Glaziale Erosions- und Akkumulationsformen prägen einen großen Teil der heutigen Erdoberfläche. Ein Grund dafür sind zum einen die in der Erdgeschichte immer wieder auftretenden Eiszeiten und zum anderen die enorm ausgeprägte oberflächenformende Wirkung des Gletschereises. Vor allem vor dem Hintergrund der aktuell fortschreitenden Klimaerwärmung und dem damit einhergehenden Gletscherrückzug ist davon auszugehen, dass der Anteil der glazial geprägten Erdoberfläche zunehmen wird.
Die Voraussetzungen, die Entstehungsmechanismen sowie die Ausbildungsformen glazialer Erosions- und Akkumulationsformen sind das Thema der vorliegenden Arbeit, genauso wie deren Einbindung in den gesamten formschaffenden Kreislauf der Erdoberfläche.
Nach einer kurzen Einführung in das Thema, die sich aus Begriffserklärung und Abgrenzung zusammensetzt, wird zunächst auf die Gletscherbewegung eingegangen, da diese als Grundvoraussetzung für das Auftreten glazialer Erscheinungsformen angesehen werden kann. Anschließend werden, nach der Einbindung des Themas in den gesamten oberflächenformenden „Kreislauf der Gesteine“, die einzelnen glazialen Erscheinungsformen und die dazugehörigen Prozesse in chronologischer Reihenfolge näher erläutert.
Aufgrund des begrenzten Rahmens dieser Arbeit sowie zugunsten der Verständlichkeit beziehe ich mich bei der Ausarbeitung dieser Kapitel ausschließlich auf die Gletscher des alpinen Raumes. Weiterhin werden – abgesehen vom letzten Kapitel – nur glaziale Oberflächenformen behandelt.
Das letzte Kapitel beschäftigt sich mit dem Konzept der glazialen Serie – und zwar im Speziellen – mit seiner Anwendung im alpinen Vorland, da die vorhergehenden Kapitel dieser Arbeit ebenfalls auf die Gletschertypen dieses Raumes beschränkt sind. Angesichts der festen Bestandteile dieses Konzeptes werden hier zum Teil auch glazifluviale Oberflächenformen besprochen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 „Glazial“ – Bedeutung und Abgrenzung
3 Gletscherbewegung
4 Glaziale morphodynamische Wirkungskette
4.1 Glaziale Erosionsprozesse und formen
4.1.1 Kar
4.1.2 Trogtal
4.1.3 Rundhöcker
4.2 Glazialer Transport
4.3 Glaziale Akkumulationsprozesse und formen
4.3.1 Moräne
4.3.2 Toteishohlform
4.3.3 Drumlin
5 Glaziale Serie im Alpenraum
6 Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, die Voraussetzungen, Entstehungsmechanismen sowie die verschiedenen Ausbildungsformen glazialer Erosions- und Akkumulationsprozesse zu untersuchen und deren Einbindung in den allgemeinen morphodynamischen Kreislauf der Erdoberfläche darzustellen. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie sich glaziale Wirkungsketten im alpinen Raum chronologisch und genetisch-räumlich definieren und gliedern lassen.
- Grundlagen der Gletscherbewegung und Eismorphodynamik
- Prozessanalyse von glazialer Erosion (Detersion, Detraktion, Exaration)
- Transportmechanismen und Akkumulationsformen (Moränen, Toteis, Drumlins)
- Das Konzept der glazialen Serie im alpinen Vorland
- Abgrenzung zwischen glazialen und glazifluvialen Prozessen
Auszug aus dem Buch
4.1 Glaziale Erosionsprozesse- und formen
„Ein Talgletscher von nur wenigen hundert Metern Breite kann in einem einzigen Jahr mehrere Millionen Tonnen Gestein vom Untergrund losreißen und zerkleinern.“ (Press/Siever 20085:21). Wie dieses Zitat bereits deutlich macht verfügen Gletscher über eine sehr große Erosionskraft. Die Erosionstätigkeit von Gletschern setzt sich aus drei Einzelprozessen zusammen, die eng mit dessen Transportvermögen verknüpft ist (Press/Siever 20085:586) (Price 1973:59).
Gletscher nehmen im Zuge der Hangabwärtsbewegung Lockermaterial auf, was durch verschiedene Verwitterungsvorgänge entstanden ist. Dies ist der Prozess der Exaration, er bildet die Grundlage für einen weiteren Erosionsprozess, die Detersion. Die Detersion beschreibt die schleifende, schrammende und kratzende Wirkung der, durch die Exaration, im Gletschereis aufgenommenen Partikel auf den Untergrund. Sie wirkt besonders auf die, dem Gletscher zugewandten, Stoßseite von Gesteinsformationen. Im Gegensatz dazu werden durch den Erosionsprozess der Detraktion an der Gletscherbasis festgefrorene Gesteinskomplexe herausgebrochen und mit dem Eis abtransportiert (Ahnert 20094:308) (Press/Siever 20085:586-587).
