Das Motiv der Freundschaft in den Balladen „Die Bürgschaft“ von Friedrich von Schiller und „Die Goldgräber“ von Emanuel Geibel

7. Klasse Deutsch, Gymnasium


Unterrichtsentwurf, 2013

13 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Teil A: Sachanalyse
1. Autoren und Entstehungszeitraum
2. Thema und Inhalt der Balladen
3. Formale Analyse und sprachliche Besonderheiten der Balladen
4. Das Motiv der Freundschaft in beiden Balladen
5. Gattungsanalyse

Teil B: Didaktisch-methodische Analyse
6. Bedeutungsbegründung nach Klafki
a) Gegenwartsbedeutung
b) Zukunftsbedeutung
c) Exemplarische Bedeutung
7. Lernziele und methodische Überlegungen

Fazit

Appendix

8. Bibliografie

9. Abkürzungsverzeichnis

10. Die Ballade „Die Bürgschaft“ von Friedrich von Schiller

11. Die Ballade „Die Goldgräber“ von Emanuel Geibel

Einleitung

In dieser Arbeit sollen die beiden Balladen „Die Bürgschaft“1, geschrieben von Friedrich von Schiller, sowie „Die Goldgräber“ von Emanuel Geibel als Gegenstand des Lyrikunterrichts in der siebten Klasse des Gymnasiums begründet werden. Hierzu werden die Balladen im ersten Teil der Arbeit einer Sachanalyse unterzogen. Dabei soll das Augenmerk zunächst auf die beiden Autoren und deren Wirkungszeit gerichtet werden. Daran anschließend werden die beiden Balladen hinsichtlich ihres Inhalts untersucht, um darauf folgend Form und Inhalt beider Balladen miteinander vergleichen zu können. Als vierter Schritt wird das Motiv der Freundschaft, welches in den Balladen einen besonderen Aspekt darstellt, herausgearbeitet und in Bezug gesetzt. Als Abschluss der Sachanalyse werden anhand der Texte, die wichtigsten Gattungsmerkmale einer Ballade analysiert, wobei in den Fokus rücken soll, wieso es sich bei den ausgewählten Gedichten um Balladen handelt. Daran anschließend folgt im zweiten Teil der Arbeit, in Anlehnung an Wolfgang Klafki, eine methodisch-didiaktische Analyse, welche die Gegenwarts-, Zukunfts- und Exemplarische Bedeutung der Balladen untersucht. Im Anschluss daran, werden Lernziele und methodische Überlegungen vorgestellt, um darzustellen, wie der Inhalt dieser Themeneinheit den Schülern am Besten vermittelt werden kann. Am Ende wird ein Fazit die Arbeit zusammenfassen und bewerten.

Teil A: Sachanalyse

1. Autoren und Entstehungszeitraum

Die Autoren beider Balladen lebten in zwei unterschiedlichen Jahrhunderten:

Friedrich von Schiller wurde 1759 geboren und zählt zu den bedeutendsten Dichtern Deutschlands.2 Die 1786 entstandene Ballade „Die Bürgschaft“ gilt als seine bekannteste Ideenballade.3 Ihr liegt als Quelle die Erzählung des römischen Fabeldichters Hyginus zugrunde.4 Die Sagen wurden Schiller über seinen Freund Johann Wolfgang von Goethe im Dezember 1797 zugetragen.5 Die Ballade kann man literarisch gesehen der Epoche der Weimarer Klassik zuordnen.6

Die Ballade „Die Goldgräber“ von Emanuel Geibel entstand dagegen in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Obwohl Geibel, 1815 geboren, einer der bekanntesten Dichter seiner Zeit war, ist er heutzutage nur noch wenigen bekannt.7 Während der Großteil seiner Gedichte patriotische und politische Themen zum Inhalt haben, setzt sich die vorliegende Ballade mit dem Thema der Freundschaft und des Neides sehr kritisch auseinander. Geibels Werke sind der literarischen Gattung der Spätromantik zuzuordnen.

