Diese Arbeit soll nicht nur analysieren und darstellen, wie die Riesen und Zwerge im "Herzog Ernst" literarisch dargestellt werden, ihre Funktion und Visualisierung beschreiben, sondern auch einen Überblick über die mythologischen Ursprünge und Entwicklung dieser Wesen geben. Den Beginn soll eine Vorstellung beider Wesenstypen machen, gefolgt von der Analyse HE. Hierbei wird zunächst das Werk historisch eingeordnet, um dann den Fokus auf die Arimaspi-Episode zu legen, in dem die Riesen und Zwerge erstmals in Aktion treten.
Der belebende Glaube an Ungewöhnlichkeiten scheint bei näherem Betrachten nicht immer nur das Gespinst, das in den Köpfen der Menschen entstand und über Generationen und Zeitalter weitergegeben wurde, sondern viel mehr als das. Es ist ein Bild der Zeit, ein Bild des Denkens, ein Bild des Verständnisses und ein Bild der Kunst. Phantastische Gedanken stehen als wissenschaftliche Theorien vergangener Zeiten, in denen die Menschen versuchten, sich die Welt, in der sie lebten, mit all ihren Phänomen und Wirkungen, ihrem Zauber und Sinn zu erklären. Egal, ob in Form von Gottheiten, nicht menschlichen Wesen oder gar Ungeheuern, Menschen wollten Antworten auf ihre drängenden Fragen an die Naturerscheinungen. So entstanden Glaube und Mythos und beides wurde zunächst mündlich weitergegeben. Es bildeten sich Geschichten, Sagen, Spekulationen daraus. Der Schwerpunkt dieser Arbeit sei auf zwei mythologische Wesen gelegt. Die Pygmäen und Cananäischen Riesen gelten als ethnologische Kuriositäten im "Herzog Ernst" und lassen sich in den Orientteil seiner Reise einordnen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Mittelalterliche Mythologie
2.1. Riesen
2.2. Zwerge
3. Die Darstellung der Riesen und Zwerge im Herzog Ernst B
3.1. Historischer und Inhaltlicher Abriss
3.2. Arimaspi- Episode
3.2.1. Kurze Einordnung in den Gesamtzusammenhang
3.2.2. Inhalt
3.2.2.1. Die Darstellung der Zwerge
3.2.2.2. Die Darstellung der Riesen
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die literarische Darstellung, Funktion und Visualisierung von Riesen und Zwergen im mittelhochdeutschen Epos "Herzog Ernst B". Dabei wird untersucht, wie diese mythologischen Wesen in den Kontext der höfischen Dichtung eingebettet sind, wobei ein besonderer Fokus auf der sogenannten Arimaspi-Episode liegt.
- Mythologische Grundlagen von Riesen und Zwergen im Mittelalter
- Die literarische Tradition und Funktion fantastischer Wesen
- Historische und inhaltliche Einordnung des Herzog Ernst Stoffes
- Literarische Analyse der Zwergendarstellung im Lande Prechami
- Untersuchung der Riesen-Zyklopen-Thematik und ihrer ritterlichen Darstellung
Auszug aus dem Buch
3.2.2.1. Die Darstellung der Zwerge
Die Menschen aus dem Lande Prechami, von denen Herzog Ernst berichtet wurde, „[…] dâ wârn sô kleiniu liutelîn/ daz sie niht klener dorften sîn.“26 Die Bewohner von Prechami waren völlig verängstigt und lebten in ständiger Furcht vor den Kranichen, die ihnen ihr Land wegnahmen und die kleinen Menschen in die Wälder zurückzwangen. Sie konnten ihre Felder nicht mehr bestellen, denn den großen Kranichen gegenüber konnten sie sich nur mühsam erwehren und so aßen sie, was sie im Wald anbauten, stehlen den Kranichen hin und wieder ihre Eier oder töteten hin und wieder einen jungen Kranich, wenn sie ihn erwischten. So beschloss Herzog Ernst, ihnen mit hundert Mann zu Hilfe zu eilen. „dô giengen die helden balt/ in einen kreftigen walt/ und funden ir vil an einer stat.“27 Es gab einen König unter den Zwergen, der zu jedem gleichermaßen freundlich war. „der künic dem herzoge/ kûme an den gürtel langen kunde.“28 Der König zeigte auf Ernsts bitten hin, wo die Kraniche zu finden sind und siegte an seiner Seite gegen die Kraniche. Das Angebot bei ihm zu bleiben und über sein Land zu herrschen, lehnte der Herzog dankbar ab und kehrte zurück in seine Heimat Arimaspi. Als Belohnung bekam er zwei der am besten gebauten Prechamibewohner mit für seine Sammlung. Viele Attribute der Zwerge werden im HE nicht vermittelt, so bleibt viel Freiraum für die eigene Vorstellung der nur bis zur Hüfte reichenden Menschen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel stellt das Interesse an mythologischen Fabelwesen als Spiegel des mittelalterlichen Weltbildes dar und definiert das Ziel, die Darstellung von Riesen und Zwergen im Werk Herzog Ernst zu untersuchen.
