Die Analyse des Inneren Teams bei gestressten Personen

Eine qualitative Forschungsarbeit


Masterarbeit, 2014

90 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung und Problemstellung

2 Zielsetzung und Fragestellung

3 Gegenwärtiger Kenntnisstand
3.1 Das Phänomen Stress
3.1.1 Begriffsbestimmung Stress
3.1.2 Stressoren und Stressreaktionen
3.1.3 Stressfo lgen
3.2 Theoretische Stressmodelle
3.2.1 Klassische Stressmodelle
3.2.1.1 Salutogenetischer Ansatz
3.2.1.2 Stressmodell nach Lazarus
3.2.2 Arbeitsbezogene Stressmodelle
3.2.2.1 Job-Demand-Control-Modell nach Karasek
3.2.2.2 Arbeitspsychologisches Stressmodell nach Bamberg
3.3 Stressmanagement
3.3.1 Instrumentelles Stressmanagement
3.3.2 Mentales Stressmanagement
3.3.3 Regeneratives Stressmanagement
3.4 Stress in der Arbeitswelt
3.4.1 Arbeitsbelastungen und -ressourcen
3.4.2 Stressbedingte gesundheitliche Beschwerden
3.4.3 Arbeitsunfahigkeitstage aufgrund psychischer Erkrankungen
3.4.4 Kosten durch psychische Erkrankungen
3.5 Das innere Team nach Friedemann Schulz von Thun
3.5.1 Die innere Pluralität
3.5.2 Die Teammitglieder und ihr Zusammenwirken
3.5.3 Der Teamleiter und seine Aufgaben
3.5.4 Das Modell in derPraxis

4 Methodik
4.1 Die Analyse des inneren Teams
4.1.1 Rekrutierung der Stichprobe
4.1.2 Ein- und Ausschlusskriterien
4.2 Untersuchungsablauf und benötigtes Material
4.2.1 Vorphase - Erste Sitzung
4.2.2 Hauptphase - Zweite Sitzung „Inneres Team“
4.2.3 Abschlussphase - Dritte Sitzung
4.3 Qualitatives Interview
4.3.1 Problemzentriertes Interview
4.3.2 Interviewleitfaden
4.4 Datenaufbereitung und -auswertung
4.4.1 Qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring
4.4.2 Auswertungsschritte

5 Ergebnisdarstellung
5.1 Beschreibung der Probanden
5.1.1 Zusammenfassende Darstellung
5.1.2 Einzeldarstellung
5.1.2.1 HerrA
5.1.2.2 Herr В
5.1.2.3 Frau C
5.1.2.4 FrauD
5.1.2.5 FrauE
5.1.2.6 Frau F
5.2 Ergebnisse der Auswertung
5.2.1 Kognitionen in Stresssituationen (A)
5.2.1.1 Destruktive Denkmuster (A1)
5.2.1.2 Regenerationswünsche und Rückzugsgedanken (A2)
5.2.1.3 Handlungsaufforderungen und Motivationsgedanken (A3)
5.2.2 Stressreaktionen (B)
5.2.2.1 Emotionale Stressreaktionen (B1)
5.2.2.2 Physiologische Stressreaktionen (B2)
5.2.3 Ebenen der arbeitsbezogenen Belastungsfaktoren (C)
5.2.3.1 Makroebene (C1)
5.2.3.2 Meso ebene (C2)
5.2.3.3 Mikroebene (C3)

6 Diskussion
6.1 Ergebnisdiskussion
6.1.1 Ergebnisinterpretation
6.1.2 Ergebnis beeinflussende Variablen
6.1.2.1 Destruktive Fragen in der Gesprächsführung
6.1.2.2 Tageszeit und Coaching
6.1.2.3 Das Stressempfinden vor und nach dem Urlaub
6.2 Methodische Kritik und Ausblick

7 Zusammenfassung

8 Literaturverzeichnis

9 Verzeichnisse
9.1 Abbildungsverzeichnis
9.2 Tabellenverzeichnis
9.3 Abkürzungsverzeichnis

Anhang
Anhang 1: Aushang Probandensuche
Anhang 2: Kodierleitfaden
Anhang 3: Aufstellung der Inneren Teammitglieder
Anhang 4: REFA-Normkurve

