042
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