2. Thema und Inhalt der Balladen

Die Ballade „Die Bürgschaft“ von Friedrich von Schiller handelt von der bedingungslosen Freundschaft und Treue zweier Männer, die selbst im Angesicht des Todes zueinander halten. Das Geschehen spielt während der Herrschaft des König Dionys dem Älteren, welcher zwischen 430 und 367 vor Christus als Tyrann in der Stadt Syrakus regierte.8 Damon, ein Bürger der Stadt, plant einen Anschlag auf den König, welcher jedoch scheitert. Daraufhin wird Damon vom König zu Tode verurteilt, bittet diesen jedoch um eine Galgenfrist, damit er an der Hochzeit seiner Schwester teilhaben kann. Als Sicherheit lässt er seinen Freund in den Händen des Königs. Falls Damon nicht innerhalb von drei Tagen zurückkehren sollte, wird der König seinen Freund anstelle Damons hinrichten lassen. Bei seiner Rückreise nach Syrakus wird Damon von Gefahren und Hindernissen an der Weiterreise gehindert. Selbst als ihm auf dem Weg sein Haushälter begegnet, welcher ihm prophezeit, dass er zu spät kommen werde und deshalb lieber sein eigenes Leben anstatt das seines Freundes retten solle, bleibt er seinem Weg treu. Damon erreicht Syrakus als die Hinrichtung seines Freundes kurz bevor steht. Vor den Augen des staunenden Volkes löst er seinen Freund aus. Daraufhin werden dem König die Geschehnisse zugetragen, worauf dieser Damon begnadigt und die beiden Freunde bittet, ihn in ihren Freundschaftsbund aufzunehmen.

Auch die Ballade „Die Goldgräber“ von Emanuel Geibel handelt von dem Thema „Freundschaft“. Die Protagonisten sind hier ebenfalls drei Männer, welche schon lange Zeit gemeinsam und an den unterschiedlichsten Orten nach Gold gesucht haben. Als sie eines Tages endlich auf einen Schatz stoßen und damit ihr gemeinsamer Traum wahr wird, beschließen sie dies zusammen zu feiern. Dafür geht einer der Drei in das nächstgelegene Dorf, um Speisen und Getränke zu besorgen. Währenddessen stellen die Zurückgebliebenen fest, dass sie viel mehr von ihrem Schatz hätten, wenn sie diesen nur in zwei Teile aufteilen müssten und schmieden einen Plan, wie sie den Dritten töten können. Als dieser zurückkehrt trinken sie vom mitgebrachten Wein und essen von den Speisen. Bevor der Dritte, berauscht vom Wein, zu Bett gehen will, töten die anderen Beiden ihn mit einem Messer. Während dieser verblutet, gesteht er den Anderen, dass er seinerseits den Wein vergiftet habe, da auch er den Schatz nicht teilen wollte. Im Endeffekt sterben alle drei Goldgräber, und erliegen somit ihrem Egoismus.

3. Formale Analyse und sprachliche Besonderheiten der Balladen

Die Ballade „Die Bürgschaft“ besteht aus 20 Strophen mit je 7 Zeilen und ist dadurch etwas länger als die Ballade „Die Goldgräber“, welche aus nur 14 Strophen à 4 Zeilen aufgebaut ist. Formal gesehen bestehen die Strophen der Ballade „Die Bürgschaft“ aus je einem Paarreim, sowie einem umarmenden Reim, wodurch ein Reimschema der Form a-a-b-b-a-a-c-c entsteht. Im Gegensatz dazu bestehen die Strophen der Ballade „Die Goldgräber“ lediglich aus Paarreimen, wodurch ein vereinfachtes Reimschema der Form a-a-b-b vorliegt. Analog zum Reimschema zieht sich durch die Ballade „Die Bürgschaft“ auch der kontinuierliche Wechsel zwischen weiblichen und männlichen Kadenzen. Somit sind in den ersten, vierten und fünften Versen stets männliche Kadenzen, in den restlichen Versen stets weibliche vorhanden. Die Ballade „Die Goldgräber“ besteht lediglich aus männlichen Kadenzen. In beiden Balladen ist das lyrische Ich ein neutraler Er-Erzähler, welcher zu keiner Zeit in das Geschehen eingreift und somit auch keine persönlichen Wertungen oder Urteile in die Handlung einfließen lässt.