1 Einleitung und Problemstellung

Stress - ein Wort das mittlerweile zu einem festen Bestandteil unserer Alltags­sprache geworden ist. Die Techniker Krankenkasse (TKK) untersuchte in einer Studie die Stresslage der deutschen Nation. Die Ergebnisse zeigen, dass sich 57 Prozent der Befragten häufig oder manchmal gestresst fühlen. Spitzenreiter auf der Liste der Stressfaktoren ist die Arbeit gefolgt von Schule und Studium. Als weitere Stressursachen werden private Konflikte, Kindererziehung und - betreuung, hohe Ansprüche an die eigene Person sowie finanzielle Sorgen ge­nannt (TKK, 2013a). In erster Linie enthält die Ausübung eines Berufes viel Po­sitives für jeden Einzelnen. Für die meisten Menschen ist die Erwerbstätigkeit die zentrale Quelle des materiellen Wohlergehens. Regelmäßige Arbeit trägt zu einem strukturierten Tagesablauf bei und bietet in einem positiv geprägten Ar­beitsumfeld ein stützendes soziales Umfeld. Nicht selten verbringen wir mit un­seren Kolleginnen und Kollegen vergleichbar viel Zeit wie mit den engsten Fami­lienmitgliedern (Allenspach & Brechbühler, 2005, S.13). Demnach spielt die Qualität der Arbeit eine wichtige Rolle für das Wohlergehen des Beschäftigten. Der von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) veröf­fentlichte Stressreport 2012 zeigt die negative Seite in der Arbeitsgestaltung auf. Veränderte beruflich bedingte Anforderungen und Belastungen haben ungünstige Auswirkungen auf die Gesundheit und führen zu Erkrankungen des Muskel­Skelett-Systems sowie zu psychovegetativen Belastungen (Müdigkeit, Erschöp­fung, Schlafstörungen etc.). Multitasking, Termin- und Leistungsdruck, Monoto­nie und Arbeitsunterbrechungen zählen laut Studie zu den zentralen Belastungs­faktoren. Zudem geht aus der Umfrage hervor, dass 40 Prozent der Befragten ar­beitsbedingt nur selten oder nie Rücksicht auf familiäre oder private Interessen nehmen können (BAuA, 2012). Einen entscheidenden Einfluss auf das Stresser­leben hat die persönliche Bewertung eines Menschen in der jeweiligen Situation. Objektiv gefährliche Gegebenheiten lösen nur dann Stress bei einem Individuum aus, wenn dieser die Gefahr erkennt und glaubt, sie nicht bewältigen zu können. Dementsprechend können auch objektiv ungefährliche Umstände bedrohlich er­lebt werden und Stress erzeugen. Ausschlaggebend ist demzufolge unser Gefühl die Situation kontrollieren zu können. (Litzcke & Schuh, 2010, S. 15).

Um Denk- und Wahrnehmungsprozesse geht es auch in dem Persönlichkeitsmo­dell des „Inneren Teams“ vom Hamburger Psychologen Friedemann Schulz von Thun. Unsere innere Reaktion auf einen Menschen, auf ein Ereignis oder auf eine Entscheidung ist dadurch geprägt, dass sie undeutlich, vielfältig und schwankend ist (Schulz von Thun, 2003, S.21). Nach der Auffassung von Schulz von Thun herrscht in der menschlichen Seele eine rege innere Gruppendynamik, die eine erstaunliche Analogie zu realen Teams und Gruppen aufweist. Die Mitglieder des „Inneren Teams“ vertreten bestimmte Rollen, Erfahrungen und Anschauungen und stehen sich mit ihren unterschiedlichen Normen und Werthaltungen nicht selten gegenseitig im Wege. Das lösen dieser inneren Teamkonflikte und die Fä­higkeit zu einer inneren Teambildung tragen maßgeblich zu Kraft und Klarheit bei (Schulz von Thun, 2003, S.21). Im Rahmen der Arbeit soll untersucht wer­den, ob das Modell des „Inneren Teams“ sich dazu eignet negative Kognitionen im Stressgeschehen von Arbeitnehmern aufzudecken und sie den Betroffenen zu vergegenwärtigen.

2 Zielsetzung und Fragestellung

Der Zusammenhang zwischen Stress und subjektiven gedanklichen Bewertungen wurde bereits zu Beginn angesprochen und kann mit dem Transaktionalen Stressmodell von Lazarus (1991) beschrieben werden. Dieses Modell geht davon aus, dass nicht die objektive Beschaffenheit des Reizes oder der Situation für mögliche Stressreaktionen von Bedeutung sind, sondern die subjektive Bewer­tung der Person. Mentales Stressmanagement hat zum Ziel dem Betroffenen seine negativen Gedanken, Gefühle und Bewertungen in Stresssituationen vor Augen zu führen. Diese werden anschließend kritisch reflektiert und in der Folge in po­sitive Einstellungen und Bewertungen umgewandelt (Kaluza, 2012, S.89). Im Zuge dieser qualitativen Forschungsarbeit soll folgenden Fragestellungen nach­gegangen werden:

- Ist die Methode des „Inneren Teams“ eine gute Möglichkeit stressverursa­chende Kognitionen aufzudecken und sie den Betroffenen bewusst zu ma­chen? (Forschungsfrage 1)
- Zeigen die Inneren Teams der Probanden Gemeinsamkeiten? Gibt es sich wiederholende Denkmuster, die in Stresssituationen auftauchen? Gibt es Übereinstimmungen bei den Stressreaktionen? Welche gemeinsamen ar­beitsbezogenen Belastungsfaktoren sind zu erkennen? (Forschungsfrage 2)

Zunächst soll die Arbeit daran ansetzen, den theoretischen Kenntnisstand sowie den bisherigen Forschungsstand zum Thema Stress darzustellen. Anschließend wird der Themenkomplex durch die Problematik Stress im Berufsleben ergänzt und das Persönlichkeitsmodell des „Inneren Teams“ erklärt. Das angrenzende Kapitel widmet sich dem Methodikteil dessen Gegenstand die Beschreibung und Aufarbeitung der durchgeführten Untersuchung ist. Daran schließt sich die Er­gebnisdarstellung und schließlich die Diskussion an. Eine kurze Zusammenfas­sung am Ende der Arbeit bildet den Abschluss. Aus Gründen der Lesbarkeit wird für Gruppen von Menschen die männliche Form verwendet. Es sind dabei aus­drücklich auch die Frauen in diesen Gruppen gemeint.

