Max Webers "Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus". Kritische Analyse


Hausarbeit, 2015
16 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhalt

1 EINLEITUNG

2 LEBEN DES MAX WEBER

3 DIE PROTESTANTISCHE ETHIK UND DER GEIST DES KAPITALISMUS
3.1 DAS PROBLEM
3.1.1 Konfession und soziale Schichtung
3.1.2 Der „Geist“ des Kapitalismus
3.1.3 Luthers Berufsbegriff
3.2 DIE BERUFSETHIK DES ASKETISCHEN PROTESTANTISMUS
3.2.1 Die religiöse Grundlagen der innerweltlichen Askese
3.2.2 Askese und kapitalistischer Geist

4 KRITISCHE WÜRDIGUNG DES WERKS

5 RESÜMEE

LITERATURVERZEICHNIS

1 Einleitung

Bis heute gilt Max Weber (1864-1920) als einer der größten Sozialwissenschaftler der Moderne. Sowohl in der Theorie der Sozialwissenschaft als auch in der For- schung sind seine Ideen allgegenwärtig.1 Darüber hinaus gilt er als einer der wir- kungsvollsten Denker des 20. Jahrhunderts.2 In dieser Ausarbeitung geht es um eine seiner bedeutendsten Schriften „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“.3 Die Schrift kann zu seinen religionssoziologischen Arbeiten ge- zählt werden und wurde das erste Mal im Jahre 1904/1905 veröffentlicht. Dabei stand die Erforschung der Wurzeln des „modernen“ Kapitalismus im Fokus seiner Motivation. Als Max Weber sich 1919/1920 seine religionssoziologischen Arbei- ten zusammenstellte und überarbeitete konnte er sowohl geführte Diskussionen als auch Ergebnisse seiner späteren Forschung einbauen.4 Aus diesem Grund wurde sich für diese Ausarbeitung an seine Fassung von 1920 gehalten. Nun stellt sich die Frage, ob diese alten Texte heute überhaupt noch Gültigkeit haben oder schon längst überholt sind. Warum sollen Sie sich mit einem Text befassen, der vor 100 Jahren geschrieben wurde? Ein wichtiger Grund hierfür ist, dass Max Weber mit seinen religionssoziologischen Arbeiten eine These in die Welt gestellt hat („Protestantismus-Kapitalismus-These“, „Weber-These“), die bis heute heftig diskutiert und zitiert wird.5 Demnach besteht zwischen der protestantischen Ethik und dem Kapitalismus in Europa und in den USA ein enger Zusammenhang.

Das Ziel dieser Arbeit ist es die Gedanken Max Webers in seiner Schrift „die pro- testantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“ darzustellen. Anhand einer kritischen Würdigung wird zudem diskutiert, ob die These Max Webers haltbar ist.

2 Leben des Max Weber

Max Weber wuchs in das „Beziehungsgeflecht einer Großfamilie hinein, in der die puritanische Prägung eine große Rolle spielte: wohl eher in pflichtenethischem Sinne als im Sinn genuiner religiöser Prägung.“6 Max Weber wurde am 21. April 1864 als erstes von acht Kindern in Erfurt gebo- ren. Die Mutter, Helene Fallenstein-Weber (1844-1919), welche aus einer huge- nottischen Familie entstammte, war selbst eine gut gebildete Frau, die sich mit religiösen und sozialen Problemen beschäftigte. Der Vater, Dr. jur. Max Weber (1836-1897), war Jurist und stammte aus einer Industriellen- und Kaufmannsfami- lie von deutsch-englischen Textilfabrikanten.7 Er schlug zudem eine politische Laufbahn ein und war Reichstagsabgeordneter der Nationalliberalen Partei.8

„Der große Kreis bekannter Persönlichkeiten, die in Max Webers Elternhaus verkehrten - unter ihnen bedeutende Politiker und Wissenschaftler - und mit denen sein Vater politische und intellektuelle Diskussionen pflegte, schuf für den jungen Weber ein geistig anregendes Milieu.“9

