Hofgeschichten. Eine künstliche Insel im Fuschlsee und andere Überraschungen


Fachbuch, 2015
110 Seiten

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Das Schloss Fuschl und seine Umgebung

2.1 Archäologie, das einzigartige Denkmal „Packwerkbau“

2.2 Geschichte bis zur Säkularisation Salzburgs

2.3 Geschichte nach der Säkularisation

2.4 Das Schloss als begehrtes Motiv für Maler und Photographen

3 Grundherrschaften

3.1 Allgemeines

3.2 Kirchliche und weltliche Grundherrschaften in Hof bei Salzburg

4 Der Maler Josef Gerstmeyer in Hof

5 Die Pfarrkirche zum „Hl. Sebastian“ in Hof

6 Joseph Mohr in Hof und das „Kinder-Stille-Nacht“

7 Die Spitzenklöppelei in Hof

8 Die Altersversorgung einst und jetzt

9 Die Wasserkraftnutzung in Hof

9.1 Der hydraulische Widder

9.2 Die Baderbachmühle

9.3 Die Waldachmühle Gössl an der Fuschlerache und die „Maria- Theresien-Konzession“.

9.4 Die Konstruktion der Bauernmühle (Gmachlmühle).

9.5 Das Kleinwasserkraftwerk Enzinger an der Fuschlerache

9.6 Der Wasserradantrieb für das Sägewerk Schöndorfer an der Fuschlerache

10 Die „Russenstraße“

11 „Lodagei“ – eine unbekannte Gegend?

12 Anstelle eines Schlusswortes: Die Schmunzelecke

13 Quellen und Literatur

1. Einleitung

Hof bei Salzburg (seit 1951, vorher „Hof“) liegt ca. 15 km östlich der Stadt Salzburg. Es ist ein Dorf mit etwa 3.400 Einwohnern. Die Fläche des Gemeindegebietes beträgt rund 20 km2, seine Grenzen zu den Nachbargemeinden Faistenau, Ebenau, Koppl, Plainfeld, Thalgau und Fuschl umfassen eine Länge von 32 km. Die Höhenlage des Gemeindegebietes reicht von 560 -1237 m. Der Dorfplatz liegt auf 738 m. Infolge der schönen, gesunden Höhenlage in der Salzburger Seen-und Berglandschaft am Fuschlsee ist Hof ein beliebter Urlaubsort für Gäste aus aller Welt. Nicht nur durch Zimmer und Ferienwohnungen in schmucken Privathäusern, Bauernhöfen und Gasthöfen, sondern auch durch das international bekannte, erstklassige Schlosshotel Fuschl mit dem zugehörigen Jagdhof ist Hof bei Salzburg ein attraktiver Urlaubs-und Veranstaltungsort geworden.

Auch prominente Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Kunst, Kultur, Sport und Politik haben hier schon Einkehr gehalten wie z.B: Der ägyptische Präsident Anwar as- Sadat, Königin Silvia von Schweden, der deutsche Bundekanzler Helmut Kohl, der US-amerikanische Präsident Richard Nixon, König Bhumibol von Thailand, Baron Rothschild, Fürst Rainier III. von Monaco. Charles L. Ford, Herbert von Karajan, Oskar Kokoschka, Clark Gable, Roger Moore, Curd Jürgens, Arnold Schwarzenegger und viele andere.

Ein paar Streiflichter auf die Geschichte unserer Gegend:

Der Name Hof geht auf einen Gutshof zurück, der sich im 13. Jahrhundert hier befand. Hof ist jedoch wesentlich älter. Der heutige Ortsteil Elsenwang wird bereits in einer Urkunde aus dem Jahre 790 n. Chr. erwähnt. Es handelt sich um die Notitia Arnonis, ein Güterverzeichnis, in welchem der Kaiser des Frankenreiches, Karl der Große, dem Salzburger Bischof Arn jene Schenkungen bestätigt, die die Salzburger Kirche (vertreten durch den Hl. Rupertus) von den bayerischen Herzögen erhalten hat.

Die Gegend rund um den Fuschlsee war bereits um 3.000 v.Chr. besiedelt. Nach den Kelten, Römern und Ostgoten wurde unser Gebiet im 6. und 7. Jahrhundert von den Bayuwaren besiedelt, die zusammen mit nicht nach Italien abgewanderten Romanen die Bevölkerung unserer Gegend bildeten.

Bis zum Ende des 13. Jahrhunderts hatten die Menschen in unserer Region nur einen einzigen Namen („Einnamigkeit“). Die angesiedelten Menschengruppen bzw. Sippen hatten führende Personen, deren Name zum Leitnamen wurde. So wurden auch die Namen mancher Seen von diesen männlichen, frühgermanischen Rufnamen abgeleitet. Der Mondsee nicht vom Mond, sondern von Mano, der Irrsee von Ursus (der Bär), der Wallersee von Walari, der Attersee von Atari.1 Diese germanischen Rufnamen reichen zurück bis zum Beginn der Karolingerzeit, z. B. auch Oto, Wano, Wigo, Bato, Hunno, Eggi, Appo. Ab dem 8. Jhdt. bis zum 13. Jahrhundert kommen die Heiligennamen in der Rufnamengebung auf.

Um 1300 endet langsam die Einnamigkeit in unserer Gegend. Mit der Zunahme der Zahl der Menschen musste zur Unterscheidung ein zweiter Name eingeführt werden, der mit seiner Vererbung zum Familiennamen wurde, während der Rufname meist zum Vornamen wurde.

Um 1300 begannen auch die Waldrodungen in den Höhenlagen unserer Region; z.B. auf dem Thalgauegg und dem Kolomannsberg sowie auch die Besiedlung dieser Höhenrücken. In dieser Zeit entstanden Rodungsnamen als Hausnamen und auch als Familiennamen, z.B. Schwandtbauer oder Gschwandtnerbauer abgeleitet von „schwenden“ = Brandrodung, oder Roither, abgeleitet von roithen, von der Rodung mit der Axt.

Nach der Schlacht bei Mühldorf 1322 löste sich Salzburg von Bayern und wurde ein reichsunmittelbares, geistliches Fürstentum unter der Herrschaft der Salzburger Fürsterzbischöfe. Diese Herrschaft währte bis 1803, dann kam Salzburg nach fünf Besitzwechseln und auf zwei Drittel seiner früheren Größe reduziert 1816 an Österreich.

Die vorliegende Abhandlung bezieht sich auf eine Auswahl spezieller Themen und soll den Blick auf bisher Verborgenes oder Vergessenes lenken, wie z.B. auf Josef Mohr und das „Kinder-Stille-Nacht-Lied“, das Einliegerwesen, die Nutzung der Kraft der strömenden Gewässer zur Stromerzeugung durch ehemalige Mühlen und aktive Kleinkraftwerke, sowie durch einen „Hydraulischen Widder“. Auch die Grundherrschaften in Hof sind ein spannendes Thema; übertroffen nur durch die für Österreich einzigartige archäologische Rarität am Fuschlsee aus dem 6. Jhdt. n.Chr., nämlich dem „Packwerkbau“ im Gemeindegebiet von Hof, auf einem Grundstück des Schlosses Fuschl.

2. Das Schloss Fuschl und seine Umgebung als Erinnerungsorte von Archäologie, Geschichte, Malerei und Fotografie.

2.1 Archäologie: Der Packwerkbau, ein einzigartiges archäologisches Denkmal im und am Fuschlsee.

[Dies ist eine Leseprobe. Grafiken und Tabellen sind nicht enthalten.]

Bild 1: Jurist und Prähistoriker Dr. Mathäus Much (1832-1909).

Quelle: Museum Mondseeland. (Foto: Martin Gschwandtner, 16. Juni 2015).

Die systematische Erforschung und Erfassung der Pfahlbauten in den Salzkammergutseen, sowie in den angrenzenden Seengebieten Oberösterreichs und Salzburgs erfolgte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Sie geht auf die Initiative von Dr. Matthäus Much (1832-1909) zurück. Dieser war Jurist, Leiter der Instrumentenbau-Werkstätte für Zithern (und vielleicht auch Geigen) seines Schwiegervaters Anton Kindl und Autodidakt als erfolgreicher Prähistoriker. Aufgrund seiner umfangreichen Grabungsarbeiten wurde er zum Mitglied der k.k. Zentralkommission zur Erforschung und Erhaltung der Kunst- und historischen Denkmale bestellt. U.a. beschäftigte er sich auch mit Bergbau- und Pfahlbauforschung. Er beschrieb erstmals die rund 350 m westlich des Turmes des Schlosses Fuschl gelegene, künstlich errichtete Insel von etwa 50 m Durchmesser, die auf Grund ihrer Konstruktion als „Packwerkbau“ (auch Moorsiedlung bzw. unechter Pfahlbau) bezeichnet wird. Sie ist durch einen schmalen Wasserlauf vom Land getrennt und heute mit Bäumen bewachsen. Das Bodendenkmal befindet sich auf den Parzellen 270/1 (Seegebiet, KG Fuschl am See, Eigentum der Republik Österreich, Bundesforste), sowie auf den Parzellen 963 und 1035 KG Hof, Gemeinde Hof bei Salzburg) und befindet sich zur Gänze unter Denkmalschutz, sowie im Bereich des Naturschutzgebietes Fuschlsee.