3 Gegenwärtiger Kenntnisstand

Im Jahr 2012 waren in Deutschland psychische Störungen für mehr als 53 Millio­nen Krankheitstage verantwortlich. Psychische Probleme sind auch Grund für 41 Prozent der Frühberentungen zu dieser Zeit. Das Durchschnittsalter der Betroffe­nen liegt dabei erst bei 48 Jahren (BAuA, 2012). Der Mensch befindet sich in einem permanenten dynamischen Akt und steht vor der Aufgabe die Balance zwi­schen Anforderungen und deren Bewältigung zu finden. Das Ausmaß und die Qualität der subjektiven Beanspruchung sind von den vorhandenen Anforderun­gen und den Ressourcen abhängig die sich eine Person zu deren Bewältigung zu­schreibt. Stress entsteht wenn die erlebten Belastungen im Verhältnis zu den ver­fügbaren Ressourcen kontinuierlich unangemessen hoch sind und von dem Be­troffenen als Überlastung erlebt werden (Bernhard & Wermuth, 2011, S. 12).

3.1 Das Phänomen Stress

Im Folgenden sollen die Wissensgrundlagen, die im direkten Bezug zu der unter­suchten Problemstellung stehen, dargestellt werden. Dieser Teil der Arbeit bildet die theoretische Basis für die weitere Vorgehensweise.

3.1.1 Begriffsbestimmung Stress

Etymologisch leitet sich der Begriff „Stress“ vom lateinischen Verb „stringere“ ab, was so viel bedeutet wie „zusammendrücken“ oder „verengen“. Die Analogie deutet auf körperliche Symptome in einer Notsituation hin (Wippert & Beckmann et al., 2009, S. 93). Das Wort „Stress“ kommt ursprünglich aus der Werkstoff­kunde und beschreibt die auf ein Material wirkende Kraft (Rösch, 2010, S. 303). Der österreichisch-kanadische Arzt und Biochemiker Hans Selye (1907-1982), der den Stressbegriff etwa um 1940 in die Medizin einführte, beschreibt damit ganz allgemein die Auswirkung von Belastungen auf lebende Körper (Kaluza, 2012, S.4). Er gilt als „Vater“ des allgemeinen Adaptionssyndroms (AAS), das er als eine unspezifische, stereotype Antwort des Körpers auf die Summe aller Rei­ze definiert. Dabei handelt es sich um eine körperliche Anpassungsreaktion, die in den folgenden drei Phasen abläuft:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Allgemeines Adaptionssyndrom, modifiziert nach Selye (1981)

Beginnend mit einer Alarmreaktion (Ausschüttung biochemischer Stoffe) nimmt die körperliche Stressbelastung rasch zu. Dieser schließt sich eine Widerstands- bzw. Anpassungsphase (Gewöhnung an den Stress, jedoch mit sinkenden Ab­wehrkräften) und eine Erschöpfungsphase (Krankheit/Tod) (Wippert & Beck­mann et al., 2009, S. 94) an. Aufbauend auf Selyes Grundlagen zur Stressfor­schung bieten andere Forscher noch weitere Definitionen zum Begriff „Stress“ an. Im Rahmen der theoretischen Stressmodelle im anschließenden Kapitel wird auf weitere Definitionen und Erklärungsversuche verwiesen.

3.1.2 Stressoren und Stressreaktionen

Als Stressreaktionen werden jene Prozesse bezeichnet, die vonseiten der betrof­fenen Person als Antwort auf einen Stressor in Gang gesetzt werden. Sie bewir­ken eine allgemeine Aktivierung, die sich in charakteristischen Veränderungen von körperlichen Funktionen zeigt (Kaluza, 2012, S.10 ff). Im Allgemeinen wer­den unter Stressoren belastende Reize verstanden, wobei die nachstehenden Stressoren unterschieden werden (Wippert & Beckmann et al., 2009, S. 93):

- Chemische Stressoren (z.B. Drogen, Chemikalien)
- Physikalische Stressoren (z.B. Hitze, Kälte, Lärm)
- Seelische/Psychische Stressoren (z.B. Versagensängste, Zeitdruck, Leis­tungsüberforderung bzw. -unterforderung)
- Soziale Stressoren (z.B. Konflikte, Meinungsverschiedenheiten, Verlust von Angehörigen, Isolation, Gruppendruck, Rivalität, Intrigen)

Ein Stressor kann auf den Organismus unterschiedlich stark wirken und auf ver­schiedenen Ebenen Reaktionen hervorrufen. Auf der kognitiven Ebene laufen in belastenden Situationen bei der betroffenen Person gedankliche Vorgänge ab. Diese sind von Außenstehenden nicht direkt zu beobachten. Beispiele für Stress­reaktionen auf dieser Ebene sind:

- Konzentrationsmangel
- Denkblockaden
- Misserfolgserwartungen
- Selbstzweifel
- Irrationale Überzeugungen
- Entscheidungsschwierigkeiten

Unter Konfrontation mit einem Stressor kommt es auf emotionaler Ebene zum Auftreten verschiedener Gefühle. Außenstehende können auch diese Reaktionen bei Betroffenen nicht direkt beobachten. Stressreaktionen solcher Art äußern sich in:

- Angstgefühle, Panik
- Ungeduld, Nervosität
- Reizbarkeit, Aggression
- Unsicherheit, Hilflosigkeit
- Ärger, Wut
- Launenhaftigkeit
- Traurigkeit, Sorgen
- Gefühl der Überforderung

