Diese Arbeit untersucht aufgrund dessen zunächst moderne Positionen und Theorien derjenigen Wissenschaften zum Konzept der Authentizität und Individualität, die sich empirisch mit menschlichem Handeln befassen, da der Lehrplan als Orientierungs- und Steuerungswerkzeug für reale, also empirisch erkennbare Handlungen konzipiert wurde.
Das daraus resultierende Verständnis von authentischem Handeln von Personen wird anschließend dahingehend untersucht, ob generalisierbare Zusammenhänge zwischen authentischen Handlungen und positiven Auswirkungen auf die Unterrichtsqualität festgestellt werden können.
Da im Fach Musik sowie in anderen Fächern des künstlerischen Bereichs, wie bereits erwähnt, Kompetenzen gefördert werden sollen, für die ein Bewusstsein von Authentizität eine bedeutsame Rolle spielt, wird dieses Fach vertiefend betrachtet.
Inhaltsverzeichnis
1. Zielsetzung und methodisches Vorgehen
2. Merkmale authentischen Handelns
2.1 Bewusstsein
2.2 Unverzerrte Informationsverarbeitung
2.3 Konsequentes Verhalten
2.4 Aufrichtige Kommunikation
2.5 Zur Messbarkeit des wahren Selbst
3. Beeinflussung der Unterrichtsqualität durch authentisches Handeln
3.1 von Lehrerinnen und Lehrern
3.2 von Schülerinnen und Schülern
3.2 im Fach Musik
4. Erfahrungen aus der eigenen Schulpraxis
4.1 Viele Wege führen nach Rom
4.2 Authentizität führt nicht zwangsläufig zum Ziel
5. Zusammenfassung und offene Fragen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Konzept der Authentizität im Kontext von Unterricht, mit besonderem Fokus auf das Fach Musik. Ziel ist es zu erörtern, ob und wie authentisches Handeln von Lehrkräften und Schülern die Unterrichtsqualität beeinflusst und welche Rolle dabei individuelle psychologische Dispositionen und institutionelle Rahmenbedingungen spielen.
- Grundlagen und Definitionen authentischen Handelns basierend auf psychologischen Modellen.
- Zusammenhang zwischen Authentizität, Emotionsregulation und Lehrergesundheit.
- Bedeutung von intrinsischer Motivation für authentisches Lernen bei Schülern.
- Herausforderungen für Authentizität im Musikunterricht durch fachspezifische Lehrertypen.
- Reflexion eigener Erfahrungen aus dem Unterrichtspraktikum.
Auszug aus dem Buch
2.1 Bewusstsein
Das gängige Verständnis des Authentizitätsbegriffs impliziert die Annahme, ein Objekt, eine Person oder eine Organisation könne entweder von „echter/wahrer“ oder „falscher, verfälschter/unwahrer“ Gestalt sein bzw. sich dementsprechend verhalten. Für menschliches Handeln bedeutet dies, dass Menschen kognitiv grundsätzlich dazu in der Lage sein müssen, das eigene Verhalten sowie das von anderen Personen im eben genannten Spannungsfeld, wenn nicht distinktiv, dann zumindest graduell lokalisieren zu können. Es existieren verschiedene Ansätze und Kriterien, die diese „mentale Lokalisation“ genauer beschreiben.
Kernis und Goldman definieren Authentizität dadurch, dass „das wahre Selbst einer Person ungehindert in ihren alltäglichen Handlungen ausgedrückt wird“ (Übersetzung von mir). In Analogie zu anderen Autoren, wie z. B. Carl Rogers oder Howard Gardner, die im Verlauf dieser Arbeit noch öfter Erwähnung finden werden, gehen sie davon aus, dass einem dieses wahre Selbst (im Original true-self oder core self) intuitiv zugänglich ist und dass die Intensität dieser Zugänglichkeit ferner im Zuge von Lernprozessen vergrößert werden kann. Durch diesen intuitiven Zugang ergibt sich ein Bewusstsein (awareness) über und ein Vertrauen in die eigenen Emotionen, Bedürfnisse, Motive und selbstbezogenen Erkenntnisse. Der Aspekt der awareness umfasst bei Kernis und Goldman zudem Kenntnisse über eigene Stärken und Schwächen, Ausprägungen bestimmter Persönlichkeitsmerkmale sowie dominierende Emotionen und deren Einfluss auf das eigene Verhalten.