Im zweiten Bericht über die Pfahlbauforschungen in den oberösterreichischen Seen, enthalten in den „Mittheilungen der anthropologischen Gesellschaft in Wien, Nr. 10, Band IV“ aus dem Jahre 1874, S. 294 f. und im Separatabdruck S. 5-7 berichtet Much:

„An der Südseite des Sees („des Mondsees“ d. Verf.) von Scharfling bis über Blomberg hinaus bietet sich an den steil abfallenden Felsufern ebenso wenig ein Platz für Pfahlbauten als ein an der Westseite der Linnorter Halbinsel. Dagegen ist in der Nähe des Einflusses der Oberwanger - Ache ein Pfahlbau mit einiger Wahrscheinlichkeit zu erwarten. Da jedoch die Untersuchung dieser Oertlichkeit wegen der bedeutenden Überschüttung mit Gerölle und Sand längere Zeit in Anspruch nehmen dürfte, so verschob ich dieselbe vorläufig, um mich an den Fuschler See zu begeben.

Die Ufer dieses Sees steigen an den meisten Stellen nur allmählich an, nur selten zeigt sich eine kleinere felsige Partie, und wenn es auch nur an der Südseite zwei größere seichte Buchten gibt, so ist der See an sich von geringerem Umfange, so dass Wind und Wellen nie zu solcher Gewalt anwachsen können, wie auf großen Wasserflächen. Man sollte demnach umso mehr Pfahlbauten in diesem See erwarten, als sich die Ufer auch unter dem See sanft hinabsenken. Dabei ist das Wasser klar und heute noch reich an trefflichen Fischen.

Allein selbst der emsigsten, von herrlichem Frühlingswetter begünstigten Arbeit gelang es nicht, auch nur Spuren eines Pfahlbaues zu entdecken, wohl aber zu constatiren [sic!], dass Pfahlbauten in diesem See fehlen, und die Ursache festzustellen, warum sie fehlen.

Der Grund des ganzen Sees ist nämlich mit weißem, mehlartigen Kalksinter erfüllt, der sich allerdings vom Wasser scharf abzugrenzen scheint, in seiner obersten Schicht aber schwebend erhält, in tieferem Lager ziemlich dicht und konsistent wird, so dass man zusammenhängende Stücke herausfassen kann; getrocknet gleicht er in Schwere, Konsistenz, Anfühlen und Farbe ganz der Bergkreide. Diese weiche Masse des Kalkmehls erfüllt den Seegrund derart und in so dicker Schicht, dass hineingebrachte Pfähle von selbst oder doch gewiss sobald die Last des Baues auf ihnen ruht, gänzlich versinken müssen. An vielen Stellen konnte ich mit bloßer Hand eine stumpfe Stange zwei Meter tief hinabsenken, ohne auf festen Grund zu kommen.

Nur am östlichen Ende des Sees, wo sich sein Hauptzufluss in ihn ergießt, trifft man auf festen Boden. Dieser Zufluss bringt reichlichen Schutt mit sich, den er, da die herrschende Richtung von Wind und Wellen gegen die Einmündung gerichtet ist, unmittelbar an derselben absetzt. Wenn aber hier je ein Pfahlbau bestanden hat, so ist er längst und wahrscheinlich für immer verschüttet und es ist heute Land, wo sich einst etwa die Fische zwischen Pfählen tummelten.

Konnte meine Untersuchung des Fuschler Sees in Bezug auf Pfahlbauten nur ein negatives Resultat constatiren [sic!], so gelang es mir dafür, eines der Bauwerke aufzufinden, die gerade dort errichtet worden sind, wo die Umstände die Ausführung von Pfahlbauten nicht ermöglichten, nämlich einen Packwerkbau.

Es lässt sich bei der großen Anziehungskraft, welche die Natur der Alpenseen, ganz abgesehen von ihren landschaftlich malerischen Reizen schon in jener fernen Zeit ausübte, leicht ermessen, dass auch der an Fischen und Wild reiche Fuschler See wie alle anderen bewohnt, und dass man, da sich in demselben Wohnungen auf Pfählen nicht herstellen ließen, bedacht gewesen sein dürfte, sie in anderer Weise zu bauen, und zwar so wie die Natur des Ortes es verlangte.

An der Westseite des Hügels nun, wo das ehemals erzbischöfliche Jagdschloss steht, ist eine kleine Bucht von einer Insel erfüllt, die ganz deutlich als ein Werk von Menschenhand sich erweist. Sie ist fast kreisrund, hat etwa 50 Schritte im Durchmesser, und ist durch einen schmalen Canal, der heute durch Moos und Sumpfgewächse beinahe ausgefüllt ist, vom Lande geschieden. Eine dichte Lage von Torfmoos und Heidekraut, über welches sich schütteres Gebüsch zumeist aus der Krummholzkiefer und Sumpfbirke bestehend erhebt, bedeckt die Oberfläche der Insel, die nur wenig über das Wasser emportaucht und bei starkem Anschwellen des Sees von demselben überfluthet wird.

Untersucht man den Boden genauer, so sieht man, dass er aus Aesten von Nadelholzbäumen besteht, welche mit dem feinen Gezweige nach einwärts gekehrt aufeinander liegen. Die stumpfen nach auswärts stehenden Enden der Aeste sind durch ringsum eingeschlagene schwache Pfähle verbunden und befestiget, und außer diesen sind an der Seeseite in einigem Abstande von der Insel die runden Köpfe von starken Pfählen auf dem Seegrunde sichtbar, zwischen denen allerlei Holztrümmer liegen. Von der Insel gegen das Schloss zu befindet sich eine Doppelreihe von gut erhaltenen Pfählen, deren Zusammengehörigkeit mit dem Packwerkbau ich nicht zu beurteilen vermochte.

Obwohl bei der geringen Erhebung der Insel das bei dem ersten Schurfversuche alsbald aufsteigende braune Torfwasser der weiteren Untersuchung ein Ende machte, so ist doch so viel zweifellos, dass die Insel keine Anschwemmung von Holzmassen durch Wasser ist, sondern ein Menschenwerk, ganz in derselben Weise hergestellt, wie uns die Packwerkbauten in den Mooren der schweizerischen Seen geschildert werden. Welcher Zeit dasselbe angehöre, ist mir nicht gelungen, festzustellen, da hiezu die Ausbaggerung des die Insel umgebenden Seegrundes nothwendig gewesen wäre, wozu jedoch Zeit und geeignete Werkzeuge fehlten. Allerdings ist der Grad der Fäulnis des Holzes kein so fortgeschrittener, wie jener in den Pfahlbauten der benachbarten Seen, was jedoch vielleicht durch die Torfbildung erklärt werden kann.

Erwägt man, dass kein rechter Zweck denkbar ist, um dessentwillen dieser Packwerkbau in neuerer Zeit errichtet worden sein sollte, dass derlei Bauten eben nur in Sümpfen und in kleineren Seen, wie der Fuschler See es ist, vorkommen, da sie dem Wellenschlage in den größeren Seen nicht zu widerstehen vermocht hätten, so glaube ich, wenn ich gleich dem Fuschler Packwerkbau ein vorgeschichtliches Alter nicht mit voller Sicherheit zu vindiciren vermag, dass es doch des Erwähnens und der weiteren Untersuchung werth ist.

Nachdem ich hier meine Absicht erfüllt zu haben glaubte, begab ich mich an den St. Wolfgang-See, welcher, wie aus den Berichten des Grafen Wurmbrand hervorgeht, noch manche Stelle bietet, deren Untersuchung Erfolg verspricht […]“.