Während einer Stressoreinwirkung laufen zudem auf physischer Ebene Reaktio­nen ab. Dabei handelt es sich um körperliche Reaktionen, die primär vegetativ­hormonell gesteuert sind und daher von der betroffenen Person nicht kontrollier­bar sind. Auswirkungen auf dieser Ebene können sich zeigen in:

- Verdauungsstörungen, Übelkeit, flaues Gefühl im Magen, Sodbrennen
- Weiche Knie, Schwitzen
- Trockener Mund
- Herzklopfen und Herzrhythmusstörungen
- Schwindel- und Schwächeanfälle
- Rückenschmerzen
- Muskelverspannungen
- Zähneknirschen, Nägelkauen
- Müdigkeit und Schlafschwierigkeiten
- Infektanfälligkeit
- Verlust des sexuellen Verlangens

Letztendlich kann sich die Auseinandersetzung mit einem Stressor auch auf der Verhaltensebene zeigen. Auf dieser Ebene wird bei der betroffenen Person die Reaktion auf das Stressereignis sichtbar und damit für andere beobachtbar. Häu­fige Stressverhaltensweisen sind (Kentzler & Richter, 2010, S.39 ff):

- Hastiges oder ungeduldiges Verhalten (z.B. schnell und hektisch sprechen)
- Unkoordiniertes Arbeitsverhalten (z.B. Verlegen oder Vergessen von Din­gen, mangelnde Planung)
- Konfliktreicher Umgang mit anderen Menschen (z.B. aggressives, gereiz­tes Verhalten gegenüber Freunden, Familie oder Kollegen)
- Betäubungsverhalten (z.B. Rauchen, Alkoholkonsum)

Des Weiteren ist es möglich Stressoren anhand des Einwirkungsgrades zu unter­scheiden. Hierbei können Reizdauer und -intensität variieren. Eine lange Ein­wirkzeit und/oder ein häufiges Auftreten werden als chronischer Stress klassifi­ziert. Die umgekehrte Sachlage wird als akuter Stress bezeichnet (Wippert & Beckmann et al., 2009, S. 93). Stressreaktionen und ihre Auswirkung auf die ver­schiedenen Ebenen laufen nicht bei allen Menschen in gleicher Weise ab. Das Zusammenwirken biologisch-konstitutioneller Faktoren, Aspekte der Persönlich­keit und die individuelle Lebenserfahrung sind Ursachen für diese Gegebenheit (Kentzler & Richter, 2010, S.43). Im Anschluss soll die physiologische Reaktion auf einen Stressor näher erläutert werden. Die physiologische Stress-Antwort zeigt sich durch die Aktivierung folgender zwei Stressachsen: zum einen über das sympathische Nervensystem, welches über die Ausschüttung von Adrenalin und Noradrenalin wirksam wird, und zum anderen über die Aktivierung der Hypotha- lamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HHNA), welches beim Menschen Cortisol freisetzt (Rensing et al., 2006, S. 350f).

Durch die Freisetzung von Noradrenalin und Adrenalin in den Blutkreislauf wird die Person in die Lage versetzt bei Bedrohung oder bei freiwilliger Anstrengung physisch kraftvoll zu reagieren: Die Aktivierung des Herzkreislauf-Systems führt zu einer erhöhten Sauerstoffversorgung von Muskulatur, Herz und Gehirn, bei gleichzeitiger Drosselung der Blutversorgung des Verdauungstrakts und der Peri­pherie. Zugleich werden die für die Ausübung der stressrelevanten Organe erfor­derlichen Energieträger (Glucose, Fettsäuren) aus den Glykogenspeichern in der Muskulatur und der Leber sowie Fettsäuren aus dem Fettgewebe mobilisiert, die in Kombination mit der erhöhten Durchblutung und dem schnelleren Sauerstoff­angebot in diesen Organen (Herz, Muskulatur) höhere Arbeitsleistungen zulassen (Rensing et al.,2006, S. 129). Cortisol übernimmt im menschlichen Körper ver­schiedene Aufgaben. Einerseits erhöht das Hormon die Glukosekonzentration im Blut und mobilisiert auf diesem Weg für Stresssituationen relevante Energiere­serven im Organismus. Außerdem kommt es durch die Ausschüttung von Cortisol zu einer Verstärkung der Herzkraft und zur Gefäßkonstriktion. Zudem ist ein ge­wisser Cortisol-Spiegel für die Entzündungshemmung im Körper notwendig (Sil- bernagl & Despopoulos, 2012, S.312). Eine anhaltende Erhöhung der Cortisolausschüttung führt jedoch zu negativen Konsequenzen wie beispielsweise Bluthochdruck, Muskelschwund und eine Beeinträchtigung der Immunabwehr (Tewes & Schedlowski, 1994, S. 23 ff).

3.1.3 Stressfolgen

Fortlaufend einwirkender Stress begünstigt bei dem Individuum die Entstehung chronischer Erkrankungen. Folgende Beschwerden werden beispielhaft als Kon­sequenz aufgezählt (Rensing, Koch, Rippe & Rippe, 2006, S. 353):

- Herz-Kreislauf-Erkrankungen,
- Depressionen,
- Diabetes mellitus,
- Magen- und Darmentzündungen,
- Neurodermitis,
- Krebs

Insbesondere psychosoziale Stressoren haben bei Dauereinwirkung gravierende klinische Folgen für das Herz-Kreislauf-System und dessen Funktionsfähigkeit.

