Konstruierte Realität. Eine Bildbetrachtung/-analyse von Andreas Gurskys "Tote Hosen"


Essay, 2013

20 Seiten, Note: 1.7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Deckblatt.

Konstruierte Realität.
>>Exposé<<.
ecriture automatique - >>Eindrucksvoll<<
Beschreibung & Formanalyse
>>Distanz<<
>>Nähe<<
>>Inhalt formt sich<<.
>>Ikonologie/ Ikonografie<<.
>>Themen und Fragen<<..
Vergleich..
>>Ist das jetzt Kunst? Und wenn ja, warum? <<.
>>Kontrastprogramm<<.
>>Kurzbiografie<<.
soziokulturelle Analyse - >>Zeitgeist<<.
Fazit - >>Chronist unserer Zeit<<

QuellenverzeichnisS.

Buchquellen.

Internetquellen

Bildquellen

Konstruierte Realität

Kunstbetrachtung- und Analyse der Fotografie „Tote Hosen“ von Andreas Gursky

Im 21. geht es Jahrhundert nicht mehr nur darum, „die eine Wirklichkeit“ abzubilden oder diese zu dokumentieren, sondern auch darum, sie zu konstruieren, einen Eindruck festzuhalten, der das eigene Erleben von „Wirklichkeit“ spiegelt, und damit eine künstlerische Aussage zu treffen.

So arbeitet auch Andreas Gursky. Doch welche Wirkung erzielt er damit beim Betrachter? Und welche künstlerische Aussage will er dadurch treffen?

Exposé

Im Zuge der Seminare „Methoden der Kunstbetrachtung“ und „Übungen vor Originalen im Museum“ galt es, diverse Methoden der Kunstbetrachtung zu erlernen und diese anhand eines Kunstwerkes anzuwenden.

Im folgenden Essay wurde eine Reduktion auf einige Analysemethoden vorgenommen, die sich speziell für dieses Bild eignen; beginnend mit der écriture automatique*1, gefolgt von einer detaillierte Beschreibung sowie Formanalyse, an die sich eine ikonografische*2 und ikonologische*3 Betrachtung anfügen. Diese werden abschließend durch eine Erläuterung der wichtigsten biografischen Fakten sowie eine soziokulturelle Analyse*4 ergänzt und münden in einem Gesamtfazit.

Eindrucksvoll

Als Betrachter steht man im „Museum Ludwig“ vor dieser mächtigen Fotografie und fühlt sich fast gezwungen hinzusehen. Ein Bild dieser Größe ist nur schwer zu ignorieren. Unzählige Worte und Bilder schießen einem beim Betrachten durch den Kopf.

Im ersten Augenblick überkommen den Betrachter womöglich Gefühle von „Beklemmung“ und „Enge“, obwohl das Bild auf emotionaler Ebene eher wenig berührt. Versucht man die Fotografie rein rational zu erfassen, lässt sich das Bild zunächst auf die Begrifflichkeiten „Konzert“, „Tote Hosen“ und „Menschenmasse“ reduzieren. Beschäftigt man sich intensiver mit dem Werk, könnten einem Gedanken an „Schein und Sein“, „Einheit“, „Macht “ und sogar „Heil Hitler“ in den Sinn kommen. Die „ecriture automatique“ kann im Verlauf der Kunstbetrachtung trotz und vielleicht gerade wegen ihrer unvoreingenommenen und subjektiven Nuancen, wirklich aufschlussreich sein.

Es gilt nun, diese ersten Eindrücke zu überprüfen und eventuell nachzuvollziehen, wie und warum man dazu kam, um sich somit der Bildaussage zu nähern. Das kleine Schild links des Fotos kann zusätzlich etwas Ordnung in das Chaos von Gedanken und Eindrücken bringen, allerdings geben die darauf befindlichen Angaben nur ansatzweise Aufschluss: „Andreas Gursky | Leipzig 1955 - lebt/ lives in Düsseldorf | Tote Hosen | 2000 | C-print | ML/ F2001/ 50 | Geschenk/ Gift Kuratorium und Fördergesellschaft Wallraf-Richartz-Museum und Museum Ludwig e.V.“.

Diese Informationen sind zwar hilfreich um sich grob zu orientieren, jedoch bleiben noch zahllose Fragen.

Und genau diese Fragen sind es, die den Betrachter zu einer genaueren Auseinandersetzung mit einem Kunstwerk führen können. In Bätschmanns Methode*5 sind sie sogar Ausgangspunkt einer guten Kunstbetrachtung.

Zunächst sollen Fragen geklärt werden, die sich unmittelbar aus der Bildsprache heraus ergeben.

Gursky sagt selbst: „Es gibt offensichtlich eine gemeinsame, allen Menschen verständliche Sprache des Unbewussten, die man die Sprache der Bilder nennen könnte.“ (GURSKY 1992, Gespräch mit Bernhard Bürgi, Katalog der Kunsthalle Zürich).

Und diese Sprache beherrscht er mit Perfektion - man muss nur aufmerksam hinhören beziehungsweise -schauen.