Rund 100 Jahre später hat das Bundesdenkmalamt in dankenswerter Weise die seinerzeitige Anregung von Matthäus Much zu einer weiteren Untersuchung aufgegriffen und im Jahre 1972 durchgeführt. Dazu: A. der Bericht in den vom Bundesdenkmal herausgegebenen „Fundberichten aus Österreich“, Band 19, Wien 1980, und B. jener im Bescheid des Bundesdenkmalamtes GZ.: 10/2/1998 vom 12. März 1998:

A. Die Untersuchungen im Fuschlsee

„Die Absuche des Uferbereiches des Fuschlsees im Rahmen der Bestandsaufnahme historischer Objekte in den Salzkammergutseen wurde in der Zeit von April bis August 1972 durch den Tauchklub Hannibal unter Leitung von W. Veigl durchgeführt. Abgesucht wurde insgesamt eine Strecke von etwa 11 km bis in eine Tiefe von 8 m. Besonderes Augenmerk galt der Auffindung und Lokalisierung des von M. Much beschriebenen „Packwerkbaues“ im Norden des Schlosses Fuschl (Anm. 29).2 Die Absuche wurde in der Bucht von Hof im Bereich des Seeabflusses begonnen. Das Gelände im Bereich des Abflusses ist sumpfig, den Seeboden bildet feiner bis grober Schotter. An der Nordwestseite der Bucht herrscht schlammiger Boden vor, in den vereinzelt größere Steine eingelagert sind. Der Ufersaum wird von einem Schilfgürtel begleitet. In der Nähe des Abflusses wurden einige halbkreisförmige, wallartige Holzverhaue festgestellt. Diese Verhaue bestehen aus kurzen zugespitzten Ästen und Zweigen, die kreuz und quer in den Seegrund gesteckt sind und etwa 0,30 bis 0,40 m aus dem Boden ragen. Von der Fuschler Ache (Ausfluß) bis etwa 0,25 km vor das ehemals erzbischöfliche Schloß Fuschl bedeckte den Boden Schlamm ohne nennenswerte Vegetation. Von hier bis vor das Schloß Fuschl wurden zahlreiche Pfähle, vereinzelt oder in Gruppen bis zu zehn Stück, aufgefunden. Die Pfähle weisen unterschiedliche Stärke (0,06 bis 0,20 m) auf und ragen 0,04 bis 1,00 m aus dem Seeboden. Sie stehen großteils nicht senkrecht, ihre Neigung beträgt 30 bis 90 Grad. Im gesamten Suchgebiet vor dem Schloß Fuschl wurden, in einer Entfernung von 5 bis 8 Meter vom Ufer und senkrecht zu diesem liegend, fast gänzlich vom Schlamm bedeckte Holzstämme festgestellt. Die Stämme haben einen Durchmesser von 0,25 bis 0,40 m und liegen in einem Abstand von 4 bis 5 m zueinander. Etwa 25 m vom Ufer entfernt wurde eine zur Gänze von Schlamm bedeckte Pfahlreihe freigelegt, die annähernd parallel zum Ufer verläuft. Die Pfähle liegen 0,06 bis 0,20 m unter dem Schlamm, ihr Durchmesser beträgt etwa 0,10 m. Das Holz ist schwammig ausgelaugt, das obere, flaschenförmige zugespitzte Ende der Pfähle ragt nur wenige Zentimeter aus der den Untergrund bildenden Seekreide heraus. Die Dicke der Schlammschicht beträgt 0,20 bis 0,25 m. Westlich dieser Pfahlreihe wurde der von M. Much genannte „Packwerkbau“ lokalisiert.

Schloß Fuschl liegt auf einem in den See vorspringenden, steil abfallenden Hügel. Nach Westen, in Richtung Abfluß, läuft der Steilhang in ebene, versumpfte Wiesen aus, die zwei flache Halbinseln bilden. Die fast unmittelbar an den Steilhang anschließende östliche Halbinsel ist von hohen Bäumen und dichtem Buschwerk bedeckt. Ihr nasser, saurer und stark mit Wurzeln durchzogener Boden liegt etwa 0,75 m über dem Seespiegel. Die nach Westen anschließende Halbinsel ist von der östlichen durch einen seichten Graben getrennt. Sie wurde für den Ausbau eines Golfplatzes für das Schloss Fuschl teilweise angeschüttet. Ihr Niveau liegt etwa 1,00 m über dem Seespiegel.

M. Much beschreibt den „Packwerkbau“ als Insel, die durch einen schmalen Kanal vom Land getrennt wird. Erst als die Absuche im Wasser nach Resten dieser Insel negativ verlaufen war, wurden die beiden Halbinseln näher untersucht. Die östliche Halbinsel wurde daraufhin als der Much`sche “Packwerksbau“ identifiziert. (in Anm.16: Hinweis auf Kartenausschnitt).

Die ursprünglich kreisrunde Anlage mit einem Durchmesser von 60 m ist heute vollständig verlandet. Ihr annäherndes Ausmaß ist nur durch eine landseitige, verschilfte und moorige Verlandungszone gerade noch erkennbar. Die intentionelle Entstehung der Halbinsel durch Übereinander- schichten von Astwerk konnte nur im Uferbereich der Halbinsel beobachtet werden. Sie liegt auf Parz. 963 der KG Hof, Gem. Hof bei Salzburg, BH Salzburg-Umgebung (Bl. 64, O 115 mm, S 132 mm).

Da keine Funde getätigt wurden, wurde eine Holzprobe für eine C-14- Bestimmung entnommen. Die Untersuchung ergab ein Alter von 1430 ± 90 Jahren (VRI-590 Fuschlsee 1/76).

Vor dieser Halbinsel befand sich eine Bootshütte, die vor rund 15 Jahren abgetragen wurde. Diese Pfähle dieser Hütte stecken noch im Seeboden und wurden eingemessen. Ähnlich wie vor dem Abfluß des Fuschlsees wurden auch vor der Halbinsel Wälle aus Astwerk und Wurzelwerk beobachtet. Die Anlagen fanden angeblich bei der Fischzucht Verwendung. Im gesamten Uferbereich vor dem Schloß Fuschl, in 1,50 bis 4,00 m Tiefe wurden Deponien spätmittelalterlicher und frühneuzeitlicher Keramik festgestellt.

In der Bucht von Fuschl (Anm.: an der Ostseite des Sees) ist der Boden meist schlammig, teilweise mit Pflanzen bewachsen. Etwa 40 m vom Ufer entfernt wurden vereinzelte Pfähle, aber auch Pfahlansammlungen festgestellt. Die Pfähle ragen etwa 0,15 m aus dem Boden, in einer Tiefe von 2,5 bis 3,5 m. Der Durchmesser der Pfähle beträgt 0,10 bis 0,15 m, die Konsistenz des Holzes ist hart, die Oberfläche jedoch stark ausgelaugt. Sie sind überwiegend schräg eingeschlagen. Am Seegrund liegen vereinzelt Holzbalken ohne erkennbare Beziehung zueinander. Nur vor dem `Campingplatz Zuckerstätter` liegen in 3 m Tiefe rechteckig angeordnete Holzbalken. Die Diagonale des Rechteckes beträgt 3,5 m“.

B Aus dem Gutachten des Amtssachverständigen im Bescheid von 12. März 1998:

„Die systematische Erfassung der Pfahlbauten in den Salzkammergutseen geht auf den für die Altertumskunde begeisterten Wiener Saitenfabrikanten3 Mathäus Much (1832-1909) zurück, der auch erstmals an der Westseite des Schlosses Fuschl gelegenen Packwerksbau beschrieb. Es handelt sich dabei um eine künstlich errichtete Insel von 50 m Durchmesser, die durch einen schmalen Kanal von Land getrennt und heute von Bäumen bestanden ist. Der Boden der Insel besteht aus Ästen von Nadelholzbäumen, die, mit den feinen Zweigen nach einwärts gerichtet, aufeinander liegen. Die nach auswärts gekehrten Enden der Äste sind durch ringsum eingeschlagene Pfähle verbunden und gefestigt.

Der Packwerkbau wurde im Zuge der systematischen Erfassung des Unterwasserkulturerbes durch die Abteilung für Bodendenkmale des Bundesdenkmalamtes im Jahre 1972 wiederentdeckt und vermessen. Eine anlässlich der Tauchuntersuchungen entnommene Holzprobe wurde mittels der Radiokohlenstoffmethode untersucht, wobei sich eine Datierung in die Zeit um 546 +/-90 n.Chr. ergab. Seine ursprüngliche Zweckbestimmung ist ohne archäologische Untersuchungen nicht klärbar, wird aber wohl in einem Bedürfnis nach Schutz zu suchen sein.

Sowohl der Packwerkbau selbst- sowohl in Österreich, wie auch im benachbarten Bayern fehlen vergleichbare Wasserbauten- als auch seine Zeitstellung sind einzigartig.

