Das Phänomen der Genrevermischungen und die BBC-Serie "Doctor Who" in der Analyse


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014

20 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

INHALT

1. EINLEITUNG

2. WAS IST EIN GENRE?

3. DAS SCIENCE-FICTION-GENRE

4. ZEITREISEN

5. GENREVERMISCHUNGEN

6. ANHALTSPUNKTE FÜR GENREVERMISCHUNGEN IN ‚DOCTOR WHO‘ .
6.1. DER DOKTOR
6.2. DIE WERKZEUGE
6.3. DIE GEGNER
6.4. ÜBERGÄNGE IN DER ZEIT

7. SCHLUSSFOLGERUNGEN

8. LITERATUR

Anlage

Selbstständigkeitserklärung

Abkürzungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. EINLEITUNG

Moderne Literatur sowie Filme und Serien sollten ihren Rezipienten Etwas bieten, was ihrer Meinung nach neu und noch nie da gewesen ist. Mit jedem neuen Roman und Drehbuch wird die Messlatte für diese Ansprüche höher gelegt. Doch wie kreiert man etwas noch nie Dagewesenes? Eine Möglichkeit, auf die in der heutigen Gesellschaft gerne zurückgegriffen wird, ist, etwas ‚Altes‘ mit etwas ‚anderem Alten‘ zu kombinieren. So wird ein klassisches Genre wie der Western im Film, zum Beispiel in Cowboys vs. Aliens, mit dem Science-Fiction-Genre vermischt und es entsteht eine Millionenproduktion. Die Fragen, die daraus resultieren, sind: Gibt es überhaupt noch eine Grenze? Wenn beliebige klassische Motive einfach miteinander vermischt werden, existiert dann überhaupt noch so etwas wie ein Genre?

In der Antike gab es lediglich drei unterschiedliche Formen, in denen literarische Werke entstanden sind. Die sogenannten Naturformen[1], wie bereits Goethe sie nannte, waren die ‚Dramatik, Epik und Lyrik‘. Schon damals hatten die Gattungen keine fest definierten Eigenschaften, wie es auch heute noch ist, wodurch es noch schwieriger wird, ein Werk überhaupt in eine Gattung einzuordnen. Und doch ist die Literaturwissenschaft darum bemüht „eine möglichst präzise Abgrenzung der literarischen Gattungen voneinander“ zu erwirken, um überhaupt die Entstehung neuer Theorien möglich zu machen[2]. Nur so ist es auch möglich zu prüfen, ob die „durch Begriffsprägung als Gruppe zusammengefassten Texte“ tatsächlich als Gattung bezeichnet werden können[3]. Eine genaue Definierung und Prüfung ist allerdings erst im Nachhinein möglich, da diese neuen Gruppen meist „auf eine Transformation bereits existierender Gattungen zurückzuführen ist“.Diese Transformationen stellen sich zumeist als Subgattung dar, bevor sie als eigene Gattung anerkannt werden[4]. So spaltet sich beispielsweise im 18. Jahrhundert der Begriff Roman, der eine Gattung darstellt, in die Subgattungen fiktionaler und nichtfiktionaler Roman auf. Grundsätzlich sind sich Literaturtheoretiker nicht einig darüber, wie genau Gattungen entstanden bzw. zu verstehen sind. So erklärt u. A. André Jolles 1930[5], dass die „Grundbausteine für die komplexere(n) literarische(n) Gattungen“ Transformationen von „außerliterarischen Diskurstypen“ sind. Diese wie er sie bezeichnet „vorliterarischen Gattungen“ sind Legenden, Sagen, Mythen, Rätsel, Sprüche, Märchen, Witze, Memorabile und Kasus. Wilhelm Voßkamp[6]dagegen sieht „Gattungen als Antwort auf gesellschaftliche Bedürfnislagen“ und Probleme. Wenn die bestehenden Gattungen keine Möglichkeit mehr bieten, diese

Bedürfnisse zu befriedigen, ist es nötig, neue Gattungen zu erschaffen, die diesen Problemen gewachsen sind.

In dieser Arbeit soll davon ausgegangen werden, dass neue Gattungen durch Transformation und Vermischung entstehen. So wird ihrem Leser ein Überblick über moderne und postmoderne Theorien zum Thema Genrevermischung und Hybridisierung gegeben. Es erfolgt ein kurzer Einblick in diverse Definitionsversuche für die Begriffe Gattung und Genre, die lediglich dem Verständnis halber dargestellt, aber nicht Hauptgegenstand dieser Arbeit sein werden. Von größerem Interesse ist die Frage, ob und wie die Einordung in ein Genre zur heutigen Zeit noch möglich ist, wenn Genres sich weiterentwickeln und hybridisieren. An der BBC-Serie Doctor Who werden Indikatoren kenntlich gemacht und Beispiele für mögliche Vermischungen aufgezeigt. Grundlage dieser Ausführungen wird ein Einblick in das Science-Fiction-Genre sein, in welches die Serie eingeordnet werden kann.

