Die vorliegende Thesis soll darüber aufklären, welche Rolle außerbörsliche Kreditderivate in der Krise gespielt haben. Es wird gezeigt, dass Derivate keineswegs nur risikobehaftet sind, sondern in erster Linie einen wichtigen volkswirtschaftlichen Nutzen erfüllen. Ein Verbot von Derivaten steht daher nicht zur Diskussion. Stattdessen sollen Finanzinstitute verpflichtet werden, ein ausreichendes Risikomanagement zu betreiben und insbesondere im Umgang mit außerbörslichen Derivaten besser reguliert werden.
Die Arbeit zeigt, wie sich die Finanzmarktregulierung in Europa seit der Krise verändert hat, welche zusätzlichen Anforderungen an die Finanzinstitute gestellt werden und wo noch Handlungsbedarf in der Europäischen Union gesehen wird. Regulierungslücken wurden allerdings nicht nur beim außerbörslichen Handel aufgedeckt. Auch Ratingagenturen, Schattenbanken und synthetische Kreditverbriefungen sind während der vergangenen Krisen seit 2007 negativ aufgefallen. Die damit verbundene Problematik und die Lösungsansätze werden im Verlauf der Arbeit ebenfalls beschrieben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Ziel der Arbeit
1.3 Aufbau der Arbeit
2 Finanzderivate
2.1 Begriffspräzisierung von Derivaten
2.2 Börsengehandelte Derivate
2.2.1 Definition
2.2.2 Die wichtigsten börsengehandelten Derivate
2.3 Außerbörsliche Derivate
2.3.1 Definition und Abgrenzung zu börslichen Derivaten
2.3.2 Die wichtigsten außerbörslichen Derivate und ihre Merkmale
3 Wie Verbriefungen systembedrohend wurden
3.1 Die Rolle der Zweckgesellschaften
3.1.1 Asset Backed Securities
3.1.2 Verbriefungsprozess am Beispiel von Mortgage Backed Securities
3.1.3 True-Sales Transaktionen und synthetische Verbriefungen
3.2 Entwicklung des Schattenbankensektors
3.3 Der Einfluss der Ratingagenturen während der vergangenen Krisen
4 Initiativen für eine strengere Regulierung außerbörslicher Finanztransaktionen zur Stabilisierung der europäischen Finanzmärkte
4.1 Reformvorschläge der G20-Staaten
4.1.1 Systemische Risiken
4.2 Laufender Wandel europäischer Finanzmarktregulierung
4.2.1 Neue Eigenkapitalanforderungen von Basel III als Basis der Finanzmarktregulierung
4.2.2 European Market Infrastructur Regulation
4.2.2.1 Die drei Säulen von EMIR
4.2.2.2 Clearingpflicht über CCP
4.2.2.3 Risikomanagement und Risikominderungstechniken
4.2.2.4 Meldepflicht an ein Transaktionsregister
4.2.3 Markets in Financial Instruments Directive II & Markets in Financial Instruments Regulation
4.2.4 Capital Requirements Directive und Capital Requirements Regulation
4.3 Regulatorischer Umsetzungsstand in der EU
4.3.1 Der Zeitplan bereits beschlossener Reformen
4.3.2 Fortschritt und Risiken bei der Umsetzung der Eigenkapitalanforderungen
4.3.3 Mindestsicherheitsabschläge
4.3.4 Deutlich verschärfte Verbriefungsanforderungen
4.3.5 Wirkung der EMIR-Regularien
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle von außerbörslichen Kreditderivaten während der Finanzkrise und analysiert, inwieweit regulatorische Maßnahmen in Europa zu einer Stabilisierung des Finanzsystems beigetragen haben. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich mit der Wirksamkeit der veränderten Finanzmarktregulierung und der Identifizierung verbleibender Handlungsbedarfe zur Risikominimierung.