Seine Errichtung im 5/6. Jahrhundert n. Chr. fällt darüber hinaus in eine durch archäologische Quellen nur sehr spärlich belegte Periode nach dem Ende der Römerzeit und vor der geschlossenen bajuwarischen Aufsiedelung des Salzkammergutes im Frühmittelalter (Anm. d. Verf.: jenes Gebietes, das heute Salzkammergut genannt wird). Aufgrund der zeitlichen Stellung ist die Annahme gerechtfertigt, dass der Packwerkbau im Fuschlsee von einer - nach dem in den schriftlichen Quellen überlieferten Abzug der Romanen im Jahre 488 n.Chr.4 - im Land verbliebenen romanischen Bevölkerungsgruppe errichtet worden ist. Spuren solcher Restromanen sind im Salzkammergut bisher vorwiegend durch Ortsnamen (besonders jene mit dem Zusatz Walchen), aber kaum durch archäologische Hinterlassenschaften belegt. Eine Bestätigung dieser Annahme ergibt die Ortsnamenforschung, die ein Weiterleben des aus dem Romanischen kommenden Ortsnamens Fuschl5 bis in die Gegenwart belegt.

Der Packwerkbau im Fuschlsee gehört zu den bedeutendsten Denkmalen des angehenden Frühmittelalters im alpinen Raum. Seine unversehrte Erhaltung liegt wegen seiner geschichtlichen und kulturellen Bedeutung in öffentlichem Interesse.

Die von der Feststellung des öffentlichen Interesses an der unversehrten Erhaltung betroffene schmale Zone (im See, Anm. d. Verf.) am Südrand von Parz. 270/1 ist auf beiliegendem Vermessungsplan rot gekennzeichnet“.6

Exkurs: Radiokarbonmethode

Die Radiokarbonmethode (C-14-Methode): Es ist sehr wichtig für die Wissenschaft mit radioaktiven Stoffen Altersbestimmungen an archäologischen Funden oder Mineralien durchführen zu können. Häufig eingesetzt (abhängig vom zu untersuchenden Zeitraum) ist die Verwendung des radioaktiven Kohlenstoffs mit der Massenzahl 14 (14C), dessen Ordnungszahl 6 ist (auch Kernladungszahl genannt). Dieses Radioisotop wird in der Atmosphäre durch die kosmische Strahlung aus dem Stickstoff der Luft gebildet. Zwischen Neubildung und Zerfall stellt sich ein Gleichgewicht ein, sodass der 14C-Gehalt in der Atmosphäre über lange Zeit konstant bleibt. Dieser Anteil an radioaktivem Kohlenstoff ordnet sich nach Oxydation in den CO2-Kreislauf der Erde ein. In der lebenden Pflanze hat der Kohlenstoff den gleichen Anteil an radioaktivem Kohlenstoff wie der Kohlenstoff in der Atmosphäre (Hauptanteil = 12C). Stirbt die Pflanze, so sinkt in ihr der Anteil an radioaktivem Kohlenstoff nach dem Zerfallsgesetz ständig ab. Nach 5.730 Jahren (der so genannten Halbwertszeit) ist die Hälfte der ursprünglich vorhandenen Menge infolge Betastrahlung zerfallen (β-Strahlung besteht aus Elektronen-ein Elektron im Kern entsteht, wenn ein Neutron in ein Proton und ein Elektron zerfällt); der nicht radioaktive Kohlenstoff bleibt erhalten. Somit ändert sich das Verhältnis von 14C zu 12C und ist damit ein Maß für die Zeit, die seit dem Tod eines Lebewesens-beispielsweise seit dem Fällen eines Baumes-vergangen ist. Mit der C-14-Methode kann das Alter von Materialien bestimmt werden, die etwa 1.000- 50.000 Jahre alt sind. Entwickelt wurde die Radiokarbondatierung durch den US- amerikanischen Chemiker und Physiker Willard Frank Libby (1908-1980) um 1946, der für diese Forschungsleistung 1960 mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet wurde.

[Dies ist eine Leseprobe. Grafiken und Tabellen sind nicht enthalten.]

Bild 2: Fuschlsee mit Schloss Fuschl. Das Schloss liegt auf dem Gebiet der Gemeinde Hof bei Salzburg. Der See gehört der Republik Österreich und wird durch die Österreichischen Bundesforste verwaltet. Der auf Festland befindliche Teil des Packwerkbaues ist auf einem Grundstück, das zum Schloss Fuschl gehört.

[Dies ist eine Leseprobe. Grafiken und Tabellen sind nicht enthalten.]

Bild 3:Packwerkbau westlich des Schlosses Fuschl.

Seitenlänge des Kartenausschnittes: 1060 m. Quelle: SAGIS mit Eintragungen d. Verf.

[Dies ist eine Leseprobe. Grafiken und Tabellen sind nicht enthalten.]

Bild 4: Packwerkbau mit dem rot gekennzeichneten zu schützenden Seebereich, der ebenso unter Denkmalschutz steht wie der im angrenzenden Landbereich befindliche Packwerksbau. (nach Dr. Peter Höglinger, Landeskonservatorat Salzburg, gibt es dazu zwei getrennte Bescheide). Quelle der Skizze: Bundesdenkmalamt Wien. Aufnahme des Packwerkbaues: W. Veigl, Zeichnung: J. Offenberger. Seitenlänge d. Kartenausschnittes: 140 m, 1 cm entspricht 10 m.

[Dies ist eine Leseprobe. Grafiken und Tabellen sind nicht enthalten.]

Bild 5: Packwerksbau am Ende des schneebedeckten Golfplatzes (roter Pfeil), Blick Richtung Osten.

(Foto: Martin Gschwandtner, 4. April 2015).

[Dies ist eine Leseprobe. Grafiken und Tabellen sind nicht enthalten.]

Bild 6:Blick vom Badesteg zum Packwerkbau, welcher der Jahreszeit entsprechend schon dichter verwachsen ist (Foto: Franz Fuchs, Juni 2015).

[Dies ist eine Leseprobe. Grafiken und Tabellen sind nicht enthalten.]

Bild 7: Das Schloss Fuschl mit dem Fuschlsee von der Aussichtsterrasse aus gesehen.

Unterhalb der im Bild links unten befindlichen Bäume liegt der „Packwerkbau“

(Foto: Martin Gschwandtner, 4. November 2015).

2.2 Geschichte bis zur Säkularisation Salzburgs 1803

Das Schloss Fuschl, an der Westseite des Fuschlsees im Gebiet der Gemeinde Hof bei Salzburg gelegen, an der auch die Entwässerung des Sees über die Fuschlerache7 erfolgt, wurde als Jagdschloss der Salzburger Erzbischöfe nach den bisherigen Erkenntnissen in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts errichtet. Die dendrochronologischen Untersuchungen (Vergleich einer Bohrprobe aus einem Holzbalken mit dem Jahresringkalender) an der Universität für Bodenkultur in Wien, ergaben bei den Trambalken, an denen eine so genannte "Waldkante" – also der letzte Jahresring vorhanden war, ein jüngstes Fälldatum des Baumes von 1461. Die Bauzeit des Schlosses, bzw. das Jahr, in dem der Tram in das Bauwerk eingefügt wurde, ist damit noch nicht geklärt. Berücksichtigt man die damals notwendige Holztrocknungszeit bei Weichholz von zwei bis zu zehn Jahren (heute dauert das in den Trockenkammern nur kurze Zeit)8, dann kommt man schon auf einen Verarbeitungsbeginn von 1466 bis 1471. Sollte jedoch der Balken aus Altholz aus einem abgetragenen anderen Haus stammen (Bauernhaus, Stall, Scheune), vielleicht jahrelang gelagert, dann vergrößert sich die zeitliche Unsicherheit noch mehr. Der Bau des Schlosses wird wohl in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts irgendwann innerhalb der Zeitspanne der Regierungszeit der Fürsterzbischöfe und deutschen Reichsfürsten Sigismund I. von Volkersdorf (1452- 1461), Burkhard II. von Weißpriach, Kardinal (1461-1466), Bernhard von Rohr (1466-1487) oder Johann III. Beckenschlager (1487-1489) stattgefunden haben. Eine genaue Datierung wird erst nach Auffindung entsprechender Urkunden, Rechnungen, Unterlagen über Robotleistungen etc. möglich sein. Soweit bekannt, waren die diesbezüglichen Nachforschungen nicht von Erfolg gekrönt. Auch eigene Recherchen in verschiedenen Archiven ergaben keine Klarheit. Das Schloss hatte bis zum Ende des 16. Jahrhunderts keine feste Ausstattung für das Bewohnen. Für die Jagden musste alles mitgebracht werden, was zur Unterbringung und für die Küche notwendig war.

1545: Erste schriftliche Erwähnung einer fürsterzbischöflichen Jagd unter Erzbischof Ernst Herzog von Bayern, Administrator (1540-1554)9.