2. WAS IST EIN GENRE?

Wie eingangs bereits dargestellt, gibt es keine fest umrissene Definition für die Begriffe Gattung und Genre. Diverse Literaturtheoretiker haben unterschiedliche Definitionsversuche unternommen, bei denen nur wenige Gemeinsamkeiten existieren. Der Begriff der Gattung hat in seinen Definitionen aber häufig Folgendes gemein: Die Einteilung der literarischen Texte erfolgt nach „Sprecher, Redeform und Themenbereichen“[7]. Nach diesen drei Merkmalen wurden bereits in der Antike Dramatik, Epik und Lyrik voneinander unterschieden und sie bilden somit den Kern der „umstrittenen Dimensionen des Gattungsbegriffes“8 In einem Leser wird zudem durch das Genre/ die Gattung „eine bestimmte Rezeptionshaltung“[8]ausgelöst, sodass er gewisse Erwartungen an den Text hat. So verbinden wir z.B. in der heutigen Zeit Action-Filme mit schnellen Schnitten, schnellen Autos oder Kämpfen jeglicher Art. Grundsätzlich kann auch festgestellt werden, dass „Gattungsbegriffe zur Zusammenfassung von Texten nach verbindlichen Kriterien [dienen], um

- zu beschreiben, wie und warum Texte von Lesern auf ähnliche Weise gelesen, verstanden, gedeutet werden;
- zu erklären, wie und warum sich Autoren zur Realisierung individueller Ausdrucksinteressen vorgeprägter Muster bedienen;
- zu gewährleisten, dass kommunikative Verständigungen über größere Texteinheiten stattfinden können.“[9]

Gerard Genette hat sich mit der Beziehung zwischen Genre und Leser auseinandergesetzt. Er sich hat sich mit dem ‚Beiwerk des Buchesbeschäftigt, also mit allem, was außerhalb des eigentlichen Textes existiert:

„Enthält derPeritextdie Elemente, die sich um den Text gruppieren, umfasst derEpitextjene Genres, die sich mit einem Text auseinandersetzen und dabei auch generische Ordnungen vornehmen: Rezensionen, Interviews, Autorenportraits etc. Zusammen mit der typographischen Gestaltung und festgelegten Eröffnungsformeln konditionieren diese paratextuellen Größen das Verhalten von Lesern.“[10]

Ralf Klausnitzer unternimmt eine generische Einteilung, indem er 3 Bereiche voneinander abtrennt.

(1) „Termini wie ‚Gattung‘ und ‚Genre‘, ‚Textsorte‘ und ‚Schreibweise‘ stellenOrdnungsbegriffedar, die individuelle literarische Äußerungen auf der Basissystematischer,mehr oder weniger transhistorischer Merkmale zusammenfassen. Als synchron rubrizierende Textgruppen werden sie durch Beobachtung von prototypischen Mustern und wiederkehrenden Invarianten sowie durch klassifikatorische Reihenbildungen hergestellt; ihre terminologische Fixierung erfolgt durch (auch etymologisch erklärbare) Verallgemeinerungen, die das kommunikative Handeln mit und in Texten erfassen. (…)“

(2) „Gattungen sind (…)Konventionen, die eine erfolgreiche Kommunikation zwischen Autor und Leser ermöglichen.Als Verabredungen mit gewisser Beständigkeit und intersubjektiver Verbindlichkeit sind sie für Leser wie für Autoren bedeutsam. Lesernsignalisieren sie dieEinnahme einer bestimmten Rezeptionshaltung:Externe und interne Gattungssignale legen

Vermutungen über Sinn und Bedeutung des Textes nahe und setzen so den hermeneutischen Zirkel, also die Bewegung des Verstehens zwischen Teil und Ganzem, in Gang. FürAutorenbilden Gattungen einBezugssystem,in dem Verstöße gegen geltende Regeln ebenso prägend und bedeutungskonstitutiv sind wie Bestätigungen. (…)“

(3) „Gattungsbezogene Textgruppenbildungen klassifizieren Bereiche des literarischen Aussagens in synchroner Perspektive und ermöglichen die intern differenzierte Beobachtung der so gebildeten Sektoren. (…)“[11]

Harald Fricke[12]stellt fest, dass Gattungen vom Menschen selbst erschaffen wurden, um eine Einordnung in unterschiedliche Systeme vorzunehmen. Je nach System werden die Gattungen anders bezeichnet oder verwendet. „Gattungen existieren nur durchBegriffe,die wir uns davon bilden.“ Andererseits stellt er in Bezug auf eine historische Einordnung der Gattungen die Frage, „ob Gattungen von uns eigentlich ›erfunden‹ oder ›vorgefunden‹ werden.“[13]In Bezug auf den Gebrauch der Terminologien Textsorte und Genre unterscheidet Fricke wie folgt: „Unter ›Textsorte‹ möchte er einen »rein systematische(n) literaturwissenschaftliche(n)Ordnungsbegriff« verstanden wissen, unter ›Genre‹ eine »historisch begrenzte literarische Institution. «“ Er erklärt, dass die Textsorte lediglich aufgrund des einen Werkes und den bestehenden Regeln ihrer eigenen Zeit bestimmt werden kann. Das Genre hingegen kann nur bestimmt werden, indem andere Werke und auch „nichtliterarische Dokumente“[14]aus seiner Zeit und auch der vergangenen Zeit betrachtet werden.