10 Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1882 begann Max Weber sein Studium in Heidelberg (Rechtswissenschaft, Natio- nalökonomie, Geschichte und Philosophie) und wechselte 1884 nach Berlin, wo er über „Die Entwicklung des Solidarhaftprinzips und des Sondervermögens der offenen Handelsgesellschaft aus den Haushalts- und Gewerbegemeinschaften in den italienischen Städten“ promovierte. 1892 erfolgte die Habilitation über das Thema „Die römische Agrargeschichte in ihrer Bedeutung für das Staats- und Privatrecht“. 1893 heiratete Max Weber Marianne Schnitger, die sich für ihn zu einer wichtigen Partnerin in wissenschaftlichen Angelegenheiten entwickelte. 1894 erlangte Weber eine Professur für Nationalökonomie und Finanzwirtschaft an der Universität Freiburg, folgt dann aber 1896 einem Ruf auf den Heidelberger Lehrstuhl für Nationalökonomie und Finanzwirtschaft. 1898 fiel Weber in eine tiefe Krise. Er konnte vier Jahre kaum wissenschaftlich arbeiten, beschloss 1903 seine Professur krankheitsbedingt aufzugeben und führte eine Existenz als Privat- gelehrter in Heidelberg. In dieser Zeit verfasste er seine bedeutendsten Werke, wie die „protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“. Am 14. Juni 1920 starb Max Weber an den Folgen einer Lungenentzündung.11

3 Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus

Das vorliegende Kapitel stellt eine kommentierte inhaltliche Zusammenfassung von Webers Text dar. In der Gliederung wurde sich völlig an die Unterteilung von Weber gehalten.

3.1 Das Problem

3.1.1 Konfession und soziale Schichtung

Einleitend beschreibt Max Weber, dass um die Wende zum 20. Jahrhundert in einem konfessionell gemischten Land Europas der Kapitalbesitz zu einem größe- ren Teil in den Händen der Protestanten war. Somit waren die Protestanten im Durchschnitt „reicher“ als Katholiken. Von dieser Beobachtung aus greift er auf eine Studie aus der Geschichtswissenschaft zurück, die zu dem Ergebnis kam, dass sich im 16. Jahrhundert die Mehrzahl der reichen Städte dem Protestantismus zugewendet haben (Weber 66). Aus dieser Überlegung folgt seine erste Frage:

„Welchen Grund hatte diese besonders starke Prädisposition der ökonomisch entwickeltsten Gebiete für eine kirchliche Revolution?“12 Die Abstreifung des ökonomischen Traditionalismus ist für Weber kein hinreichender Grund, da die Reformation nicht die Beseitigung der kirchlichen Herrschaft über das alltägliche Leben anstrebte, sondern „eine im denkbar weitgehendsten Maße in alle Sphären des häuslichen und öffentlichen Lebens eindringende, unendlich lästige Reglementierung der ganzen Lebensführung“13 brachte.

Diese Gedanken brachten Weber zu einer weiteren Frage: „Wie kommt es nun, dass damals gerade diese ökonomisch entwickeltesten Länder, und, wir (Genf, Schottland, Niederlande, Neuengland, England) […] ein Heldentum entwickelten, wie gerade bürgerliche Klassen als solche es selten vorher und niemals nachher gekannt hatten?“14 Weber beantwortet diese Frage: „In diesen Fällen liegt zwei- fellos das Kausalverhältnis so, dass die anerzogene geistige Eigenart, und zwar hier die durch die religiöse Atmosphäre der Heimat und des Elternhauses beding- te Richtung der Erziehung, die Berufswahl und die weiteren beruflichen Schick- saale bestimmt hat.“15 Weber stellt zudem fest, dass die Protestanten eine spezifi- sche Neigung zum Rationalismus hätten. So muss nach Weber das verschiedene Verhalten der Konfessionen vor allem in der „dauerenden inneren Eigenart“16 und nicht nur in der äußeren historisch-politischen Lage der Konfession gesucht wer- den. Weber akzeptierte auch nicht die vorschnelle Lösung, dass der Katholizismus eine „Weltfremdheit“ und der Protestantismus eine materialistische „Weltfreude“ vertrete.17 „Soll also überhaupt eine innere Verwandtschaft bestimmter Ausprä- gungen des alt-protestantischen Geistes und moderner kapitalistischer Kultur gefunden werden, so müssen wir wohl oder übel versuchen, sie nicht in dessen (angeblicher) mehr oder weniger materialistischer oder doch anti-asketischer Weltfreude, sondern vielmehr in seinen rein religiösen Zügen zu suchen.“18