2. Mittelalterliche Mythologie: Hier werden Riesen und Zwerge als morphologische Gegensätze in der mittelalterlichen Literatur eingeführt, wobei ihre traditionellen Rollen, ihre Erscheinungsformen und ihre mythologischen Wurzeln beleuchtet werden.
3. Die Darstellung der Riesen und Zwerge im Herzog Ernst B: Dieses zentrale Kapitel analysiert die spezifische literarische Umsetzung dieser Wesen im Werk Herzog Ernst B, eingebettet in den historischen und inhaltlichen Kontext des Epos.
3.1. Historischer und Inhaltlicher Abriss: Dieser Abschnitt bietet einen Überblick über das Werk Herzog Ernst, seine verschiedenen Fassungen und die Bedeutung der ritterlich-höfischen Dichtung für die Narration.
3.2. Arimaspi- Episode: Die Arimaspi-Episode wird als entscheidendes Abenteuer hervorgehoben, in dem der Protagonist auf die fantastischen Völker trifft, was den Rahmen für die nähere Analyse bildet.
3.2.1. Kurze Einordnung in den Gesamtzusammenhang: Hier wird der Handlungsverlauf des Schiffbruchs am Magnetberg und die Ankunft im Lande Arimaspi beschrieben.
3.2.2. Inhalt: Dieser Abschnitt leitet die detaillierte Untersuchung der in Arimaspi angetroffenen Wesen ein.
3.2.2.1. Die Darstellung der Zwerge: Der Fokus liegt hier auf dem Volk der Prechami, deren Bedrängnis durch Kraniche und deren Interaktion mit Herzog Ernst.
3.2.2.2. Die Darstellung der Riesen: Hier wird die ambivalente Darstellung von Zyklopen-Riesen und den kanaanäischen Riesen sowie deren ritterliches beziehungsweise gewalttätiges Verhalten diskutiert.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und hebt hervor, wie der Herzog Ernst Text mit verschiedenen mythologischen Erwartungsbildern spielt und durch den Wandel einzelner Riesen neue Impulse setzt.
Schlüsselwörter
Herzog Ernst, Mittelalterliche Mythologie, Riesen, Zwerge, Arimaspi, Prechami, Heldenepik, Höfische Dichtung, Fantastik, Literaturanalyse, Mittelalter, Fabelwesen, Literaturwissenschaft, Zyklopen, Motivgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der literarischen Darstellung mythologischer Wesen – speziell Riesen und Zwergen – im mittelalterlichen Epos "Herzog Ernst B".
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind die mythologische Tradition dieser Wesen, ihre literarische Einordnung in die höfische Dichtung und die spezifische Analyse ihrer Rollen innerhalb der Arimaspi-Episode des Werkes.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, zu analysieren, wie Riesen und Zwerge im "Herzog Ernst" dargestellt werden, welche Funktionen sie erfüllen und wie sie sich zur allgemeinen Tradition der mittelalterlichen Riesen- und Zwergenmythologie verhalten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin verwendet eine literaturwissenschaftliche Analyse, die sowohl auf den Primärtext ("Herzog Ernst") als auch auf relevante Sekundärliteratur zur mittelalterlichen Mythologie und Dichtung zurückgreift.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung zur mittelalterlichen Mythologie der Riesen und Zwerge sowie eine detaillierte Inhaltsanalyse der Arimaspi-Episode im "Herzog Ernst".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Herzog Ernst, Literaturanalyse, mittelalterliche Mythologie, Riesen, Zwerge und ritterliche Dichtung charakterisiert.
Wie unterscheidet der Autor zwischen den Riesen in Arimaspi und den klassischen Riesen?
Der Autor stellt fest, dass die im "Herzog Ernst" vorkommenden Zyklopen eher ritterliche Züge tragen und sich von den brutalen, gewalttätigen Giganten der klassischen Mythologie durch ihr zivilisiertes Verhalten unterscheiden.
Welche Bedeutung kommt dem Riesen zu, den Herzog Ernst als "Souvenir" mitnimmt?
Dieser Riese symbolisiert einen Wandel: Er wird vom gefährlichen Feind zum loyalen Gefährten und verdeutlicht damit, dass die Kräfte der Riesen unter der Führung eines zivilisierten Menschen konstruktiv genutzt werden können.
- Arbeit zitieren
- Juliane Richter (Autor:in), 2015, Von Kleinen und Großen in mittelalterlicher Literatur. Ein Vergleich mythologischer und literarischer Forschung über Riesen und Zwerge mit der Darstellung im "Herzog Ernst", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/311098