Es geht in erster Linie um folgende Fragen: Was ist auf dem Bild zu sehen? Welche formalen Aspekte sind zu erkennen? Was lässt sich daraus für den Inhalt ableiten?

Wie viele von Gurskys Arbeiten hat auch diese Fotografie ein überdimensionales, panoramaähnliches Querformat von circa fünf Metern Länge, das er mit einer Weitwinkelkamera aus einer großen Distanz in Vogelperspektive geschossen und anschließend digital nachbearbeitet und konstruiert hat.

Das monumentale Format spielt mit dem Betrachterstandpunkt, denn die Wirkung aus Nähe und Distanz ist jeweils eine andere.

Distanz

Von Weitem wirkt das Foto wie ein Gemälde. Man erkennt eine in geometrische Formen geteilte, klare und flächige Komposition (siehe Abb. 1).

Es gibt eine fünfeckige

Hauptfläche[1]], die von

Weitem aus dunklen und bunten Flecken besteht.

Neben dieser immensen Abbildung 1: Kompositionsskizze

Fläche setzt sich das Bild aus drei weiteren, kleineren Flächen zusammen: Einem schwarzen Dreieck[[2]] links oben im Bild, einer gleichfarbigen halben Ellipse[[3]] mittig am rechten Bildrand und einem schmalen blauen Streifen[[4]] am oberen Bildrand der ebenfalls nur einen geringen Teil des Gesamtbildes einnimmt.

Die Hauptfläche wirkt trotz Farbvielfalt in ihrer Gesamtheit dunkel, was durch die schwarzen „Furchen“, die sich durch das Bild ziehen, intensiviert wird.

Die „Farbigkeit“ lässt sich insofern charaktersieren, dass die Flecken in gedecktem Weiß, hellem Pastellorange, leuchtendem Gelb, giftgrün, dunkelrot, jeansfarben und ultramarinblau erscheinen und in hoher Intensität sowie einer gewissen Regelmäßigkeit auftreten.

Somit trifft auch hier die allgemeine Beschreibung von Gurskys Farbwahl als „mattverhaltene, oft kaum greifbare, dennoch intensive Farbigkeit“ (RUDOLF SCHMITZ 1994, Andreas Gursky - Fotografien, SCHIRMER/ MOSEL Verlag) zu. Diese spezielle Farbverwendung erzielt beim Betrachter kühle Atmosphäre und eine überwiegend distanzierte Wirkung.

Insbesondere aus der Ferne betrachtet, wird die Räumlichkeit des Bildes gut sichtbar. Durch die nach hinter immer kleiner werdenden Menschen entsteht bereits eine gewisse Tiefenwirkung.

Zudem scheint es durch die

Aufnahmeperspektive eine Art

Fluchtpunkt in der Bildmitte[[5]] zu geben, wodurch der Betrachter in das Bild hinein gezogen wird.

Die „schwarzen Furchen“ sind ebenfalls Abbildung 2: Blickführung

auf diesen Bildmittelpunkt gerichtet und verstärken den Eindruck einer Raumperspektive. Allerdings wird der Blick des Betrachters nicht dort gehalten, sondern folgt der Blickrichtung und Armbewegung der Menschen („Flecken“), die eine Diagonale von rechts unten nach links oben ergeben, in Richtung Bühne[[6]]. So wandern sie Augen zwischen den zwei Bildzentren hin und her.

Nähe

Steht man näher vor dem Bild, kann man die geometrischen Formen des Dreiecks und der Ellipse als Bühne und Mischpult identifizieren. Die zwei kleinen Punkte auf der Bühne stellen sich beim genaueren Betrachten als Mitglieder der erfolgreichen deutschen Rockband „Die Toten Hosen“ heraus.

[...]


1 experimentelle Methode der Kunstbetrachtung, spontane Assoziationen und Gefühle

2 kunstgeschichtliche Methode der Kunstbetrachtung, die nach den Symbolen im Bild fragt

3 kunstgeschichtliche Methode der Kunstbetrachtung, die die formanalytischen und ikonografischen Erkenntnisse deutet

4 Methode, die den Künstler und das Kunstwerk einordnet und im Kontext der politischen, historischen, kulturellen und ökonomischen Zeitumstände erforscht

5 Methode der Kunstbetrachtung, die sich anhand von aufkommenden Fragen in Analyse, kreative Abduktion und Validierung aufgliedern lässt

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Konstruierte Realität. Eine Bildbetrachtung/-analyse von Andreas Gurskys "Tote Hosen"
Hochschule
Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter  (Bildungswissenschaft)
Veranstaltung
Kunst-Pädagogik-Therapie
Note
1.7
Autor
Jahr
2013
Seiten
20
Katalognummer
V311253
ISBN (eBook)
9783668100138
ISBN (Buch)
9783668100145
Dateigröße
806 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
konstruierte, realität, eine, bildbetrachtung/-analyse, andreas, gurskys, tote, hosen
Arbeit zitieren
Bachelor Käthe Schaeffer (Autor), 2013, Konstruierte Realität. Eine Bildbetrachtung/-analyse von Andreas Gurskys "Tote Hosen", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/311253

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