Schillers Ballade besteht am Anfang (Str.1-3) und am Ende (Str.20) aus Gesprächen zwischen Damon und dem König Dionys. Diese Strophen kann man als äußere Handlung der Ballade ansehen. Sie rahmen die innere Handlung ein, welche aus den Begebenheiten zwischen Damon und seinem Freund (Str.4-5;18-19) sowie den Hindernissen, welche Damon auf seiner Rückreise erlebt (Str.6-17), bestehen. Im Gegensatz dazu steht die Ballade „Die Goldgräber“, in welcher in den ersten vier Strophen die Geschichte der drei Goldgräber nacherzählt wird. Ab dem Zeitpunkt des Goldfundes entsteht ein Bruch. Die daran anschließende Handlung wird dialektisch dargestellt (Str.4-12). In den letzten beiden Strophen der Ballade wird der Dreifachmord aufgeklärt. Dabei wird die Dialogform aufgebrochen und der Erdolchte redet in einem Monolog (Str.13-14).

Beide Balladen beginnen dramatisch mit einer gerafften Darstellung der Vorkommnissen:(„Die Bürgschaft“, Str.1-3, 4-5; „Die Goldgräber" Str.1-5): In der Ballade „Die Bürgschaft“ fällt dem Leser die dialogische Sprechweise der Personen auf. In der dritten Strophe stimmt der König dem Handel zwar zu, jedoch geschieht dies mit einem Hintergedanken. Der König nimmt Damons Bitte nicht aus Gutmütigkeit, sondern „mit arger List“ (Str.3, V.1) an, woran man erkennt, dass er den Freundesverrat faktisch herausfordern will. Der König ist davon überzeugt, dass sich jeder selbst der Nächste ist und unterbreitet Damon das verführerische Angebot (Str.3, V.7, „ist dir die Strafe erlassen“). In den zwei darauf folgenden Strophen wird Damons Unterredung mit seinem Freund geschildert. Seine Aussage wird in direkter Rede dargestellt, in welcher die Gründe knapp zusammengefasst werden. Hierbei wird erstmals sein Zeitdruck deutlich, da die von ihm getätigte Aussage in einfachen kurzen Sätzen mit gleicher Satzkonstruktion dargestellt wird. Die Sätze bestehen jeweils aus einem Hauptsatz und einem Nebensatz, welcher mit der Konjunktion „bis“ (Str.4, V.5,7) verbunden wird. In der darauffolgenden Strophe wird das Band zwischen Damon und seinem Freund besiegelt. Dabei ist auffällig, dass Damons Freund sich selbst nicht zu Wort meldet. Als Ausdruck der Treue und Verbundenheit gegenüber Damon „umarmt“ er ihn „schweigend“ (Str.4, V.1,2) und liefert sich den Tyrannen aus. Daran anschließend wird in fünf Versen die Vermählung von Damons Schwester sowie sein „eilender“ (Str.4, V.6) Aufbruch zur Rückreise nach Syrakus geschildert. Insgesamt spürt man auch in dieser Strophe Zeitdruck, da die Handlung eilig vorangetrieben wird. Deutlich wird dies vor allem durch die Anapher des Wortes „und“ (Str.4, V.1,2,4) am Satzanfang der Verse.