1578: Prunkjagd unter Erzbischof Johann Jacob von Kuen-Belasy (1560-1586). 1593: Jagdaufenthalt von Erzbischof Wolf Dietrich von Raitenau (1587-1612). 1624: 16.- 29. Juni, große Jagd unter Erzbischof Paris Graf von Lodron (1619- 1653).

1669: Aufschreibungen, dass Erzbischof Max Gandolf, Graf von Kuenburg, Kardinal, (1668-1687) mit seinem Hofstaat das Schloss nur gelegentlich aufsucht. Das Schloss wird zwischenzeitlich von einem erzbischöflichen Jäger beaufsichtigt, bzw. genutzt.

1704 wurde im Schlossturm für den erzbischöflichen Jäger eine Wohnung eingerichtet. Die nun folgenden fast 100 Jahre bis zum Ende des reichsunmittel- baren, selbständigen Staates Salzburg verbrachte das Schloss in abgeschiedener Bedeutungslosigkeit. Da die folgende Geschichte des bis 1864 staatseigenen Schlosses weiter mit der Geschichte des Landes Salzburg verbunden bleibt, dessen mehrfachen Besitzwechsel mitmachte und damit zwangsläufig an die jeweils regierende Herrschaft fiel, soll nachfolgend in einem kurzen Exkurs auf die politische Entwicklung des Landes Salzburg eingegangen werden:

Exkurs: Salzburg als Spielball der europäischen Politik

Der 1803 in Regensburg verabschiedete Reichsdeputationshauptschluss entschädigte die deutschen Reichsfürsten für die durch Napoleon erzwungenen Gebietsabtretungen an Frankreich mit den durch die Auflösung der geistlichen Fürstentümer zur Verfügung stehenden Ländereien. Mit der Säkularisation des geistlichen, deutschen Reichsfürstentums Salzburg im Jahre 1803 kam das Land als „Kurfürstentum Salzburg“ (es umfasste Salzburg und Teile der Hochstifte von Passau und Eichstätt) an Ferdinand III. von Toskana (Bruder Kaiser Franz II.), der damit für den Verlust der Toskana10 entschädigt wurde. An diese von 1803 bis 1805 dauernde Herrschaft erinnert in Salzburg u.a. die „Churfürststraße“ [sic!] zwischen dem Gebäude der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Salzburg und dem Cafe Tomaselli. Nach der folgenden, vier Monate dauernden Besetzung durch französische Truppen kam Salzburg erstmals an das Kaiserreich Österreich. Das ausgeplünderte Land hatte nun seine Jahrhunderte lange Selbständigkeit eingebüßt. Nach der Kriegserklärung Österreichs an Napoleon, mit dem Bayern verbündet war, wurde Salzburg 1809 von französischen und bayerischen Truppen besetzt. Die Pongauer und Pinzgauer Schützen, unterstützt von Tiroler Freiheitskämpfern, leisteten energischen Widerstand. Anschließend stand Salzburg 17 Monate lang unter französischer Verwaltung bis es 1810 zusammen mit Berchtesgaden, sowie mit dem Innviertel und einem Teil des Hausruckviertels wieder an Bayern angeschlossen wurde, von dem sich Salzburg seinerzeit nach der Schlacht bei Mühldorf 1322 gelöst hatte. Die vorhin genannten Gebiete einschließlich Kitzbühel wurden nun in den bereits 1808 gegründeten „Bayerischen Salzachkreis“ eingegliedert. Statt Burghausen, wo das Appellationsgericht verblieb, wurde nun Salzburg Hauptstadt dieses Kreises, wo als Generalgouverneur der bayerische Kronprinz Ludwig (der spätere König Ludwig I., 1786-1868) im Schloss Mirabell residierte. Dort wurde am 1. Juni 1815 sein zweiter Sohn Otto (1815-1867), der spätere, erste König von Griechenland (Kg. von 1832-1862) geboren. Die erste Maßnahme der von Napoleons Gnaden abhängigen bayerischen Regentschaft war 1810 die Auflösung der im Jahre 1622 von Fürsterzbischof Paris Graf Lodron (1586-1653) gegründeten Benediktiner- Universität11 Salzburg, die hinsichtlich der Zahl der Studenten zeitweise hinter Wien und Leipzig an dritter Stelle aller deutschen Hochschulen stand. Offensichtlich sollte damit eine Konkurrenz zu der ursprünglich in Ingolstadt und ab 1800 bis 1826 in Landshut befindlichen Ludwig-Maximilians-Universität ausgeschaltet werden. 1816 verzichtete Bayern im Tausch gegen die Pfalz auf Salzburg; behielt aber infolge der den Salzburgern unverständlichen Nachgiebigkeit des österreichischen Außenministers Clemens Wenzel Fürst von Metternich-Winneburg (1773-1859, geb. in Koblenz, seit 1809 Außenminister), Berchtesgaden und den Rupertiwinkel.12 Bereits 1802 hatte Salzburg die Exklave Mühldorf an Bayern und 1809 die Herrschaften Windisch Matrei (heute Matrei in Osttirol) und Lengberg13 an Tirol verloren; nun musste auch das Brixental mit dem Markt Hopfgarten und das Zillertal bis Hintertux an Tirol abgegeben werden. Salzburg, auf rund zwei Drittel der ursprünglichen Größe des Erzstiftes geschrumpft, kam damit nach fünf Besitzwechseln zum zweiten Male (angeblich endgültig) an das Kaiserreich Österreich. Es wurde zum fünften Kreis innerhalb der „Provinz Österreich ob der Enns und Salzburg“ und wurde der Landesregierung in Linz unterstellt. Erst 1850 erhielt das Herzogtum Salzburg den Status eines Kronlandes mit einer eigenen Landesregierung.

2.3 Das Schloss nach der Säkularisation

Nach der Säkularisation des Erzstiftes diente das Schloss Fuschl den Förstern als Wohnsitz und verlor durch Vernachlässigung des Gebäudes und der Gärten viel an seiner ursprünglichen Attraktivität. Ein Verkauf scheiterte. Von 1833 bis 1839 wurde es an den pensionierten Postmeister von Hof, Franz Anton Scherer verpachtet. Von 1845 bis 1851 nahm es der k.k. Straßenbaukommissär N. Machauer in Pacht.

Das bisher dem Staat gehörige Schloss kam erstmals durch Verkauf im Jahre 1864 an den Schiffmeister Michael Fink aus Braunau am Inn in Privatbesitz;

1873 erhielt es Finks Tochter Amalia, die mit dem königlich bayerischen Oberauditor Michael Ritter von Erl (1822-1895) verheiratet war. 1894 erbte deren Sohn Alfred von Erl das Schloss, wo er jeweils die Sommermonate bis 1910 verbrachte. Erl hatte das Schloss mit wertvollen Möbeln und Gemälden ausgestattet.

1910 erwarben der Fischmeister Fritz Steinbacher aus München und seine Frau Babette die Liegenschaft.

1918 kauften die Brüder Eduard Mayer (Postwirt in Hof) und Martin Mayer (Baderluckwirt in Hof) das Schloss und richteten dort eine Ferienwohnung ein, die Dr. Franz Rehrl, der spätere Landeshauptmann von Salzburg (LH von 1922 bis 1938) mietete. Den übrigen Teil des Schlosses mietete die aus einer mährischen Industriellenfamilie stammende Pauline Gobiet.141925 wurde Eduard Mayer alleiniger Schlossbesitzer.

1929 verkaufte er es an Gustav Nikolaus von Remiz (1888-1939).

Dessen Frau Hedwig (1900-1962) stammte aus der Stahlindustriellen-Familie Thyssen. Durch große Umbaumaßnahmen erhielt das Schloss wieder den ursprünglichen feudalen Charakter. Die Investitionen betrugen rund eine Million Reichsmark (heute etwa fünf Millionen Euro). Remiz erwies sich als großer Gönner der Gemeinde Hof. Er war Mitglied der „Vaterländischen Front“, die im Mai 1933 als Reaktion auf die Terrorwelle der Nationalsozialisten gegründet wurde. Damit wurde er diesen schon zum Feindbild. 1938 wurde Remiz verhaftet und sein Besitz enteignet (Schloss samt Nebengebäuden, Hütterergut, Fischerhaus). Gustav von Remiz, geb. am 6. August 1888 in Pardubitz (Königreich Böhmen, österreichische Reichshälfte - Cisleithanien-, heute Pardubice, Tschechien), starb am 29. August 1939 im KZ Dachau. Im Jahre 1939 wurde über den Umweg der „Stiftung Haus Fuschl“ das Schloss an den deutschen Reichsaußenminister Joachim von Ribbentrop (1893-1946)15 übertragen. Vorsitzender der Stiftung war Ribbentrop selber; als Geschäftsführer wurde Martin Franz Luther (1895-1945) eingesetzt, der als Unterstaatssekretär im Reichsaußenministerium tätig war. Hedwig von Remiz war in die Schweiz geflohen.