Mögliche Stressfolgen äußern sich in Form von Hypertonie, Arteriosklerose und Herzarrhythmien, die in der Folge zu Herzinfarkt, Schlaganfall oder Herzversa­gen führen können (Rensing, Koch, Rippe & Rippe, 2006, S. 305). Umfangreiche Studien belegen die Korrelation von psychosozialen Faktoren mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko (Rozanski et al. 1999, Deuschle et al. 2002, Joynt et al. 2003). Es wird im Allgemeinen angenommen, dass Stress die Entwicklung von Hautproblemen begünstigt. Mitschenko et al. (2008) und Suárez et al. (2012) un­tersuchen den Einfluss von psychischen Belastungen auf die Entstehung von Neurodermitis und geben eine Übersicht über die aktuellen Forschungsaspekte. Die psychoimmunologischen Mechanismen, wie es aufgrund von Stress zu Haut­entzündungen kommt, sind bislang nicht ganz klar. Es wird vermutet, dass ver­schiedene Neuropeptide und Neurotrophine die stressinduzierten neurogenen Entzündungsprozesse einleiten und eine Verbindung von Nerven- und Immunsys­tem darstellen. Eine entscheidende Rolle in der Entwicklung von entzündlichen Reaktionen infolge von Stress haben Mastzellen und die darauf folgende Zerstö­rung der Hautbarriere. Psychische Belastungen haben insbesondere unter Lang­zeiteinwirkung verschiedene psychische Erkrankungen als Folge. Ob die Entste­hung von Krebs auch zu diesen Erkrankungen gehört, ist bisher allerdings noch nicht eindeutig geklärt. Verschiedene epidemiologische Studien (Chen et al. 1995, Helgesson et al. 2003, Kruk et al. 2004) zeigen eine positive Korrelation zwischen psychischen Stress in Form von einschneidenden Lebensereignissen und dem Auftreten von Krebs. Die Intensität der psychischen Belastung lässt sich jedoch nur subjektiv ermitteln, weshalb die meisten Studien Fragebögen zur Selbsteinschätzung verwendeten. Das Problem, psychischen Stress nicht hinrei­chend quantitieren zu können, beeinflusst die Aussagekraft und die Interpretation der genannten Studien.

3.2 Theoretische Stressmodelle

Die Psychologie bietet zum Thema Stress sehr unterschiedliche Theorien an. Di­verse Forscher und Wissenschaftler haben zum Teil sehr unterschiedliche Erklä­rungen für die Stressentstehung. Eine gemeinsame, übergreifende Definition ist nahezu unmöglich, da es theorieabhängig ist, ob Stress als Belastung, als Reakti­on auf die Belastung oder als Beziehung zwischen Reizen und Reaktionen be­
schrieben wird (Knoll, Scholz & Rieckmann, 2005, S.89). Hans Selye, der als Vater der Stressforschung gilt, definierte Stress als eine unspezifische, stereotype Antwort des Körpers auf die Summe aller Reize und ist Begründer des oben er­läuterten allgemeinen Adaptionssyndroms (Wippert & Beckmann et al., 2009, S. 94). Neben diesem reaktionsbezogenen Modell existiert noch eine Reihe an wei­teren Stressmodellen. In der Folge sollen zwei klassische Stressmodelle und zwei arbeitsbezogene Stressmodelle erläutert werden.

3.2.1 Klassische Stressmodelle

3.2.1.1 Salutogenetischer Ansatz

Der Medizinsoziologe Aaron Antonovsky entwickelte im Rahmen der Stress- und Bewältigungsforschung Ende der 1970er Jahre das Konzept der Salutogenese. Den Schwerpunkt des Modells bildet die Frage nach den Entstehungsbedingun­gen und Entwicklungsfaktoren von Gesundheit (Holzträger, 2012, S. 98).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Das Gesundheits-Krankheits-Kontinuum, modifiziert nach Antonovsky

Der Wissenschaftler sah in den Begriffen Gesundheit und Krankheit zwei entge­gengesetzte Extreme eines Kontinuums, auf dem der Mensch sich befindet. Er ist der Auffassung, dass weder völlige Gesundheit noch völlige Krankheit für den lebenden Organismus wirklich zu erreichen sind und berücksichtigt in seiner Theorie neben den krankmachenden Stressoren auch die gesundheitsschützenden Widerstandsressourcen (Götz-Neumann, 2006, S.175). Gesundheit ist kein Zu­stand, sondern ein Prozess, der mitunter durch das Kohärenzgefühl (Widerstands­ressource) des Betroffenen beeinflusst wird. Das Kohärenzgefühl erweist sich als globale Orientierung und besagt, in welchem Ausmaß ein Mensch ein durchdrin­gendes, existentielles Grundvertrauen in sein Dasein hat (Bernhard & Wermuth, 2011, S. 32). Es besteht aus drei Komponenten (Weineck & Weineck, 2005, S. 288f):

1. Gefühl von Verstehbarkeit:

Beschreibt die Fähigkeit des Menschen, die Welt nicht als chaotisch, will­kürlich, zufällig oder unerklärlich wahrzunehmen, sondern als geordnet und strukturiert.

2. Gefühl von Bewältigbarkeit:

Beinhaltet die Überzeugung, dass Schwierigkeiten lösbar sind und geeig­nete Ressourcen zur Verfügung stehen, den Anforderungen erfolgreich zu begegnen.

3. Gefühl der Sinnhaftigkeit:

Beschreibt das Ausmaß, in dem das Leben als sinnvoll erachtet wird. Es besteht die Überzeugung, dass Probleme und Anforderungen es wert sind, Energie zu investieren.