Das Ergebnis der unterschiedlichen erosiven Vorgänge sind glaziale Erosionserscheinungen verschiedener Form und Größenordnung (Embleton/King 19752:181). Die unterschiedlich ausgeprägten glazialen Erosionsformen sind auf Unterschiede von Gletschereigenschaften, Dauer der Vergletscherung, wie auch auf die Struktur und Topographie des Gebirges zurückzuführen (Sugden/John 1976:168). Der Großteil des glazilen Formenschatzes gelangt erst nach dem Abschmelzen des formschaffenden Eises an die Erdoberfläche (Leser 19988:146).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung der glazialen Formung für die Erdoberfläche ein und definiert den thematischen Fokus auf den alpinen Raum sowie die methodische Vorgehensweise.
2 „Glazial“ – Bedeutung und Abgrenzung: Das Kapitel klärt die fachsprachliche Mehrdeutigkeit des Begriffs „Glazial“ und grenzt glaziale Prozesse räumlich und klimatisch von periglazialen bzw. glazifluvialen Vorgängen ab.
3 Gletscherbewegung: Es werden die physikalischen Voraussetzungen und Mechanismen (Deformationsfließen) erläutert, die zur aktiven Bewegung von Gletschereis führen.
4 Glaziale morphodynamische Wirkungskette: Dieses Hauptkapitel analysiert detailliert die Prozesse von Erosion, Transport und Akkumulation sowie die daraus resultierenden Oberflächenformen wie Kare, Trogtäler, Rundhöcker und Moränen.
5 Glaziale Serie im Alpenraum: Das Kapitel erläutert das Konzept der glazialen Serie als Modell zur chronologischen und genetisch-räumlichen Anordnung glazialer Ablagerungen im alpinen Vorland.
6 Fazit: Das Fazit fasst die enorme gestalterische Kraft des Gletschereises zusammen und reflektiert die Schwierigkeiten bei der wissenschaftlichen Abgrenzung glazialer Prozesse.
Schlüsselwörter
Glaziale Erosion, Akkumulation, Gletscherbewegung, Exaration, Detersion, Detraktion, Trogtal, Moräne, Rundhöcker, Glaziale Serie, Alpenraum, Geomorphologie, Schmelzwasser, Deformationsfließen, Quartär.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die geomorphologischen Prozesse, die durch Gletscher verursacht werden, und analysiert, wie diese die Erdoberfläche formen.
Welche thematischen Schwerpunkte werden gesetzt?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Wirkungskette von Erosion, Transport und Ablagerung sowie die Anwendung des Konzepts der glazialen Serie im alpinen Raum.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die systematische Erläuterung der glazialen Erosions- und Akkumulationsformen und deren Einordnung in den morphodynamischen Kreislauf.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturarbeit, welche bestehende geowissenschaftliche Theorien und Modelle chronologisch zusammenführt und erläutert.
Welche Inhalte werden im Hauptteil detailliert behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Entstehung von Formen wie Kare, Trogtäler, Rundhöcker sowie verschiedene Moränentypen und deren Position im Gletscherrelief.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Glaziale Serie, Exaration, Detersion, Detraktion, Moränentypen, alpine Vergletscherung und geomorphologische Formenschätze.
Was unterscheidet ein Trogtal von einem Kerbtal?
Ein Trogtal weist einen U-förmigen Querschnitt auf, während ein Kerbtal durch fließendes Wasser primär V-förmig geformt wird.
Warum ist das Konzept der „glazialen Serie“ für die Quartärforschung so bedeutsam?
Es ermöglicht, die chronologische Abfolge und räumliche Anordnung von Eiszeit-Ablagerungen zu rekonstruieren, besonders in Jungmoränenlandschaften.
Was passiert bei einem Rundhöcker während der Überfahrung durch einen Gletscher?
Auf der Luvseite findet Detersion (Abschleifen) statt, während auf der Leeseite durch Detraktion Gesteinsmaterial ausgebrochen wird.
Warum ist die Abgrenzung zu glazifluvialen Prozessen laut Autorin schwierig?
Weil Schmelzwasser fast immer an der Bildung glazialer Erscheinungsformen beteiligt ist und somit eine strikte Trennung oft nicht möglich ist.
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- Katharina Schulz (Author), 2015, Glaziale Erosions- und Akkumulationsformen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/311052