1945 wurde das Schloss von den US-Besatzungstruppen beansprucht und bis 1947 als Erholungsheim für Offiziere betrieben. 1947 erfolgte die erstmalige Rückgabe; Tochter Dagmar Berg machte nach 1947 aus dem Schloss ein Hotel, wobei die Finanzierung über den Marshallplan erfolgte. Berg ging 1947 nach Argentinien, wo ihr Onkel August von Neuforge eine große Farm betrieb.

1954 Pacht der Liegenschaft durch Harriet Gräfin Walderdorff. Sie sprach von einem Verlustgeschäft. 1955 endgültige Restitution an Hedwig Remiz († 1962 in Salzburg).

1959 verkaufte die Eigentümer-Familie Remiz das Schloss an Karl Adolf Vogel (1906-1993) Honorarkonsul von Argentinien, Betreiber der bayerischen Salinen und deswegen „Salzbaron“ genannt. Er war verheiratet mit der Schauspielerin und Sängerin Winnie Markus (Winifreda Maria Eveline Markus *1921 in Prag, † 2002 in München).1960 Ankauf des Bauerngutes Vorauhof durch Karl Adolf Vogel von Johann Stöllinger und Umbau zum Gasthof Jagdhof, der 1970 eröffnet wurde. Zur Schaffung einer Schutzzone um das Schloss Fuschl war diese Liegenschaft des Voraugutes 1940 von Ribbentrop beschlagnahmt worden. Johann Stöllinger erhielt als Entschädigung das Überackergut16 in Anif. Nach dem Krieg wurden diese Aktionen wieder rückgängig gemacht. Auf den landwirtschaftlichen Gründen des ehemaligen Voraugutes entstand ab 1964 der vom Architekten Bernhard von Limburger geplante Hotel-Golfplatz (9-Loch)17. Sechs Jahre lang war das Schloss zusammen mit dem Hotel „Goldener Hirsch“ in Salzburg in einer Hand. 1976 Konkurs, 1977 Zwangsversteigerung. Die Liegenschaft ging um rund 60 Millionen Schilling an die Grundig-Stiftung. 1989 starb Max Grundig. Erbin war Chantal Grundig. 1997 Verkauf an die Rafael Group Monte Carlo; 2000 Verkauf an die Mandarin Oriental Group Hongkong. Ende 2001 erwarb Stefan Schörghuber aus der Bau– und Bierbrauerdynastie in München die Liegenschaft für die Arabella Sheraton Hotelgruppe. Umfangreiche Renovierungs- und Umbauinvestitionen machten aus dem Ensemble des Schlosses Fuschl ein international bekanntes Hotel ersten Ranges. Schörghuber starb 2010 im Alter von 47 Jahren.

[Dies ist eine Leseprobe. Grafiken und Tabellen sind nicht enthalten.]

Bild 8: Das Innere der Hubertuskapelle beim Schloss Fuschl mit dem Bildnis von Stefan Schörghuber (1963-2010). (Foto: Franz Fuchs, Thalgau, 18. Mai 2013).

2.4 Das Schloss Fuschl als begehrtes Motiv von Landschaftsmalern und Fotografen.

Salzburg, das seinen Namen vom Reichenhaller Salz und der Herzogsburg der Agilolfinger hat18, war nicht habsburgisch und hatte daher nie einen Anteil am echten, historischen „Salzkammergut“, welcher Name erstmalig 1656 in den Urkunden aufscheint. Die Landschaft rund um den Fuschlsee im südlichen Salzburger Flachgau, andere Seengebiete in Salzburg, wie der Hintersee, der Wolfgangsee und auch einige in Oberösterreich, wie der Zellersee, der Mondsee und der Attersee gehörten nicht zum „Kammergut der Habsburger“, zum habsburgisch-landesfürstlichen Privatbesitz. Der oberösterreichische Teil des Salzkammergutes, dessen Verwaltungszentrum für die Gewinnung des „weißen Goldes“ der Region das Salzoberamt in Gmunden war, erstreckte sich von Gmunden, über den Traunsee bis Ebensee, Bad Ischl, Bad Goisern, über den Hallstättersee und Hallstatt bis Obertraun und unterstand der Wiener bzw. niederösterreichischen Hofkammer. Für das Ausserland, dem steirischen Salzkammergut, gab es ab dem 16. Jahrhundert ein eigenes Organisationsstatut.

Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts unterstand es nicht dem Gmundner Salzoberamt, sondern der Grazer bzw. innerösterreichischen Hofkammer19. Dass sich im Laufe der Zeit immer mehr benachbarte Gegenden der werbeträchtigen Salzkammergut-Region zugehörig betrachteten, ist dem Bestreben der verständlicherweise um Wachstum bemühten Fremdenverkehrswirtschaft zuzuschreiben. Das Tourismus-Salzkammergut weitete sich über die Grenzen des historischen, echten Kammergutes aus und umfasst seit einiger Zeit daher auch einige Nachbarregionen in Oberösterreich, der Steiermark und auch in Salzburg. In einer Übersichtskarte aus dem Jahre 1981 von Alfred Hoffmann (1904-1983) und Franz Carl Lipp (1913-2002) wird die Region Salzkammergut in ein „östliches“ und ein „westliches“ Salzkammergut unterteilt.20 Das östliche umfasst die historischen, ursprünglichen Salzregionen und ihre Zubringergebiete für Holz und Nahrungsmittel, während das westliche aus jenen Gebieten besteht, die der Aufschwung der Tourismuswirtschaft im 19. Und 20. Jahrhundert zum Salzkammergut gebracht hat. Dieses westliche Salzkammergut, umfasst nach den Vorstellungen von Hoffmann und Lipp das Mondseeland, den Attergau, das Wolfgangseegebiet und die Fuschlseeregion. Die Westgrenze des westlichen Salzkammergutes verläuft nach deren Karte in unserer Umgebung vom Gamsfeld über den hohen Zinken und über das Gennerhorn zum Faistenauer Schafberg. Von dort über den Filbling und dann gerade noch in einer Schlinge das Ortszentrum von Hof umfassend östlich der Fuschlerache nach Thalgau/Oberdorf und von dort Richtung Osten bis zur Landesgrenze und dieser nach Norden folgend über den Kolomannsberg zum Irrsberg. Diese Grenze ist einerseits nicht willkürlich gezogen, sondern sicherlich mit der regionalen wirtschaftlichen Entwicklung des Tourismus begründet. Andererseits hat der Oberste Gerichtshof nach einem Rechtsstreit 2014 festgestellt, dass für das Salzkammergut „keine exakte geografische Gebietsabgrenzung“ bestehe.21 Die heutige Tourismusregion „Salzkammergut“ hat ein Flächenausmaß von rund 2.500 Quadratkilometer, also nahezu die Größe des Bundeslandes Vorarlberg. Das Wachstum vom ehemaligen Kernbereich der Grundherrschaft Wildenstein in Oberösterreich mit ca. 680 km2 (später zeitweise auch „Ischlland bzw. „österreichische Schweiz“ genannt) zusammen mit dem Ausseerland (damit insgesamt rund 800 km2) bis heute zeigt die Attraktivität der „Marke“ Salzkammergut für die Tourismuswirtschaft. Das Salzkammergut zieht wegen seiner landschaftlichen Schönheiten, seiner schmucken Dörfer und Städte, seiner Seen- und Berglandschaften, sowie seiner kulturellen Vielfalt, jährlich viele Tausende von Urlaubern in seinen Bann. Wegen der Einzigartigkeit dieses „Paradieses“ sagt Alfred Komarek in seinem Buch „Salzkammergut. Reise durch ein unbekanntes Land“- nicht ganz zu Unrecht:

„Österreich besteht aus neun Bundesländern und dem Salzkammergut“.

In der Bundesverfassung ist diese gleichermaßen lokalpatriotische, wie satirische Überhöhung natürlich nicht zu finden, doch diese Region, zwar durch Landesgrenzen getrennt, ist doch in Landschaft, Lebensart der Bewohner, Kultur und ähnlicher mundartlicher Sprache ein einheitliches Ganzes, eine gemeinsame Heimat. So ist auch der Fuschlsee mit seinem berühmten Schloss gewissermaßen zu einem Empfangsraum im Westen des erweiterten Salzkammergutes geworden, der sich den vielen Erholung suchenden Gästen freundlich und einladend öffnet.

Das Schloss mit dem Fuschlsee in Bildern

[Dies ist eine Leseprobe. Grafiken und Tabellen sind nicht enthalten.]