- Funktionsweise und Risiken von Finanzderivaten und Verbriefungsinstrumenten
- Die systemische Bedeutung des Schattenbankensektors und von Zweckgesellschaften
- Regulatorische Antworten der G20 und deren spezifische Umsetzung in Europa
- Anforderungen von Basel III, EMIR sowie MiFID II/MiFIR an Finanzinstitute
Auszug aus dem Buch
2.1 Begriffspräzisierung von Derivaten
Derivate haben ihren Wortursprung im Lateinischen „derivare“, was sich mit „ableiten“ übersetzen lässt. Tatsächlich leitet sich der wirtschaftliche Wert oder der Zahlungsanspruch eines Derivats von einer Bezugsgröße ab. Zu den Bezugsgrößen von Finanzderivaten werden gemäß den „International Accounting Standards“ IAS 39.9 die Basiswerte (engl. underlying) Zinssätze, Rohstoffe, Währungspaare, Kreditverbriefungen, Aktien, Anleihen oder Indices gezählt. Derivate gehören zu den Termingeschäften. Das heißt, die Vertragsparteien schließen eine Vereinbarung inklusive aller Konditionen ab, deren Erfüllung zu einem späteren Zeitpunkt stattfindet. Im Gegensatz zu Kassageschäften fallen das Verpflichtungs- und Erfüllungsgeschäft zeitlich auseinander, wodurch Derivate im Vergleich zu anderen Finanzinstrumenten bei Vertragsschluss mit einem geringeren oder sogar keinem Kapitaleinsatz verbunden sind. Oftmals handelt es sich bei Derivaten um ein Rechtsgeschäft ohne eine Lieferverpflichtung. Die Lieferung des Basiswertes ist bei Termingeschäften zwar prinzipiell möglich, in der Regel dienen Derivate jedoch der Absicherung oder zur Spekulation. Daher vereinbaren die Vertragsparteien stattdessen einen Differenzausgleich (engl. cash settlement), bei dem die Differenz zwischen Basispreis und dem Marktwert am Ende der Laufzeit ausgezahlt wird.
Ursprünglich wurden Derivate entwickelt und eingesetzt, um Risiken von Unternehmen und Banken abzusichern (Hedging). Unternehmen der verarbeitenden Industrie und Dienstleistungsunternehmen, wie z. B. Airlines aber auch Energieversorger, setzen Derivate auf Rohstoffe (engl. commodities) ein, um sich gegen steigende Rohstoffpreise abzusichern. Exportstarke Unternehmen versuchen sich über Devisenderivate (engl. foreign exchange derivatives) gegen eine Aufwertung der heimischen Währung abzusichern. Banken, die sich üblicherweise stark im Zinsgeschäft (engl. fixed income) engagierten, nutzen dagegen Zinsderivate, um sich gegen Zinsänderungsrisiken abzusichern.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problematik der Finanz- und Staatsschuldenkrise ein und definiert das Ziel sowie den Aufbau der Arbeit.
2 Finanzderivate: Es erfolgt eine detaillierte Begriffspräzisierung von Derivaten, unterteilt in börsengehandelte und außerbörsliche Instrumente.
3 Wie Verbriefungen systembedrohend wurden: Das Kapitel analysiert die Rolle von Zweckgesellschaften, den Verbriefungsprozess sowie die Schattenbanken und den Einfluss von Ratingagenturen.
4 Initiativen für eine strengere Regulierung außerbörslicher Finanztransaktionen zur Stabilisierung der europäischen Finanzmärkte: Dies bildet den Hauptteil und befasst sich mit den G20-Reformvorschlägen und der konkreten Umsetzung durch Basel III, EMIR und MiFID II/MiFIR.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Rolle von Derivaten und Verbriefungen zusammen und bewertet kritisch die Wirksamkeit der eingeführten Regulierungsmaßnahmen.
Schlüsselwörter
Finanzderivate, Kreditderivate, Verbriefung, Zweckgesellschaften, Schattenbanken, Regulierung, Basel III, EMIR, Clearingpflicht, Transparenz, Risikomanagement, Finanzstabilität, MiFID II, MiFIR, Ratingagenturen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Rolle von Derivaten und Verbriefungen in der Finanzkrise sowie die anschließenden regulatorischen Maßnahmen zur Stabilisierung der europäischen Finanzmärkte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind der außerbörsliche Derivatehandel, die Funktionsweise von Zweckgesellschaften, die Bedeutung von Ratingagenturen und die Implementierung von neuen EU-Regulierungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Aufklärung über die Krisenrolle von Kreditderivaten sowie die Analyse der veränderten Finanzmarktregulierung in Europa und bestehender Handlungsbedarfe.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse auf Basis von Fachliteratur, Wirtschaftsberichten, regulatorischen Dokumenten der EU und aktuellen Analysen zum Finanzmarkt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich den G20-Reformvorschlägen und deren Umsetzung durch Basel III, EMIR sowie MiFID II und MiFIR, inklusive ihrer Wirkungsweisen auf Finanzinstitute.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind Finanzderivate, Verbriefung, Schattenbanken, Regulierung, Basel III, EMIR und systemische Risiken.
Welche Rolle spielen Zweckgesellschaften in dieser Untersuchung?
Sie werden als Vehikel zur Auslagerung von Kreditrisiken analysiert, die durch mangelnde Regulierung und Intransparenz während der Krise zur Systembedrohung wurden.
Warum ist das Clearing über eine zentrale Gegenpartei (CCP) so wichtig?
Es dient der Verringerung des Kontrahentenrisikos und der Steigerung der Transparenz im bisher unregulierten außerbörslichen (OTC) Derivatehandel.
- Quote paper
- Alexander Eck (Author), 2015, Regulierung von außerbörslichen Derivaten und Verbriefungen im Kontext der Finanzkrise seit 2007, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/311135