Ein weiteres häufig auftretendes Definitionsmerkmal für Genre benennt Daniel Chandler in seinem Werk ‚Eine Einführung in die Genre-Theorie‘. Er sieht „bestimmte Konventionen des Inhalts und/oder der Form“ als charakteristisch für Genre. Bezüglich der Grenzen zwischen unterschiedlichen Genres äußert sich Chandler wie folgt.

„Es ist schwer, zwischen einigen Genres klare Unterschiede zu bestimmen: Genres überlappen sich, und es gibt ›gemischte Genres‹ (wie Comedy-Thriller). Bestimmte Genres sind intuitiv erst mal leicht zu bestimmen, aber schwerer (wenn nicht unmöglich) zu definieren.“[15]

Er stellt fest, dass „sich Genre als ›unscharfe‹ Kategorien verstehen, die nicht nur durch notwendige oder hinreichende Bedingungen beschrieben werden können.“[16]Da, wie Chandler bemerkt, die neueren Definitionsversuche von Genre deren textuelle Eigenschaften „vernachlässigen“, bringt er diese in Bezug auf Film/TV erneut ins Gespräch. So können „Narration, Charakterisierung, Grundthemen, Setting, Ikonografie und filmische Techniken“[17]verwendet werden, um zwischen Genre zu unterscheiden. Abschließend soll hier der Auszug aus einem Lexikon der Fachbegriffe dargestellt werden. Der Autor beschreibt den Begriff Genre wie folgt:

„Gruppen von Filmen, die gewisse thematische oder stilistische Gemeinsamkeiten besitzen, z.B. Western, Science-Fiction, Detektiv- und Kriminalfilm, Musical, FilmNoir, Bergfilm. Die Kunst der Genre-Filme liegt in der Variation, dem Spiel mit den – ungeschriebenen – Genre-Regeln.[18]

3. DAS SCIENCE-FICTION-GENRE

Das Science-Fiction-Genre soll hier beispielhaft für andere Genre beschrieben werden, besonders auch im Hinblick auf die Erläuterungen zu der Serie ‚Doctor Who‘ im weiteren Verlauf der Arbeit. Der Begriff setzt sich aus den Wörtern

‚Science‘ und ‚Fiction‘ zusammen. ‚Science’ in seiner Bedeutung als (Natur)Wissenschaft, Technik vermischt sich also mit der Prosa- und Erzählliteratur der Fiktion, in der eine Welt erschaffen wird, die nicht auf den tatsächlichen Begebenheit der Realität beruht. Doch seit wann gibt es Science-Fiction überhaupt? Paul K. Alkon erstellte in seinem Werk ‚Science Fiction before 1900‘ eine Chronologie, auf welchem Wege die Idee der Vermischung von Wissenschaft mit Fiktion entstanden ist. Ein Auszug aus dieser Chronologie[19]soll diesen Weg aufzeigen.

[...]


[1]Zymner, R.: Handbuch Gattungstheorie, S. 135.

[2]Ebd., S. 135.

[3]Ebd., S. 135.

[4]Fowler, A. dargestellt in Zymner, R.: Handbuch Gattungstheorie, S. 135.

[5]Jolles, A. dargestellt in Zymner, R.: Handbuch Gattungstheorie, S. 135/136.

[6]Voßkamp, W. dargestellt in Zymner, R.: Handbuch Gattungstheorie, S. 136.

[7]Klausnitzer, R.:Literaturwissenschaft, S. 97. 8 Ebd., S. 98.

[8]Ebd., S. 95.

[9]Ebd., S. 97.

[10]Genette, G. dargestellt in Klausnitzer, R.: Literaturwissenschaft, S. 97.

[11]Klausnitzer, R.: Literaturtheorie, S. 110.

[12]Fricke, H. dargestellt in Zymner, R.: Handbuch Gattungstheorie, S. 7.

[13]Ebd., S. 10.

[14]Ebd., S. 26.

[15]Chandler, D.: Eine Einführung in die Genre-Theorie, S. 3.

[16]Ebd., S. 4.

[17]Ebd., S. 22.

[18]Monaco, J.: Lexikon der Fachbegriffe, S. 74

[19]Alkon, P. K.: Science Fiction before 1900, S. XV – XIX.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Das Phänomen der Genrevermischungen und die BBC-Serie "Doctor Who" in der Analyse
Hochschule
Universität Rostock  (Institut für Germanistik)
Veranstaltung
Hybride Genre. Gattungsvermischungen und -transformationen in modernen Unterhaltungsfilmen
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
20
Katalognummer
V311090
ISBN (eBook)
9783668097575
ISBN (Buch)
9783668097582
Dateigröße
602 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
phänomen, genrevermischungen, bbc-serie, doctor, analyse
Arbeit zitieren
B.A. Susann Greve (Autor), 2014, Das Phänomen der Genrevermischungen und die BBC-Serie "Doctor Who" in der Analyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/311090

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