Bild 9: Louis Wallee (Vallée): Am Fuschlsee 1826. (Quelle und ©: Salzburg Museum). 22

Louis Wallee wurde1773 in Berleburg in der Grafschaft Wittgenstein23 geboren (heute Bad Berleburg im Bundesland Nordrhein-Westfalen) und war ab 1796 in Salzburg wohnhaft, wo er am 12. März 1838 starb. Louis Wallee hat zahlreiche Aquarelle geschaffen: Prospekte, Landschaften, Wasserfälle von Oberösterreich, Salzburg und Berchtesgaden. Er zählte mit Johann Michael Sattler, Anton Balzer, Ferdinand Olivier und Friedrich Schlotterbeck zu den in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wichtigsten Landschaftsmalern in Salzburg.

Exkurs: Grafschaft Wittgenstein

Das Geschlecht der Grafen von Wittgenstein ist nach der Burg „Widechinstein“ bei Bad Laasphe (heute Bundesland Nordrhein-Westfalen) benannt, welche erstmals 1174 in den Urkunden erscheint. Nach dem Erlöschen im Mannesstamm um 1358 fiel der größte Teil der Grafschaft an die Sponheimer (nach ihrer Stammburg Sponheim westlich von Bad Kreuznach benannt), die auch die Grafschaft Sayn innehatten (nach der Burg Sayn bei Bendorf). Nun nannten sie sich Grafen von Sayn und Wittgenstein. Schon im 11. Jahrhundert heirateten Sponheimer in Kärnten ein (Lavant und Ortenburg) und stellten zeitweise Kärntner Herzöge.24 Um 1607 teilte sich das Haus in die drei Hauptlinien, Sayn-Wittgenstein-Berleburg, Sayn-Wittgenstein-Sayn und Sayn-Wittgenstein-Hohenstein. 1792 wurden die Grafen zu Reichsfürsten ernannt. 1806 fielen die Fürstentümer an das Großherzogtum Hessen-Darmstadt, 1816 an die preußische Provinz Westfalen und ihr Gebiet 1946 an das Bundesland Nordrhein-Westfalen der Bundesrepublik Deutschland.

[Dies ist eine Leseprobe. Grafiken und Tabellen sind nicht enthalten.]

Bild 10: Ferdinand Georg Waldmüller: Der Fuschlsee mit dem Schafberg, 1835.

Quelle: Fürstlich Liechtensteinische Sammlungen Vaduz. Farbfoto (Ektachrom) durch die Gemeinde Hof angekauft. Rechts vorne im Bild das Bauernhaus Strumegg, nicht fertig ausgemalt.

Ferdinand Georg Waldmüller (* 15. Jänner 1797 in Wien, † 23. August 1865 in der Hinterbrühl bei Mödling) war viele Jahre Professor an der Akademie der bildenden Künste in Wien und gilt als einer der großen Maler der Biedermeierzeit. Die Mutter stammte aus Ried im Innkreis (Oberösterreich) der Vater aus dem Waldviertel (Niederösterreich). Waldmüller nahm sich ab Anfang August 1835 Urlaub und reiste nach Bad Ischl. Dort malte er das berühmte Bild des Dachsteins vom „Sophien-Doppelblick“ aus, sowie drei Bilder von St. Wolfgang. Er machte aber auch einen Abstecher nach Hof (erst ab 1951 Hof bei Salzburg) und malte dort vom „Spitzkramerbichl“25 aus das Bild „Der Fuschlsee mit dem Schafberg“.

Das Original, Öl auf Karton 54 x 28,5 cm, befindet sich heute in den Fürstlich Liechtensteinischen Sammlungen auf Schloss Vaduz. Die Gemeinde Hof bei Salzburg hat ein Farbfoto des Bildes erworben. Das Bild zeigt links neben dem See den kleinen, bewaldeten Feldberg, dahinter einen Teil des Schober- Südabhanges, dann den Plainberg, rechts davon den Schafberg und anschließend den Ellmaustein über dem Ort Fuschl am See. Rechts im Hintergrund sieht man das Katergebirge mit der Katrin über Bad Ischl. Zwischen Ellmaustein und Katrin ist im ferneren Hintergrund noch der Sandling zu erkennen. Dieser Berg ist vom Pötschenpass aus über die Ortschaft Lupitsch zu erreichen und liegt bereits in der Steiermark. Im Vordergrund ist das leider nicht fertig gemalte Bauernhaus Strumegg26zu erkennen. Der auf dem obigen Bild dargestellte wunderschöne Ausblick bietet sich, wenn man beim Baderluck-Kreisverkehr in die Seestraße einbiegt.

[Dies ist eine Leseprobe. Grafiken und Tabellen sind nicht enthalten.]

Bild 11: Ferdinand Georg Waldmüller im Alter von 31 Jahren. Quelle: Wikimedia Commons [23.06.2015].

[Dies ist eine Leseprobe. Grafiken und Tabellen sind nicht enthalten.]

Bild 12: Ludwig Richter Aquarell 1823. Der Fuschlsee. Im Hintergrund links der Schober-Südabhang, rechts dahinter der Plainberg, dann in der Mitte der Schafberg, rechts der Ellmaustein. (Quelle: © bpk/Kupferstichkabinett, SMB/Jörg P. Anders, Berlin).

[Dies ist eine Leseprobe. Grafiken und Tabellen sind nicht enthalten.]

Bild 13: Ludwig Richter um 1880.

Quelle: Wikipedia Commons [23.06.2015].

Adrian Ludwig Richter (* 28. September 1803 in Dresden; † 19. Juni 1884 ebenda) war ein bedeutender Maler und Zeichner der deutschen Romantik und des Biedermeier. Sein Vater Carl August Richter war Zeichner und Kupferstecher. Ludwig Richter begann seine Lehrzeit bei seinem Vater und studierte an der Kunstakademie in Dresden. Von 1820 bis 1821 begleitete er den russischen Fürsten Lawowitsch Narischkin auf einer Reise nach Südfrankreich und Paris. Er zeichnete dabei Bilder, die Narischkin als Geschenke der russischen Zarin, Louise von Baden, Gemahlin des Zaren Alexander I. widmete. Von 1821 bis 1823 arbeitete er wieder in Dresden, anschließend folgte ein mehrjähriger Aufenthalt in Italien. In Rom schloss er Freundschaften mit anderen deutschen Künstlern, wie Anton Koch, Carl Gottlieb Peschel und Julius Schnorr von Carolsfeld. In Italien fand er auch zu seinem persönlichen Stil der Landschaftsmalerei, die von der Mensch-Natur-Harmonie geprägt war.

1826 wurde Richter als Nachfolger seines Vaters Lehrer an der Kunstakademie in Dresden und zusätzlich von 1828 bis 1835 an der staatlichen Zeichenschule in Meißen. Ab 1836 durchwanderte er Franken, den Harz und das Riesengebirge. Es entstanden dabei zahlreiche Bilder und Holzschnitt-Illustrationen für Bücher, die ihn sehr bekannt machten. An der Kunstakademie Dresden wurde er zum Professor für Landschaftsmalerei ernannt. Richter illustrierte auch Märchen, darunter die berühmte Ausgabe der „Volksmärchen der Deutschen“ aus dem Jahre 1842 von Johann Karl August von Musäus, welches als eines der schönsten illustrierten Bücher des 19. Jahrhunderts gilt. Nach dem Gemälde „Brautzug im Frühling“ aus dem Jahre 1847, für das er 1855 auf der Weltausstellung in Paris eine Goldmedaille erhielt, entstand 1859 sein letztes Ölbild „Im Juni“. 1873 musste Richter wegen eines Augenleidens das Zeichnen und Malen aufgeben. Sein Werk umfasst insgesamt rund 3.000 Holzschnitte und über 150 illustrierte Bücher. 1876 schied er aus der Kunstakademie aus. Am 19. Juni 1884 wurde er im Rahmen eines großen Ehrenbegräbnisses auf dem Neuen Katholischen Friedhof in Dresden-Friedrichstadt bestattet.

[...]

Fußnoten


[1] Dopsch, Heinz: Vorlesung über Urkundenlehre (Diplomatik) im SS 1999. Tonbandmitschnitt im Besitz d. Verf.

[2] Zitat der Anmerkung 29 aus den Fundberichten: „M. Matthäus: Zweiter Bericht über Pfahlbauforschungen in den oberösterreichischen Seen, MAG 4,1874, 297 f.

K. (Kurt) Willvonseder: Die jungsteinzeitlichen und bronzezeitlichen Pfahlbauten des Attersees in Oberösterreich, MPK 11/12, 1963/68, 26.

L. Franz und J. Weninger, Die Funde aus den prähistorischen Pfahlbauten im Mondsee, Material zur Urgeschichte Österreichs 3, 1927, 12 J. (Johann) Offenberger, Anm. 6, 253“.