Ein stark ausgeprägtes Kohärenzgefühl befähigt Menschen flexibel auf Anforde­rungen zu reagieren. Die für die spezifische Situation angemessenen Ressourcen werden aktiviert. Damit fungiert es als flexibles Steuerungsprinzip, das den Ein­satz verschiedener Verarbeitungsmuster (Copingstrategien) in Abhängigkeit von den Anforderungen anregt. Die jeweilige Ausprägung des Kohärenzgefühls ent­scheidet, ob eine Person einen Reiz als neutral oder als spannungserzeugend be­wertet (Bernhard & Wermuth, 2011, S. 32).

3.2.1.2 Stressmodell nach Lazarus

Das „transaktionale Stressmodell“ von Richard Lazarus (1991) beschäftigt sich mit Prozessen der kognitiven und emotionalen Bewertung einer Situation und mit den für eine Person verfügbaren Bewältigungsmöglichkeiten. Im Gegensatz zu den reiz- und reaktionsorientierten Stresstheorien geht dieses kognitive Modell nicht von einem einfachen Wirkungsschema eines Reizes aus (Nerdinger, Blickle & Schaper, 2011, S.479). Lazarus sieht Stressreaktionen als komplexe Wechsel­wirkungsprozesse zwischen den Anforderungen der Situation und der handelnden Person. Er geht davon aus, dass nicht die Beschaffenheit der Reize oder Situatio­nen für die Stressreaktion von Bedeutung sind, sondern die subjektiven Bewer­tungsprozesse des Betroffenen. Nicht alle Menschen reagieren in gleicher Weise auf bestimmte, potenziell stressreiche Ereignisse (Bernhard & Wermuth, 2011, S. 35). Die transaktionale Stresstheorie unterscheidet drei Bewertungsstufen (Grei­ner, Langer & Schütz, 2012, S.20):

1. Primäre Bewertung:

In dieser Bewertungsstufe wird eingeschätzt, welche Bedeutung ein Ereig­nis für das Wohlbefinden des Individuums hat. Situationen können als po­sitiv, irrelevant oder stressend bewertet werden. Auf irrelevant oder posi­tiv eingestufte Situationen erfolgt keine Stressreaktion. Stressreiche Situa­tionen, die als schädigend, bedrohend oder herausfordernd kategorisiert werden, haben eine Anspannungsreaktion zur Folge. Bewertungsprozesse laufen dabei nicht immer bewusst ab.

2. Sekundäre Bewertung:

In der Sekundärbewertung wird überprüft, welche subjektiv wahrgenom­menen Fähigkeiten und Möglichkeiten zur Bewältigung der Situation zur Verfügung stehen. Werden die vorhandenen Ressourcen als unzureichend eingeschätzt, so entsteht Stress. In der Folge kommt es bei der Person zum Einsatz von individuellen Bewältigungsstrategien. Sie dienen dazu, die negativen Konsequenzen von Stressoren zu verhindern oder zu reduzieren.

3. Neubewertung:

Wurde das stressauslösende Ereignis mittels Bewältigung verändert (un­abhängig von Erfolg oder Misserfolg), kommt es wiederum zu einer Neu­bewertung der Situation. Die jeweiligen Bewältigungsbemühungen des Betroffenen verändern den Stressor oder dessen Wahrnehmung - das Er­gebnis wird im Anschluss wieder bewertet.

3.2.2 Arbeitsbezogene Stressmodelle

3.2.2.1 Job-Demand-Control-Modell nach Karasek

Das „Job-Demand-Control-Modell“ von Karasek (1979) erklärt den Zusammen­hang zwischen den Arbeitsanforderungen und dem eigenen Handlungsspielraum. Demnach wirken sich hohe Belastungen bei gleichzeitig geringem Entschei­dungsspielraum besonders stressintensiv aus. Dagegen kann ein hoher Entschei­dungsspielraum bei gleichzeitig hohen Anforderungen positive Auswirkungen erzeugen (Allenspach & Brechbühler, 2005, S. 29). Schnelles Arbeiten, Zeitdruck und sich widersprechende Arbeitsaufgaben sind Beispiele für hohe Arbeitsanfor­derungen (job demands). Das Ausmaß des Entscheidungsspielraums (job decision latitude) lässt sich in die beiden Aspekte Möglichkeit zur Fähigkeitserweiterung (skill discretion) und Entscheidungsmacht (decision authority) untergliedern. Aus den beiden Dimensionen der Anforderung und Kontrolle lässt sich durch das Ausmaß, gemessen in hoch und gering, eine Vier-Felder-Tafel skizzieren. Diese erlaubt eine Einteilung der Arbeitsbedingungen in high-strain-, low-strain-, acti­ve- und passive-jobs (Aust, 1999, S.81).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

High-strain-jobs ergeben sich durch eine Konstellation von hohen Anforderungen und geringen Entscheidungsspielräumen. Arbeitssituationen dieser Art provozie­ren beim Individuum das Gefühl der Überforderung und fördern negative Emoti­onen wie Angst oder Besorgnis. Längerfristig einwirkende Anforderungen bewir­ken eine erhöhte Anfälligkeit für Erkrankungen (Karasek & Theorell, 1990, 31 ff).