3.1.2 Der „Geist“ des Kapitalismus

Max Weber ist der Ansicht, dass nicht die gesellschaftliche Stellung, sondern ein gewisser „Geist“ der Antrieb für wirtschaftlich rationales Verhalten sei. In einer Schrift von Benjamin Franklin zur Anleitung junger Kaufleute19 findet er Tugen- den, die den wirtschaftlichen Erfolg begünstigen. Weber stellte fest, dass es bei Franklin nicht nur um eine „Lebenstechnik“, sondern um eine „ethische gefärbte Maxime der Lebensführung“ geht und so verstand er auch den Geist des Kapita- lismus.20 Bei Franklin betrachtete er die Tugenden als utilitaristisch: „die Ehrlich- keit ist nützlich, weil sie Kredit bringt, die Pünktlichkeit, der Fleiß, die Mäßigkeit ebenso und deshalb sind sie Tugenden”.21 Das Fazit dieser Ethik ist für Weber, dass des Menschen Zweck vorwiegend im Erwerb besteht und nicht der Erwerb Mittel zur Befriedigung der Menschen ist: “Der Mensch ist auf das Erwerben als Zweck seines Lebens, nicht mehr das Erwerben auf den Menschen als Mittel zum Zweck der Befriedigung seiner Bedürfnisse bezogen”.22 Dieser Sachverhalt sei ein „Leitmotiv“ des Kapitalismus.

3.1.3 Luthers Berufsbegriff

Für Weber stand fest, dass das Wort “Beruf” im Sinne von “Berufung” eine reli- giöse Vorstellung enthalte. Er stellte fest, dass die katholische Kirche diesen Aus- druck nicht kannte und dieser Gedanke vor allem bei den protestantischen Völ- kern vorhanden war.

[...]


1 Vgl. Barrelmeyer&Kruse (2012) 7

2 Vgl. Kaesler (2003) 7

3 Max Webers wissenschaftliche Werk ist sehr komplex und lässt sich in folgende Arbeitsbereiche unterglie- dern a) Rechtsgeschichtliche Studien zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Antike und des Mittelalter b) Empirische Untersuchungen c) Methodologische Arbeiten d) Religionssoziologische Arbeiten e) Soziologi- sche Arbeiten in systematisierender Absicht f) Beiträge zur politischen Publizistik (vgl. Barrelmeyer&Kruse 2012, 21)

4 Vgl. Kaesler (2003) 100

5 Vgl. Kaesler (2003) 9

6 Seubert, Harald (2006) 15

7 Vgl. Kaesler (2003) 12

8 Vgl. Barrelmeyer&Kruse (2012) 11

9 Kaesler (2003) 14

10 Anlehnung an Barrelmeyer&Kruse (2012) 12

11 Vgl. Barrelmeyer&Kruse (2012)

12 Weber (1920) 66

13 Weber (1920) 66

14 Weber (1920) 67

15 Weber (1920) 68

16 Weber (1920) 69

17 Vgl. Weber (1920) 69

18 Weber (1920)

19 Advice to a young trademan (1736)

20 Es ist zu beachten, dass Weber vom westeuropäischen-amerikanischen Kapitalismus redet.

21 Weber (1920) 77

22 Weber (1920) 78

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Max Webers "Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus". Kritische Analyse
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
1
Autor
Jahr
2015
Seiten
16
Katalognummer
V311229
ISBN (eBook)
9783668098756
ISBN (Buch)
9783668098763
Dateigröße
1016 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ethik, Calvinismus, Max Weber, Religionssoziologie, Protestantismus, Protestantische Ethik, Askese, Wirtschaftsethik, Sozialwissenschaft, Weber-These, Berufsethik, Gnadenwahl
Arbeit zitieren
Simon Leutz (Autor), 2015, Max Webers "Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus". Kritische Analyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/311229

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