[3] Hier liegt ein Irrtum vor: Much hatte in Wien und Graz Jus studiert und die Leitung der Instrumentenbauer- Werkstätte für Zithern (und vielleicht auch Geigen) seines Schwiegervaters Anton Kindl übernommen. Als Prähistoriker war er Autodidakt.

[4] Im Jahre 488 befahl der germanische Heerführer Odoaker, der mit der Absetzung des letzten weströmischen Kaisers Romulus Augustus im Jahre 476 n.Chr. in Rom die Macht übernommen hatte, die Räumung der von laufenden Einfällen germanischer Völker bedrohten Provinz Ufernoricum und die Verlegung der Bevölkerung nach Italien. Im Bereich des heutigen Landes Salzburg blieben jedoch einige Gruppen von Romanen an ihren alten Wohnsitzen. Sie werden meist „Walchen“ genannt. Auch die Ortsnamen Seewalchen und Straßwalchen deuten auf Romanen. Vergl. Dopsch, Heinz: Kleine Geschichte Salzburgs. Stadt und Land. Salzburg, München, 2001, S. 146 -156. Vergl. Dopsch, Heinz: Das Zeugnis der Ortsnamen. In: EuRegio Salzburg-Berchtesgadener Land -Traunstein (Hrsg.): Heimat mit Geschichte und Zukunft.

Salzburg, Trostberg 2004, S. 23-25.

[5] Der Ortsname Fuschl stammt vom Namen des Sees ab. Der See scheint bereits in den Salzburger Güterverzeichnissen Notitia Arnonis und Breves Notitiae um 800 als „stagnum Lacusculus“ und „stagnum Labusculo“ auf; stagnum (lat.) = durch Überschwemmung entstandenes, langsam fließendes Gewässer, Teich, Pfuhl, lacusculus = kleiner See. Die romanische Form lautete lavusculos, wobei la offensichtlich durch Nichtbetonung verschwunden ist und der Name zu vusculus und später zu Fuschl wurde.

[6] Das gesamte Denkmal im See (Bereich der Bundesforste) und am Land (Gemeinde Hof bei Salzburg) steht unter Denkmalschutz).

[7] Früher auch „Grieslerache“ genannt. Vergl. Griesgasse in Salzburg, Gries in Hallein, Griesrechen in Hallein. Gries in Thalgau-Oberdorf und Grieslerbauer in Thalgau, Gries in St. Lorenz, Gries im Pinzgau u.v.a. Überschwemmungsgebiet eines Baches oder Flusses, wo sich Gries (altgerm. Sand, Schotter) ablagerte. Grieslerache = Bach, der oftmals Überschwemmungen verursachte bzw. viel Sand Schotter und Holz mit sich führte und bei Hochwasser auf die niedrig liegenden Felder verfrachtete. Ob es auch mit dem mundartlichen „Griss“ zusammenhängt, als das „Mitgerissene“- und um den oder das „iss a Griss“, ist fraglich.

[8] Zwei Tage bei Fichtenbrettern bis drei Monate bei Eichenholz. Restfeuchte 7-10%. Bei „im Zeichen“ (Mondphasen) geschlagenen Bäumen ergibt die Lufttrocknung bestenfalls 15-18%. Ausgangsfeuchte ca. 50%.

[9] Erzbischof Ernst Herzog von Bayern wollte die geforderte Priesterweihe nicht nachholen und musste deshalb 1554 Salzburg aufgeben. Er erhielt anschließend die Herrschaft der etwa 1.600 km2 großen Grafschaft Glatz, damals im Herzogtum Schlesien gelegen (heute Stadt Kłodzko in Polen).

[10] Nach dem Sieg der Franzosen über die Österreicher 1800 bei Marengo (Piemont, seit 1796 von Frankreich besetzt) und den Friedensverträgen von Campoformido 1797 (westlich von Udine) und Lunéville (Lothringen) 1801 ging die seit 1737 habsburgische Toskana verloren.

[11] Der letzte Rektor der „Alten Universität“ war der Benediktiner Dr. Corbinian Gärtner (1751-1824), geb. in Schwaz in Tirol, Jurist und Historiker. In Salzburg/Maxglan ist ihm die Gärtnerstraße gewidmet.

[12] Diese Bezeichnung für das westlich von Saalach und Salzach gelegene, ehemals zum Erzstift Salzburg gehörige Gebiet entstand erst am Ende des 19. Jahrhunderts.

[13] Das Schloss Lengberg liegt etwa 13 km östlich von Lienz in Osttirol. Sein ehemaliger salzburgischer Herrschaftsbereich liegt heute größtenteils in der Gemeinde Nikolsdorf, nahe der Grenze zu Kärnten.

[14] Pauline Gobiet war die Großmutter des ehemaligen Leiters des Landeskonservatorates Salzburg, (Außenstelle des Bundesdenkmalamtes Wien) Dr. Ronald Gobiet.

[15] Ribbentrop war auch Mitglied der SS (Schutzstaffel) im Rang eines SS-Gruppenführers (aquivalenter Wehrmachtsrang: Generalleutnant). Im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess wurde er zum Tode verurteilt und 1946 hingerichtet.

[16] Seit 1948 ist das Überackergut im Eigentum des Stiftes St. Peter in Salzburg.

[17] Auskunft von Müller, Wilhelm, Hof bei Salzburg, 12.06.2015: Erste Sekretärin des Golfclubs Hof war die 3. Frau des Forschungsreisenden Heinrich Harrer, Carina, geb. Haarhaus (1922-2014). Harrer selber (1912-2006) war u.a. Österreichischer Golfmeister 1934. Der erste Golflehrer in Hof war Richard Roittner (Eisenhandlung Salzburg).

[18] Salzburg statt Juvavum ist erstmals in der Lebensbeschreibung des hl. Bonifatius (um 770) erwähnt.

[19] Dirninger, Christian/Hellmuth, Thomas/ Thuswaldner, Anton: Salzkammergut schauen. Ein Blick ins Ungewisse. Wien, Köln, Weimar 2015, S. 35.- 38.

[20] Dirninger, Christian/Hellmuth, Thomas/ Thuswaldner, Anton: Salzkammergut schauen. Ein Blick ins Ungewisse. Wien, Köln, Weimar 2015, S. 23- 24.

[21] Ebd. S. 20.

[22] Das Bild ist auch enthalten im Buch: Sayn-Wittgenstein, Prinz Franz zu: Salzburger Land, 2. Aufl. München 1986, S. 144.

[23] Ludwig Stanislaus Heinrich Aloysius Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Sayn (* Kopenhagen 4. Mai 1915; † Sayn 9. Januar 1962), verheiratet mit Marianne Mayr-Melnhof, heute bekannter als Gesellschaftsfotografin und Fürstin Marianne Sayn-Wittgenstein-Sayn, die in Fuschl lebt.

[24] Gschwandtner, Martin: Vom Herzogtum Krain über den SHS-Staat und Tito-Jugoslawien zur selbständigen Republik. 2. aktualisierte Auflage München Norderstedt 2013, S. 3.

[25] Der Spitzkramerbichl ist nach dem ehemaligen Spitzkramerhäusl benannt, das 1957 dem Straßenbau weichen musste. Der Spitzkrämer versorgte die Spitzenklöppelei-Heimarbeiterinnen in Hof mit Aufträgen und Material und verkaufte die Arbeiten auf den Märkten. Der Rest des Bichls neben dem Baderluck-Kreisverkehr ist heute im Eigentum von Manfred Frimbichler. Ein Artikel d. Verf. über das Spitzkrämerhaus befindet sich im Salzburgwiki und in der Online- Plattform der Gemeinde Hof bei Salzburg.

[26] Der Bauernhof Strumegg war bis zur Grundentlastung 1848 im Eigentum der Grundherrschaft Stift St. Peter in Salzburg.

Ende der Leseprobe aus 110 Seiten

Details

Titel
Hofgeschichten. Eine künstliche Insel im Fuschlsee und andere Überraschungen
Autor
Jahr
2015
Seiten
110
Katalognummer
V311308
ISBN (eBook)
9783668102668
ISBN (Buch)
9783668102675
Dateigröße
32438 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Archäologische Rarität, Packwerksbau, Schloss Fuschl, Fuschlsee, Altersversorgung einst und jetzt, Bauernmühle, Die Russenstraße, das Kinder-Stille-Nacht, Grundherrschaften, Hof bei Salzburg, Hof, Regionalgeschichte
Arbeit zitieren
Dr. Martin Gschwandtner (Autor), 2015, Hofgeschichten. Eine künstliche Insel im Fuschlsee und andere Überraschungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/311308

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