Was die beiden eben genannten Autoren als awareness bezeichnen, wurde in ähnlicher Form bereits in früheren Theorien anderer Autoren beschrieben. Das Bewusstsein über die eigenen Emotionen stellt bei Gardner beispielsweise einen Kernaspekt der intrapersonalen Intelligenz innerhalb seiner Theorie der multiplen Intelligenzen dar. Diese Intelligenz besteht hier in ihrer einfachsten Form in dem Vermögen ein positives von einem negativen Gefühl unterscheiden zu können, sodass eine Situation darauf basierend entweder aufgesucht oder vermieden werden kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Zielsetzung und methodisches Vorgehen: Einleitung in die Thematik der Authentizität als Ideal in der Bildungslandschaft und Vorstellung des theoretischen Rahmens.
2. Merkmale authentischen Handelns: Theoretische Herleitung von Authentizität anhand der Komponenten Bewusstsein, Informationsverarbeitung, konsequentes Verhalten, Kommunikation und Messbarkeit.
3. Beeinflussung der Unterrichtsqualität durch authentisches Handeln: Analyse der Auswirkungen authentischen Verhaltens auf Lehrkräfte, Schüler und die spezifische Situation im Fach Musik.
4. Erfahrungen aus der eigenen Schulpraxis: Verknüpfung der theoretischen Überlegungen mit persönlichen Erlebnissen aus dem Unterrichts- und Projektpraktikum.
5. Zusammenfassung und offene Fragen: Kritische Reflexion der verwendeten Begriffe und Ausblick auf weiteren Forschungsbedarf.
Schlüsselwörter
Authentizität, wahres Selbst, Unterrichtsqualität, Lehrerberuf, Musikunterricht, Bewusstsein, intrinsische Motivation, Emotionsregulation, Selbstbestimmungstheorie, Kernis und Goldman, Selbstkongruenz, pädagogisches Handeln, implizite Motive, schulpraktische Erfahrung, Reflexion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beleuchtet das theoretische Konzept der Authentizität und untersucht, wie authentisches Handeln von Lehrkräften und Schülern die Qualität und den Erfolg von Unterricht beeinflussen kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die psychologischen Grundlagen von Authentizität, deren Bedeutung für die Lehrergesundheit und Motivation sowie die speziellen Herausforderungen, die sich im Musikunterricht für authentisches Verhalten ergeben.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist zu klären, ob authentisches Handeln eine Voraussetzung für guten Unterricht darstellt und welche positiven bzw. problematischen Aspekte sich daraus für die schulische Praxis ableiten lassen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verbindet eine theoretische Auseinandersetzung mit psychologischen Modellen (insbesondere von Kernis und Goldman) mit einer selbstreflexiven Betrachtung eigener Erfahrungen aus Schulpraktika.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Merkmale authentischen Handelns, überträgt diese auf den Lehrberuf und beleuchtet die Rolle intrinsischer Motivation bei Schülern sowie fachspezifische Besonderheiten im Musikunterricht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Authentizität, Selbstkongruenz, Unterrichtsqualität, intrinsische Motivation und die Theorie von Kernis und Goldman geprägt.
Wie unterscheidet sich die Rolle von Musiklehrkräften?
Der Autor argumentiert, dass Musiklehrkräfte aufgrund ihres künstlerischen Hintergrunds ein spezifisches Motivationsprofil aufweisen können, das Authentizität im allgemeinen Unterrichtsalltag sowohl fördern als auch durch Interessenkonflikte gefährden kann.
Welche Bedeutung hat die Emotionsregulation?
Die Emotionsregulation wird als kritische Kompetenz für Lehrkräfte diskutiert, da sie einerseits notwendig für erfolgreiches Unterrichten ist, andererseits aber in Konflikt mit dem Wunsch nach authentischem Selbstausdruck stehen kann.
- Arbeit zitieren
- Philipp Seuthe (Autor:in), 2014, Authentisches Handeln und seine Auswirkungen auf die Unterrichtsqualität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/311161