Active-jobs sind charakterisiert durch hohe Anforderungen bei gleichzeitig gro­ßen Entscheidungsspielräumen. Die Person hat die Möglichkeit beruflichen An­forderungen mit einer Vielzahl von Handlungsmöglichkeiten zu begegnen. Somit können Anspannungen, die durch die hohen Anforderungen entstehen, aktiv ab­gebaut und bewältigt werden. Active-jobs wirken herausfordernd, Fähigkeiten weiterzuentwickeln und Neues hinzuzulernen (Karasek & Theorell, 1990, S. 35). Low-strain-jobs ergeben sich aus einer Kombination von geringen Anforderun­gen und hohen Entscheidungsspielräumen. Karasek und Theorell erkennen in Ar­beitssituationen solcher Art eine unterdurchschnittlich niedrige Wahrscheinlich­keit von psychologischer Überbeanspruchung und Erkrankungsrisiken (1990, S. 36).

Passive-jobs weisen niedrige psychologische Anforderungen und zugleich auch niedrige Entscheidungsmöglichkeiten auf. Solche Arbeitssituationen bewirken zwar keinen Stress, aber haben trotzdem negative Folgen für das seelische und körperliche Wohlbefinden. Sie motivieren nicht zum Erlernen neuer Fähigkeiten, sondern bewirken, dass bereits Erlerntes wieder verlernt wird, weil Fähigkeiten nicht eingesetzt werden können und nicht die Möglichkeit besteht sie zu fördern (ebd., S. 36 ff).

3.2.2.2 Arbeitspsychologisches Stressmodell nach Bamberg

Das von Bamberg et al. konzipierte „Arbeitspsychologische Stressmodell“, das sich auf die Berufswelt bezieht, stellt eine Erweiterung des transaktionalen Stressmodells dar. Relevante Faktoren des arbeitspsychologischen Stressmodells sind neben Stressoren/Risikofaktoren und Ressourcen auch Bewertung und Be­wältigung sowie Stressfolgen (Bamberg et al., 2006, S.12).

Stress wird in diesem Zusammenhang als „...ein subjektiv intensiv unangeneh­mer Spannungszustand, der aus der Befürchtung entsteht, dass eine

- stark aversive,
- subjektiv zeitlich nahe (oder bereits eingetretene) und
- subjektiv lang andauernde Situation

sehr wahrscheinlich nicht vollständig kontrollierbar ist, deren Vermeidung aber subjektiv wichtig erscheint“ definiert (Greif, Bamberg & Semmer, 1991, S. 13). Diese Auslegung interpretiert Stress als einen negativen Zustand und weist ihm Prozesscharakter zu. Die anschließende Abbildung zeigt das Arbeitspsychologi­sche Stressmodell.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Arbeitspsychologische Erweiterung des transaktionalen Stressmodells (Bamberg et al., 2006, S.12)

Basis des Modells bildet die Unterscheidung zwischen personen- und bedin­gungsbezogenen Aspekten. Personenbezogene Faktoren betreffen Merkmale und Kompetenzen, die an eine Person gebunden sind. Bedingungsbezogene Faktoren knüpfen an Merkmale und Kompetenzen an, die durch die Umwelt gegeben sind. Einen relevanten Ausgangspunkt des Modells stellen die bedingungsbezogenen Stressoren und die personenbezogenen Risikofaktoren dar. Stressoren und Risiko­faktoren führen mit erhöhter Wahrscheinlichkeit zu Stressfolgen; sind aber nicht grundsätzlich für jedes Individuum stressauslösend. Einen weiteren wichtigen Ausgangspunkt repräsentieren die bedingungs- und personenbezogenen Ressour­cen. Ressourcen sind Mittel, die bei der Bewerkstelligung von Anforderungen in Anspruch genommen werden können, um das Auftreten von Stressoren und Risi­kofaktoren zu vermeiden, deren Ausmaß zu verringern bzw. die Wirkung zu ver­mindern (Zapf & Semmer, 2004, S. 1042, zitiert nach Bamberg et al., 2006, S.13). Bedingungsbezogene Ressourcen richten sich nach der Arbeitsaufgabe und der Organisation. Wichtige Beispiele, die in diesen Bereich fallen, sind Kontrol­le, Handlungsspielraum oder Autonomie sowie soziale Unterstützung. Personen­bezogene Ressourcen werden durch das Individuum selbst bereitgestellt. Dazu gehören Fähigkeiten und Mittel, wie zum Beispiel soziale Kompetenz oder Be­wältigungsstrategien (Bamberg et al., 2006, S.14). Ebenfalls bedeutsame Elemen­te des Modells sind die Bewertung und Bewältigung. Hierbei wird zwischen pri­märer und sekundärer Bewertung unterschieden. Der primäre Bewertungsprozess bezieht sich auf die Bewertung eines Ereignisses hinsichtlich des Wohlbefindens eines Menschen. Der sekundäre Bewertungsprozess richtet sich nach den indivi­duellen Bewältigungsfähigkeiten und -möglichkeiten, die in Bezug auf das stres- sauslösende Ereignis zur Verfügung stehen. Die primäre und sekundäre Bewer­tung beeinflussen sich gegenseitig (Bamberg et al., 2006, S.11). Stressfolgen sind durch einen zeitlichen Faktor geprägt und entstehen in der Folge entweder kurz­oder langfristig. Sie nehmen Einfluss auf die somatische, kognitive, emotionale und Verhaltensebene. Das Modell zeigt, dass die Entstehung von Stress nicht ausschließlich auf bedingungs- oder personenbezogene Aspekte zurückzuführen ist. Gegebenheiten aus der Tätigkeit im Betrieb und aus der jeweiligen Person beeinflussen sich gegenseitig und bilden das Fundament für das Aufkommen von Stress. Stressoren/Risikofaktoren und Ressourcen üben einen direkten Einfluss auf den Bewertungs- und Bewältigungsprozess aus, der indessen die Entstehung von Stressfolgen bedingt. In Folge dessen kommt es zu Rückwirkungen auf die

Stressoren/Risikofaktoren und Ressourcen. Es besteht die Gefahr der Entwick­lung einer Stressspirale (Bamberg et al., 2006, S.16).