Im Gegensatz dazu ist in den ersten fünf Strophen der Ballade „Die Goldgräber“ keine direkte Rede vorhanden. Kurz und knapp werden hier die letzten Jahre des Misserfolges angerissen, um daran anschließend den Goldfund zu schildern. Auch hier fällt auf, dass zahlreiche Anaphern verwendet werden. Diese werden zum einen eingesetzt um das plötzlich und unerwartete Finden des Schatzes nochmals zu verdeutlichen („da“ Str.3, V.2,3; „und“ Str.3, V.2,3). Die Goldgräber erspähen den Schatz und verrichten ihre Arbeit in Angesicht des Lohnes schneller und drängender. Zum anderen wird die Anapher „sie“ (Str.5, V.1,2,4) verwendet, um zu verdeutlichen, dass die angeblichen Freunde an dieser Stelle noch zusammenhalten. Auffällig ist, dass das Pronomen „sie“ nach dem Goldfund nicht mehr in Bezug auf die Freunde verwendet wird. Vielmehr werden die Freunde dann individuell betrachtet. Darüber hinaus muss angemerkt werden, dass der Goldfund schon von Anfang an negativ konnotiert wird. So blickt sie das Gold „mit Blicken der Schlange“ (Str.3, V.4) aus dem „Dunkeln“ (Str.3, V.3) heraus an. Das Bild der Schlange steht bekanntlich schon seit der Bibel für die Versuchung und den Teufel. Damit bekommt man schon zu Beginn eine Vorahnung auf ein mögliches Ende.

Im lyrisch geprägten Mittelteil der Ballade „Die Bürgschaft“, werden ab der sechsten Strophe die Herausforderungen geschildert, welche Damon bei seiner Rückreise begegnen. Diese werden mit Hyperbeln dargestellt („unendlicher Regen“Str.6, V,1; „der wilde Strom wird zum Meere“, Str.7, V.7; „raubende Rotte“, Str.10, V.3; „die Sonne versendet glühenden Brand“ Str.12, V.1). Darüber hinaus werden ebenfalls Anaphern verwendet, um das schnelle Geschehen darzustellen („und“; „da“). Diese werden im Laufe des Mittelteils zahlreicher, da auch Damon selbst hektischer wird. Zusätzlich werden mit Lautmalereien („donnernd“, sprengend“, „krachend“, Str.6, V.6/7) dem Leser die Geschehnisse vor Augen geführt. Auffällig ist auch, dass die Gedanken an den Freund Damon zum Weitermachen ermutigen (Str.8, V.7; Str.11, V.5; Str.12, V.7).

[...]


1 Die Balladen, welche Gegenstand dieser Hausarbeit sind, finden sich im Anhang dieser Arbeit (S.9 - S.11) wieder.

2 Vgl.: Koopmann, Helmut: Schiller-Handbuch. Alfred Kröner Verlag, Hamburg 1998, S.1.

3 Vgl.: Luserke-Jaqui, Matthias: Friedrich Schiller. Narr Francke Attempto Verlag, Tübingen 2005, S.211.

4 Vgl.: Beetz, Manfred: Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe in den Jahren 1794 bis 1808. Goldmann-Verlag,München 2005, S.619.

5 Vgl.: ebd., S.467. Vgl. Elit, Stefan: Lyrik. Formen-Analysetechniken-Gattungsgeschichte. Literaturwissenschaft elementar. Wilhelm

6 Fink Verlag, Paderborn 2008, S. 127.

7 Vgl. Struck, Gustav: Briefwechsel Emanuel Geibel und Karl Goedeke. Selbstverlag der Stadtbibliothek Lübeck,Lübeck 1939, S. IV (Einleitung).

8 Ecker, Egon: Erläuterungen zu Friedrich von Schiller. Ausgewählte Balladen mit Balladentexten. Bange C. GmbH Verlag, Hollfeld 1988, S.65.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Das Motiv der Freundschaft in den Balladen „Die Bürgschaft“ von Friedrich von Schiller und „Die Goldgräber“ von Emanuel Geibel
Untertitel
7. Klasse Deutsch, Gymnasium
Hochschule
Universität Konstanz
Note
2,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
13
Katalognummer
V311166
ISBN (eBook)
9783668101845
ISBN (Buch)
9783668101852
Dateigröße
615 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Klasse 7, Deutsch, Gymnasium
Arbeit zitieren
Tina Walz (Autor), 2013, Das Motiv der Freundschaft in den Balladen „Die Bürgschaft“ von Friedrich von Schiller und „Die Goldgräber“ von Emanuel Geibel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/311166

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