3.3 Stressmanagement

Stressmanagement im Sinne einer zielgerichteten und effektiven Stressprävention und Stressbewältigung beinhaltet Strategien und Maßnahmen, die darauf ausge­richtet sind Belastungssituationen zu reduzieren oder ganz zu vermeiden. Da sich das Stressgeschehen meist auf verschiedenen Ebenen abspielt, können die Bewäl­tigungsmaßnahmen auch auf diesen unterschiedlichen Ebenen ansetzen (Kentzler & Richter, 2010, S.46). Rückhalt erfährt der Betroffene im Bereich der sozialen Betreuung (Familie, Freunde, Sozialsystem), im medizinisch/therapeutischen Be­reich sowie über somatische Therapien wie richtige Ernährung, Bewegung, und Entspannung. Abhängig von den jeweiligen Stressoren, kann die Unterstützung mehr auf die Stabilisierung der psychischen oder der physischen Funktionen und Zustände ausgerichtet sein. Optimalerweise sind beide Faktoren zu berücksichti­gen (Rensing, Koch, Rippe & Rippe, 2006, S. 18). Stressbewältigungskompetenz ist erlernbar und zeigt sich in einer positiven Beeinflussung von Verhalten, Den­ken sowie individuellen Reaktionen (Kentzler & Richter, 2010, S.52).

3.3.1 Instrumentelles Stressmanagement

Instrumentelles Stressmanagement setzt auf der Ebene der Stressoren an und zielt darauf ab, diese zu reduzieren oder ihre Entstehung zu unterbinden. Maßnahmen und Strategien können dabei reaktiv auf konkrete, aktuelle Belastungssituationen erfolgen oder präventiv auf die Verringerung oder Annullieren zukünftiger Belas­tungen wirken. Für die zielgerichtete Stressbewältigung sind Sachkompetenz (fachliche Qualifikation), sozial-kommunikative Kompetenz und Selbstmanage­mentkompetenz (Fähigkeit zu einem eigengesteuerten und zielgerichteten Han­deln) erforderlich (Kaluza, 2012, S.88). Für instrumentelles Stressmanagement gibt Kaluza (2012) folgende Beispiele:

- Erweiterung der fachlichen Kompetenzen (Information, Fortbildung, kol­legialer Austausch).
- Organisatorische Verbesserung (Aufgabenverteilung, Ablaufplan, Ablage­system etc.).
- Optimierung der persönlichen Arbeitsorganisation, Selbstmanagement (persönliche/berufliche Prioritäten definieren, realistische Zeitplanung, Delegation).
- Entwicklung sozial-kommunikativer Kompetenzen (anderen Grenzen setz­ten, häufiger „nein“ sagen, andere verstehen, Klärungsgespräche führen etc.).
- Aufsuchen von Unterstützung (soziales Netzwerk).
- Entwicklung von Problemlösekompetenzen.

3.3.2 Mentales Stressmanagement

Mentales Stressmanagement bzw. kognitives Stressmanagement findet auf der Ebene der persönlichen Stressverstärker statt und bezweckt eine Änderung stresserzeugender oder stressverschärfender persönlicher Motive, Einstellungen und Bewertungen. Mentale Strategien der Stressbewältigung haben zum Ziel ne­gative Antreiber in Stresssituationen bewusst zu machen und diese kritisch zu reflektieren, um sie in der Folge in stressvermindernde, förderliche Einstellungen und Bewertungen umzuwandeln. Dies geschieht beispielsweise durch (Kaluza, 2012, S.89):

- Kritische Überprüfung perfektionistischer Leistungsansprüche; Lernen ei­gene Leistungsgrenzen zu akzeptieren.
- Schwierigkeiten als Herausforderung, nicht als Bedrohung zu sehen.
- Reduzierung der persönlichen Identifikation zu alltäglichen Aufgaben und Wahrung von innerer Distanz.
- Bewusstmachen von Positiven, Erfreulichen und Gelungenen; Dankbarkeit entgegenbringen.
- Akzeptierung der Realität, z.B. weniger feste Vorstellungen und Erwar­tungen an andere haben.

3.3.3 Regeneratives Stressmanagement

Das regenerative Stressmanagement handelt auf der Ebene der körperlichen und seelischen Stressreaktionen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 90 Seiten

Details

Titel
Die Analyse des Inneren Teams bei gestressten Personen
Untertitel
Eine qualitative Forschungsarbeit
Hochschule
Deutsche Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement GmbH
Note
1,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
90
Katalognummer
V311105
ISBN (eBook)
9783668101159
ISBN (Buch)
9783668101166
Dateigröße
1000 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
analyse, inneren, teams, personen, eine, forschungsarbeit
Arbeit zitieren
Petra Tief (Autor), 2014, Die Analyse des Inneren Teams bei gestressten Personen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/311105

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